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Weimars Weg durch die Geschichte

Von den mittelalterlichen Anfängen bis in die Gegenwart: acht Epochen, die Weimar zu der Kulturstadt gemacht haben, die wir heute kennen. Jede Zeit brachte bemerkenswerte Persönlichkeiten und Umbrüche hervor, die bis heute nachwirken.

Das Bauhaus in Weimar (1919–1925)

1919–1925

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und war 1925 wieder fort — Zeit genug, um zu ändern, was eine Gestaltungsschule ist, und zu wenig für die Stadt, die es hervorgebracht hat, um es zu behalten.

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Bedeutende Persönlichkeiten

Adolf Meyer

Architekt • außerordentlicher Meister für Architektur am Bauhaus • Lehrer

An der Schule vom Gründungsjahr bis zum Ende des Weimarer Kapitels.

Alma Siedhoff-Buscher

Gestalterin • Tischlerin • Spielzeugentwerferin

Von 1922 bis 1927 an der Schule, in den Jahren, in denen die Werkstätten zeigen mussten, was sie können.

Franz Ehrlich

Gestalter • Typograph • Architekt • Häftling in Buchenwald

Von 1927 bis 1930 studierte er am Bauhaus Dessau — und Bauhaus-Typografie steht am Tor von Buchenwald.

Georg Muche

Maler • Bauhausmeister • Leiter der Weberei

Jüngster Meister der Weimarer Schule, von 1920 bis zum Weggang nach Dessau.

Gerhard Marcks

Bildhauer • Bauhausmeister • Leiter der Keramischen Werkstatt

Einer der ersten Meister von 1919 und bis 1924 Formmeister der Keramischen Werkstatt.

Gunta Stölzl

Weberin • Bauhausschülerin, dann Leiterin der Weberei

Eine der ersten Studierenden von 1919 — und ab 1926 leitete sie die Werkstatt, in der sie ihr Handwerk gelernt hatte.

Henry van de Velde

Architekt • Designer • Gründer der Weimarer Kunstgewerbeschule

Die Bauten, die Schule und die Empfehlung, die das Bauhaus 1919 erbte.

Herbert Bayer

Typograf • Grafiker • Fotograf • Architekt

Student der Weimarer Jahre, ab 1925 Jungmeister in Dessau.

Johannes Itten

Maler • Kunstpädagoge • Bauhausmeister

Einer der ersten Meister, ab Oktober 1919, und Urheber des Kurses, mit dem jede Ausbildung begann.

Joost Schmidt

Bildhauer • Typograf • Bauhausmeister

Student der gesamten Weimarer Zeit, von 1919 bis 1924/25 in der Bildhauerwerkstatt.

Josef Albers

Maler • Gestalter • Lehrer

Weimarer Student von 1920, ab 1923 im Kollegium — die Schule unterrichtet ihre eigenen Leute.

Karl Peter Röhl

Maler • Grafiker • Bauhausschüler

Schüler der ersten Jahre und Urheber des ersten Signets der Schule.

Karla Grosch

Tänzerin • Lehrerin für Sport und Gymnastik am Bauhaus

1904 in Weimar geboren; ab 1928 Lehrerin für Sport und Gymnastik an der Schule, die da schon in Dessau saß.

László Moholy-Nagy

Künstler • Fotograf • Bauhausmeister

Meister ab März 1923 — und derjenige, der die Lehre der Schule zur Maschine hin drehte.

Lothar Schreyer

Dramatiker • Maler • Leiter der Bauhausbühne

Meister und Leiter der Bühnenwerkstatt in den Weimarer Jahren, 1921–1923.

Ludwig Hirschfeld-Mack

Maler • Grafiker • Kunstpädagoge

Von Oktober 1919 bis März 1925 an der Schule — die volle Spanne der Weimarer Jahre.

Ludwig Mies van der Rohe

Architekt • Möbelgestalter • letzter Direktor des Bauhauses

1930 als letzter Direktor an die Schule berufen, fünf Jahre nach ihrem Weggang aus Weimar; seine Möbel liegen in der hiesigen Sammlung.

Lyonel Feininger

Maler • Grafiker • Bauhausmeister

Der erste berufene Meister, im Mai 1919; sein Holzschnitt steht auf dem Manifest, mit dem die Schule begann.

