Henry van de Velde
Auch bekannt als: Henri van de Velde
Biografie
Henry van de Velde, der belgische Maler, Designer und Architekt, wurde 1902 nach Weimar berufen, um das Kunsthandwerk eines kleinen Großherzogtums zu heben, und blieb fünfzehn Jahre. Er baute die beiden Schulgebäude an der heutigen Geschwister-Scholl-Straße, gründete und leitete die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule, richtete das Nietzsche-Archiv neu ein und baute sein eigenes Haus, das Haus Hohe Pappeln. Als der Krieg ihn vertrieb, benannte er seinen Nachfolger: Walter Gropius, der 1919 van de Veldes Schule in das Bauhaus eingliederte und es in van de Veldes Bauten führte.
Nach Weimar berufen, 1902
Zum 1. April 1902 ernannte Großherzog Wilhelm Ernst van de Velde zu seinem Berater, mit dem Ziel, das darniederliegende Handwerk des sachsen-weimarischen Raums neu zu beleben; vermittelt hatte die Berufung Harry Graf Kessler.[1][2] Im März 1902 übersiedelte er nach Weimar,[3] die Familie bezog ein Haus in der Cranachstraße im Wohnviertel Silberblick, und am 15. Oktober 1902 gründete er sein Kunstgewerbliches Seminar im Prellerhaus neben der alten Kunstschule.[4][1]
Zwei Schulbauten, 1904–1906
Seit 1904 entstand nach seinen Plänen die neue Kunstschule, 1905 und 1906 daneben die Kunstgewerbeschule — ein Winkelbau, als Werkstattgebäude konzipiert, mit einer breiten Wendeltreppe im zentralen Treppenhaus, heute als Van-de-Velde-Bau bekannt.[3][5] Im Oktober 1907 nahm er dort mit sechzehn Schülern den Unterricht auf.[1] Beide Gebäude stehen seit Dezember 1996 auf der UNESCO-Welterbeliste;[4] im Van-de-Velde-Bau befinden sich heute das Dekanat sowie Lehr- und Arbeitsräume der Fakultät Kunst und Gestaltung der Bauhaus-Universität.[5]
Die Kunstgewerbeschule, 1908–1915
Am 1. April 1908 wurde die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule Weimar eröffnet, auf van de Veldes Initiative gegründet und von Wilhelm Ernst finanziert; er blieb ihr Direktor bis zur Schließung 1915.[1][4] Im April 1919 vereinigte Walter Gropius sie mit der Kunstschule zum Staatlichen Bauhaus — deshalb gilt die Kunstgewerbeschule als Keimzelle des Bauhauses.[1][4]
Nietzsche-Archiv und Haus Hohe Pappeln, 1903–1908
1903 baute er das Nietzsche-Archiv in der Humboldtstraße um und richtete es neu ein — die Innenräume, die die Villa zu einem Ort der Moderne machen.[4] Für die inzwischen siebenköpfige Familie ließ er 1907/08 an der Belvederer Allee 58 das Haus Hohe Pappeln nach eigenen Plänen errichten und lebte dort mit seiner Frau Maria und den fünf Kindern bis 1917; der Garten und der repräsentative Wohnbereich in der Beletage — Wohndiele, Speisezimmer, Salon und Arbeitszimmer — sind zu besichtigen.[6][4]
Der Krieg und der Nachfolger, 1914–1917
Ende Juli 1914 kündigte er seine Stellung nach fremdenfeindlichen Angriffen auf seine Person,[3] und von 1914 bis 1916 leitete er in Weimar Kesslers Cranach-Presse, während deren Gründer im Krieg war.[4] 1917 musste er als „feindlicher Ausländer“ das Land verlassen und ging in die Schweiz, wo er ein Haus in Uttwil am Bodensee erwarb.[2][3] Zuvor empfahl er den jungen Architekten Walter Gropius als seinen Nachfolger.[2][3]
Nach Weimar, 1925–1957
1925 erhielt er einen Ruf auf einen Lehrstuhl in Gent, verbunden mit dem Auftrag, in Brüssel eine neue Designhochschule zu gründen; ab 1926 leitete er das Institut Supérieur des Arts Décoratifs, das er im aufgelassenen Kloster La Cambre einrichtete.[3][4] Im Herbst 1947 siedelte er erneut in die Schweiz über; am 25. Oktober 1957 starb er in Zürich und liegt in Tervuren bei Brüssel begraben.[4][3]
Was Besucher fragen
- Warum kam Henry van de Velde nach Weimar?
- Großherzog Wilhelm Ernst ernannte ihn zum 1. April 1902 zu seinem Berater, um das Handwerk der Region neu zu beleben, auf Betreiben Harry Graf Kesslers; am 15. Oktober 1902 gründete er sein Kunstgewerbliches Seminar im Prellerhaus.
- Was hat van de Velde in Weimar gebaut?
- Die neue Kunstschule ab 1904 und 1905/06 die Kunstgewerbeschule — den Van-de-Velde-Bau — an der heutigen Geschwister-Scholl-Straße; 1903 die Innenräume des Nietzsche-Archivs; und 1907/08 sein eigenes Haus, das Haus Hohe Pappeln.
