Richard Strauss
Auch bekannt als: Richard Georg Strauss
Biografie
Richard Strauss (1864–1949) verbrachte von 1889 bis 1894 fünf entscheidende Jahre in Weimar, als Kapellmeister am großherzoglichen Hoftheater. Hier leitete der junge Komponist und Dirigent die Uraufführungen seiner Tondichtung „Don Juan“ 1889, von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ 1893 und seiner ersten Oper „Guntram“ 1894, dirigierte Wagner ungekürzt, setzte sich für Liszt und die Musik seiner Zeitgenossen ein und verhalf der Hofkapelle zu einem beachtlichen Aufschwung. Von Weimar aus verbreitete sich sein Ruf als Komponist — und hier verlobte er sich am Morgen der „Guntram“-Uraufführung mit der Sopranistin Pauline de Ahna, die am Abend die weibliche Hauptrolle sang.
Kapellmeister am Hoftheater, 1889
Am 9. September 1889 trat Strauss am Weimarer Hoftheater seine Stellung als zweiter großherzoglich-sächsischer Kapellmeister an, hinter dem Dänen Eduard Lassen.[1] Mit jugendlichem Elan, Idealismus und den höchsten technischen Ansprüchen seiner Kompositionen brachte er frischen Wind unter die in der Liszt-Nachfolge zerstrittenen Weimarer Dirigenten und verhalf der Hofkapelle zu einem beachtlichen qualitativen Aufschwung.[3]
Wagner ungekürzt, Liszt und die Moderne, 1889–1894
Den Gipfel seiner Weimarer Jahre bildeten drei Wagner-Opern ohne einen einzigen Strich: „Tannhäuser“, „Lohengrin“ und „Tristan und Isolde“. Daneben standen Liszt, Beethoven und Berlioz, Mozart, Weber, Lortzing und Marschner im Mittelpunkt seines Repertoires, und er setzte sich für Zeitgenossen ein — Hans Sommer, Alexander Ritter, Felix Mottl und vor allem Engelbert Humperdinck.[1]
Don Juan, Macbeth, Tod und Verklärung, 1889–1890
Am 11. November 1889 dirigierte Strauss in Weimar die Uraufführung des „Don Juan“; es folgten die Uraufführung der zweiten Fassung des „Macbeth“ am 3. Oktober 1890 in Weimar und die sehr erfolgreiche Uraufführung von „Tod und Verklärung“, in Weimar vollendet, am 21. Juni 1890 in Eisenach.[1] Alle drei Orchesterwerke erklangen zuerst durch die Weimarer Hofkapelle.[3] Danach verbreiteten sich seine Werke rasch, und die Angebote häuften sich: die Leitung der Frankfurter Museumskonzerte 1890, der New Yorker Sinfoniekonzerte 1891, eine Kapellmeisterstelle in Mannheim 1891.[1]
Der Musikverein und die neue Musik, 1890–1894
Liszt hatte in Weimar den Allgemeinen Deutschen Musikverein gegründet, und bei dessen Versammlungen trat die Hofkapelle mit vielen Aufführungen zeitgenössischer Werke besonders hervor.[3] 1890 wurde Strauss auf Vorschlag des Vorsitzenden, des Weimarer Generalintendanten Hans Bronsart von Schellendorf, in die Musikalische Sektion des Vereins berufen und setzte sich dort mit seinen Gutachten für die Moderne ein, besonders für das Werk Gustav Mahlers.[1]
Genesung im Süden, 1892–1893
Nach einer schweren Lungenentzündung 1891 und einer Rippenfellentzündung 1892 reiste Strauss acht Monate lang, vom 4. November 1892 bis zum 25. Juni 1893, über Italien nach Griechenland und Ägypten. Er kehrte vollständig genesen zurück, den größten Teil des „Guntram“ im Gepäck.[1]
Hänsel und Gretel, 23. Dezember 1893
Am 23. Dezember 1893 leitete Strauss in Weimar die Uraufführung von Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, eines der zeitgenössischen Werke, für die er sich am Hoftheater einsetzte.[1]
Guntram und Pauline de Ahna, 10. Mai 1894
Der 10. Mai 1894 war für Strauss ein doppelter Tag: Am Vormittag verlobte er sich mit Pauline de Ahna, am Abend dirigierte er in Weimar die Uraufführung seiner ersten Oper „Guntram“ — und Pauline sang die Freihild, sein Schüler Heinrich Zeller die anstrengende Titelpartie.[1] Die Vier Lieder op. 27, darunter „Cäcilie“ und „Heimliche Aufforderung“, entstanden 1894 in Weimar und Marquartstein als Hochzeitsgeschenk an seine Braut; am 10. September 1894 heirateten die beiden in der Burgkirche St. Veit in Marquartstein.[1]
Bayreuth, München und eine Weimarer Wiederkehr, 1894 und 1940
Im Juli und August 1894 dirigierte Strauss erstmals bei den Bayreuther Festspielen, fünf „Tannhäuser“-Aufführungen mit Pauline als Elisabeth, und wechselte als Kapellmeister nach München.[1] Weimar blieb dem „Guntram“ treu: Die 1934 entstandene Neubearbeitung wurde am 29. Oktober 1940 in Weimar uraufgeführt.[1] Das Hoftheater seiner Jahre wurde später vollständig abgerissen; der Neubau an seiner Stelle, eingeweiht am 11. Januar 1908, ist das heutige Deutsche Nationaltheater.[4]
Was Besucher fragen
- Wann war Richard Strauss in Weimar?
