Persönlichkeiten Weimars
Lernen Sie die Menschen kennen, die Weimars kulturelles Erbe über die Jahrhunderte geprägt haben. Von Dichtern und Philosophen bis zu Architekten und Politikern: Sie machten aus einer kleinen Stadt einen Ort von geistigem und künstlerischem Rang.
Die einflussreichsten Persönlichkeiten
Goethe ist die überragende Gestalt der Weimarer Geschichte — Dichter, Dramatiker, Denker und Staatsmann, der die kulturelle Blüte der Stadt prägte. 1775 folgte der 26-Jährige der Einladung Herzog Carl Augusts und blieb Weimar bis zu seinem Lebensende verbunden. Im Dienst des Herzogtums bekleidete er viele Ämter: Geheimrat, Theaterdirektor, Minister, zuständig für Bergbau ebenso wie für Hochschulfragen. Unter seinem Einfluss wurde Weimar zum Zentrum der deutschen Klassik. Mit Friedrich Schiller verband ihn eine berühmte Freundschaft, mit Herder und Wieland eine enge Zusammenarbeit. Sein literarisches Werk in Weimar ist gewaltig — von Gedichten und Aufsätzen über „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ bis zum „Faust“ (Erster Teil 1808 erschienen). Daneben betrieb er naturwissenschaftliche Studien zu Botanik und Optik und schrieb Werke wie „Die Metamorphose der Pflanzen“. Schon zu Lebzeiten zog seine Gegenwart Talente und Reisende an. Nach Schillers Tod blieb Goethe der kulturelle Mittelpunkt der Stadt, bis er 1832 in seinem Haus am Frauenplan starb; beigesetzt wurde er in der Fürstengruft, neben Schiller. Sein Erbe prägt Weimar bis heute: Sein Wohnhaus und seine Sammlungen bilden das Goethe-Nationalmuseum, und oft ist von „Goethes Weimar“ die Rede.
Wichtige Werke
• Faust (Erster und Zweiter Teil)
• Wilhelm Meisters Lehrjahre
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Epoche
Weimarer KlassikFriedrich Schiller war einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Dramatiker und wurde neben Goethe zur zentralen Figur der Weimarer Klassik. Der gebürtige Schwabe ließ sich 1799 auf Goethes Einladung in Weimar nieder. In den knapp sechs Jahren bis zu seinem frühen Tod entstanden einige seiner größten Dramen — „Maria Stuart“, „Die Jungfrau von Orleans“ und „Wilhelm Tell“ —, viele davon uraufgeführt am Weimarer Hoftheater unter Goethes Leitung. Die Zusammenarbeit der beiden — oft als das „Dioskurenpaar“ Weimars bezeichnet — war außerordentlich fruchtbar: Sie tauschten sich über Ästhetik aus und arbeiteten gemeinsam, etwa an den Xenien. Schillers leidenschaftliche, idealistische Werke ergänzten Goethes Schaffen; zusammen verkörperten sie die humanistischen und klassischen Ideale der Epoche. Schiller lehrte auch Geschichte und Philosophie und wurde 1802 geadelt. Mit seiner Familie wohnte er in einem Haus an der Schillerstraße — heute Schillers Wohnhaus und Museum —, wo er schrieb und Gäste empfing. Von Krankheit gezeichnet, starb Schiller 1805 mit 45 Jahren; Goethe und die Stadt trauerten tief. Zunächst in einem städtischen Gewölbe bestattet, wurden seine (mutmaßlichen) Gebeine später neben Goethe in der Fürstengruft beigesetzt. Sein Erbe ist in Weimar allgegenwärtig.