- Welche Verbindung hat van de Velde zum Bauhaus?
- Im April 1919 vereinigte Walter Gropius van de Veldes Kunstgewerbeschule mit der Kunstschule zum Staatlichen Bauhaus, in van de Veldes Gebäuden — und van de Velde hatte Gropius als seinen Nachfolger empfohlen.
- Warum verließ van de Velde Weimar?
- Ende Juli 1914 kündigte er nach fremdenfeindlichen Angriffen auf seine Person, und 1917 musste er als „feindlicher Ausländer“ das Land verlassen; er ging in die Schweiz.
- Kann man das Haus Hohe Pappeln besichtigen?
- Die Klassik Stiftung zeigt den Garten und die Wohnräume der Familie in der Beletage, Belvederer Allee 58; das Haus wird saniert und öffnet zur Sommersaison 2027 wieder.
Quellen (6)
- Kunstgewerbeschule Weimar — Wikipedia (de), abgerufen am 30. August 2026
- Sammlung Henry van de Velde — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Velde, Henry Clément van de — Neue Deutsche Biographie 26 (2016), by Thomas Föhl — Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 30. August 2026
- Henry van de Velde — Wikipedia (de), abgerufen am 30. August 2026
- Van-de-Velde-Bau — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 30. August 2026
- Haus Hohe Pappeln — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 30. August 2026
Werke & Leistungen
Kunstgewerbeschule (Van-de-Velde-Bau) und Hauptgebäude der Kunstschule, Weimar
Haus Hohe Pappeln (1907/08)
Innenausstattung des Nietzsche-Archivs (1903)
Werkbundtheater Köln (1914)
Verbundene Orte in Weimar
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar
Von ihm stammen beide Bauten, 1904–11 und 1905/06; im zweiten leitete er seine Kunstgewerbeschule.
Belvederer Allee 58, 99425 Weimar
Sein eigenes Haus, 1907/08 für die Familie gebaut und bis ins Detail von ihm entworfen.
Jorge-Semprún-Platz 5, 99423 Weimar
Die Sammlung reicht von der Weimarer Malerschule bis zu van de Velde — bei ihm endet die Erzählung der frühen Moderne, die das Haus entfaltet.
Humboldtstraße 36, 99425 Weimar
Erhielt 1902 auf Anregung Harry Graf Kesslers den Auftrag zu Umbau und Neueinrichtung der Villa; seine Räume im Erdgeschoss sind das, was geblieben ist.
Weimarer Innenstadt, 50 Meter vom Goetheplatz
Möbel nach seinen Entwürfen gehören zur Dauerausstellung.
Historischer Kontext
Die Bauten, die Schule und die Empfehlung, die das Bauhaus 1919 erbte.
Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und war 1925 wieder fort — Zeit genug, um zu ändern, was eine Gestaltungsschule ist, und zu wenig für die Stadt, die es hervorgebracht hat, um es zu behalten.
Mehr über diese Epoche →1902, am Ende dieser Epoche, nach Weimar berufen: Umbau der Innenräume des Nietzsche-Archivs und Gründung jener kunstgewerblichen Schule, aus der das Bauhaus hervorging.
Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1863
1957
belgisch
Veranstaltungen
Veranstaltungen
Freitags und samstags 14 Uhr, vom 21. März bis 1. November auch mittwochs
Entwarf die Gebäude, die das Bauhaus erbte — ein Jahrzehnt bevor es existierte.
Täglich 10 und 14 Uhr, rund zwei Stunden
Sein Universitätsgebäude ist Station der zweiten Hälfte.
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1868–1937 • Mäzen • Museumsdirektor • Verleger • Diplomat
Kessler war maßgebend für die Berufung van de Veldes verantwortlich,[^ksw-blog-kessler] und auf seine Anregung ging 1902 der Auftrag für das Nietzsche-Archiv zurück.[^ksw-nietzsche-archiv-kessler]
1883–1969 • Architekt • Gründer und Direktor des Bauhauses • Lehrer
Vor seinem Weggang aus Deutschland 1917 empfahl er Gropius als Nachfolger.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Die Schule, aus der das Bauhaus gebaut wurde: als privates Seminar in geliehenen Räumen begonnen, dreizehn Jahre später auf Anordnung geschlossen.
Er eröffnete 1902 das Seminar und leitete die daraus entstandene Schule, bis der Staat sie schloss.
Walter Gropius übernahm im geschlagenen Land eine großherzogliche Kunsthochschule und nannte sie Staatliches Bauhaus.
Seine im Krieg aufgelöste Kunstgewerbeschule wurde am 12. April eingegliedert.
Artikel
Weimars Jugendstil ist ein Stil der Wohnhäuser: die Villenstraßen westlich und südlich der Altstadt, gebaut zwischen den 1890er Jahren und 1914, mit den Fassaden Rudolf Zapfes und den eigenen Bauten Henry van de Veldes.
Seine Weimarer Bauten — Kunstschule, Kunstgewerbeschule, Haus Hohe Pappeln, Villa Dürckheim — sind der zweite Strang des Weimarer Jugendstils.