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Friedrich Nietzsche

1844–1900
deutsch
PhilosophPhilologe

Biografie

Friedrich Nietzsche, der Philosoph des Zarathustra und von Jenseits von Gut und Böse, verbrachte die letzten drei Jahre seines Lebens in Weimar, ohne es zu wissen: Sein Zusammenbruch in Turin im Januar 1889 hatte sein Schreiben beendet, und 1897 holte ihn seine Schwester Elisabeth in die Villa Silberblick, in der sie im Jahr zuvor das Archiv seiner Schriften eingerichtet hatte. Dort starb er am 25. August 1900. Das Haus ist heute das Nietzsche-Archiv — mit Henry van de Veldes Räumen von 1902 im Erdgeschoss und einer Ausstellung zur Geschichte des Archivs selbst, seine Rolle im Nietzsche-Kult der Nationalsozialisten eingeschlossen.

Von Röcken nach Basel, 1844–1870

Geboren wurde er am 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen, als Sohn eines Pfarrers. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie nach Naumburg, wo er ab 1854 das Domgymnasium besuchte; im Oktober 1858 erhielt er eine Freistelle an der Landesschule Pforta, und die strenge altphilologische Ausbildung dort bestimmte seinen Weg. Er studierte in Bonn und Leipzig bei dem Philologen Friedrich Ritschl, und im Februar 1869 — mit vierundzwanzig, ohne Promotion — berief ihn Basel auf den Lehrstuhl für klassische Philologie, ab April 1870 als ordentlicher Professor.

Wagner, Krankheit, Wanderjahre, 1868–1888

Im Herbst 1868 lernte er Richard Wagner kennen und gehörte eine Zeit lang zum Kreis in Tribschen. Ab 1873 verfiel seine Gesundheit; Basel gab ihm 1876 ein Jahr Urlaub und entließ ihn im Mai 1879 mit einer Pension. Die zehn Jahre danach lebte er aus dem Koffer — die Winter in Italien, in Genua, Rapallo, Nizza und Turin, und ab 1881 jeden Sommer in Sils-Maria im Engadin, der Landschaft des Zarathustra.

Die Bücher, 1872–1889

Die Geburt der Tragödie erschien 1872, Menschliches, Allzumenschliches 1878, Die fröhliche Wissenschaft 1882, Also sprach Zarathustra in vier Teilen zwischen 1883 und 1885, Jenseits von Gut und Böse 1886 — auf eigene Kosten gedruckt —, Zur Genealogie der Moral 1887 und die Götzen-Dämmerung 1889. Ecce homo, 1888 geschrieben, kam erst 1908 heraus. Fast alles, was ihn zu einem der meistgelesenen Philosophen der Moderne gemacht hat, entstand in diesen sechzehn Jahren — geschrieben von einem Mann, der allein reiste, mit seinen Kopfschmerzen und seinen Notizbüchern.

Der Zusammenbruch, Jena und Naumburg, 1889–1897

Am 3. Januar 1889 erlitt er in Turin einen geistigen Zusammenbruch. Er wurde in Basel untersucht, dann bis Februar 1890 in der psychiatrischen Universitätsklinik Jena beobachtet, und seine Mutter holte ihn nach Naumburg zurück und pflegte ihn dort sieben Jahre lang. 1894, zu seinen Lebzeiten, gründete seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche in Naumburg ein Archiv für seine Schriften; 1896 verlegte sie es nach Weimar.

Die Villa Silberblick, 1897–1900

Nach dem Tod der Mutter 1897 bezog Elisabeth die Villa Silberblick in der Humboldtstraße, um ihren Bruder neben dem Archiv aufnehmen und pflegen zu können. Dort starb er am 25. August 1900, mit fünfundfünfzig, an einer Lungenentzündung und einem weiteren Schlaganfall, ohne unter diesem Dach eine Zeile geschrieben zu haben, und wurde im Familiengrab an der Dorfkirche von Röcken beigesetzt.

Das Archiv und das Haus, 1902 bis heute

1902 erhielt Henry van de Velde auf Anregung Harry Graf Kesslers den Auftrag zum Umbau und zur Neueinrichtung der Villa; die Räume im Erdgeschoss, die er dort schuf, zählen zum Besten, was er hinterlassen hat. Das Archiv, das die Schwester im Haus führte, wurde zur Pilgerstätte, und heute widmet das Haus im früheren Speisezimmer eine Ausstellung seiner eigenen, wie die Klassik Stiftung sagt, widerspruchsvollen Geschichte und seiner Rolle im Nietzsche-Kult der Nationalsozialisten. An einem Nachmittag sieht man beides: die Räume des neuen Jahrhunderts und die Geschichte, die in ihnen gemacht wurde.