Wichtige Werke
• Wilhelm Tell
• An die Freude
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Epoche
Weimarer KlassikHerder war ein einflussreicher deutscher Philosoph, Theologe und Literaturkritiker — ein Wegbereiter romantischer und nationaler Ideen des späten 18. Jahrhunderts. 1776 von Herzogin Anna Amalia und Goethe nach Weimar geholt, wurde er Generalsuperintendent der Weimarer lutherischen Kirche. Er prägte das kulturelle Leben der Stadt und trug mit Schriften über Literatur und Volksdichtung zur Weimarer Klassik bei. In Weimar entstanden wirkmächtige Werke wie die „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ (1784–1791), in denen er für kulturelle Vielfalt und die Bedeutung der Volksüberlieferung eintrat. Er sammelte Volkslieder und Erzählungen, was später die Brüder Grimm anregte. Herders geistige Präsenz ergänzte Goethe und Schiller: Er vertrat Ideale des Sturm und Drang und formte das humanistische Klima der Stadt mit. Bekannt war er für seine menschenfreundlichen, aufgeklärten Predigten in der Stadtkirche, die ihm zu Ehren heute Herderkirche heißt. 1802 geadelt, starb Herder 1803 in Weimar und wurde in seiner Kirche beigesetzt. Trotz mancher Spannungen mit Goethe prägte er den literarischen und philosophischen Diskurs der Zeit tief. Ein Denkmal auf dem Herderplatz sowie Kirche und Schule seines Namens erinnern an ihn.
Wichtige Werke
• Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
• Abhandlung über den Ursprung der Sprache
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Epoche
Weimarer KlassikAlle Persönlichkeiten
Carl August
Herzog • Mäzen
Carl August war Herzog und später Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach und bereitete mit aufgeklärter Regierung den Weg für Weimars klassische Epoche. 1757 in Weimar geboren, erbte er das Herzogtum als Jugendlicher. Unter dem Einfluss seiner Mutter Anna Amalia und seines Lehrers Christoph Martin Wieland wuchs er zu einem fortschrittlichen Herrscher heran. 1775, kurz nach Regierungsantritt, holte er den jungen Goethe an seinen Hof — ein Schritt, der den kulturellen Aufstieg der Stadt auslöste. Unprätentiös und geistig neugierig, verband ihn mit Goethe eine lebenslange Freundschaft; er machte ihn zum Geheimrat und ließ ihn nobilitieren. Er gab Goethe und dessen Kreis Freiheit und Rückhalt und nahm selbst an Gesprächen über Kunst, Wissenschaft und Staatskunst teil. Sein Hof zog Talente an — Schiller, Herder und andere — und wurde zum Laboratorium aufgeklärter Reformen. Er modernisierte die Verwaltung, gründete Einrichtungen wie die Freie Zeichenschule und öffnete Parks und Bibliotheken für die Öffentlichkeit. Ungewöhnlich für einen deutschen Fürsten, verkehrte er mit Schriftstellern auf Augenhöhe. Politisch blieb Weimar unbedeutend, kulturell wurde es führend. 1815, nach Napoleons Niederlage, wurde er zum Großherzog erhoben. Bei seinem Tod 1828 galt Weimar als geistige Hauptstadt.
Christoph Martin Wieland
Schriftsteller • Dichter • Übersetzer
Wieland war einer der führenden Dichter, Romanciers und Herausgeber der deutschen Aufklärung — und der erste der großen Schriftsteller, die nach Weimar kamen. Auf Einladung der Herzogin Anna Amalia traf er 1772 ein, um den jungen Herzog Carl August zu unterrichten. Bis 1776 blieb er (und kehrte später zurück) und wurde zur Mentorenfigur im geistigen Kreis des Hofes. Von Weimar aus gab er die einflussreiche Zeitschrift „Der Teutsche Merkur“ heraus und prägte damit den literarischen Geschmack. Seine Werke — der satirische Roman „Die Geschichte der Abderiten“ (1774) und das Versepos „Oberon“ (1780) — standen für Witz, Humanität und eleganten Stil und wurden in ganz Europa gelesen. In Weimar bereitete Wieland den Boden für die Klassik: Goethes Ankunft 1775 begrüßte er herzlich, und Goethe wohnte zunächst in seinem Haus. Wieland förderte einen weltoffenen, toleranten Geist und setzte sich für Shakespeare und die Ideen der Aufklärung ein. Ab 1787 lebte er im nahen Oßmannstedt, blieb dem Weimarer Kulturleben aber eng verbunden; begraben ist er in Weimar. Später von Goethe und Schiller überstrahlt, gilt er dennoch als einer der vier großen „Weimarer Klassiker“.