Marcel Breuer

Möbelgestalter • Architekt • Bauhausschüler, dann Meister

1920 als Schüler gekommen, 1928 als Leiter der Möbelwerkstatt gegangen.

Marianne Brandt

Gestalterin • Metallgestalterin • Fotografin

Ab 1923 an der Schule — erst Studentin in Weimar, später Leiterin ihrer Metallwerkstatt in Dessau.

Oskar Schlemmer

Maler • Bildhauer • Choreograph • Bauhausmeister

Einer der ersten Meister der Weimarer Schule, ab Januar 1921.

Otto Dorfner

Buchbinder • Einbandkünstler • Lehrer am Staatlichen Bauhaus

Werkmeister der Buchbinderei der Schule in ihrer ersten Weimarer Phase.[^ksw-blog-dorfner]

Paul Klee

Maler • Bauhausmeister • Lehrer

Meister der Weimarer Schule von 1921 bis 1925, dessen Formlehre Teil des Vorkurses wurde.

Theo van Doesburg

Maler • Architekt • De-Stijl-Propagandist

Die Schule selbst nennt ihn in ihrer Geschichte einen Katalysator ihrer Entwicklung — von außen.

Walter Gropius

Architekt • Gründer und Direktor des Bauhauses • Lehrer

Er gründete die Schule im April 1919 in Weimar und leitete sie durch die gesamte Weimarer Zeit, bis zum Umzug nach Dessau 1925.

Wassily Kandinsky

Maler • Bauhausmeister • Lehrer

Meister von Juni 1922 bis zum letzten Tag der Schule 1933, ab 1923 ihr stellvertretender Direktor.

Wilhelm Wagenfeld

Gestalter • Silberschmied • Industriedesigner

Student der Weimarer Jahre und Gestalter der Leuchte, an der man die Epoche erkennt.

Mittelalterliche Anfänge Weimars

899–1518

Sechs Jahrhunderte lang ist Weimar eine kleine thüringische Stadt mit Burg, Markt und Kirche, überschattet von den größeren Nachbarn. Was das Mittelalter hier hinterlässt, ist kein Denkmal, sondern ein Grundriss — und, nach dem Stadtbrand von 1424, die beiden Bauten, um die herum alles Spätere geschieht.

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Wiedervereinigung und modernes Weimar

1990–Gegenwart

Seit 1990 ist Weimar eine kleine Stadt mit einem übergroßen Erbe, die herausfindet, was damit anzufangen ist — und der gelegentlich, ihres Namens wegen, eine Rolle in der europäischen Politik zufällt.

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Das Silberne Zeitalter

1832–1918

Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.

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Bedeutende Persönlichkeiten

Carl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach

Großherzog • Mäzen

Die bestimmende Gestalt der Epoche: ihr Mäzen, ihr Institutionengründer und der Fürst, um den herum die Klassik Stiftung sie erzählt.

Carl Friedrich

Erbprinz • Großherzog

Großherzog von 1828 bis 1853: die Regierungszeit, die Liszt nach Weimar und die Eisenbahn in die Stadt brachte.

Carolyne von Sayn-Wittgenstein

Fürstin • Schriftstellerin

Im Altenburger Haushalt traf sich während Liszts Amtsjahren der musikalische Kreis der Epoche tatsächlich.

Elisabeth Förster-Nietzsche

Archivarin • Herausgeberin • Verlegerin

Ihre Ankunft, die Verlegung des Archivs nach Weimar und die letzten Jahre ihres Bruders fallen sämtlich in die Jahrzehnte zwischen Goethes Tod und dem Ende der Monarchie.

Franz Liszt

Komponist • Pianist • Dirigent

Die zentrale Gestalt der Jahrzehnte nach Goethe: von Maria Pawlowna an den Hof berufen, ab 1848 Hofkapellmeister, 1869 von Carl Alexander zurückgeholt.

Friedrich Nietzsche

Philosoph • Philologe

Seine drei Weimarer Jahre, 1897 bis 1900, sind der Schlussakt der Jahrzehnte zwischen Goethes Tod und dem Ende der Monarchie.

Friedrich Preller der Ältere

Maler • Radierer

Der Maler, der Weimars Klassizismus durch die Jahrzehnte nach Goethe trug — das bildkünstlerische Gegenstück zu dem, was Liszt in der Musik tat.

