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Persönlichkeiten Weimars

Lernen Sie die Menschen kennen, die Weimars kulturelles Erbe über die Jahrhunderte geprägt haben. Von Dichtern und Philosophen bis zu Architekten und Politikern: Sie machten aus einer kleinen Stadt einen Ort von geistigem und künstlerischem Rang.

Die einflussreichsten Persönlichkeiten

Friedrich Schiller

(Schiller)

1759–1805
DichterDramatikerHistoriker

Friedrich Schiller ist die andere Hälfte der Weimarer Klassik: der Dramatiker der Räuber, des Don Karlos, des Wallenstein und des Wilhelm Tell, der Dichter der Ode An die Freude, Professor für Geschichte in Jena und sechs Jahre lang Goethes Partner an der Weimarer Bühne. Im Dezember 1799 zog er nach Weimar, 1802 bezog er das Haus an der Esplanade und starb am 9. Mai 1805, mit fünfundvierzig, in dessen Arbeitszimmer unter dem Dach. Das Haus ist Museum, in Bronze steht er neben Goethe vor dem Theater, das beide führten, und sein Sarg in der Fürstengruft steht neben dem Goethes.

Wichtige Werke

• Wilhelm Tell

• An die Freude

Verbundene Orte

Johann Gottfried Herder

(Johann Gottfried von Herder)

1744–1803
PhilosophTheologeDichter

Johann Gottfried Herder, Philosoph, Theologe und Dichter, ist neben Goethe und Wieland der dritte Name der Weimarer Klassik — der Mann, der den jungen Goethe 1770 in Straßburg zu Shakespeare und zum Volkslied brachte und den Goethe 1776 als Oberhaupt der Kirche des Herzogtums nach Weimar holte. Siebenundzwanzig Jahre lang war er Oberhofprediger, Generalsuperintendent und Pastor der Stadtkirche, und in der übrigen Zeit schrieb er die Volkslieder, die Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit und die Briefe zur Beförderung der Humanität. Am 18. Dezember 1803 starb er in Weimar und liegt in der Kirche, die seither seinen Namen trägt: der Herderkirche, am Herderplatz, unter seinem Standbild.

Wichtige Werke

• Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

• Abhandlung über den Ursprung der Sprache

Johann Wolfgang von Goethe

(Goethe)

1749–1832
DichterStaatsmannNaturforscher

Johann Wolfgang von Goethe ist der Grund, warum Weimar Weimar ist. 1775 kam er mit sechsundzwanzig, als Verfasser des Werther schon berühmt, auf Einladung des jungen Herzogs Carl August — und blieb bis zu seinem Tod 1832: siebenundfünfzig Jahre, in denen er Minister des Herzogtums war, Leiter seines Theaters, ein Naturforscher von Rang und der Dichter, der in dieser Stadt die Iphigenie, den Tasso, den Wilhelm Meister, die Wahlverwandtschaften, den Divan und beide Teile des Faust schrieb. Sein Haus am Frauenplan, fast fünfzig Jahre lang sein Zuhause, ist heute das Goethe-Nationalmuseum; sein Gartenhaus steht in dem Park, den er mit angelegt hat; sein Sarg in der Fürstengruft, neben dem Schillers.

Wichtige Werke

• Faust (Erster und Zweiter Teil)

• Wilhelm Meisters Lehrjahre

Alle Persönlichkeiten

Adele Schopenhauer

Schriftstellerin

Neun Jahre alt war sie, als der Vater starb und die Mutter sie nach Weimar brachte — und sie wuchs in genau dem Zimmer auf, in dem sich Weimars ganzer literarischer Kreis wöchentlich versammelte. Die ADB spricht von „die Eigenthümlichkeit des mütterlichen Hauses, in welchem sich alle Berühmtheiten Weimars allwöchentlich zusammenfanden“. Das war ihr Elternhaus.

Adolf Hitler

Diktator • Führer der NSDAP • Reichskanzler

Adolf Hitler, von 1933 bis zu seinem Selbstmord 1945 Diktator Deutschlands und der Mann im Zentrum des Mordes an rund sechs Millionen Juden, kam mehr als vierzigmal nach Weimar. Für seine Partei war die Stadt zweierlei auf einmal: der Gründungsort der verhassten Republik und die Heimat jener deutschen Kulturtradition, die sie für sich beanspruchte. Deshalb führt ein Gang durch Weimar immer wieder an Orte, die mit ihm zu tun haben — das Theater, in dem die Partei 1926 tagte und in dem später eine Loge für ihn umgebaut wurde, das Hotel am Markt mit seiner Suite und seinem Balkon, das Gauforum, für das ein ganzes Viertel fiel, das Nietzsche-Archiv, dessen Gedächtnishalle er bezahlte, und über allem das Lager auf dem Ettersberg.

Adolf Meyer

Architekt • außerordentlicher Meister für Architektur am Bauhaus • Lehrer

Hinter dem einzigen Bauhaus-Bau in Weimar steht der, der die Baustelle geführt hat: Gropius' Büroleiter, Lehrer für Werkzeichnen — und Bauleiter am Horn.

Alma Siedhoff-Buscher

Gestalterin • Tischlerin • Spielzeugentwerferin

Ein Raum im Haus Am Horn war für Leute entworfen, die nicht ans Fenster reichen — und es ist der Raum, an den sich Besucher erinnern: das Kinderzimmer von Alma Siedhoff-Buscher.

August von Goethe

Kammerherr • Kammerrat • Jurist

Das einzige der fünf Kinder Goethes, das erwachsen wurde. 1789 in Weimar als Sohn Goethes und Christiane Vulpius' geboren, studierte er Jura, diente dem Herzogtum als Kammerherr und Kammerrat, heiratete 1817 und starb 1830 in Rom — zwei Jahre vor seinem Vater.

Bruno Apitz

Schriftsteller • Kommunist • Häftling

Ein Kommunist, mit siebzehn zum ersten Mal verhaftet und 1937 nach Buchenwald gekommen, der dort aus einem Stück der Goetheeiche eine Plastik schnitzte — und den Roman schrieb, der für die Geschichte des Lagers einstehen sollte.