Franz Liszt
Komponist • Pianist • Dirigent
Franz Liszt war ein Klaviervirtuose und Komponist, der Weimar Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum musikalischer Erneuerung machte. In Ungarn geboren, kam er 1842 auf Einladung nach Weimar und wirkte von 1848 bis 1858 als Hofkapellmeister. In diesem „Weimarer Jahrzehnt“ veränderte er das Musikleben der Stadt grundlegend: Er setzte sich für Zeitgenossen wie Richard Wagner und Hector Berlioz ein und dirigierte wegweisende Uraufführungen — 1850 in Weimar etwa Wagners „Lohengrin“. Zugleich entstanden hier bedeutende eigene Werke, darunter mehrere sinfonische Dichtungen und die „Faust-Sinfonie“. Unter seiner Leitung wurde die Weimarer Hofkapelle zu einem der besten Orchester Europas. Um sich sammelte er Schüler und Förderlinge und machte Weimar zur Hauptstadt der Neudeutschen Schule. Seine moderne Ausrichtung stieß auch auf Widerstand, doch sie setzte die Stadt endgültig auf die musikalische Landkarte. Nach 1858 gab er sein Amt auf, kam aber weiter oft nach Weimar und verbrachte seine letzten Jahre zwischen Rom, Budapest und Weimar. Gestorben ist er in Bayreuth; in Weimar erinnern die Hochschule für Musik Franz Liszt und ein Denkmal im Park an ihn.
Friedrich Ebert
Politiker • Staatsmann
Friedrich Ebert war der erste Reichspräsident der Weimarer Republik — und ein wesentlicher Teil der Gründung dieser Republik geschah in Weimar. Der Sozialdemokrat aus einfachen Verhältnissen stieg in der Partei auf und setzte sich für Arbeiterrechte ein. In den unruhigen Tagen nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung des Kaisers wurde er Leiter der provisorischen Regierung. Unter seiner Führung trat 1919 die Nationalversammlung in Weimar zusammen, um eine demokratische Verfassung zu erarbeiten. Für die Dauer der Versammlung zog Ebert nach Weimar und verlieh der Stadt in diesen Monaten sein Gewicht. Am 11. Februar 1919 wählte ihn die Versammlung zum Reichspräsidenten; das Amt hatte er bis zu seinem Tod 1925 inne. Seine Präsidentschaft war vom Bemühen geprägt, die junge Republik zu stabilisieren: Im August 1919 unterzeichnete er im Weimarer Nationaltheater die Verfassung und führte das Land durch Aufstände und wirtschaftliche Krisen. Eberts Zeit in Weimar war kurz, sein Vermächtnis aber mit der Stadt verwoben: Schon der Name „Weimarer Republik“ erinnert an ihre Rolle bei der ersten deutschen Demokratie.
Friedrich Nietzsche
Philosoph • Philologe
Friedrich Nietzsche, einer der wirkmächtigsten Philosophen des 19. Jahrhunderts, verbrachte seine letzten Jahre in Weimar — und prägte das Bild der Stadt posthum auf ebenso starke wie problematische Weise. 1897 brachte seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche den schwer kranken Bruder nach Weimar. In der Villa Silberblick lebte er unter ihrer Obhut bis zu seinem Tod im August 1900. Geistig nicht mehr tätig, zog seine bloße Anwesenheit frühe Verehrer und Neugierige an. Nach seinem Tod richtete Elisabeth in der Villa das Nietzsche-Archiv ein und gab seine Schriften in bearbeiteter, ihrer nationalistischen Ideologie angepasster Form heraus. Im frühen 20. Jahrhundert wurde das Archiv zur Pilgerstätte für Bewunderer, darunter spätere NS-Größen; Hitlers Besuch 1934 verfestigte diese symbolische Verbindung. Trotz der Vereinnahmung seiner Gedanken traf Nietzsches Philosophie — die schöpferische Individualität feiert und die herkömmliche Moral befragt — auf Weimars Erbe des Genies. Heute erinnert ein Museum in der restaurierten Villa Silberblick kritisch an Leben und Werk. Nietzsches einsame Gestalt am Ende des 19. Jahrhunderts verbindet Weimars klassische Vergangenheit mit der bewegten Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Friedrich Schiller
Dichter • Dramatiker • Historiker
