Was man in Weimar sehen sollte

Weimar bewahrt die authentischen Orte, an denen deutsche Kulturgeschichte entstanden ist. Von den Wohnhäusern, in denen Goethe und Schiller schrieben, bis zum Bauhaus, das die moderne Gestaltung revolutionierte: Hier begegnet man den Menschen und Momenten, die Europa geprägt haben.

Weimars kulturelles Erbe entdecken

Vier Themen, die Weimar zur UNESCO-Welterbestadt gemacht haben

Weimarer Klassik

Zwischen 1775 und 1832 erlebte Weimar unter der Förderung von Herzog Carl August und Herzogin Anna Amalia sein „goldenes Zeitalter“. In dieser Zeit trafen die bedeutendsten Dichter und Denker Deutschlands zusammen — Goethe, Schiller, Herder und Wieland — und machten aus einem kleinen Herzogtum das geistige Zentrum der deutschen Klassik. Ihr Werk legte den Grund für die moderne deutsche Literatur und Philosophie und brachte Weimar den Status als UNESCO-Welterbe ein.

Gehen Sie durch Goethes erhaltenes Arbeitszimmer, in dem seine Mineraliensammlung noch immer in den Regalen steht, sehen Sie Schillers Schreibtisch am Fenster, an dem seine letzten Dramen entstanden, und besuchen Sie den prachtvollen Rokokosaal der Bibliothek, in dem sich der aufgeklärte Hof zum Austausch traf. Diese Räume zeigen den Alltag des Genies — und die Kultur, die Weimars Aufstieg möglich machte.

Bauhaus

Von 1919 bis 1925 war Weimar Sitz des Staatlichen Bauhauses — jener Kunst- und Gestaltungsschule, die Architektur, Industriedesign und bildende Kunst der Moderne grundlegend verändert hat. Walter Gropius gründete sie nach dem Ersten Weltkrieg; das Bauhaus verwarf den historisierenden Zierrat zugunsten einer funktionalen Gestaltung, die Kunst und Handwerk verband. Meister wie Paul Klee, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy entwickelten hier Lehrmethoden, die bis heute wirken — Weimar wurde zur Geburtsstadt der modernen Designausbildung.

Stehen Sie in dem von Henry van de Velde entworfenen Gebäude, in dem Gropius die Form der Funktion folgen ließ, entdecken Sie die älteste Bauhaus-Sammlung der Welt von Möbeln bis Typografie und besuchen Sie das Haus am Horn — den Musterbau von 1923, der die radikalen Ideen erstmals dreidimensional werden ließ. Diese Orte bewahren den Experimentiergeist, der unser Denken über Gestaltung und Wohnen verändert hat.

Republik & NS-Zeit

Weimar gab der ersten deutschen Demokratie ihren Namen: 1919 trat die Nationalversammlung hier zusammen und wählte das Deutsche Nationaltheater als Tagungsort, um an das humanistische Erbe der Stadt anzuknüpfen. Die Weimarer Verfassung begründete die parlamentarische Demokratie, das allgemeine Wahlrecht und weitreichende soziale Rechte. Dieselbe Stadt wurde jedoch auch Zeugin der schwersten Verbrechen des NS-Regimes: Im Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg wurden zwischen 1937 und 1945 56.000 Menschen ermordet. Beide Orte gehören zum Verständnis der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Stehen Sie in dem Theater, in dem eine Verfassung entworfen wurde, die Würde und Freiheit versprach — und stellen Sie sich anschließend den Baracken-Fundamenten und dem Krematorium in Buchenwald, die die systematische Brutalität des NS-Regimes zeigen. Die Nähe dieser Orte — die Hoffnung der Weimarer Demokratie und der Schrecken von Buchenwald — verlangt die Frage, wie schnell Zivilisation zerbrechen kann.

Parks & Schlösser

Die Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach schufen vom 17. bis ins 19. Jahrhundert eine außergewöhnliche Landschaft aus Sommerschlössern und Gärten. Auf die barocke Pracht von Schloss Belvedere (1732) folgten die englischen Landschaftsgärten an der Ilm, an deren Gestaltung Goethe ab 1778 mitwirkte. Diese Parks und Güter waren nicht bloß adliger Luxus — sie dienten als Salons unter freiem Himmel, in denen sich der Hof der Herzogin Anna Amalia zum geistigen und künstlerischen Austausch traf. So wurde die Landschaft selbst zur kulturellen Bühne.