Carl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach

Großherzog • Mäzen

Wenn einer entschieden hat, was Weimar nach Goethe sein sollte, dann Carl Alexander. 1818 geboren, wuchs er im unmittelbaren Wirkungskreis der Klassik heran — als Junge spielte er im Goethehaus mit dem Enkel des Dichters —, und das Gefühl, dieses Erbe sei eine Pflicht und keine Auszeichnung, scheint ihn nie verlassen zu haben.

Carl August

Herzog • Großherzog • Mäzen

Carl August, geboren am 3. September 1757 in Weimar, war seit dem Tod seines Vaters 1758 regierender Herzog von Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisenach, bis zu seinem achtzehnten Geburtstag 1775 unter der Regentschaft seiner Mutter Anna Amalia, und von 1815 bis zu seinem Tod am 14. Juni 1828 Großherzog. Im Dezember 1774 lernte er Goethe in Frankfurt kennen, holte ihn im November 1775 nach Weimar, machte ihn 1776 zum Geheimen Rat und gab ihm Theater, Schlossbau und Parkanlagen in die Hand – die Entscheidung, auf der Weimars klassische Zeit beruht. 1785 versuchte er einen Fürstenbund zu gründen, diente als preußischer General, trat nach Jena 1806 dem Rheinbund bei, kam als Großherzog mit vergrößertem Land vom Wiener Kongress und gab ihm am 5. Mai 1816 eine Verfassung. Er liegt in der Fürstengruft, die er in Auftrag gab, neben Goethe und Schiller.

Carl Friedrich

Erbprinz • Großherzog

Carl Friedrich (1783–1853), der Sohn Carl Augusts und der Herzogin Luise, war von 1828 bis 1853 Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach – das Vierteljahrhundert, in dem Weimar aus Goethes letzten Jahren in die Zeit Liszts hinüberging. Unter Glockengeläut geboren und von Herder getauft, in Sankt Petersburg mit der Zarentochter Maria Pawlowna vermählt, wartete er fünfundvierzig Jahre auf den Thron und hielt dann das Versprechen, das er aus Russland nach Hause schickte: zu bewahren, was sein Vater angefangen hatte, und es zeitgemäß weiterzuführen. Unter ihm trat das Land dem Deutschen Zollverein bei, bekam die Eisenbahn von Halle über Weimar nach Eisenach, unterzeichnete er das Dekret, das Franz Liszt zum Kapellmeister machte, und nach den Märztumulten von 1848 behielt er ein liberales Ministerium, das Verfassung, Gerichte und Schulen umbaute. Belvedere verdankt ihm seinen Landschaftspark und den Russischen Garten für seine Frau; dort starb er am 8. Juli 1853, drei Wochen nachdem das Land seine fünfundzwanzig Regierungsjahre gefeiert hatte.

Caroline Jagemann

Schauspielerin • Sängerin

1777 in Weimar geboren, von Anna Amalia zur Ausbildung nach Mannheim geschickt und mit zwanzig zurück auf der Weimarer Bühne — als eine der gefeiertsten Darstellerinnen Deutschlands, in Oper, Tragödie und Komödie gleichermaßen. Sie war zugleich die Geliebte des Herzogs, und erst diese Tatsache macht den Rest ihrer Geschichte lesbar.

Carolyne von Sayn-Wittgenstein

Fürstin • Schriftstellerin

Während Liszts Jahren als Weimarer Hofkapellmeister wohnten zwei Menschen in der Villa Altenburg, und die Stadt nennt in ihrer Darstellung des Hauses beide. Die Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein war die andere.

Charlotte von Stein

Hofdame • Autorin

Elf Jahre lang war Charlotte von Stein diejenige, an die Goethe schrieb — über 1.600 Briefe von seiner Hand sind erhalten, und sie gehören zu den dichtesten Zeugnissen seines Denkens. Die Neue Deutsche Biographie formuliert es ohne Umschweife: fast elf Jahre war sie für ihn die wichtigste weibliche Bezugsperson in Weimar.

Christian August Vulpius

Romanautor • Dramaturg • Bibliothekar

Im Juli 1788 überreichte eine junge Frau Goethe eine Bittschrift für ihren stellungslosen Bruder. Das ist der Bruder. Geboren wurde er 1762 in Weimar, und was danach für ihn kam — Hoftheater, Bibliothek, eine Laufbahn —, lief über die Verbindung, die jene Bittschrift stiftete.

Christiane von Goethe

Gefährtin • Ehefrau Goethes

Am 12. Juli 1788 übergab sie Goethe eine Bittschrift für ihren stellungslosen Bruder — so fing es an. Sie war dreiundzwanzig, 1765 in Weimar geboren, aus einer Familie ohne Vermögen und ohne Rang; er war eben aus Italien zurück. Was folgte, waren achtzehn Jahre, in denen die Stadt Anstoß nahm, und dann eine Ehe.

Christoph Martin Wieland

Schriftsteller • Dichter • Übersetzer

Christoph Martin Wieland, geboren am 5. September 1733 in Oberholzheim bei Biberach, war der erste der Weimarer Klassiker am Ort: Herzogin Anna Amalia berief ihn 1772 zur Erziehung ihrer Söhne Carl August und Constantin, drei Jahre bevor Goethe kam. In Weimar gründete er 1773 den „Teutschen Merkur“, die Zeitschrift, in der fast alles, was er schrieb, zuerst erschien, und veröffentlichte darin 1780 den „Oberon“, das Versepos, das Goethe ein Meisterstück nannte. Zuvor hatte er zweiundzwanzig Stücke Shakespeares in deutsche Prosa übersetzt. Von 1797 bis 1803 lebte er als poetischer Landjunker auf seinem Gut in Oßmannstedt, zehn Kilometer vor der Stadt, wo Heinrich von Kleist ihm den „Robert Guiskard“ aus dem Manuskript vorlas. Er starb am 20. Januar 1813 in Weimar und liegt im Park von Oßmannstedt neben seiner Frau und Sophie Brentano begraben.