Friedrich Schiller war einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Dramatiker und wurde neben Goethe zur zentralen Figur der Weimarer Klassik. Der gebürtige Schwabe ließ sich 1799 auf Goethes Einladung in Weimar nieder. In den knapp sechs Jahren bis zu seinem frühen Tod entstanden einige seiner größten Dramen — „Maria Stuart“, „Die Jungfrau von Orleans“ und „Wilhelm Tell“ —, viele davon uraufgeführt am Weimarer Hoftheater unter Goethes Leitung. Die Zusammenarbeit der beiden — oft als das „Dioskurenpaar“ Weimars bezeichnet — war außerordentlich fruchtbar: Sie tauschten sich über Ästhetik aus und arbeiteten gemeinsam, etwa an den Xenien. Schillers leidenschaftliche, idealistische Werke ergänzten Goethes Schaffen; zusammen verkörperten sie die humanistischen und klassischen Ideale der Epoche. Schiller lehrte auch Geschichte und Philosophie und wurde 1802 geadelt. Mit seiner Familie wohnte er in einem Haus an der Schillerstraße — heute Schillers Wohnhaus und Museum —, wo er schrieb und Gäste empfing. Von Krankheit gezeichnet, starb Schiller 1805 mit 45 Jahren; Goethe und die Stadt trauerten tief. Zunächst in einem städtischen Gewölbe bestattet, wurden seine (mutmaßlichen) Gebeine später neben Goethe in der Fürstengruft beigesetzt. Sein Erbe ist in Weimar allgegenwärtig.
Henry van de Velde
Architekt • Gestalter
Henry van de Velde war ein belgischer Architekt und Gestalter des Jugendstils, dessen Arbeit in Weimar den Boden für das Bauhaus bereitete. 1902 von Großherzog Wilhelm Ernst nach Weimar geholt, gründete er 1907 die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule und entwarf ihr Lehrprogramm ebenso wie ihre Gebäude. Er brachte moderne Vorstellungen von Form und Funktion in die damalige Residenzstadt und führte damit früh modernistische Prinzipien ein. Van de Velde entwarf das Hauptgebäude der Schule (1905–1911) und den Bau der Kunstgewerbeschule (1905–1906) — heute Teil des Campus der Bauhaus-Universität und wegen ihrer architektonischen Bedeutung UNESCO-Welterbe. Er prägte auch den lokalen Geschmack, indem er Innenräume, Möbel und sogar Mode für die Weimarer Gesellschaft entwarf. Seine Anwesenheit zog junge Talente und fortschrittliche Strömungen an; er empfahl Walter Gropius als seinen Nachfolger. 1915 verließ er Deutschland wegen des Ersten Weltkriegs, doch sein Erbe blieb: Als Gropius 1919 das Bauhaus gründete, vereinte er van de Veldes Schule mit der Kunstakademie und nutzte die von ihm geschaffenen Bauten. In Weimar erinnert der Van-de-Velde-Bau an ihn — den Visionär, der den Grund für die Moderne in dieser Stadt legte.
Herzogin Anna Amalia
Herzogin • Mäzenin • Komponistin
Herzogin Anna Amalia war die zentrale Gestalt der kulturellen Blüte Weimars im 18. Jahrhundert. Als Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren, heiratete sie Herzog Ernst August II. und wurde Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Früh verwitwet (1758), führte sie bis 1775 die Regentschaft für ihren Sohn Carl August. Trotz politischer Schwierigkeiten ist sie vor allem dafür in Erinnerung, Weimar zu einem Zentrum der Aufklärung und der Künste gemacht zu haben. Sie reformierte den Hof, förderte die Bildung und versammelte Gelehrte und Dichter: 1772 holte sie Christoph Martin Wieland an den Hof, später kamen Goethe, Herder und Schiller — der Kreis der Weimarer Klassik. Anna Amalia war selbst musikalisch gebildet: Sie komponierte Lieder und Instrumentalwerke und gründete 1766 die Herzogliche Bibliothek, die heute ihren Namen trägt und die sie persönlich betreute. Schloss Tiefurt machte sie zu einem musenhaften Sommersalon und schuf ein Klima künstlerischer Offenheit. Nach der Volljährigkeit Carl Augusts trat sie zurück und wirkte weiter als Mäzenin. Ihr Erbe ist in Weimar überall sichtbar: Die Anna Amalia Bibliothek steht für ihren geistigen Ehrgeiz. Ohne ihre aufgeklärte Förderung wäre die Epoche Goethes und Schillers vielleicht nie entstanden.