Was Besucher fragen

Hat Nietzsche in Weimar etwas geschrieben?
Nein. Sein Zusammenbruch in Turin am 3. Januar 1889 beendete sein Schreiben; nach Weimar kam er 1897, bereits schwer krank, und starb dort 1900. Alle seine Bücher entstanden zwischen 1872 und 1889, die meisten unterwegs zwischen Italien und Sils-Maria.
Warum ist Nietzsche überhaupt mit Weimar verbunden?
Durch seine Schwester. Elisabeth Förster-Nietzsche gründete 1894 in Naumburg ein Archiv für seine Schriften, verlegte es 1896 nach Weimar und holte nach dem Tod der Mutter 1897 ihren Bruder in die Villa Silberblick, um ihn neben dem Archiv zu pflegen.
Wo ist Nietzsche gestorben, und wo liegt er begraben?
Er starb am 25. August 1900 in der Villa Silberblick in der Weimarer Humboldtstraße und wurde im Familiengrab an der Dorfkirche von Röcken beigesetzt, wo er geboren war.
Was gibt es im Nietzsche-Archiv heute zu sehen?
Die Villa selbst mit den Räumen, die Henry van de Velde 1902 im Erdgeschoss gestaltete — sie gehören zu den schönsten Interieurs, die er je schuf —, und im früheren Speisezimmer eine Ausstellung zur Geschichte des Archivs und seiner Rolle im Nietzsche-Kult der Nationalsozialisten.
Welches sind Nietzsches wichtigste Bücher?
Die Geburt der Tragödie (1872), Menschliches, Allzumenschliches (1878), Die fröhliche Wissenschaft (1882), Also sprach Zarathustra (1883–1885), Jenseits von Gut und Böse (1886), Zur Genealogie der Moral (1887) und Götzen-Dämmerung (1889); Ecce homo, 1888 geschrieben, erschien 1908.
War Nietzsche Professor?
Ja — für klassische Philologie in Basel, berufen im Februar 1869 mit vierundzwanzig und ohne Promotion, ab 1870 ordentlicher Professor, bis ihn die Krankheit 1879 den Lehrstuhl aufgeben ließ.

Werke & Leistungen

Also sprach Zarathustra

Jenseits von Gut und Böse

Die fröhliche Wissenschaft

Zur Genealogie der Moral

Götzen-Dämmerung

Menschliches, Allzumenschliches

Verbundene Orte in Weimar

Humboldtstraße 36, 99425 Weimar

Die Villa Silberblick: das einzige Gebäude in Weimar, in dem er je wohnte, wo er am 25. August 1900 starb und in dem seine Schwester bis 1950 das Archiv führte.

Jorge-Semprún-Platz 5, 99423 Weimar

Die Präsentation führt ihn als Vordenker der ausgestellten Moderne; seine letzten Jahre verbrachte er in Weimar, in der Villa Silberblick.

Nietzsche-Haus NaumburgHistorisches Haus

Weingarten 18, 06618 Naumburg (Saale)

Das Haus, in dem er ab 1858 aufwuchs und nach seinem Zusammenbruch 1889 erneut gepflegt wurde, bevor ihn seine Schwester nach Weimar holte.

Historischer Kontext

Seine drei Weimarer Jahre, 1897 bis 1900, sind der Schlussakt der Jahrzehnte zwischen Goethes Tod und dem Ende der Monarchie.

Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.

Mehr über diese Epoche →

Kurzprofil

Geboren:

1844

Gestorben:

1900

Nationalität:

deutsch

Rollen:
PhilosophPhilologe

Veranstaltungen

Veranstaltungen

Aktionstage in Weimar

Zwei Tage im Jahr – Internationaler Frauentag und Buß- und Bettag

Der dritte, dem die Führungen nachgehen – der Spätankömmling unter ihnen.

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten

Elisabeth Förster-Nietzsche

1846–1935 • Archivarin • Herausgeberin • Verlegerin

Ihr Bruder, den sie 1897 nach Weimar holte, bis zu seinem Tod 1900 pflegte und dessen Nachlass sie danach herausgab und teilweise fälschte.

In Weimars Geschichte

Rund um Weimar

Naumburg

Östlich

Er wuchs ab 1858 im Haus am Weingarten auf und wurde nach seinem Zusammenbruch 1889 dort erneut gepflegt, vor Weimar.