Clemens Wenzeslaus Coudray

Architekt • Oberbaudirektor

Clemens Wenzeslaus Coudray (1775–1845) ist der Baumeister, der dem klassischen Weimar sein Gesicht gab. In Paris bei Jean-Nicolas Durand ausgebildet und Ende 1815 von Goethe nach Weimar berufen, war er von 1816 bis zu seinem Tod Oberbaudirektor des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach — fast drei Jahrzehnte, in denen er die Fürstengruft mit den Särgen Goethes und Schillers, den Westflügel des Stadtschlosses mit der Schlosskapelle, die Wagenremise am Theaterplatz, die Bürgerschule und die Hauptwache baute, abgebrannte Orte wiederaufbaute, die Bauvorschriften des Landes schrieb und eine Schule für Bauhandwerker gründete. Seine Bauten zeigen einen vornehm-ruhigen Klassizismus, entworfen für ihren Zweck und ihren Ort in der Stadt, und mit Goethe verband ihn Freundschaft: 1832 war er Augenzeuge von dessen letzten Lebensstunden.

Corona Schröter

Sängerin • Schauspielerin • Komponistin

Das Weimarer Hoftheater der 1770er Jahre war eine Liebhaberbühne: Der Hof spielte für den Hof, der Herzog und sein Geheimrat standen selbst auf der Bühne. Corona Schröter war die Berufskünstlerin darunter — und man sah den Unterschied.

Elie Wiesel

Schriftsteller • Zeuge • Nobelpreisträger

Sechzehn Jahre alt, als ihn im Januar 1945 ein Räumungstransport mit seinem Vater nach Buchenwald brachte, am 11. April dort befreit — und später jener Schriftsteller, der die Lager für Nachgeborene lesbar machte.

Elisabeth Förster-Nietzsche

Archivarin • Herausgeberin • Verlegerin

Weimar hat Nietzsche, weil seine Schwester ihn hierherbrachte, und das 20. Jahrhundert empfing ihn in der Gestalt, die sie ihm gab. Beides geht auf sie zurück, und nur das eine gereicht ihr zur Ehre.

Erich Kranz

Pfarrer

Ein Weimarer Pfarrer, dessen Predigten vom 4. und 5. Oktober 1989 die Stadt in ihrer eigenen Darstellung als Auftakt der Friedlichen Revolution führt.

Ernst August I., Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach

Herzog • Bauherr • Jäger

Zwischen Bachs Dienstherrn und der Regentschaft Anna Amalias steht ein Herzog, der Ludwig XIV. sein wollte und es sich nicht leisten konnte. Neunzehn Jahre stritt Ernst August mit dem Onkel, mit dem er mitregierte, herrschte ab 1728 allein, jagte mehr, als er regierte — und baute das Sommerschloss Belvedere, das bis heute zu besichtigen ist.

Franz Ehrlich

Gestalter • Typograph • Architekt • Häftling in Buchenwald

Ein Schlosser, der am Bauhaus studierte, ein Kommunist, den die Gestapo nach Buchenwald einwies — und der Häftling, der die Buchstaben am Lagertor entwerfen musste. Er entwarf sie nach den Schriften seiner Bauhaus-Lehrer.

Franz Leitner

Kommunist • Blockältester • Gerechter unter den Völkern

Ein Österreicher, mit einundzwanzig wegen seiner Mitgliedschaft im kommunistischen Jugendverband nach Buchenwald eingewiesen, der mit fünfundzwanzig Blockältester jener Baracke wurde, in der der Lagerwiderstand Kinder schützte.

Franz Liszt

Komponist • Pianist • Dirigent

Franz Liszt, der gefeiertste Pianist des 19. Jahrhunderts, machte Weimar zur musikalischen Hauptstadt der Jahrzehnte nach Goethe. 1848 kam er als Hofkapellmeister, gab der Stadt die Uraufführung von Wagners Lohengrin, schrieb auf der Altenburg die Sinfonischen Dichtungen, die Faust- und die Dante-Sinfonie und die h-Moll-Sonate — und kehrte nach Rom und den niederen Weihen von 1869 bis 1886 jeden Sommer zurück, um im Haus des Hofgärtners am Rand des Parks die Pianisten Europas zu unterrichten. Dieses Haus ist das Liszt-Haus, mit seinem Musiksalon und seinem Bechstein-Flügel.

Friedrich Ebert

Politiker • Staatsmann

Der erste Reichspräsident der deutschen Republik, gewählt in Weimar, in einem Theater, elf Tage nachdem er jene Versammlung eröffnet hatte, die ihn wählte.

Friedrich Justin Bertuch

Verleger • Unternehmer • Hofbeamter

Der Weimarer Hof brachte Literatur hervor; Bertuch brachte das Geschäft hervor, das einen guten Teil der Stadt darum herum finanzierte. 1747 in Weimar geboren, wurde er 1775 — im Jahr von Goethes Ankunft — Geheimsekretär des Herzogs Carl August und später Legationsrat, und verbrachte sein Leben damit, aus einer kleinen Residenzstadt einen Ort zu machen, an dem auch produziert und verkauft wurde.

Friedrich Nietzsche

Philosoph • Philologe

Friedrich Nietzsche, der Philosoph des Zarathustra und von Jenseits von Gut und Böse, verbrachte die letzten drei Jahre seines Lebens in Weimar, ohne es zu wissen: Sein Zusammenbruch in Turin im Januar 1889 hatte sein Schreiben beendet, und 1897 holte ihn seine Schwester Elisabeth in die Villa Silberblick, in der sie im Jahr zuvor das Archiv seiner Schriften eingerichtet hatte. Dort starb er am 25. August 1900. Das Haus ist heute das Nietzsche-Archiv — mit Henry van de Veldes Räumen von 1902 im Erdgeschoss und einer Ausstellung zur Geschichte des Archivs selbst, seine Rolle im Nietzsche-Kult der Nationalsozialisten eingeschlossen.