Hugo Preuß
Staatsrechtler • liberaler Politiker
Hugo Preuß war der Hauptverfasser der Weimarer Verfassung, die während der Nationalversammlung in Weimar zwischen Februar und August 1919 entstand. Der jüdisch-deutsche Liberale und Professor für Staatsrecht, von Ebert berufen, schuf die erste demokratische Verfassung Deutschlands. In Weimar brachte er die politischen Forderungen in ein System, das parlamentarische Regierung mit präsidialen Befugnissen verband. Seine Arbeit legte die rechtliche Grundlage für vierzehn Jahre parlamentarischer Demokratie und wirkte auf die westdeutsche Nachkriegsdemokratie ebenso wie auf den modernen europäischen Verfassungsdiskurs.
Johann Friedrich I.
Herzog • Kurfürst
Johann Friedrich I. war Kurfürst von Sachsen (1532–1547) und eine Schlüsselfigur des Protestantismus; sein Schicksal führte ihn nach Weimar und hob den Rang der Stadt Mitte des 16. Jahrhunderts. Als entschiedener Verbündeter Martin Luthers führte er den Schmalkaldischen Bund der protestantischen Fürsten an. 1547 von Kaiser Karl V. besiegt und gefangen genommen, verlor er die Kurwürde und große Teile seines Landes. Nach seiner Freilassung 1552 wählte er Weimar zur Hauptstadt seiner verbliebenen Gebiete, des Herzogtums Sachsen-Weimar, und machte die Stadt damit dauerhaft zur herzoglichen Residenz. Seine letzten beiden Lebensjahre verbrachte er hier; 1554 starb er in Weimar und wurde in der Herderkirche beigesetzt. Mit seinem Umzug begann eine neue Epoche: Von da an war Weimar Sitz seiner ernestinischen Linie. Bekannt für Mut und Großmut — daher sein Beiname —, förderte er Kunst und Gelehrsamkeit; sein Hof legte früh den Grund für die kulturelle Blüte der Stadt. Die Freundschaft mit Lucas Cranach und sein Eintreten für die lutherische Reform machten Weimar zu einem regionalen Zentrum der Reformation. Als der Herzog, der Weimar zur Hauptstadt machte, bleibt Johann Friedrich I. in Erinnerung.
Johann Gottfried Herder
Philosoph • Theologe • Dichter
Herder war ein einflussreicher deutscher Philosoph, Theologe und Literaturkritiker — ein Wegbereiter romantischer und nationaler Ideen des späten 18. Jahrhunderts. 1776 von Herzogin Anna Amalia und Goethe nach Weimar geholt, wurde er Generalsuperintendent der Weimarer lutherischen Kirche. Er prägte das kulturelle Leben der Stadt und trug mit Schriften über Literatur und Volksdichtung zur Weimarer Klassik bei. In Weimar entstanden wirkmächtige Werke wie die „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ (1784–1791), in denen er für kulturelle Vielfalt und die Bedeutung der Volksüberlieferung eintrat. Er sammelte Volkslieder und Erzählungen, was später die Brüder Grimm anregte. Herders geistige Präsenz ergänzte Goethe und Schiller: Er vertrat Ideale des Sturm und Drang und formte das humanistische Klima der Stadt mit. Bekannt war er für seine menschenfreundlichen, aufgeklärten Predigten in der Stadtkirche, die ihm zu Ehren heute Herderkirche heißt. 1802 geadelt, starb Herder 1803 in Weimar und wurde in seiner Kirche beigesetzt. Trotz mancher Spannungen mit Goethe prägte er den literarischen und philosophischen Diskurs der Zeit tief. Ein Denkmal auf dem Herderplatz sowie Kirche und Schule seines Namens erinnern an ihn.
