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Christoph Martin Wieland

1733–1813
deutsch
SchriftstellerDichterÜbersetzer

Biografie

Christoph Martin Wieland, geboren am 5. September 1733 in Oberholzheim bei Biberach, war der erste der Weimarer Klassiker am Ort: Herzogin Anna Amalia berief ihn 1772 zur Erziehung ihrer Söhne Carl August und Constantin, drei Jahre bevor Goethe kam. In Weimar gründete er 1773 den „Teutschen Merkur“, die Zeitschrift, in der fast alles, was er schrieb, zuerst erschien, und veröffentlichte darin 1780 den „Oberon“, das Versepos, das Goethe ein Meisterstück nannte. Zuvor hatte er zweiundzwanzig Stücke Shakespeares in deutsche Prosa übersetzt. Von 1797 bis 1803 lebte er als poetischer Landjunker auf seinem Gut in Oßmannstedt, zehn Kilometer vor der Stadt, wo Heinrich von Kleist ihm den „Robert Guiskard“ aus dem Manuskript vorlas. Er starb am 20. Januar 1813 in Weimar und liegt im Park von Oßmannstedt neben seiner Frau und Sophie Brentano begraben.

Oberholzheim 1733, Biberach 1760: der Shakespeare-Übersetzer

Wieland wurde am 5. September 1733 in Oberholzheim bei Biberach an der Riß geboren. 1760 kehrte er nach Biberach zurück, wurde am 30. April einstimmig in den Rat gewählt und zum Kanzleiverwalter ernannt, und arbeitete seit 1762 parallel an der Übersetzung der Stücke Shakespeares – acht Bände, erschienen in Zürich zwischen 1762 und 1766, der erste deutsche Shakespeare von Umfang.

Erfurt 1769: Professor der Philosophie

Im Frühjahr 1769 folgte er einem Ruf des Kurfürsten von Mainz als Professor der Philosophie nach Erfurt. Drei Jahre später kam aus Weimar der Ruf, der zählte.

Weimar, September 1772: Erzieher der Prinzen Carl August und Constantin

1772 berief die verwitwete Herzogin Anna Amalia Wieland zur Erziehung ihrer beiden Söhne Carl August und Constantin nach Weimar. Im September 1772 traf der Hofrat in der kleinen Residenzstadt ein, und als die Prinzenerziehung 1775 endete, behielt der Hof ihn mit einer Pension auf Lebenszeit. Er blieb bis an sein Ende – der erste der Schriftsteller, die den Namen der Stadt machten.

1773–1789: „Der Teutsche Merkur“ und 1780 der „Oberon“

1773 gründete er den „Teutschen Merkur“ und führte die Redaktion bis 1789; einem 1773 im Kampf gegen den Nachdruck gegebenen Versprechen gemäß erschien bis 1796 alles, was er schrieb, mit Ausnahme der Übersetzungen zuerst dort. Der Jahrgang 1780 brachte die vierzehn – später zwölf – Gesänge des „Oberon“, des romantischen Versepos, auf dem sein Ruhm beruht. Goethes Urteil darüber ist überliefert: So lange Poesie Poesie, Gold Gold und Kristall Kristall bleiben, werde Wielands „Oberon“ als ein Meisterstück poetischer Kunst geliebt und bewundert werden.

1775: Goethe kommt – ein dauerndes Verhältnis der Anerkennung

Als Goethe 1775 dem Ruf des Herzogs Carl August nach Weimar folgte, bildete sich zwischen ihm und dem zweiundvierzigjährigen, längst etablierten Wieland ein dauerndes Verhältnis der Anerkennung. Wieland gehörte zu den Gästen, die Anna Amalia in Tiefurt empfing, und um die beiden bildete sich der Kreis der Weimarer Schriftsteller, zu dem 1776 Herder stieß.