Friedrich Preller der Ältere

Maler • Radierer

Dass Weimars Spätklassizismus die Epoche überdauerte, die ihn hervorbrachte, liegt wesentlich an Preller. 1804 in Eisenach geboren, 1878 in Weimar gestorben, hielt er in einem langen Arbeitsleben einen Stil am Leben, über den die Stadt, die ihn erfunden hatte, längst hinweg war.

Friedrich Schiller

Dichter • Dramatiker • Historiker

Friedrich Schiller ist die andere Hälfte der Weimarer Klassik: der Dramatiker der Räuber, des Don Karlos, des Wallenstein und des Wilhelm Tell, der Dichter der Ode An die Freude, Professor für Geschichte in Jena und sechs Jahre lang Goethes Partner an der Weimarer Bühne. Im Dezember 1799 zog er nach Weimar, 1802 bezog er das Haus an der Esplanade und starb am 9. Mai 1805, mit fünfundvierzig, in dessen Arbeitszimmer unter dem Dach. Das Haus ist Museum, in Bronze steht er neben Goethe vor dem Theater, das beide führten, und sein Sarg in der Fürstengruft steht neben dem Goethes.

Friedrich Wilhelm Riemer

Philologe • Bibliothekar • Herausgeber

Am 3. September 1803 kam er in Weimar an, und wenige Tage später nahm Goethe ihn als Lehrer seines Sohnes August ins Haus. Zweiundvierzig Jahre später war er noch immer in Weimar — als Leiter der herzoglichen Bibliothek und Herausgeber der Korrespondenz des Mannes, der ihn eingestellt hatte.

Fritz Cremer

Bildhauer

Der Bildhauer der elf Gestalten von Buchenwald, einer Bronzegruppe, entstanden unter politischer Aufsicht, die die Gedenkstätte selbst nicht verschweigt.

Fritz Löhner-Beda

Librettist • Textdichter • Häftling

Der Librettist einer der erfolgreichsten Operetten überhaupt, wenige Wochen nach dem „Anschluss“ verhaftet — und im Lager der Verfasser des Textes zum Buchenwaldlied.

Fritz Sauckel

Gauleiter • Reichsstatthalter • Kriegsverbrecher

Achtzehn Jahre lang Gauleiter von Thüringen und ab 1942 der Mann, dem Hitler den Arbeitseinsatz des gesamten Reiches übertrug. In Nürnberg verurteilt und hingerichtet.

Georg Melchior Kraus

Maler • Zeichenlehrer

Kraus ist der Grund, warum wir wissen, wie Weimar aussah. 1737 in Frankfurt geboren, ließ sich der Maler 1774 hier nieder und blieb bis zu seinem Tod 1806; diese Jahrzehnte verbrachte er damit, den Ort und seine Leute zu zeichnen.

Georg Muche

Maler • Bauhausmeister • Leiter der Weberei

Das einzige Haus, das das Bauhaus in Weimar baute, hat ein Maler entworfen — dieser hier.

Gerhard Marcks

Bildhauer • Bauhausmeister • Leiter der Keramischen Werkstatt

Einer der ersten Meister, die Gropius berief — und der einzige, dessen Werkstatt gar nicht in Weimar stand: Die Töpferei des Bauhauses lag in einem Dorf an der Saale.

Gunta Stölzl

Weberin • Bauhausschülerin, dann Leiterin der Weberei

Sie schrieb sich 1919 in Weimar ein, im ersten Jahrgang der Schule, lernte in Georg Muches Weberei das Handwerk — und leitete diese Werkstatt am Ende selbst.

Harry Graf Kessler

Mäzen • Museumsdirektor • Verleger • Diplomat

Drei Jahre hielt Kessler es in Weimar aus und veränderte, was diese Stadt sein konnte. 1903 übernahm er die Leitung des Großherzoglichen Museums für Kunst und Kunstgewerbe; 1906 beendete ein Skandal um Aktzeichnungen das Amt.

Henry van de Velde

Architekt • Designer • Gründer der Weimarer Kunstgewerbeschule

Henry van de Velde, der belgische Maler, Designer und Architekt, wurde 1902 nach Weimar berufen, um das Kunsthandwerk eines kleinen Großherzogtums zu heben, und blieb fünfzehn Jahre. Er baute die beiden Schulgebäude an der heutigen Geschwister-Scholl-Straße, gründete und leitete die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule, richtete das Nietzsche-Archiv neu ein und baute sein eigenes Haus, das Haus Hohe Pappeln. Als der Krieg ihn vertrieb, benannte er seinen Nachfolger: Walter Gropius, der 1919 van de Veldes Schule in das Bauhaus eingliederte und es in van de Veldes Bauten führte.

Herbert Bayer

Typograf • Grafiker • Fotograf • Architekt

Der Mann, der dem Bauhaus seine Schrift gab, hat in Weimar zuerst Wände gemalt — vier Jahre als Student hier, vor der Typografie, die jeder erkennt.

Hermann Brill

Sozialdemokrat • Jurist • Widerstandsorganisator • Politiker

Ein thüringischer Sozialdemokrat, wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, der in Buchenwald einen parteiübergreifenden Kreis politischer Häftlinge bildete — und später am Grundgesetz mitarbeitete.

Hermann Leopoldi

Pianist • Komponist • Kabarettist

Ein Wiener Pianist und Kabarettkomponist, den die SS ein Lagerlied schreiben ließ, der in Buchenwald Löhner-Bedas Text vertonte — und der 1939 freikam, während sein Textdichter es nicht tat.