Johann Sebastian Bach
Komponist • Musiker • Organist
Johann Sebastian Bach, einer der größten Komponisten des Barock, lebte und arbeitete in zwei wichtigen Abschnitten seiner Laufbahn in Weimar. Erstmals kam er 1703 als junger Mann hierher; von 1708 bis 1717 wirkte er als Hoforganist und Konzertmeister am herzoglichen Hof von Sachsen-Weimar. In Weimar entstanden einige seiner frühen Meisterwerke, darunter zahlreiche Orgelwerke und rund 30 Kantaten. Hier entwickelte er auch jene choralgebundenen Formen, die sein Schaffen prägen sollten. Die Weimarer Zeit war produktiv, endete aber abrupt: 1717 wurde Bach, nachdem er den Herzog durch die Bewerbung um eine andere Stelle erzürnt hatte, kurzzeitig in Haft genommen und dann entlassen, um nach Köthen zu gehen. Dennoch gilt die Weimarer Zeit als prägend: Für die Schlosskapelle schrieb er den größten Teil des Orgelbüchleins, und vermutlich entstand hier eine erste Fassung des Wohltemperierten Klaviers. Berühmt wurde Bach später in Leipzig, doch Weimar hält die Verbindung in Ehren: Im Schlossmuseum informiert eine Präsentation über seine Zeit, und eine Tafel an der Bastille erinnert an seine Haft. Bachs Wirken unterstreicht das musikalische Erbe, das der klassischen Epoche vorausging.
Johann Wolfgang von Goethe
Dichter • Staatsmann • Naturforscher
Goethe ist die überragende Gestalt der Weimarer Geschichte — Dichter, Dramatiker, Denker und Staatsmann, der die kulturelle Blüte der Stadt prägte. 1775 folgte der 26-Jährige der Einladung Herzog Carl Augusts und blieb Weimar bis zu seinem Lebensende verbunden. Im Dienst des Herzogtums bekleidete er viele Ämter: Geheimrat, Theaterdirektor, Minister, zuständig für Bergbau ebenso wie für Hochschulfragen. Unter seinem Einfluss wurde Weimar zum Zentrum der deutschen Klassik. Mit Friedrich Schiller verband ihn eine berühmte Freundschaft, mit Herder und Wieland eine enge Zusammenarbeit. Sein literarisches Werk in Weimar ist gewaltig — von Gedichten und Aufsätzen über „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ bis zum „Faust“ (Erster Teil 1808 erschienen). Daneben betrieb er naturwissenschaftliche Studien zu Botanik und Optik und schrieb Werke wie „Die Metamorphose der Pflanzen“. Schon zu Lebzeiten zog seine Gegenwart Talente und Reisende an. Nach Schillers Tod blieb Goethe der kulturelle Mittelpunkt der Stadt, bis er 1832 in seinem Haus am Frauenplan starb; beigesetzt wurde er in der Fürstengruft, neben Schiller. Sein Erbe prägt Weimar bis heute: Sein Wohnhaus und seine Sammlungen bilden das Goethe-Nationalmuseum, und oft ist von „Goethes Weimar“ die Rede.
Johannes Itten
Maler • Gestalter • Bauhaus-Meister
Johannes Itten war einer der ersten Meister, die Gropius 1919 ans Bauhaus berief. Er entwickelte den berühmten Vorkurs, der zur Grundlage der Bauhaus-Pädagogik wurde. Sein mystisch geprägter Ansatz — beeinflusst von Zoroastrismus und der Mazdaznan-Lehre — verband künstlerische Ausbildung mit geistiger Entwicklung. Bis 1923 unterrichtete er in Weimar und legte die Grundlagen der Farbenlehre und der Materialstudien. Sein Weggang markierte den Wandel vom expressionistisch geprägten Handwerk zur Funktionalität unter László Moholy-Nagy. Seine pädagogischen Neuerungen wirkten weltweit auf die Kunstausbildung.
Lucas Cranach der Ältere
Maler • Grafiker
Lucas Cranach der Ältere, bedeutender Maler und Grafiker der deutschen Renaissance, war Hofkünstler der sächsischen Kurfürsten — und sein Erbe ist eng mit Weimars Reformationsgeschichte verbunden. 1552 folgte der greise Cranach dem gestürzten Herzog Johann Friedrich I. nach Weimar und verbrachte hier seine letzten Monate; 1553 starb er in der Stadt. Zeitlebens war er eng mit Martin Luther befreundet und porträtierte viele Reformatoren. Sein Weimarer Vermächtnis ist der Cranach-Altar in der Stadtkirche (Herderkirche): ein Triptychon, das Cranach der Ältere begann und sein Sohn 1555 vollendete — die Kreuzigung im Zentrum, daneben Bildnisse Luthers. Das Werk über dem Weimarer Altar zeigt, wie eng Kunst und protestantischer Glaube bei Cranach verbunden waren. Sein später Aufenthalt und sein Grab in Weimar verknüpfen die Stadt sinnbildlich mit den großen Strömungen der Reformation. Sein Stil — ausdrucksstarke Figuren, farbige biblische Szenen — prägte die deutsche Kunst über Generationen. Heute ist Cranach in Weimar als Teil der kulturellen Ahnenreihe präsent: mit Gemälden im Schlossmuseum und mit dem Altar, der als Schatz der Stadt gilt.