Oßmannstedt 1797–1803: der poetische Landjunker

Eine Gesamtausgabe seiner Werke, von 1794 an bei Göschen in Leipzig, erlaubte ihm 1797 den Kauf des Gutes Oßmannstedt bei Weimar. Er nannte sich einen „poetischen Landjunker“ und den Ort sein „Osmantium“, und das barocke Gutshaus mit seinem Park gab ihm sechs produktive Jahre. Seine frühere Verlobte Sophie von La Roche besuchte ihn mit ihrer Enkelin Sophie Brentano, mit der sich eine enge Freundschaft entwickelte und die 1800, erst vierundzwanzigjährig, in Oßmannstedt starb; Heinrich von Kleist kam im Winter 1802 und las ihm den „Robert Guiskard“ aus dem Manuskript vor. Der Tod seiner Frau Anna Dorothea am 8. November 1801 und die Kosten des Gutes bewogen ihn, es 1803 zu verkaufen und wieder in Weimar zu wohnen.

Oktober 1808: Napoleons Gast auf dem Weimarer Ball

Im Oktober 1808, während in Erfurt der Fürstenkongress tagte, erreichte den Dichter in Weimar eine Einladung zur Audienz bei Napoleon. Die Begegnung kam am 6. Oktober zustande, am Abend des Gastspiels der französischen Schauspieler in Weimar: Der Schweizer Historiker Johannes von Müller führte Wieland zum Kaiser, und Napoleon, der ihn den Voltaire Deutschlands nannte, hielt ihn lange im Gespräch. Noch in derselben Nacht schrieb Wieland alles nieder und schloss mit dem Satz, der den Abend berühmt gemacht hat: Ihm sei gewesen, als habe er mit einem Mann aus Bronze gesprochen. Acht Tage später nahmen er und Goethe die Ehrenlegion entgegen.

20. Januar 1813: Tod in Weimar, das Grab in Oßmannstedt, das Denkmal von 1857

Mit sechsundsiebzig trat er der Weimarer Freimaurerloge „Anna Amalia zu den drei Rosen“ bei. Am 20. Januar 1813 starb er in Weimar an den Folgen einer Erkältung und wurde seinem Wunsch gemäß im Park von Oßmannstedt neben seiner Frau und Sophie Brentano begraben, unter einem dreiseitigen Obelisken aus Sandstein mit seiner eigenen Zeile: „Liebe und Freundschaft umschlang die verwandten Seelen im Leben“. Weimars Denkmal für ihn, die Bronze von Hanns Gasser auf dem Wielandplatz, wurde 1857 enthüllt. Das Gutshaus ist heute Museum, mit der Wielandakademie und dem Wieland-Forschungszentrum; seine Dauerausstellung trägt den Namen, den ihm die Zeitgenossen gaben, „Der erste Schriftsteller Deutschlands“. Geöffnet ist in der Saison Mittwoch bis Montag von 11 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.

Was Besucher fragen

Warum kam Wieland nach Weimar?
Herzogin Anna Amalia berief ihn 1772 zur Erziehung ihrer Söhne Carl August und Constantin. Er traf im September 1772 ein, erhielt nach dem Ende der Prinzenerziehung 1775 eine Pension auf Lebenszeit und blieb bis zu seinem Tod 1813 in Weimar – drei Jahre vor Goethe und vier vor Herder angekommen.
Was ist der „Teutsche Merkur“?
Die Zeitschrift, die Wieland 1773 in Weimar gründete und bis 1789 redigierte. Alles, was er schrieb, außer den Übersetzungen, erschien dort bis 1796 zuerst, darunter 1780 die vierzehn Gesänge des „Oberon“.
Was ist der „Oberon“?
Wielands romantisches Versepos von 1780, zuerst im „Teutschen Merkur“ in vierzehn, später zwölf Gesängen gedruckt. Goethe nannte es ein Meisterstück poetischer Kunst, das geliebt und bewundert werde, solange Poesie Poesie bleibe.
Wo liegt Wieland begraben?
Im Park seines früheren Gutes in Oßmannstedt, zehn Kilometer nordöstlich von Weimar, neben seiner Frau Anna Dorothea und Sophie Brentano, unter einem dreiseitigen Sandsteinobelisken. Er starb am 20. Januar 1813 in Weimar und wurde auf eigenen Wunsch dort beigesetzt.
Kann man das Wielandgut Oßmannstedt besuchen?
Ja. Das barocke Gutshaus, Wielandstraße 16 in Oßmannstedt, ist ein Museum der Klassik Stiftung Weimar mit zum Teil originalem Interieur, in der Saison Mittwoch bis Montag von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Eintritt frei; die Gräber liegen im Park.
Kannte Wieland Goethe?
Ja. Als Goethe 1775 nach Weimar kam, drei Jahre nach Wieland, bildete sich zwischen beiden ein dauerndes Verhältnis der Anerkennung, und Goethes Lob des „Oberon“ ist das bekannteste Urteil über Wielands Werk.