Spazieren Sie durch den 48 Hektar großen Park an der Ilm, in dem Goethes Gartenhaus am Fluss steht, entdecken Sie die barocken Gärten und die Orangerie von Schloss Belvedere und besuchen Sie Anna Amalias Sommerrefugium in Tiefurt. Diese UNESCO-geschützten Anlagen zeigen, wie Weimars aufgeklärte Herrscher Natur, Architektur und Kultur zu einem Gesamtkunstwerk verbanden.

Alle historischen Stätten

Museen, Schlösser, Denkmäler und Gärten, die Weimars Geschichte vom Mittelalter bis in die Moderne erzählen

Erbaut 2019
Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar

Ein modernes Museum zum Bauhaus, das die älteste Sammlung zur wegweisenden Gestaltungsschule zeigt, die in Weimar gegründet wurde. Das heutige Bauhaus-Museum eröffnete im April 2019 in einem markanten, minimalistischen Bau zum Bauhaus-Jubiläum. Über 13.000 Objekte erzählen von der frühen Weimarer Zeit des Bauhauses (1919–1925) und seinem Erbe: originale Möbel, Textilien, Keramik und Lehrmaterialien von Meistern wie Walter Gropius, Paul Klee, Lyonel Feininger und Marcel Breuer. Herzstücke sind das Gründungsmanifest und Lyonel Feiningers berühmter Holzschnitt „Kathedrale“ (1919). Interaktive Stationen und Medien ordnen die avantgardistischen Ideen ein, die Architektur und Design verändert haben. Das Museum gehört zum UNESCO-Welterbe „Klassisches Weimar & Bauhaus“. In der Nähe des Weimarhallenparks gelegen, ist es rasch zu einem kulturellen Höhepunkt geworden — und zeigt, wie kühne Experimente einer kleinen Weimarer Schule die moderne Ästhetik weltweit prägten.

Erbaut 1908
Theaterplatz 2, 99423 Weimar

Das Deutsche Nationaltheater ist ein klassizistischer Bau von großer Bedeutung — hier wurde 1919 die Weimarer Verfassung erarbeitet. Das heutige Haus wurde 1908 eröffnet; seine zurückhaltende Fassade mit Säulenportikus prägt den Theaterplatz, auf dem das Goethe-Schiller-Denkmal steht. Die Geschichte reicht weiter zurück: Goethe leitete Anfang des 19. Jahrhunderts das herzogliche Hoftheater, den Vorgängerbau, und brachte dort Schillers Dramen zur Uraufführung. Der Bau des 19. Jahrhunderts wich später diesem größeren Haus nach Plänen von Max Littmann. Der Saal fasst rund 800 Plätze; das Theater ist Weimars erste Bühne für Schauspiel, Oper und Konzert. Im Februar 1919 tagte hier die Nationalversammlung, und am 11. August 1919 unterzeichnete Reichspräsident Ebert die neue Verfassung — Tafeln im Foyer erinnern daran. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde das Haus 1948 wiedereröffnet. Heute ist es Sitz der Staatskapelle Weimar und zeigt klassische wie moderne Werke. Als kulturelles Flaggschiff der Stadt verbindet das DNT Kunst und politische Geschichte — seine Stufen bleiben mit dem Beginn der deutschen Demokratie verbunden.

Erbaut 1937
Buchenwald, 99427 Weimar

Die Gedenkstätte Buchenwald bewahrt den Ort des ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslagers auf dem Ettersberg bei Weimar. 1958 auf dem Gelände des Lagers als Gedenkstätte eröffnet, erinnert sie an die 240.000 Menschen, die zwischen 1937 und 1945 hier inhaftiert waren, und an die 56.000, die ums Leben kamen. Zum weitläufigen Gelände gehören das Lagertor mit der Inschrift „Jedem das Seine“, die Fundamente der Baracken, das Krematorium und Mahnmale. Ausstellungen zeichnen die Geschichte des Lagers nach — von der Einrichtung für politische Gefangene (später auch für Jüdinnen und Juden, Kriegsgefangene und andere) bis zur Befreiung durch US-Truppen am 11. April 1945. Von 1945 bis 1950 betrieb die sowjetische Besatzungsmacht hier das Speziallager Nr. 2. Heute ist der Ort Gedenk- und Lernort zugleich, mit Museum, Dokumentationszentrum und Denkmälern wie dem Glockenturm und dem „Distelweg“. Umgeben von stillem Wald lädt die Gedenkstätte dazu ein, sich mit den Verbrechen des NS-Regimes auseinanderzusetzen und der Opfer zu gedenken.