Herzogin Anna Amalia

Herzogin • Regentin • Mäzenin • Komponistin

Anna Amalia, geboren am 24. Oktober 1739 als Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, heiratete mit sechzehn Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach, wurde mit achtzehn Witwe und regierte das Herzogtum von 1759 an als Regentin für ihren Sohn Carl August, bis sie ihm am 3. September 1775 die Regierung übergab. In diesen Jahren ließ sie 1766 die herzogliche Bibliothek in den Rokokosaal umziehen und holte 1772 Wieland zur Erziehung der Prinzen nach Weimar; nach dem Schlossbrand von 1774 machte sie das Wittumspalais zu ihrem Witwensitz und seine Abendgesellschaften zum Treffpunkt von Goethe, Herder und Wieland, hielt einen Sommerhof in Ettersburg und ab 1781 in Tiefurt, vertonte 1776 Goethes „Erwin und Elmire“ und verbrachte die Jahre 1788 bis 1790 in Rom und Neapel. Sie starb am 10. April 1807 in Weimar und liegt in der Stadtkirche; die Bibliothek trägt seit 1991 ihren Namen.

Hugo Preuß

Staatsrechtler • liberaler Politiker

Der Jurist, der den ersten Entwurf der Weimarer Verfassung schrieb — in Berlin, Monate bevor die Versammlung, die ihn beschloss, überhaupt in Weimar eintraf.

Johann Friedrich I.

Herzog • Kurfürst

Weimar verdankt seinen Rang einem Verlierer. 1547 der Kurwürde beraubt, 1552 aus der Gefangenschaft entlassen, machte Johann Friedrich der Großmütige die Stadt, die ihm geblieben war, zu seiner Residenz — und Residenzstadt ist sie seither geblieben. Zwei Jahre hatte er hier, und was er hinterließ, ist kein Grabmal, sondern ein Bild.

Johann Gottfried Herder

Philosoph • Theologe • Dichter

Johann Gottfried Herder, Philosoph, Theologe und Dichter, ist neben Goethe und Wieland der dritte Name der Weimarer Klassik — der Mann, der den jungen Goethe 1770 in Straßburg zu Shakespeare und zum Volkslied brachte und den Goethe 1776 als Oberhaupt der Kirche des Herzogtums nach Weimar holte. Siebenundzwanzig Jahre lang war er Oberhofprediger, Generalsuperintendent und Pastor der Stadtkirche, und in der übrigen Zeit schrieb er die Volkslieder, die Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit und die Briefe zur Beförderung der Humanität. Am 18. Dezember 1803 starb er in Weimar und liegt in der Kirche, die seither seinen Namen trägt: der Herderkirche, am Herderplatz, unter seinem Standbild.

Johann Nepomuk Hummel

Komponist • Pianist • Kapellmeister

Weimar war eine Stadt der Schriftsteller, und Hummel ist der Mann, der ihr die Konzerte gab. Der Mozart-Schüler stand von 1819 bis zu seinem Tod 1837 an der Spitze der Hofkapelle, und das Konzertleben, das er begründete, überdauerte ihn um Generationen.

Johann Peter Eckermann

Schriftsteller • Herausgeber • Bibliothekar

Fast alles, was die Welt darüber zu wissen glaubt, wie Goethe sprach, kommt über einen einzigen Mann — der im Juni 1823 ohne Anstellung nach Weimar kam, in der Hoffnung, der alte Dichter werde sein Manuskript lesen. Goethe las es, bat ihn zu bleiben und bei redaktioneller Arbeit zu helfen, und Eckermann ging nie wieder richtig fort.

Johann Sebastian Bach

Komponist • Musiker • Organist

Johann Sebastian Bach, geboren am 21. März 1685 in Eisenach, stand zweimal in Weimarer Diensten: ein halbes Jahr 1703 als Lakai und Hofmusiker, dann von 1708 bis 1717 als Hoforganist der Schlosskapelle, ab dem 2. März 1714 zugleich als Konzertmeister mit der Pflicht, alle vier Wochen eine Kirchenkantate zu liefern. Aus dem Weimarer Jahrzehnt stammen etwa dreißig Kantaten, Frühfassungen der Brandenburgischen Konzerte, ein Großteil seines Orgelwerks und das Orgelbüchlein; am Markt 16 kamen seine ersten sechs Kinder zur Welt, darunter Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel. Als er auf seine Entlassung nach Köthen drängte, ließ Herzog Wilhelm Ernst ihn knapp vier Wochen im Schloss festsetzen und entließ ihn am 2. Dezember 1717 in Ungnade. 1723 folgte Leipzig, wo er am 28. Juli 1750 starb.

Johann Wolfgang von Goethe

Dichter • Staatsmann • Naturforscher

Johann Wolfgang von Goethe ist der Grund, warum Weimar Weimar ist. 1775 kam er mit sechsundzwanzig, als Verfasser des Werther schon berühmt, auf Einladung des jungen Herzogs Carl August — und blieb bis zu seinem Tod 1832: siebenundfünfzig Jahre, in denen er Minister des Herzogtums war, Leiter seines Theaters, ein Naturforscher von Rang und der Dichter, der in dieser Stadt die Iphigenie, den Tasso, den Wilhelm Meister, die Wahlverwandtschaften, den Divan und beide Teile des Faust schrieb. Sein Haus am Frauenplan, fast fünfzig Jahre lang sein Zuhause, ist heute das Goethe-Nationalmuseum; sein Gartenhaus steht in dem Park, den er mit angelegt hat; sein Sarg in der Fürstengruft, neben dem Schillers.

Johanna Schopenhauer

Schriftstellerin • Gastgeberin

Im September 1806 kam sie nach Weimar und öffnete ihr Haus. Zwanzig Jahre lang kam die beste Gesellschaft der Stadt zu ihren Teegesellschaften — Goethe eingeschlossen —, und als 1819 ihr Vermögen verloren war, wurde sie eine der ersten deutschen Frauen, die vom Schreiben lebten.

Johannes Daniel Falk

Schriftsteller • Pädagoge • Philanthrop

1797 kam er als Satiriker nach Weimar und stritt sich für den Rest seines Lebens mit Goethe. Nach 1813 gründete er dann — nachdem er vier eigene Kinder begraben hatte — eine Gesellschaft, die verwaiste und verwahrloste Kinder von der Straße holte. Und das, nicht das Schreiben, ist er.