Harry Graf Kessler

Mäzen • Museumsdirektor • Verleger • Diplomat

Seine Weimarer Jahre 1903 bis 1906 sind der letzte Versuch der Epoche, die Stadt modern zu machen, bevor die Monarchie endete.

Johann Nepomuk Hummel

Komponist • Pianist • Kapellmeister

Das Konzertleben, auf dem die Epoche beruhte, begann mit seinen stehenden Konzerten von 1822; seine letzten fünf Jahre fallen in sie.

Joost Schmidt

Bildhauer • Typograf • Bauhausmeister

Seine ersten Weimarer Jahre gehören der großherzoglichen Kunsthochschule von 1910, vor dem Krieg und vor dem Bauhaus.

Maria Pawlowna, Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach

Großherzogin • Mäzenin

Die Klassik Stiftung nennt sie die Begründerin der Epoche; bei ihr setzt deren Erzählung ein.

Max Littmann

Architekt

Der letzte große öffentliche Bau der Epoche und der einzige in diesem Thema, den ein eigens geholter Auswärtiger entworfen hat.

Peter Cornelius

Komponist • Dichter

Er ist der deutlichste Verlust dieser Epoche: ein Komponist, den das kühnste Jahrzehnt der Stadt holte und den ihre Parteiungen vertrieben.

Richard Strauss

Komponist • Dirigent

Von 1889 bis 1894 zweiter Kapellmeister am großherzoglichen Hoftheater, wo er „Don Juan“, „Hänsel und Gretel“ und „Guntram“ uraufführte.

Richard Wagner

Komponist • Dirigent

Die „Lohengrin“-Uraufführung von 1850 ist der musikalische Höhepunkt der Jahrzehnte nach Goethe — sein Werk, gespielt in seiner Abwesenheit.

Sophie, Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach

Großherzogin • Sammlerin • Archivgründerin

Die dritte große Institutionsgründung der Epoche, nach der Kunstschule von 1860 und der Orchesterschule von 1872 — und diejenige, die Weimar zu einem Ort machte, an den die Forschung reisen muss.

Wilhelm Ernst, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach

Großherzog • Mäzen

Seine Regierungszeit 1901–1918 fällt in das Silberne Zeitalter; die Berufungen van de Veldes und Kesslers sind dessen letztes Kapitel.

Henry van de Velde

Architekt • Designer • Gründer der Weimarer Kunstgewerbeschule

1902, am Ende dieser Epoche, nach Weimar berufen: Umbau der Innenräume des Nietzsche-Archivs und Gründung jener kunstgewerblichen Schule, aus der das Bauhaus hervorging.

Weimarer Klassik

1775–1832

Rund sechzig Jahre lang lag der Mittelpunkt der deutschen Literatur in einem Herzogtum mit ein paar tausend Einwohnern — weil dessen Fürst Schriftsteller einlud und ihnen anschließend Ämter gab. Das ist der ganze Mechanismus, und er lief von Goethes Ankunft 1775 bis zu seinem Tod 1832.

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Bedeutende Persönlichkeiten

Adele Schopenhauer

Schriftstellerin

Die Epoche aus der Sicht einer, die in ihrem berühmtesten Salon aufwuchs und darüber schrieb, was er Frauen kostete.

Herzogin Anna Amalia

Herzogin • Regentin • Mäzenin • Komponistin

Regentin bis 1775 und danach Gastgeberin des Hofkreises: Sie holte 1772 Wieland und versammelte Goethe, Herder und Wieland im Wittumspalais und in Tiefurt.

August von Goethe

Kammerherr • Kammerrat • Jurist

Die zweite Generation der Epoche — und der Beleg dafür, wie es war, in sie hineingeboren zu werden.

Carl Friedrich

Erbprinz • Großherzog

Erbprinz des klassischen Hofes seit seiner Geburt 1783, erzogen unter Herders Mitwirkung.

Caroline Jagemann

Schauspielerin • Sängerin

Die Bühne der Epoche von der anderen Seite der Rampe — dort entschied Einfluss, nicht Autorschaft.

Charlotte von Stein

Hofdame • Autorin

Die private Seite des klassischen Jahrzehnts: der Briefwechsel, der neben dem veröffentlichten Werk herläuft.

Christian August Vulpius

Romanautor • Dramaturg • Bibliothekar

Die Populärliteratur der Epoche — geschrieben von dem Mann im Haushalt, den niemand zitiert.