Erbaut 1857
Theaterplatz, 99423 Weimar

Die bronzene Doppelstatue auf dem Theaterplatz ist Weimars bekanntestes Denkmal: Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller — die beiden großen Dichter der Weimarer Klassik — stehen Seite an Seite. 1857 enthüllt und von Ernst Rietschel geschaffen, steht das Denkmal für die Freundschaft der beiden und für ihr gemeinsames humanistisches Ideal. Die überlebensgroßen Figuren zeigen Goethe mit einem Lorbeerkranz und Schiller mit einer Schriftrolle, den Blick nach vorn gerichtet. Auf einem Granitsockel vor dem Deutschen Nationaltheater aufgestellt, wurde es rasch zum nationalen Bezugspunkt: 1919 erwiesen ihm die Abgeordneten der Nationalversammlung ihre Reverenz, und den Zweiten Weltkrieg überstand es fast unbeschadet. Heute ist das Goethe-Schiller-Denkmal Treffpunkt und beliebtes Fotomotiv — Sinnbild für Weimar als „Stadt der Dichter und Denker“. Besonders eindrucksvoll wirkt es nachts angestrahlt oder von saisonalem Blumenschmuck gerahmt.

Goethes Gartenhaus

Historisches Haus
Erbaut 1776
Im Park an der Ilm, 99425 Weimar

Das Gartenhaus im Park an der Ilm war Goethes erster Wohnsitz in Weimar. 1776 vom Herzog geschenkt, wurde das schlichte zweigeschossige Haus mit seinem Garten zum Rückzugsort für Schreiben und naturwissenschaftliche Studien. Hier entstanden frühe Werke wie das Gedicht „An den Mond“ und die Ballade „Erlkönig“. Das Haus ist bescheiden — weißer Putz, grüne Läden —, doch das auf den Zustand des späten 18. Jahrhunderts zurückgeführte Innere ist von Goethes Gegenwart geprägt. Zu sehen sind sein kleines Arbeitszimmer mit Schreibtisch und Stuhl, eine Schlafnische und die Küche, sparsam möbliert. Goethe gärtnerte hier selbst: Gemüse, Obst und jener Ginkgo, der sein Gedicht anregte. Über der Ilm gelegen, strahlt der Ort Ruhe aus. Auch nach dem Umzug in das Haus am Frauenplan 1782 kam Goethe immer wieder hierher. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gartenhaus Gedenkstätte. Heute — als Teil des UNESCO-Welterbes — zeigt es sich weitgehend wie zu Goethes Zeit und vermittelt ein sehr persönliches Bild seiner ersten Weimarer Jahre und seines Ideals eines Lebens nahe der Natur.

Bekannte Persönlichkeiten

Erbaut 1885
Frauenplan 1, 99423 Weimar

Das Goethe-Wohnhaus am Frauenplan war über 50 Jahre lang der Hauptwohnsitz Johann Wolfgang von Goethes in Weimar (1782–1832). Das barocke Haus von 1709 wurde zum wichtigsten Erinnerungsort an den berühmtesten deutschen Dichter. 1885 öffneten Goethes Erben es als Goethe-Nationalmuseum und bewahrten die Räume weitgehend so, wie er sie hinterließ. Der Rundgang führt durch Arbeitszimmer, Bibliothek, Kunstsammlung und Garten und gibt intime Einblicke in Alltag und Werk. Zu den bekanntesten Räumen zählen das Arbeitszimmer mit dem Schreibtisch, an dem Teile des „Faust“ entstanden, das Junozimmer mit antiken Skulpturen und die Bibliothek mit fast 6.000 Bänden. Die Einrichtung spiegelt Goethes Interessen an Kunst, Naturwissenschaft und Literatur — seine Mineraliensammlung etwa steht in einem 1817 angebauten Trakt. Der moderne Museumsflügel zeigt Handschriften, Zeichnungen und persönliche Gegenstände. Als Teil des UNESCO-Ensembles „Klassisches Weimar“ bewahrt das Haus eine authentische Atmosphäre: knarrende Dielen, Kachelöfen, originale Einrichtung. Im Garten oder im Arbeitszimmer meint man die Gegenwart des Dichters, Staatsmanns und Naturforschers noch zu spüren.