Werke & Leistungen

Oberon (1780)

Der Teutsche Merkur (1773–1789)

Shakespeare-Übersetzungen (Zürich 1762–1766, 8 Bände)

Verbundene Orte in Weimar

Hauptstraße 14, 99425 Weimar-Tiefurt

Einer der Gäste, die das Haus als hier empfangen nennt.

Wielandplatz, 99423 Weimar

Ihm gilt das Denkmal, auf dem Platz, der seinen Namen trägt.

Wielandgut OßmannstedtHistorisches Gebäude

Wielandstraße 16, 99510 Ilmtal-Weinstraße OT Oßmannstedt

Hier lebte und schrieb er von 1797 bis 1803; 1813 wurde er im Park beigesetzt.

Historischer Kontext

Weimarer Klassik1775–1832

Der erste der vier am Ort: 1772 berufen, drei Jahre vor Goethe, und bis zu seinem Tod 1813 in Weimar.

Rund sechzig Jahre lang lag der Mittelpunkt der deutschen Literatur in einem Herzogtum mit ein paar tausend Einwohnern — weil dessen Fürst Schriftsteller einlud und ihnen anschließend Ämter gab. Das ist der ganze Mechanismus, und er lief von Goethes Ankunft 1775 bis zu seinem Tod 1832.

Mehr über diese Epoche →

Kurzprofil

Geboren:

1733

Gestorben:

1813

Nationalität:

deutsch

Rollen:
SchriftstellerDichterÜbersetzer

Auf der Bühne

Auf der Bühne

Goethe & Wieland

Die andere Hälfte — und derjenige, für den das Haus die Lanze bricht: Eleganz und Leichtigkeit im Deutschen.

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten

Herzogin Anna Amalia

1739–1807 • Herzogin • Regentin • Mäzenin • Komponistin

Sie berief ihn 1772 zur Erziehung ihrer Söhne nach Weimar und empfing ihn unter ihren Gästen in Tiefurt.

Carl August

1757–1828 • Herzog • Großherzog • Mäzen

Sein Schüler von 1772 bis 1775 – der Prinz, zu dessen Erziehung er berufen wurde, und der Herzog, der später Goethe rief.

Johanna Schopenhauer

1766–1838 • Schriftstellerin • Gastgeberin

Von der NDB unter den Gästen ihrer Tafel genannt.

In Weimars Geschichte

In Weimars Geschichte

Vom 27. September bis 14. Oktober 1808 trafen sich Napoleon und Zar Alexander I. mit den Rheinbundfürsten in Erfurt — und am 6. Oktober kam der Kongress nach Weimar.

Auf dem Weimarer Hofball vom 6. Oktober 1808 ließ Napoleon Wieland rufen und sprach lange mit ihm; zum Ende des Kongresses erhielt Wieland die Ehrenlegion.

Rund um Weimar

Erfurt

20 km Westlich

Wieland lehrte von 1769 bis 1772 als Professor an der Universität Erfurt und wurde 1808 hier zur Audienz bei Napoleon geladen.