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Museum
Erbaut 1897

Nietzsche-Archiv (Villa Silberblick)

Humboldtstraße 36, 99425 Weimar

Über diesen Ort

Friedrich Nietzsche wurde 1897 in diese Villa gebracht, längst verstummt und jenseits des Schreibens, und starb 1900 in ihr. Worum es bei einem Besuch geht, kam danach: die Räume, die Henry van de Velde 1902 für das Archiv schuf — Interieurs der frühen Moderne, wie es kaum bessere gibt —, und die Geschichte des Hauses selbst, mit seiner Rolle im Nietzsche-Kult der Nationalsozialisten.

Wie ein Philosoph in dieses Haus kam, 1894–1950

Seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche gründete das Archiv für seinen Nachlass 1894 in Naumburg, zu seinen Lebzeiten, und verlegte es 1896 nach Weimar. 1897 bezog sie die Villa „Silberblick“, um ihn dort aufnehmen und pflegen zu können; am 25. August 1900 starb er in diesem Haus. Bis 1950 blieb das Archiv hier, danach gingen Nietzsches Nachlass an Archiv und Bibliothek der Klassik Stiftung.[1]

Van de Veldes Räume — der eigentliche Grund zu kommen, 1902

Auf Anregung Harry Graf Kesslers erhielt Henry van de Velde 1902 den Auftrag zum Umbau und zur Neueinrichtung der Villa.[1] Bibliothek, Speisezimmer und Arbeitsraum der Archivare im Erdgeschoss zählen zu seinen gelungensten Innenräumen überhaupt — und sie sind das, wofür man herkommt: ein vollständig erhaltenes Interieur der frühen Moderne.

Eine Ausstellung über das Haus selbst, 1932–1934

Im früheren Speisezimmer hängt heute die Ausstellung, die das Gebäude der eigenen Bilanz widmet: seiner, wie die Stiftung es nennt, „widerspruchsvollen Geschichte“[1] und der Rolle, die es im Nietzsche-Kult der Nationalsozialisten spielte. Zwischen 1932 und 1934 empfing Elisabeth Förster-Nietzsche hier mehrfach Adolf Hitler.[2] Genau das macht den Besuch zum Anschauungsunterricht statt zur Wallfahrt — ein Museum, das erklärt, wie die Einrichtung, die ein Werk hüten sollte, es jenen zuspielte, die am wenigsten Anspruch darauf hatten.

Was Besucher fragen

Kann man das Haus jetzt besichtigen?
Nein — das Haus ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.[1]
Warum lohnen sich van de Veldes Räume?
Er erhielt 1902 auf Anregung Harry Graf Kesslers den Auftrag zum Umbau und zur Neueinrichtung der Villa.[1] Seine Räume im Erdgeschoss — Bibliothek, Speisezimmer, Arbeitsraum der Archivare — zählen zu seinen gelungensten Innenräumen überhaupt: ein vollständig erhaltenes Interieur der frühen Moderne.
Welche Verbindung besteht zur NS-Zeit?
Nietzsches Schwester, Elisabeth Förster-Nietzsche, empfing hier zwischen 1932 und 1934 mehrfach Adolf Hitler.[2] Im früheren Speisezimmer hängt heute eine Ausstellung, die das Gebäude seiner eigenen „widerspruchsvollen Geschichte“[1] und der Rolle im Nietzsche-Kult der Nationalsozialisten widmet.
Wann lebte und starb Nietzsche hier?
1897 wurde er in dieses Haus gebracht, nachdem seine Schwester 1894 in Naumburg ein Archiv für seinen Nachlass gegründet und es 1896 nach Weimar verlegt hatte. Am 25. August 1900 starb er in der Villa — das einzige Gebäude in Weimar, in dem er je gewohnt hat.

Verbundene Persönlichkeiten

Adolf Hitler1889–1945

Diktator • Führer der NSDAP • Reichskanzler

Ab 1932 kam er mehrfach in die Villa und stiftete im Oktober 1934 50.000 Reichsmark für die Gedächtnishalle daneben.[^wikipedia-de-nietzsche-archiv]

Archivarin • Herausgeberin • Verlegerin

Sie gründete das Archiv und besaß es allein; die Villa Silberblick wurde 1897 bezogen, damit sie und ihr Bruder darin leben konnten.

Philosoph • Philologe

Die Villa Silberblick: das einzige Gebäude in Weimar, in dem er je wohnte, wo er am 25. August 1900 starb und in dem seine Schwester bis 1950 das Archiv führte.

Mäzen • Museumsdirektor • Verleger • Diplomat

Die Innenräume van de Veldes, für die man die Villa betritt, gibt es, weil Kessler 1902 den Auftrag anregte.[^ksw-nietzsche-archiv-kessler]

Architekt • Designer • Gründer der Weimarer Kunstgewerbeschule

Erhielt 1902 auf Anregung Harry Graf Kesslers den Auftrag zu Umbau und Neueinrichtung der Villa; seine Räume im Erdgeschoss sind das, was geblieben ist.

Quellen (2)

  1. Nietzsche-Archiv — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
  2. Elisabeth Förster-Nietzsche — Wikipedia, abgerufen am 29. August 2026

Besuchsinformationen

Eintritt

Erwachsene 5,00 € · ermäßigt 4,00 € · Schüler*innen (16–20 Jahre) 2,00 € · ModerneCard 17,00 €

Öffnungszeiten

Wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.

Lage

Humboldtstraße 36, 99425 Weimar

50.9717, 11.3181

Offizielle Website

Übernachten und essen in der Nähe

Essen & Trinken

Gasthausbrauerei Felsenkeller

Humboldtstraße 37, Weimar

In derselben Straße — das Archiv in der Humboldtstraße 36, die Brauerei in Nummer 37.

In Weimars Geschichte

Epochen

Verlegung des Archivs, Nietzsches letzte drei Jahre und van de Veldes Umbau fallen sämtlich in die Jahrzehnte zwischen Goethes Tod und dem Ende der Monarchie.

Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.

In Weimars Geschichte

1953 fasste die DDR Goethes und Schillers Wohnhäuser, die Parks, das Nietzsche-Archiv und die Landesbibliothek in einer einzigen Einrichtung zusammen. Deren Nachfolgerin führt Weimar bis heute.

Gehörte zu den Beständen, die die NFG 1953 unter ihrem Dach zusammenfasste.

Artikel

Die Jugendstilvillen von Weimar

Weimars Jugendstil ist ein Stil der Wohnhäuser: die Villenstraßen westlich und südlich der Altstadt, gebaut zwischen den 1890er Jahren und 1914, mit den Fassaden Rudolf Zapfes und den eigenen Bauten Henry van de Veldes.

Van de Veldes Innenausstattung von 1903, sein erstes Werk in Weimar.