Johannes Itten

Maler • Kunstpädagoge • Bauhausmeister

Wer am Bauhaus anfing, begegnete zuerst Johannes Itten — denn der Kurs, den alle bestehen mussten, war seine Erfindung. Als er im März 1923 ging, war die Schule binnen eines Jahres eine andere.

Joost Schmidt

Bildhauer • Typograf • Bauhausmeister

Fünfzehn Jahre lang studierte er in Weimar Kunst — an drei Schulen in denselben Gebäuden, der großherzoglichen Hochschule und dem Bauhaus — und wäre um ein Haar für eine vierte geblieben.

Jorge Semprún

Schriftsteller • Widerstandskämpfer • Drehbuchautor

Ein spanischer Kommunist, als junger Mann nach Buchenwald deportiert, am 11. April 1945 befreit — und später einer der Schriftsteller, durch die das Lager Leser erreichte, die nie darin waren.

Josef Albers

Maler • Gestalter • Lehrer

1920 kam er mit zweiunddreißig als Student nach Weimar und verließ das Bauhaus dreizehn Jahre später als der Mann, der seinen Vorkurs unterrichtete — als einziger beides.

Karl Ludwig von Knebel

Lyriker • Übersetzer • Prinzenerzieher

Alles, was Weimar nach 1775 wurde, ruht auf einer Vorstellung, die Knebel im Dezember 1774 arrangierte. Er ist der unbekannteste Mann dieser Geschichte und derjenige, ohne den es sie nicht gäbe.

Karl Peter Röhl

Maler • Grafiker • Bauhausschüler

Das erste Zeichen des Bauhauses entwarf ein Student im ersten Jahr — und in seinem Atelier kam De Stijl nach Weimar.

Karla Grosch

Tänzerin • Lehrerin für Sport und Gymnastik am Bauhaus

In Weimar geboren, als die Kunstschule der Stadt noch großherzoglich war, unterrichtete sie am Bauhaus, nachdem es Weimar längst verlassen hatte — als eine von zwei Frauen im Lehrkörper. Mit achtundzwanzig war sie tot.

László Moholy-Nagy

Künstler • Fotograf • Bauhausmeister

Berufen wurde er in dem Monat, in dem Johannes Itten ging — und die Schule, die mit Atemübungen begonnen hatte, wandte sich der Maschine zu.

Lothar Schreyer

Dramatiker • Maler • Leiter der Bauhausbühne

Zwei Jahre lang leitete die Bauhausbühne ein Mann, der vom Berufstheater kam — bis eine einzige Aufführung seine Zeit an der Schule beendete.

Lucas Cranach der Ältere

Maler • Grafiker

Lucas Cranach der Ältere, geboren am 4. Oktober 1472 in Kronach, war ab 1505 Hofmaler der sächsischen Kurfürsten in Wittenberg, führte unter dem Zeichen der geflügelten Schlange die produktivste Malerwerkstatt Deutschlands, war Bürgermeister der Stadt und stand Martin Luther 1525 als Trauzeuge und 1526 als Taufpate seines ersten Sohnes zur Seite. Als Johann Friedrich der Großmütige 1552 Weimar zu seiner Residenz wählte, kam der Achtzigjährige mit, richtete im Haus am Markt, das heute seinen Namen trägt, eine letzte Werkstatt ein und begann den Altar für die Stadtkirche, den sein Sohn 1555 vollendete. Er starb am 16. Oktober 1553 in Weimar und liegt in der Cranachgruft an der Jakobskirche.

Lucas Cranach der Jüngere

Maler • Grafiker

Lucas Cranach der Jüngere, geboren am 4. Oktober 1515 in Wittenberg, wuchs in der Werkstatt seines Vaters auf, übernahm 1537 ihre Geschäfte und 1550 ihre alleinige Leitung und trug den Namen Cranach als Maler der Reformation bis zu seinem Tod in Wittenberg am 25. Januar 1586. Sein Werk für Weimar ist der Altar der Stadtkirche, 1555 als Epitaph Johann Friedrichs des Großmütigen vollendet: Christus am Kreuz, die Allegorie der Erlösung, die fürstlichen Stifter auf den Flügeln und zwischen Johannes dem Täufer und Luther das Bildnis seines Vaters, der zwei Jahre zuvor in der Stadt gestorben war. Er wohnte mit dem Vater im Cranachhaus am Markt und diente Wittenberg als Ratsherr, Kämmerer und 1565 als Bürgermeister.

Ludwig Hirschfeld-Mack

Maler • Grafiker • Kunstpädagoge

Ein Studierender, der das Weimarer Bauhaus ganz durchlief, vom ersten Oktober bis zum letzten März — und der die einzige Kunstform der Schule schuf, die man einschalten muss.

Ludwig Mies van der Rohe

Architekt • Möbelgestalter • letzter Direktor des Bauhauses

In Weimar hat er nie gearbeitet. Er steht hier, weil seine Möbel in der Sammlung dieser Stadt liegen — und weil die Schule, die Weimar gegründet hat, unter ihm endete.

Luise von Hessen-Darmstadt

Herzogin • Großherzogin

Luise von Hessen-Darmstadt (1757–1830) war dreiundfünfzig Jahre lang die Frau Carl Augusts – und die Frau, die sich 1806 zwischen Weimar und Napoleon stellte. Am 3. Oktober 1775 in Karlsruhe getraut und zwei Wochen später unter Glockengeläut in Weimar eingeholt, lebte sie im Schatten ihrer Schwiegermutter Anna Amalia und an der Seite eines Mannes, dessen Temperament zu ihrem nie passte; Goethe schrieb ihr Stücke und richtete ihr Feste im Park aus, Herder las mit ihr Shakespeare und Latein. Am 15. Oktober 1806, einen Tag nach der Schlacht bei Jena, nahm der französische Kaiser Quartier im Stadtschloss, während seine Soldaten die Stadt plünderten – und die Herzogin, als Einzige ihrer Familie geblieben, empfing ihn, verteidigte ihm ins Gesicht ihren abwesenden Mann und erreichte, dass die Plünderung endete. Das Herzogtum blieb bestehen, und Weimar sah in ihr seither seine Landesmutter. Seit 1815 Großherzogin, starb sie am 14. Februar 1830 und ruht neben Carl August in der Fürstengruft.