Christiane von Goethe

Gefährtin • Ehefrau Goethes

Der Haushalt hinter den klassischen Jahrzehnten — und der Anstoß, den die Stadt daran nahm.

Christoph Martin Wieland

Schriftsteller • Dichter • Übersetzer

Der erste der vier am Ort: 1772 berufen, drei Jahre vor Goethe, und bis zu seinem Tod 1813 in Weimar.

Clemens Wenzeslaus Coudray

Architekt • Oberbaudirektor

Als Oberbaudirektor ab 1816 gab er dem Weimar der späten Goethezeit seine klassizistische Architektur.

Corona Schröter

Sängerin • Schauspielerin • Komponistin

Die einzige Berufskünstlerin auf einer Liebhaberbühne — die Bühne der Epoche, wie sie tatsächlich funktionierte.

Friedrich Justin Bertuch

Verleger • Unternehmer • Hofbeamter

Der wirtschaftliche Unterbau des literarischen Hofes — Verlag, Handel und der Park.

Friedrich Schiller

Dichter • Dramatiker • Historiker

Seine sechs Weimarer Jahre, 1799 bis 1805, sind die Epoche in ihrer dichtesten Form.

Friedrich Wilhelm Riemer

Philologe • Bibliothekar • Herausgeber

Der ausgebildete Philologe im Haus — jener Teil der Epoche, der nicht zur Erzählung vom einsamen Genie passt.

Georg Melchior Kraus

Maler • Zeichenlehrer

Das Auge der Epoche — der Mann, der die Stadt zeichnete, während sie berühmt wurde.

Johann Gottfried Herder

Philosoph • Theologe • Dichter

Von 1776 bis 1803 hatte er die höchsten Kirchenämter Weimars inne — quer durch die mittleren Jahrzehnte der Epoche.

Johann Nepomuk Hummel

Komponist • Pianist • Kapellmeister

1819 trat er das Weimarer Amt an und wirkte durch die letzten dreizehn Jahre der Klassik; er starb fünf Jahre nach Goethe.

Johann Peter Eckermann

Schriftsteller • Herausgeber • Bibliothekar

Der Protokollant der Epoche — und der Grund, warum sich so viel von ihr überhaupt zitieren lässt.

Johann Wolfgang von Goethe

Dichter • Staatsmann • Naturforscher

1775 kam er auf Carl Augusts Berufung und blieb bis zu seinem Tod 1832 — die Epoche ist von seiner Lebenszeit begrenzt.

Johanna Schopenhauer

Schriftstellerin • Gastgeberin

1806 lag der Schwerpunkt des Kreises in einem Zimmer, das einer eben zugezogenen Witwe gehörte.

Johannes Daniel Falk

Schriftsteller • Pädagoge • Philanthrop

Das andere Gesicht der Epoche: dieselben Jahrzehnte, dieselbe Stadt — und die Kinder, von denen die Literatur nicht spricht.

Carl August

Herzog • Großherzog • Mäzen

Die Epoche fiel in seine Regierungszeit und begann mit seiner Einladung an Goethe 1775.

Karl Ludwig von Knebel

Lyriker • Übersetzer • Prinzenerzieher

Der Mann, der die Bekanntschaft stiftete — und der letzte des Kreises, der starb.

Luise von Hessen-Darmstadt

Herzogin • Großherzogin

Die Herzogin des klassischen Hofes von 1775 bis 1828 und nach Anna Amalias Tod 1807 der Mittelpunkt seines literarischen Kreises.

Ottilie von Goethe

Herausgeberin • Gastgeberin

Die Generation, die in der Zeit nach der Epoche leben musste — und zwar in deren berühmtestem Haus.

NS-Zeit und Buchenwald (Zweiter Weltkrieg)

1933–1945

Das Regime wollte Weimar wegen dessen Namen — und errichtete auf dem Berg über der Stadt ein Konzentrationslager. Beides gehört zu denselben zwölf Jahren.

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Bedeutende Persönlichkeiten

Adolf Hitler

Diktator • Führer der NSDAP • Reichskanzler

Mehr als vierzig Besuche, das Gauforum, der Elephant, die Theaterloge und das Lager auf dem Ettersberg: Das Weimar dieser Epoche ist die Stadt, die er prägte.[^wikipedia-de-weimar]

Bruno Apitz

Schriftsteller • Kommunist • Häftling

Im November 1937 als politischer Häftling nach Buchenwald gekommen, wenige Monate nach der Errichtung des Lagers.