Bekannte Persönlichkeiten

Erbaut 1911
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar

Das Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar ist ein Meisterwerk des Jugendstils — und der Ort, an dem das Bauhaus begann. Der belgische Architekt Henry van de Velde entwarf den Bau, der 1905–1911 als Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule entstand; von 1919 bis 1925 war hier Walter Gropius' Staatliches Bauhaus zu Hause. Heute ist es das zentrale Lehrgebäude der Universität. Außen fallen die weiten Bogenfenster und die Sgraffito-Dekorationen van de Veldes auf. Innen beeindrucken die restaurierte Van-de-Velde-Aula mit ihren fließenden Linien und das große Treppenhaus, das durch Fotografien mit Bauhaus-Studierenden berühmt wurde. Die offenen Ateliers und Werkstätten verkörperten ein neues pädagogisches Denken. Gropius, Paul Klee und Wassily Kandinsky gingen hier ein und aus. Nach dem Weggang des Bauhauses beherbergte der Bau Architekturschulen und nach der Wiedervereinigung die 1996 gegründete Bauhaus-Universität. Als Teil des UNESCO-Welterbes „Das Bauhaus und seine Stätten“ ist das Hauptgebäude im Rahmen von Führungen zugänglich — ein lebendiger Lehrort, der die Gestaltungsrevolution der Vergangenheit mit der Ausbildung von heute verbindet.

Erbaut 1923
Am Horn 61, 99425 Weimar

Das Haus am Horn ist das Musterhaus der Moderne, das das Bauhaus 1923 in Weimar errichtete — das erste gebaute Architekturprojekt der berühmten Schule. Der schlichte eingeschossige Kubus mit Flachdach wurde von Georg Muche für die Bauhaus-Ausstellung 1923 als Modell für bezahlbares, effizientes Wohnen entworfen. Außen weißer Putz ohne Zierrat, ganz im Sinne der Bauhaus-Funktionalität. Innen gruppieren sich kompakte Schlafräume, Küche und Bad um einen hellen Wohnraum mit Oberlicht — für die Zeit ein neuartiger, offener Grundriss. Meister und Studierende steuerten Einbaumöbel, Textilien und Leuchten bei, sodass ein Gesamtkunstwerk moderner Gestaltung entstand. Trotz der bescheidenen Grundfläche von 12 × 12 Metern verkörperte das Haus radikale Ideen: standardisiertes Bauen, neue Materialien, die Einheit von Form und Funktion. Nach dem Weggang des Bauhauses wurde es privat bewohnt; heute ist es restauriert und Teil des UNESCO-Welterbes. Die Innenräume (mit Repliken möbliert) lassen die Bauhaus-Idee des „Existenzminimums“ unmittelbar erfahrbar werden. So steht das Haus am Horn als Meilenstein der modernen Architektur — ruhig gelegen in einem Wohngebiet nahe dem Ilmpark.

Bekannte Persönlichkeiten

Erbaut 1500
Herderplatz 8, 99423 Weimar

Die Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul — allgemein Herderkirche genannt — ist die evangelische Hauptkirche der Stadt und ein bedeutender Ort der Reformation. Im 15. Jahrhundert gotisch erbaut (1500 geweiht), wurde sie 1774 durch einen Brand schwer beschädigt und bis 1803 mit schlichterem Innenraum wiederhergestellt. Ihren Beinamen trägt sie nach Johann Gottfried Herder, dem Dichter und Theologen, der von 1776 bis 1803 Generalsuperintendent in Weimar war und hier in der Gruft bestattet ist. Der größte Schatz ist der Altar: ein Triptychon, 1555 von Lucas Cranach dem Älteren und seinem Sohn gemalt, mit der Kreuzigung im Zentrum und Bildnissen Luthers und der sächsischen Fürsten — ein Werk zwischen Reformation und Kunst. Der helle Raum mit weißen Wänden, hölzernen Emporen und der großen Orgel (1812 eingebaut, gespielt von Schülern J. S. Bachs) ist bis heute Gemeindekirche und zugleich ein Ziel für Gäste. Der Cranach-Altar lässt sich aus der Nähe betrachten, ebenso Herders Grabplatte. Als Teil des UNESCO-Ensembles „Klassisches Weimar“ verbindet die Herderkirche die Glaubensreform der Lutherzeit mit dem aufgeklärten Christentum Herders.