Lyonel Feininger

Maler • Grafiker • Bauhausmeister

Lyonel Feininger, 1871 in New York geboren, war der erste Meister, den Walter Gropius im Mai 1919 an das Bauhaus in Weimar berief, und der Holzschnitt einer Kathedrale auf dem Titelblatt des Bauhaus-Manifests stammt von ihm. Er leitete die Druckerei bis 1925, wohnte mit seiner Familie in der Gutenbergstraße 16 und malte die Kirchen und Dörfer um Weimar — Gelmeroda vor allem — wieder und wieder. Er folgte der Schule nach Dessau, verließ Deutschland 1937 in Richtung USA, als seine Kunst als „entartet“ galt, und starb 1956 in New York.

Marcel Breuer

Möbelgestalter • Architekt • Bauhausschüler, dann Meister

Marcel Breuer wurde in Weimar nicht berufen, sondern ausgebildet: 1920 kam er als Achtzehnjähriger, legte vor der hiesigen Handwerkskammer die Gesellenprüfung ab und ging aus dem Werkstattsystem als dessen Meister hervor.

Maria Pawlowna, Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach

Großherzogin • Mäzenin

1804 kam eine Zarentochter durch Heirat nach Weimar, und die Klassik Stiftung nennt sie heute die Begründerin von Weimars Silbernem Zeitalter — jener Jahrzehnte nach Goethe, in denen die Stadt beschloss, weiterhin ein Ort zu sein, an dem etwas geschieht.

Marianne Brandt

Gestalterin • Metallgestalterin • Fotografin

Sie hatte in Weimar schon jahrelang Kunst studiert, als in derselben Stadt das Bauhaus aufmachte, wurde mit dreißig noch einmal Studentin — und leitete am Ende die Metallwerkstatt, aus der einige der bekanntesten Gestaltungen der Schule kamen.

Martin Luther

Reformator • Theologe • Prediger

Martin Luther, geboren am 10. November 1483 in Eisleben, ging in Eisenach zur Schule, trat 1505 in das Erfurter Augustinerkloster ein und verschickte als Wittenberger Professor am 31. Oktober 1517 die 95 Thesen. Nach dem Reichstag zu Worms 1521 wurde er auf der Wartburg über Eisenach verborgen und übersetzte dort in zehn Monaten das Neue Testament. Weimar, Sitz seiner ernestinischen Schutzherren, hörte ihn zwischen 1518 und 1540 predigen; aus seinen zwei Predigten in der Schlosskirche am 24. und 25. Oktober 1522 wurde die Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“. Die Stadtkirche bewahrt den Cranach-Altar von 1555 mit seinem Bildnis und den Lutherschrein von 1572, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek knapp drei Viertel aller zeitgenössischen Lutherdrucke, zwei davon im UNESCO-Weltdokumentenerbe. Er starb am 18. Februar 1546 in Eisleben.

Maurice Halbwachs

Soziologe • Wissenschaftler

Der Soziologe, dessen Arbeiten zum kollektiven Gedächtnis bis heute als Klassiker gelten — gestorben im März 1945 an der Ruhr, im KZ Buchenwald, vor den Augen seines Sohnes.

Max Littmann

Architekt

Das Theater, das in Weimar alle fotografieren, ist Littmanns. 1906 wurde er beauftragt, ein Hoftheater zu ersetzen, das in Größe, Bausubstanz und Technik nicht mehr genügte; sein Bau wurde am 11. Januar 1908 eröffnet.

Oskar Schlemmer

Maler • Bildhauer • Choreograph • Bauhausmeister

Im Januar 1921 berief Gropius Oskar Schlemmer als einen der ersten Meister nach Weimar — und bekam einen Maler, der in Körpern und Räumen dachte, nicht in Bildern.

Ottilie von Goethe

Herausgeberin • Gastgeberin

Mit einundzwanzig heiratete sie in den berühmtesten Haushalt Deutschlands hinein und verbrachte den Rest ihres Lebens mit den Folgen. 1796 in Danzig geboren, heiratete sie 1817 in Weimar Goethes Sohn August, führte das Haus am Frauenplan und überlebte fast alle darin; 1872 starb sie in Weimar.

Otto Dorfner

Buchbinder • Einbandkünstler • Lehrer am Staatlichen Bauhaus

Über der Buchbinderei des Bauhauses stand ein Maler, in ihr arbeitete ein Buchbindemeister — und der Buchbinder ist der, der sein Leben lang in Weimar blieb.

Paul Klee

Maler • Bauhausmeister • Lehrer

Paul Klee, 1879 bei Bern geboren, lehrte zehn Jahre am Bauhaus, die ersten viereinhalb davon in Weimar: 1920 berief ihn Walter Gropius, am 10. Januar 1921 begann er, und als Formmeister leitete er die Werkstätten für Buchbinderei, Metall, Glasmalerei und Weberei, während seine Formlehre Teil des Vorkurses wurde. Er wohnte mit seiner Familie Am Horn 53, ging 1925 mit der Schule nach Dessau, verließ sie 1931 für eine Professur in Düsseldorf, wurde 1933 von den Nationalsozialisten entlassen und starb 1940 in der Schweiz.

Peter Cornelius

Komponist • Dichter

Cornelius gehört Weimar für eine Nacht, und die ging schief. Seine komische Oper „Der Barbier von Bagdad“ wurde hier am 15. Dezember 1858 uraufgeführt, und dieser Abend beendete seine Verbindung zur Stadt und Liszts Verbindung zum Hoftheater.

Raphaël Élizé

Tierarzt • Bürgermeister • Widerstandskämpfer

Ein Tierarzt aus Martinique, der als erster Mischling zum Bürgermeister einer Gemeinde im französischen Mutterland gewählt wurde, und der im KZ Buchenwald bei der Bombardierung des Werks getötet wurde, in dem das Lager ihn arbeiten ließ.