Elie Wiesel

Schriftsteller • Zeuge • Nobelpreisträger

Ende Januar 1945 auf einem Räumungstransport aus Auschwitz nach Buchenwald gebracht.

Elisabeth Förster-Nietzsche

Archivarin • Herausgeberin • Verlegerin

Zwischen 1932 und 1934 empfing sie Hitler mehrfach im Archiv und starb 1935 — mit ihr beginnt die Rolle des Archivs im Nietzsche-Kult des Nationalsozialismus.

Franz Leitner

Kommunist • Blockältester • Gerechter unter den Völkern

1939 als Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes eingewiesen und bis zur Befreiung im Lager.

Fritz Löhner-Beda

Librettist • Textdichter • Häftling

Wenige Wochen nach dem „Anschluss“ verhaftet und im September 1938 nach Buchenwald gebracht.

Fritz Sauckel

Gauleiter • Reichsstatthalter • Kriegsverbrecher

Der Parteichef in Thüringen über die gesamte Epoche und ab 1942 der Organisator der Zwangsarbeit im ganzen Reich.

Hermann Brill

Sozialdemokrat • Jurist • Widerstandsorganisator • Politiker

1938 wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, 1943 aus der Haft nach Buchenwald überstellt.

Hermann Leopoldi

Pianist • Komponist • Kabarettist

Im April 1938 in Wien als Jude verhaftet, von August 1938 bis Februar 1939 in Buchenwald.

Jorge Semprún

Schriftsteller • Widerstandskämpfer • Drehbuchautor

Ende Januar 1944 als „politischer Spanier“ hierher deportiert und bis zur Befreiung festgehalten.

Maurice Halbwachs

Soziologe • Wissenschaftler

Im August 1944 aus französischer Haft mit den letzten Transporten deportiert.

Raphaël Élizé

Tierarzt • Bürgermeister • Widerstandskämpfer

Ein französischer Bürgermeister, dem 1940 wegen seiner Hautfarbe das Amt verweigert wurde und der 1945 bei Weimar ermordet wurde — die Epoche vom anderen Ende her gesehen.

Walter Bartel

Kommunist • Widerstandsorganisator • Historiker

1939 in Prag verhaftet und bis zur Befreiung in Buchenwald festgehalten.

Was wann geschah

Die Ereignisse der Weimarer Geschichte, jedes auf eigener Seite, in ihrer Reihenfolge.

  1. 1424
    Der Stadtbrand von 1424

    Ein Feuer nahm große Teile der Häuser, die Burg, die Stadtkirche und das Rathaus — und Weimars älteste erhaltene Bauten sind das, was danach entstand.

  2. 1552
    Weimar wird Residenz, 1552

    Ein geschlagener Kurfürst wählte die Stadt, die ihm geblieben war — und Weimar hörte auf, Provinz zu sein.

  3. 1617-08-24
    Die Fruchtbringende Gesellschaft wird im Weimarer Schloss gegründet, 1617

    Die erste große Sprachgesellschaft der Deutschen entstand hier — ein Jahr, bevor das Schloss abbrannte, in dem sie gegründet wurde.

  4. 1618
    Der Schlossbrand von 1618

    Das Renaissanceschloss brannte ab — und was an seine Stelle trat, gab Weimar eine barocke Residenz und schließlich Bachs Kapelle.

  5. 1717 – 1717-12-02
    Bach in der Bastille, 1717

    Der Hoforganist wollte gehen, und der Herzog ließ ihn vier Wochen einsperren, bevor er ihn in Ungnade entließ.

  6. 1758 – 1775-09-03
    Anna Amalias Regentschaft, 1758–1775

    Eine achtzehnjährige Witwe übernahm ein zerrüttetes Herzogtum, führte es siebzehn Jahre — und übergab ihrem Sohn einen Hof, zu dem zu kommen sich lohnte.

  7. 1774
    Knebel macht Goethe mit Carl August bekannt

    Im Dezember 1774 führte ein Erzieher des Weimarer Hofes auf einer Reise nach Frankfurt den Erbprinzen mit einem jungen Juristen zusammen, der einen anstößigen Roman geschrieben hatte.

  8. 1774-05-06
    Der Schlossbrand vom 6. Mai 1774

    Die barocke Residenz brannte bis auf Turm und Torbau nieder — und mit ihr der Raum, in dem Bach gespielt hatte.