Lyonel Feininger
Künstler • Maler
Lyonel Feininger war ein amerikanisch-deutscher Maler und Karikaturist und wurde einer der ersten Meister am Weimarer Bauhaus. Bei der Gründung 1919 berief Gropius ihn zum Formmeister der Druckwerkstatt; von Feininger stammt der berühmte Holzschnitt „Kathedrale“ für den Umschlag des Bauhaus-Manifests. Nach vielen Jahren in Deutschland brachte er eine eigene Verbindung von Kubismus und Expressionismus mit. In seiner Bauhaus-Zeit (1919–1925) lehrte er Grafik und prägte das visuelle Erscheinungsbild der Schule wesentlich mit. Zugleich arbeitete er an seinem eigenen Werk: In Weimar begann er die Reihe architektonischer Motive, darunter die Gelmeroda-Bilder — kubistische Ansichten einer Dorfkirche bei Weimar, die er immer wieder malte. Seine scharfen Linien und kristallinen Formen entsprachen den Gestaltungsprinzipien des Bauhauses. Obwohl er dort vor allem als freier Künstler wirkte, schlug er die Brücke zwischen angewandter Kunst und Malerei. Nach dem Umzug nach Dessau verließ er später NS-Deutschland und kehrte 1937 nach Amerika zurück. In Weimar lebt sein Erbe fort: „Gelmeroda IX“ hängt im Museum Neues Weimar.
Marcel Breuer
Architekt • Möbeldesigner • Bauhaus-Schüler und -Meister
Marcel Breuer schrieb sich 1920 am Bauhaus ein und wurde einer seiner erfolgreichsten Schüler. 1925, mit 23 Jahren, übernahm er als jüngster Meister die Leitung der Möbelwerkstatt. Seine wegweisenden Stahlrohrmöbel — vor allem der Wassily-Sessel (1925) und das Modell B3 — verkörperten die Gestaltungsprinzipien des Bauhauses. Die berühmtesten Entwürfe entstanden zwar nach der Weimarer Zeit, ihr Fundament aber wurde hier gelegt. Seine Möbel verbanden industrielle Materialien mit eleganter Form und beeinflussten das moderne Design weltweit. Später wurde Breuer in den USA ein bedeutender Architekt.
Paul Klee
Künstler • Maler
Paul Klee war ein gefeierter Künstler der Avantgarde, der am Bauhaus lehrte und Weimar eine unverwechselbare Bildwelt hinzufügte. In der Schweiz geboren, wurde er von Walter Gropius berufen und trat 1921 in Weimar der Bauhaus-Lehrerschaft bei, wo er in der Buchbinderei- und der Malwerkstatt unterrichtete. Bereits bekannt für seinen abstrakten, poetischen Stil, prägte Klee die Farb- und Formenlehre des Bauhauses entscheidend mit. In seinen Weimarer Jahren (1921–1925) entwickelte er seine pädagogischen Ideen — seine Vorträge über moderne Kunst und das „denkende Auge“ wurden unter den Studierenden legendär. Zugleich entstand ein umfangreiches Werk: zarte Aquarelle wie „Die Zwitscher-Maschine“ (1922) und geometrische Kompositionen, die Farbabstufungen erkunden. Klees Wirken am Bauhaus verband freie Kunst und angewandte Gestaltung; mit Kandinsky arbeitete er eng zusammen und prägte den spielerisch-experimentellen Geist der Schule. Als das Bauhaus nach Dessau ging, zog er mit — sein Name bleibt aber mit Weimars modernem Kapitel verbunden. Im Museum Neues Weimar sind Werke aus der Bauhaus-Zeit zu sehen, seine Lehre ist in den Archiven der Bauhaus-Universität überliefert.