Erbaut 1691
Platz der Demokratie 1, 99423 Weimar

Eine historische Forschungsbibliothek und ein kultureller Schatz: 1691 als Herzogliche Bibliothek gegründet, trägt sie seit 1991 den Namen der Herzogin Anna Amalia. Untergebracht im Grünen Schloss, ist die Bibliothek vor allem für ihren Rokokosaal berühmt — einen lichten ovalen Raum mit vergoldeten Galerien und Deckengemälden. Die Sammlung von rund einer Million Bänden liegt schwerpunktmäßig auf deutscher Literatur und den Werken der Aufklärung und spiegelt damit die Weimarer Klassik. Goethe war ihr Direktor und förderte sie nach Kräften; viele seiner Bücher und Handschriften werden hier verwahrt. 2004 zerstörte ein verheerender Brand die oberen Geschosse und beschädigte oder vernichtete 50.000 Bände. Nach umfassender Restaurierung wurde die Bibliothek 2007 wiedereröffnet — mit moderner Klimatechnik und in neuem Glanz. Heute UNESCO-Welterbe, ist sie wissenschaftliche Bibliothek und Museum zugleich. Besucherinnen und Besucher sehen die Architektur des Rokokosaals und wechselnde Präsentationen seltener Bücher und Notenhandschriften aus dem Bestand der Herzogin — Zeugnisse von Weimars literarischem Goldenem Zeitalter.

Erbaut 1818
Am Poseckschen Garten, 99423 Weimar

Der Historische Friedhof in Weimar ist eine parkartige Begräbnisstätte, 1818 vom herzoglichen Haus angelegt. Bekannt ist er vor allem für die Fürstengruft, ein klassizistisches Mausoleum auf einer Anhöhe, in dem die bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt ruhen. Hier stehen die Särge von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller nebeneinander in der zentralen Kammer — ein Wallfahrtsort für Literaturfreunde. (Schillers Bestattung ist symbolisch; die Zuordnung seiner Gebeine ist umstritten.) In der Gruft ruhen außerdem Mitglieder des Herzogshauses, darunter Herzog Carl August und Großherzogin Maria Pawlowna. Rund um das Mausoleum führen geschwungene Wege zu den Gräbern weiterer bekannter Bürger, etwa des Komponisten Johann Nepomuk Hummel. Hohe Eichen und Linden beschatten die kunstvollen Grabmale des 19. Jahrhunderts und schaffen eine romantische Stimmung. In der DDR-Zeit vernachlässigt, wurde die Anlage später sorgfältig restauriert. Heute gehört sie zum Welterbe „Klassisches Weimar“. Die Gruft lässt sich gegen Eintritt besichtigen. Der Historische Friedhof ist Ruhestätte und Denkmal des Goldenen Zeitalters zugleich.

Erbaut 1897
Humboldtstraße 36, 99425 Weimar

Das Nietzsche-Archiv in der Villa „Silberblick“ ist Museum und Archiv zum Philosophen Friedrich Nietzsche. Seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche brachte den schwer kranken Bruder 1897 in diese herrschaftliche Villa des späten 19. Jahrhunderts. Hier verbrachte er seine letzten Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1900; das Haus wurde Sitz des Nietzsche-Archivs — der ersten Einrichtung, die einem einzelnen modernen Philosophen gewidmet war. Im frühen 20. Jahrhundert gab das von Elisabeth geführte Archiv Nietzsches Schriften in bearbeiteter, teils verfälschter Form heraus und zog Persönlichkeiten des Kulturlebens an, 1934 auch Adolf Hitler, der Nietzsches Spazierstock erhielt. Heute betreut die Klassik Stiftung die restaurierte Villa. Zu sehen sind Nietzsches Arbeits- und Wohnraum sowie Ausstellungen zu seinem Leben mit Handschriften, Briefen und Fotografien; im Salon dominiert das Nietzsche-Porträt von Curt Stoeving. Die Atmosphäre führt in das Weimar der Jahrhundertwende: Bleiglasfenster, geschnitzte Decken, Nietzsches Bibliothek. Die politische Instrumentalisierung des Archivs wird kritisch behandelt. Nach längerer Schließung ist das Museum wieder zugänglich.