  9. 1775-11-07
    Goethe kommt nach Weimar, 7. November 1775

    Am 7. November 1775 brachte eine Kutsche aus Frankfurt den sechsundzwanzigjährigen Verfasser des Werther in eine Stadt von sechstausend Einwohnern. Er wollte kurz zu Besuch bleiben – und blieb sein Leben lang.

  10. 1779-04-06
    Die erste Iphigenie, 6. April 1779

    Am Osterdienstag 1779 wurde Goethes Iphigenie erstmals in der Prosafassung gegeben — Corona Schröter in der Titelrolle, Goethe selbst als Orest.

  11. 1791
    Goethe erhält das Hoftheater, 1791

    Der Herzog übergab dem berühmtesten Schriftsteller der Stadt ein Theater – und eröffnet wurde es mit einem Publikumserfolg von jemand anderem.

  12. 1805-05-09
    Schillers Tod, 9. Mai 1805

    Er starb im Arbeitszimmer unter dem Dach seines eigenen Hauses, drei Jahre nach dem Kauf — und wurde in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai in einer Gruft beigesetzt, die der Hof für Standespersonen ohne eigenes Grab bereithielt.

  13. 1808-09-27 – 1808-10-14
    Der Erfurter Fürstenkongress 1808

    Vom 27. September bis 14. Oktober 1808 trafen sich Napoleon und Zar Alexander I. mit den Rheinbundfürsten in Erfurt — und am 6. Oktober kam der Kongress nach Weimar.

  14. 1816-05-05
    Großherzogtum und Verfassung, 5. Mai 1816

    Der Wiener Kongress machte Carl August 1815 zum Großherzog eines vergrößerten Landes; am 5. Mai 1816 gab er ihm die erste Verfassung in Deutschland nach den Befreiungskriegen – mit gewähltem Landtag und voller Pressefreiheit.

  15. 1832-03-22 – 1832-03-26
    Goethes Tod, 22. März 1832

    Er starb in dem Haus am Frauenplan, das er seit 1782 gemietet hatte; am 26. März wurde er in die Fürstengruft getragen, neben Schiller.

  16. 1850-08-28
    Die Uraufführung von Wagners „Lohengrin“, 1850

    Ein kleines Hoftheater brachte eine Oper zur Uraufführung, deren Komponist nicht kommen konnte, weil er steckbrieflich gesucht wurde.

  17. 1858-12-15
    Die Uraufführung von „Der Barbier von Bagdad“, 15. Dezember 1858

    Organisiertes Zischen zerstörte eine Uraufführung — und Weimar verlor darüber Liszt.

  18. 1860-10-01
    Gründung der Großherzoglichen Kunstschule, 1. Oktober 1860

    Ein Großherzog gründete aus der eigenen Tasche eine Kunstschule; neunundfünfzig Jahre später war sie die eine Hälfte des Bauhauses.

  19. 1872
    Deutschlands erste Orchesterschule öffnet, 1872

    Liszt wollte ein Konservatorium in Weimar und bekam keines; die Schule öffnete neunzehn Jahre, nachdem sein Versuch gescheitert war.

  20. 1885-04-15
    Goethes handschriftlicher Nachlass geht an Großherzogin Sophie über, 15. April 1885

    Der wertvollste literarische Nachlass Deutschlands wurde Privatbesitz einer einzelnen Frau — und sie gab ihn noch am selben Tag aus der Hand.

  21. 1893
    Die Uraufführung von „Hänsel und Gretel“, 1893

    Eine der meistgespielten Opern des deutschen Repertoires erklang zum ersten Mal in Weimar — dirigiert von einem neunundzwanzigjährigen zweiten Kapellmeister.

  22. 1902-10-15 – 1915-10-01
    Van de Veldes Kunstgewerbeschule 1902–1915

    Die Schule, aus der das Bauhaus gebaut wurde: als privates Seminar in geliehenen Räumen begonnen, dreizehn Jahre später auf Anordnung geschlossen.

  23. 1908-01-11
    Einweihung des neuen Hoftheaters, 11. Januar 1908

    Das Theater, das in Weimar alle fotografieren, ist jünger als die Uraufführungen, für die es berühmt ist.