- Vom 9. September 1889 bis 1894, als zweiter Kapellmeister am großherzoglichen Hoftheater hinter Eduard Lassen. 1894 ging er nach Bayreuth und als Kapellmeister nach München.
- Welche Werke hat Strauss in Weimar uraufgeführt?
- Seine Tondichtung „Don Juan“ am 11. November 1889, die zweite Fassung des „Macbeth“ am 3. Oktober 1890, Humperdincks „Hänsel und Gretel“ am 23. Dezember 1893 und seine erste Oper „Guntram“ am 10. Mai 1894. „Tod und Verklärung“, in Weimar vollendet, erklang am 21. Juni 1890 in Eisenach zuerst durch die Weimarer Hofkapelle.
- Was dirigierte Strauss in Weimar?
- Wagners „Tannhäuser“, „Lohengrin“ und „Tristan und Isolde“ ohne Striche, Liszt, Beethoven, Berlioz, Mozart, Weber, Lortzing und Marschner sowie neue Musik von Humperdinck, Hans Sommer, Alexander Ritter und Felix Mottl.
- Wo haben sich Strauss und Pauline de Ahna verlobt?
- Verlobt haben sich die beiden in Weimar, am Vormittag des 10. Mai 1894, als sie abends in der Uraufführung des „Guntram“ die Freihild sang; geheiratet wurde am 10. September 1894 in Marquartstein.
- Steht das Theater, in dem Strauss dirigierte, noch?
- Das Hoftheater seiner Jahre wurde abgerissen; der Neubau an seiner Stelle, eingeweiht am 11. Januar 1908, ist das heutige Deutsche Nationaltheater, Heimat der Staatskapelle Weimar, die er dirigierte.
Quellen (4)
- Richard Strauss — Wikipedia, abgerufen am 12. September 2026
- Richard Strauss — Wikipedia, abgerufen am 12. September 2026
- Die Staatskapelle Weimar — Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar, abgerufen am 12. September 2026
- Geschichte — Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar, abgerufen am 12. September 2026
Werke & Leistungen
Don Juan
Tod und Verklärung
Macbeth
Guntram
Till Eulenspiegels lustige Streiche
Also sprach Zarathustra
Salome
Der Rosenkavalier
Verbundene Orte in Weimar
Theaterplatz 2, 99423 Weimar
Das Hoftheater an dieser Stelle, Vorgänger des Neubaus von 1908, war von 1889 bis 1894 sein Haus; hier leitete er 1893 die Uraufführung von „Hänsel und Gretel“ und 1894 die seines „Guntram“.
Historischer Kontext
Von 1889 bis 1894 zweiter Kapellmeister am großherzoglichen Hoftheater, wo er „Don Juan“, „Hänsel und Gretel“ und „Guntram“ uraufführte.
Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1864
1949
deutsch
Auf der Bühne
Auf der Bühne
Oper · Engelbert Humperdinck
Er dirigierte hier am 23. Dezember 1893 die Uraufführung, in seinen Weimarer Kapellmeisterjahren.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Eine der meistgespielten Opern des deutschen Repertoires erklang zum ersten Mal in Weimar — dirigiert von einem neunundzwanzigjährigen zweiten Kapellmeister.
Er dirigierte die Uraufführung im vierten Jahr als zweiter Kapellmeister des Hauses, ein Jahr vor der seines eigenen „Guntram“ auf derselben Bühne.