Richard Strauss

Komponist • Dirigent

Richard Strauss (1864–1949) verbrachte von 1889 bis 1894 fünf entscheidende Jahre in Weimar, als Kapellmeister am großherzoglichen Hoftheater. Hier leitete der junge Komponist und Dirigent die Uraufführungen seiner Tondichtung „Don Juan“ 1889, von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ 1893 und seiner ersten Oper „Guntram“ 1894, dirigierte Wagner ungekürzt, setzte sich für Liszt und die Musik seiner Zeitgenossen ein und verhalf der Hofkapelle zu einem beachtlichen Aufschwung. Von Weimar aus verbreitete sich sein Ruf als Komponist — und hier verlobte er sich am Morgen der „Guntram“-Uraufführung mit der Sopranistin Pauline de Ahna, die am Abend die weibliche Hauptrolle sang.

Richard Wagner

Komponist • Dirigent

Richard Wagner hatte nie ein Amt in Weimar, und der Platz der Stadt in seiner Geschichte ist genau bestimmt: 1849, als die sächsische Polizei ihn suchte, brachte Franz Liszt seinen „Tannhäuser“ am Hoftheater heraus, und am 28. August 1850 gab dasselbe Haus unter Liszts Leitung die Uraufführung des „Lohengrin“ — der Komponist saß im Schweizer Exil und konnte nicht kommen.

Sophie, Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach

Großherzogin • Sammlerin • Archivgründerin

1842 kam eine niederländische Prinzessin nach Weimar, um den Erbgroßherzog zu heiraten, und dreiundvierzig Jahre später fiel ihr der wertvollste literarische Nachlass Deutschlands zu. Was sie damit tat, ist der Grund, weshalb bis heute Forscherinnen und Forscher in diese Stadt reisen.

Theo van Doesburg

Maler • Architekt • De-Stijl-Propagandist

Der Niederländer, der nach Weimar kam, um mit dem Bauhaus zu streiten, seinen eigenen Kurs gegenüber der Schule abhielt — und sie veränderte, ohne je bei ihr angestellt zu sein.

Walter Bartel

Kommunist • Widerstandsorganisator • Historiker

Der Häftling, der jene Verbindungen zwischen den Nationalitäten knüpfte, aus denen das Internationale Lagerkomitee Buchenwalds wurde — die Organisation, die am 11. April 1945 das Lager übernahm.

Walter Gropius

Architekt • Gründer und Direktor des Bauhauses • Lehrer

Walter Gropius, geboren am 18. Mai 1883 in Berlin, gründete im April 1919 in Weimar das Staatliche Bauhaus und leitete es durch seine sechs Weimarer Jahre, bis die Schule 1925 nach Dessau zog. Er kam aus dem Büro von Peter Behrens und vom Fagus-Werk in Alfeld von 1911; in Weimar vereinigte er die Kunsthochschule mit Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule, schrieb das Manifest, dessen erster Satz das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit im Bau sieht, stellte jede Werkstatt unter einen Handwerker und einen Künstler zugleich und richtete 1923 die Ausstellung mit dem Haus Am Horn aus. Sein eigener Weimarer Bau ist das Denkmal der Märzgefallenen von 1922. 1928 übergab er die Schule an Hannes Meyer, 1934 emigrierte er nach England, 1937 nach Harvard, und am 5. Juli 1969 starb er in Boston.

Wassily Kandinsky

Maler • Bauhausmeister • Lehrer

Wassily Kandinsky, der in Moskau geborene Maler des Blauen Reiters, kam im Juni 1922 auf Walter Gropius' Ruf an das Bauhaus in Weimar, übernahm die Werkstatt für Wandmalerei und wohnte ab 1923 in der Südstraße 3, der heutigen Wilhelm-Külz-Straße. Er blieb der Schule über Dessau und Berlin bis zu ihrer Schließung 1933 verbunden — zehn Jahre lang als ihr stellvertretender Direktor —, schrieb 1926 „Punkt und Linie zu Fläche“ als Bauhausbuch und starb 1944 im Exil in Neuilly-sur-Seine.

Wilhelm Ernst, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach

Großherzog • Mäzen

Der letzte Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, der ein Jahrzehnt lang jene Moderne bezahlte, für die Weimar heute berühmt ist — und der seinen Thron an einem Abend abgab.

Wilhelm Ernst, Herzog von Sachsen-Weimar

Herzog • Mäzen

Weimars barocker Herzog regierte fünfundvierzig Jahre und wird, ungerecht und unvermeidlich, für vier Wochen davon erinnert — jene vier, die er Johann Sebastian Bach in Haft hielt. Der Rest der Regierung bestand aus Kirchen, Schulen und Verwaltung, und das meiste davon steht noch.

Wilhelm IV., Herzog von Sachsen-Weimar

Herzog • Bauherr • Oberhaupt der Fruchtbringenden Gesellschaft

Das Schloss, das 1774 brannte, trug ein Jahrhundert lang seinen Namen: die Wilhelmsburg. Wilhelm IV. baute die Weimarer Residenz aus dem wieder auf, was der Brand von 1618 übrig gelassen hatte, beaufsichtigte die Arbeiten selbst und stand der ersten großen Sprachgesellschaft der Deutschen vor — ein Herzog, dessen zwei bleibende Projekte ein Gebäude und ein Wortschatz waren.

Wilhelm Wagenfeld

Gestalter • Silberschmied • Industriedesigner

Zwei Jahre Student — und Urheber des einen Gegenstands, der auch denen „Bauhaus“ sagt, die von Gropius nie gehört haben: der Tischleuchte aus Glas und Metall von 1924.

Ihr Erbe entdecken

Besuchen Sie die Orte, an denen diese Persönlichkeiten gelebt, gearbeitet und ihr bleibendes Werk geschaffen haben. Viele ihrer Wohnhäuser, Arbeitsstätten und Treffpunkte sind heute Museen und Gedenkorte.