  24. 1918-11-09
    Der Großherzog dankt ab

    Am 9. November 1918 bildete sich in einer Weimarer Gastwirtschaft ein Arbeiter- und Soldatenrat, ein Zeitungsredakteur entwarf die Abdankungsurkunde, und am Abend war die Monarchie in Weimar zu Ende.

  25. 1919
    Das Bauhaus-Manifest, April 1919

    Sechs gefaltete Seiten mit einer Kathedrale vorn — das Papier, das Weimar erklärte, wozu die neue Schule da sein sollte.

  26. 1919-01-19
    Die Umbenennung des Theaters, 19. Januar 1919

    Am Tag, an dem die Deutschen die verfassunggebende Versammlung wählten, nahm das Theater, in dem diese Versammlung tagen sollte, den Namen „Deutsches Nationaltheater“ an.

  27. 1919-02-06
    Die Nationalversammlung tritt in Weimar zusammen

    Am 6. Februar 1919 trat die Versammlung, die Deutschland eine Verfassung geben sollte, zum ersten Mal zusammen — in einem elf Jahre alten Hoftheaterbau. Weimar wurde gewählt, weil Berlin zu gefährlich war.

  28. 1919-04-01
    Die Gründung des Bauhauses, April 1919

    Walter Gropius übernahm im geschlagenen Land eine großherzogliche Kunsthochschule und nannte sie Staatliches Bauhaus.

  29. 1919-07-31
    Die Weimarer Verfassung wird angenommen

    Am 31. Juli 1919 stimmten die Abgeordneten im Nationaltheater der ersten demokratischen Verfassung Deutschlands in ihrer endgültigen Form zu. Unterschrieben wurde sie ganz woanders.

  30. 1922
    Der De-Stijl-Kurs 1922

    Ein Konkurrenzkurs, gehalten in einem Atelier direkt gegenüber dem Bauhaus, von einem Mann, den die Schule nie angestellt hat.

  31. 1923-08-15 – 1923-09-30
    Die Bauhaus-Ausstellung 1923

    Die Wochen, in denen sich das Bauhaus zum ersten Mal öffentlich zeigte — an drei Orten und in einem Haus, das dafür erst gebaut werden musste.

  32. 1925-03-31
    Das Ende des Weimarer Bauhauses 1924/25

    Eine Wahl, ein halbierter Etat, gekündigte Verträge zum 31. März 1925 — nach sechs Jahren ging die Schule nach Dessau.

  33. 1926-07-03 – 1926-07-04
    Die NSDAP hält ihren Reichsparteitag im Nationaltheater

    Am 3. und 4. Juli 1926 hielt die Partei ihren ersten Reichsparteitag nach der Neugründung ab — in Anwesenheit Hitlers und in dem Saal, in dem die Republik sieben Jahre zuvor ihre Verfassung beschlossen hatte.

  34. 1930
    Die „Säuberung“ der Weimarer Kunstschulen 1930

    Fünf Jahre nach dem Weggang des Bauhauses wurde zerstört, was es an die Wände seines Werkstattgebäudes gemalt hatte — von der Schule, die an seine Stelle trat.

  35. 1930-01-23 – 1931-04-01
    Wilhelm Frick übernimmt ein Amt in Thüringen

    Am 23. Januar 1930 wurde Wilhelm Frick thüringischer Innen- und Volksbildungsminister — der erste Nationalsozialist in Deutschland, der ein Regierungsamt übernahm. Er hielt sich vierzehn Monate.

  36. 1937-05-01
    Das Gauforum wird begonnen

    Die Partei baute sich mitten in Weimar ein Verwaltungsviertel mit einer Halle für zwanzigtausend — und setzte dafür KZ-Häftlinge ein. Das meiste davon steht noch.

  37. 1937-07-15 – 1945-04-11
    Das Konzentrationslager Buchenwald entsteht

    Ab Juli 1937 ließ die SS Häftlinge auf dem Ettersberg ein Lager bauen, auf dem bewaldeten Höhenzug über der Stadt. 277.800 Menschen aus über fünfzig Ländern waren dort inhaftiert; 56.000 überlebten es nicht.

  38. 1941-05-24 – 1943-01-02
    Das Außenlager Kranichfeld

    Am 24. Mai 1941 brachte die SS fünfzig Buchenwalder Häftlinge in einer Wagenremise in Kranichfeld unter, um ein gekauftes Schloss wiederaufzubauen — und der Zweck der Arbeit war eine Versicherungssumme.