Bekannte Persönlichkeiten

Erbaut 1778
Park an der Ilm, 99425 Weimar

Ein weitläufiger Landschaftspark entlang der Ilm, angelegt im späten 18. Jahrhundert unter dem Einfluss Goethes und Herzog Carl Augusts. Auf 48 Hektar verbindet der Park an der Ilm englische Landschaftsgestaltung mit malerischer Architektur. Geschwungene Wege führen über Wiesen und durch Baumgruppen zu den bekannten Punkten: Goethes Gartenhaus (das schlichte Haus von 1776 am Fluss), das Römische Haus (ein klassizistischer Pavillon, 1797–1803 für den Herzog erbaut) sowie zahlreiche Statuen und Brücken. Ab 1778 entstand die Anlage Schritt für Schritt; Goethe ließ seltene Bäume pflanzen und bezog die vorhandenen barocken Gärten in die romantische Landschaft ein. Seit Jahrhunderten spazieren hier Einheimische und Gäste — von den Dichtern der Klassik, die in der Szenerie Anregung fanden, bis zu den Weimarerinnen und Weimarern von heute. Als Teil des UNESCO-Welterbes „Klassisches Weimar“ ist der Park eine ruhige Kulturlandschaft, in der Natur und Kunst ineinandergreifen — ein Freilichtmuseum von Weimars Goldenem Zeitalter.

Erbaut 1988
Schillerstraße 12, 99423 Weimar

Friedrich Schillers Wohnhaus in Weimar ist als Museum erhalten und ehrt den großen Dramatiker und Dichter. Von 1802 bis zu seinem Tod 1805 lebte Schiller in diesem eleganten spätbarocken Bürgerhaus — in jenen Jahren vollendete er Werke wie „Wilhelm Tell“ und „Die Braut von Messina“. Schon im 19. Jahrhundert öffnete das Haus als Museum; nach einer umfassenden Restaurierung in den 1980er Jahren wurde es 1988 wiedereröffnet. Zu sehen ist das Arbeitszimmer, in dem Schiller bei Kerzenlicht schrieb: Schreibtisch, Federkiel und Bücher stehen, als wäre er nur kurz hinausgegangen. In den möblierten Räumen finden sich viele originale Stücke — Schillers Gehstock, das Klavier seiner Frau Charlotte, Familienporträts und Handschriften. Sie zeigen die bürgerliche Lebenswelt und das geistige Milieu der Weimarer Klassik. Eine angeschlossene Ausstellung ordnet Leben und Werk ein und zeigt frühe Ausgaben seiner Dramen sowie persönliche Briefe. Im kleinen Garten wachsen Heilpflanzen wie zu Schillers Zeit. Als Teil des Welterbes „Klassisches Weimar“ gewährt das Haus einen nahen Blick auf den Alltag eines literarischen Giganten.

Bekannte Persönlichkeiten

Erbaut 1732
Schloss Belvedere Allee 1, 99425 Weimar

Schloss Belvedere ist ein elegantes barockes Sommerschloss auf einer Anhöhe südlich von Weimar. Zwischen 1724 und 1732 als Lustschloss für Herzog Ernst August I. erbaut, zeigt es einen symmetrischen Aufbau mit einem Corps de logis und geschwungenen Orangerieflügeln. Es diente höfischen Festen und als Rückzugsort vom Stadtleben. Die Innenräume sind im Rokoko ausgestattet und beherbergen eine umfangreiche Sammlung von Kunst, Porzellan und Mobiliar des 18. Jahrhunderts. Ein Höhepunkt ist der Park: zunächst als französischer Garten mit Hecken und Parterres angelegt, wurde er im 19. Jahrhundert teilweise in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Zur Anlage gehören die Orangerie (heute mit historischen Kutschen), ein Irrgarten und exotische Gehölze, die Großherzog Carl Friedrich sammelte, der 1853 in Belvedere starb. Als Teil des UNESCO-Welterbes ist Schloss Belvedere heute Museum. Zu besichtigen sind die reich ausgestatteten Säle samt Festsaal und Kapelle; aus den Gärten öffnet sich der Blick über Weimar. Architektur, Kunst und Gartenkultur ergeben zusammen ein anschauliches Bild höfischer Muße im 18. Jahrhundert.