Richard Strauss
Komponist • Dirigent
Von 1889 bis 1894 war Richard Strauss Erster Kapellmeister am Deutschen Nationaltheater Weimar — eine für seine Entwicklung entscheidende Zeit. Mit 25 Jahren dirigierte er hier große Wagner-Opern unter begrenzten Bedingungen. Seine Tondichtung „Don Juan“ wurde 1889 in Weimar uraufgeführt und mit Beifall aufgenommen; sie begründete seinen internationalen Ruf. „Tod und Verklärung“ folgte 1890. In Weimar lernte und unterrichtete er die Sopranistin Pauline de Ahna, die er 1894 heiratete. Auch wenn seine Oper „Guntram“ hier scheiterte, machten die Weimarer Jahre ihn zum Erben Wagners.
Walter Gropius
Architekt • Lehrer
Walter Gropius war der Gründer des Bauhauses und ein Pionier der modernen Architektur, der die Geschichte Weimars nachhaltig prägte. 1919, im Umbruch nach dem Ersten Weltkrieg, überzeugte er die neue Thüringer Regierung, ihn in Weimar aus bestehenden Einrichtungen eine radikale Kunstschule bilden zu lassen. Als Direktor des Bauhauses (1919–1925) formulierte er das visionäre Lehrprogramm aus Handwerk und freier Kunst und verfasste in Weimar das Bauhaus-Manifest. Er versammelte eine außergewöhnliche Lehrerschaft — darunter Klee und Kandinsky — und schuf ein Klima von Kreativität und Experiment, das Weimar an die Spitze der modernen Gestaltung brachte. Gropius suchte auch den Kontakt zur Industrie und organisierte die wegweisende Bauhaus-Ausstellung von 1923, für die er das Haus am Horn entwarf. Unter politischem Druck verlegte er das Bauhaus 1925 nach Dessau; die von ihm angestoßene Bewegung war da längst nicht mehr aufzuhalten. Gropius machte anschließend eine große Karriere (später in den USA), erinnerte sich an Weimar aber stets als Geburtsort des Bauhauses. Heute wirkt sein Einfluss an der Bauhaus-Universität fort; Haus am Horn und die restaurierten Bauhaus-Bauten sind Denkmale seines Erbes.
Wassily Kandinsky
Künstler • Maler
Wassily Kandinsky, in Russland geboren, gilt als einer der Wegbereiter der abstrakten Malerei — und brachte sein Können ans Weimarer Bauhaus. Seine wichtigste Bauhaus-Zeit lag zwar in Dessau, doch im Juni 1922 trat er in Weimar in die Lehrerschaft ein und unterrichtete hier bis 1925. Er leitete die Wandmalereiwerkstatt und lehrte Theorie; seine tiefen Einsichten zu Farbe, Form und geistigem Ausdruck prägten die Schule. Aus seinen Bauhaus-Vorlesungen entstand unter anderem das einflussreiche Buch „Punkt und Linie zu Fläche“ (1926). Künstlerisch bewegte er sich in Weimar zur geometrischen Abstraktion — sein Gemälde „Kreise im Kreis“ (1923) etwa entspricht der analytischen, ausbalancierten Ästhetik, die am Bauhaus gepflegt wurde. Zur Bauhaus-Ausstellung 1923 steuerte er abstrakte Wandbilder für die Ausstellungshalle bei. Kandinskys Anwesenheit stärkte den freikünstlerischen Anspruch des Bauhauses und verband die Studierenden mit dem von ihm mitbegründeten Blauen Reiter. Nach dem Umzug nach Dessau lehrte er dort weiter und lebte später in Paris. Weimar würdigt ihn als Teil seines Bauhaus-Erbes: mit Werken im Bauhaus-Museum und mit seinem synästhetischen Kunstverständnis, das die Bauhaus-Philosophie bereicherte.
Ihr Erbe entdecken
Besuchen Sie die Orte, an denen diese Persönlichkeiten gelebt, gearbeitet und ihr bleibendes Werk geschaffen haben. Viele ihrer Wohnhäuser, Arbeitsstätten und Treffpunkte sind heute Museen und Gedenkorte.