  39. 1944-08-18
    Ernst Thälmann wird im Krematorium ermordet

    Am 18. August 1944 wurde der Führer der deutschen Kommunisten im Krematorium von Buchenwald getötet. Neun Jahre später markierte die erste Gedenktafel im Häftlingslager die Stelle, und die DDR richtete ihre Besuche darauf aus.

  40. 1945
    Der Kinderblock in Baracke 66

    Im Januar 1945 richteten Häftlinge am unteren Ende des Kleinen Lagers einen zweiten Kinderblock ein und hielten die Jungen darin am Leben. Bei der Befreiung befanden sich 904 Kinder und Jugendliche in Buchenwald.

  41. 1945-02-09
    Der Luftangriff vom 9. Februar 1945

    Ein Angriff der US Air Force galt dem Gustloff-Rüstungswerk im Norden Weimars. Acht von zehn Bomben gingen auf engstem Raum nieder und töteten KZ-Häftlinge an den Maschinen; am selben Tag wurde das Nationaltheater zerstört.

  42. 1945-04-11
    Die Befreiung Buchenwalds

    Am 11. April 1945, als Panzerdivisionen der III. US-Armee heranrückten, verließ die SS auf Befehl das Lager, und bewaffnete Häftlinge besetzten das Tor.

  43. 1945-08-21 – 1950
    Sowjetisches Speziallager Nr. 2

    Vier Monate nach der Befreiung begann die sowjetische Besatzungsmacht, auf demselben Gelände zu internieren. 28.494 Menschen waren bis 1950 dort, 7.113 von ihnen starben.

  44. 1948
    Die Wiedereröffnung des Theaters mit „Faust“, 1948

    Ein bis auf Fassade und Foyer zerstörtes Haus war das erste deutsche Theater, das nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde – und es öffnete mit Goethe.

  45. 1953
    Die DDR übernimmt die Klassik

    1953 fasste die DDR Goethes und Schillers Wohnhäuser, die Parks, das Nietzsche-Archiv und die Landesbibliothek in einer einzigen Einrichtung zusammen. Deren Nachfolgerin führt Weimar bis heute.

  46. 1958
    »Nackt unter Wölfen« und die Entstehung einer Legende

    Bruno Apitz' Roman erschien 1958, 1963 folgte der DEFA-Film. Ein Jahrzehnt lang war es danach leichter, Buchenwalds Geschichte über einen Roman zu erzählen, als sie zu erforschen.

  47. 1958-09-14
    Die DDR baut ihr Nationaldenkmal

    Bis 1958 entstand an der Südseite des Ettersberges eine monumentale Anlage als Nationaldenkmal der DDR — ein Mahnmal für die Toten, das zugleich Tribüne für den Staat war, der es errichtete.

  48. 1989-05-07 – 1989-12-05
    Die Friedliche Revolution in Weimar

    Weimars 1989 folgt nicht dem vertrauten nationalen Kalender. Es begann im Mai bei einer Stimmenauszählung, sammelte sich im Oktober in den Kirchen und erreichte die Straße spät — dienstags.

  49. 1991-08-28 – 1991-08-29
    Das Weimarer Dreieck wird gegründet

    Zwei Jahre nach dem Mauerfall trafen sich hier die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens und unterzeichneten eine Erklärung zur Zukunft Europas. Das Format trägt bis heute den Namen der Stadt.

  50. 1996-12-07 – 1998-12-02
    Weimar auf der Welterbeliste, 1996 und 1998

    Zweimal in drei Jahren setzte das Welterbekomitee Weimar auf seine Liste: am 7. Dezember 1996 die Bauhaus-Bauten, am 2. Dezember 1998 die elf Denkmäler des Klassischen Weimar.

  51. 1999
    Weimar ist Kulturstadt Europas

    1993 ernannte die EU Weimar zur Kulturstadt Europas, 1999 trug die Stadt den Titel — mit rund tausend Veranstaltungen.

  52. 899
    Weimar erscheint zuerst in einer Urkunde, 899

    Eine Urkunde Kaiser Arnulfs von Kärnten nennt den Ort Vvigmara — der früheste Beleg dafür, dass es Weimar gibt.

Weimars Erbe entdecken

Lernen Sie die Menschen kennen, die diese Epochen geprägt haben, und besuchen Sie die Orte, an denen Geschichte geschrieben wurde.