Bekannte Persönlichkeiten

Erbaut 1712
Am Schloß 1, 99439 Ettersburg

Schloss Ettersburg ist ein barockes Jagd- und Sommerschloss auf dem bewaldeten Ettersberg, rund acht Kilometer nördlich von Weimar. Zwischen 1706 und 1712 für Herzog Wilhelm Ernst errichtet, wurde es zwischen 1728 und 1740 unter Herzog Ernst August um einen Flügel und ein großes Treppenhaus erweitert. Die Anlage besteht aus zwei verbundenen Flügeln um einen Hof, in schlichtem, gleichwohl repräsentativem Barock. Berühmt wurde Ettersburg, als Herzogin Anna Amalia es von 1776 bis 1780 als Sommerresidenz nutzte. Sie versammelte hier einen lebhaften Kreis — Goethe, Wieland und Musäus — und machte den Ort zu einem arkadischen Refugium des Weimarer Hofes. In diesen Räumen las Goethe bei Kerzenlicht aus seinen Entwürfen, und Schiller vollendete hier 1800 in der Ruhe des Ortes seine Tragödie „Maria Stuart“. Der Park verbindet formale Gartenpartien mit Waldlandschaft und Denkmälern wie dem Musentempel. Nach Jahren des Verfalls wurde das Schloss zu Beginn des 21. Jahrhunderts saniert; heute dient es als Tagungshaus und Hotel und ist für Führungen und Veranstaltungen geöffnet. In den Sälen und im englischen Park (UNESCO-gelistet mit dem Klassischen Weimar) ist der schöpferische Geist von einst noch zu spüren.

Erbaut 1907
Hauptstraße 14, 99425 Weimar-Tiefurt

Schloss Tiefurt ist ein kleines Landschloss an der Ilm vor den Toren Weimars — berühmt als Sommersitz der Herzogin Anna Amalia. Ursprünglich ein bescheidenes Gutshaus (Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut, 1765 erweitert), wurde es ab 1781 bis zu ihrem Tod 1807 ihr Lieblingsaufenthalt. Der zweigeschossige Bau ist von intimem Maßstab — je Etage nur sieben Räume —, beherbergte in der Klassik aber einen lebhaften Hof aus Dichtern und Musikern. Wieland, Goethe und Corona Schröter trafen sich hier zu literarischen und musikalischen Abenden und machten Tiefurt zu einem ländlichen Musenhof. 1907 wurde das Schloss Museum. Heute führt der Rundgang durch die reizvollen Räume, darunter Anna Amalias Musikzimmer und Schlafzimmer, im Stil des späten 18. Jahrhunderts mit originalem Mobiliar. Ebenso bezaubernd ist der Park: ein englischer Landschaftsgarten mit weiten Wiesen, alten Bäumen und Bauten wie dem Musentempel, die auf den Kreis der Herzogin verweisen. Als Teil des UNESCO-Welterbes steht Tiefurt für die idyllische, private Seite von Weimars Goldenem Zeitalter — ein Ort, an dem Kunst, Natur und Geselligkeit zusammenfanden.

