Christoph Martin Wieland
Biografie
Wieland war einer der führenden Dichter, Romanciers und Herausgeber der deutschen Aufklärung — und der erste der großen Schriftsteller, die nach Weimar kamen. Auf Einladung der Herzogin Anna Amalia traf er 1772 ein, um den jungen Herzog Carl August zu unterrichten. Bis 1776 blieb er (und kehrte später zurück) und wurde zur Mentorenfigur im geistigen Kreis des Hofes. Von Weimar aus gab er die einflussreiche Zeitschrift „Der Teutsche Merkur“ heraus und prägte damit den literarischen Geschmack. Seine Werke — der satirische Roman „Die Geschichte der Abderiten“ (1774) und das Versepos „Oberon“ (1780) — standen für Witz, Humanität und eleganten Stil und wurden in ganz Europa gelesen. In Weimar bereitete Wieland den Boden für die Klassik: Goethes Ankunft 1775 begrüßte er herzlich, und Goethe wohnte zunächst in seinem Haus. Wieland förderte einen weltoffenen, toleranten Geist und setzte sich für Shakespeare und die Ideen der Aufklärung ein. Ab 1787 lebte er im nahen Oßmannstedt, blieb dem Weimarer Kulturleben aber eng verbunden; begraben ist er in Weimar. Später von Goethe und Schiller überstrahlt, gilt er dennoch als einer der vier großen „Weimarer Klassiker“.
Bekannte Zitate
“Weniger ist oft mehr.”
“Nichts halb zu tun, ist edler Geister Art.”
Werke & Leistungen
Oberon (Versepos)
Der Teutsche Merkur (Zeitschrift)
Die Geschichte der Abderiten
Agathon
Shakespeare-Übersetzungen
Verbundene Orte in Weimar
Hauptstraße 14, 99425 Weimar-Tiefurt
Gehörte zum literarischen Kreis der Herzogin Anna Amalia in Tiefurt und war häufig im Park zu Gast
Beleg: Die Tiefurter Runden Anna Amalias (ab 1776) hatten in Wieland eine zentrale Figur
Am Palais 3, 99423 Weimar
Ständiger Gast der Tafelrunde der Herzogin in diesem Palais
Beleg: Wieland gehörte zu Anna Amalias Tafelrunde im Wittumspalais (1770er/80er Jahre)
Historischer Kontext
Lebte 1772–1776 als herzoglicher Erzieher in Weimar; erster der Weimarer Klassiker, gab hier seine Zeitschrift heraus
Historischer Beleg: Wieland kam 1772 als Prinzenerzieher nach Weimar — noch vor Goethe
Als Weimarer Klassik bezeichnet man die Blüte von Literatur und Kultur im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Sie begann 1775, als der junge Herzog Carl August Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar holte. Goethe traf hier auf Johann Gottfried Herder, Christoph Martin Wieland und später Friedrich Schiller — gemeinsam machten sie aus dem Hof ein geistiges Zentrum. Unter der aufgeklärten Förderung von Herzogin Anna Amalia und Herzog Carl August wurde Weimar zum Inbegriff humanistischer Werte, klassischer Kunst und literarischer Leistung. In dieser Zeit entstanden Werke von bleibender Bedeutung — Goethes „Faust“, Schillers „Wilhelm Tell“ —, und zusammen mit Herder und Wieland begründeten sie eine neue deutsche Kultur auf den Idealen der Aufklärung. Die kleine Stadt hatte Salons, ein Theater (ab 1791 unter Goethes Leitung) und ein reges Kunstleben. Auch Architektur und Landschaft gehörten dazu: Goethe wirkte an der Gestaltung des Parks an der Ilm und am klassizistischen Umbau des Stadtschlosses mit. Ihren Höhepunkt erreichte die Weimarer Klassik um 1800 — sinnbildlich in der Freundschaft von Goethe und Schiller (1794–1805) — und sie endete mit Goethes Tod 1832. Ihr kulturelles Erbe reicht weit über die Stadt hinaus; die UNESCO würdigte es später als „Klassisches Weimar“.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1733
1813
deutsch