Erbaut 1789
Burgplatz 4, 99423 Weimar

Die große herzogliche Residenz über der Ilm war Sitz der Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach und beherbergt heute Kunstsammlungen. Das Stadtschloss wuchs über Jahrhunderte: Ein Renaissancebau an dieser Stelle brannte 1774 nieder; der heutige klassizistische Bau entstand in Etappen zwischen 1789 und 1803 (Nord- und Ostflügel unter Goethes Aufsicht) und wurde im 19. Jahrhundert vollendet. Der hellgelbe Dreiflügelbau hat einen markanten Turm und eine klar gegliederte Fassade. Im Inneren beeindrucken die lichte Schlosskapelle (mit einem Altarbild von Lucas Cranach) und die repräsentativen Säle der Hofgesellschaft. Goethe wirkte hier als Geheimrat und gestaltete Räume im klassizistischen Sinn mit. Heute zeigt das Schlossmuseum bedeutende Sammlungen, darunter Gemälde von Lucas Cranach und Schätze der Weimarer Klassik. Die Zimmerfluchten mit originalem Mobiliar und Werke vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert sind zu sehen. Der angrenzende Schlosspark geht unmittelbar in den Park an der Ilm über. Als Teil des UNESCO-Welterbes steht das Stadtschloss für die Förderkraft des Weimarer Herzogshauses und die kulturelle Blüte, die es ermöglichte.

Erbaut 1999
Schillerstraße 16, 99423 Weimar

Das Weimarhaus ist ein multimediales Erlebnismuseum, das die Geschichte der Stadt anschaulich erzählt. In einem historischen Gebäude nahe dem Zentrum eröffnete das private Haus 1999 als „Geschichtserlebnis“. Der Rundgang führt durch abgedunkelte Räume, in denen lebensgroße Figuren, aufwendige Kulissen und Ton- und Lichteffekte Schlüsselszenen aus fünf Jahrhunderten inszenieren: Johann Sebastian Bach an der Orgel (aus seiner Weimarer Zeit im frühen 18. Jahrhundert), Herzogin Anna Amalia im Gespräch mit Goethe und Schiller sowie eindringliche Darstellungen des 20. Jahrhunderts — der Nationalversammlung von 1919 und der Verbrechen von Buchenwald. Erzähltexte (in mehreren Sprachen) und Klangkulissen begleiten die Stationen. Am Ende steht ein Panorama des heutigen Weimar. Etwas theatralisch, bietet das Weimarhaus doch einen anschaulichen Überblick und verdichtet komplexe Geschichte zu einer verständlichen Erzählung. Bei Familien und Schulklassen ist es als Einstieg besonders beliebt. Mit dem Museumsshop am Ausgang ergänzt es die klassischen Museen um eine schnelle, unterhaltsame Orientierung im kulturellen Erbe der Stadt.

Erbaut 1774
Am Palais 3, 99423 Weimar

Das Wittumspalais ist ein Stadtpalais des 18. Jahrhunderts und war ab 1774 der Witwensitz der Herzogin Anna Amalia. In den zweigeschossigen Rokokobau von 1767–1769 zog sie nach dem Ende ihrer Regentschaft. Hier hielt sie ihren berühmten Salon: Goethe, Schiller, Herder und andere kamen abends zu Gespräch, Spiel und Musik zusammen — der legendären „Tafelrunde“. Die reich ausgestatteten Räume sind als Museum erhalten. Zu sehen sind der elegante Festsaal mit Kristalllüstern, das Musikzimmer, in dem Kammermusik erklang, und Anna Amalias Schreibzimmer. Originalmöbel, Porträts (unter anderem der herzoglichen Familie und Goethes) und persönliche Gegenstände lassen die gesellige Atmosphäre des Weimar um 1800 lebendig werden. Bemerkenswert: Hier begegneten sich Schiller und Goethe 1785 erstmals bei einer Gesellschaft der Herzogin. Nachdem das Haus im 19. Jahrhundert verfallen war, wurde es restauriert und bereits im frühen 20. Jahrhundert (und erneut nach dem Zweiten Weltkrieg) als Museum genutzt. Derzeit wird das Wittumspalais saniert (Stand 2025). Es steht für die zentrale Rolle Anna Amalias bei der Entstehung der Weimarer Klassik.

UNESCO-Welterbestatus

Das „Klassische Weimar“ wurde 1998 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen — mit 11 Gebäuden und Ensembles, die außergewöhnliches Zeugnis der europäischen kulturellen und geistigen Bewegung ablegen, die als Weimarer Klassik bekannt ist. Diese Orte stehen für einen außergewöhnlichen universellen Wert und für den tiefen Einfluss auf Literatur, Philosophie und Künste Europas zwischen 1772 und 1805.

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