Henry van de Velde
Auch bekannt als: Henri van de Velde
Biografie
Henry van de Velde war ein belgischer Architekt und Gestalter des Jugendstils, dessen Arbeit in Weimar den Boden für das Bauhaus bereitete. 1902 von Großherzog Wilhelm Ernst nach Weimar geholt, gründete er 1907 die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule und entwarf ihr Lehrprogramm ebenso wie ihre Gebäude. Er brachte moderne Vorstellungen von Form und Funktion in die damalige Residenzstadt und führte damit früh modernistische Prinzipien ein. Van de Velde entwarf das Hauptgebäude der Schule (1905–1911) und den Bau der Kunstgewerbeschule (1905–1906) — heute Teil des Campus der Bauhaus-Universität und wegen ihrer architektonischen Bedeutung UNESCO-Welterbe. Er prägte auch den lokalen Geschmack, indem er Innenräume, Möbel und sogar Mode für die Weimarer Gesellschaft entwarf. Seine Anwesenheit zog junge Talente und fortschrittliche Strömungen an; er empfahl Walter Gropius als seinen Nachfolger. 1915 verließ er Deutschland wegen des Ersten Weltkriegs, doch sein Erbe blieb: Als Gropius 1919 das Bauhaus gründete, vereinte er van de Veldes Schule mit der Kunstakademie und nutzte die von ihm geschaffenen Bauten. In Weimar erinnert der Van-de-Velde-Bau an ihn — den Visionär, der den Grund für die Moderne in dieser Stadt legte.
Werke & Leistungen
Hauptgebäude der Bauhaus-Universität (1911)
Werkbundtheater (1914)
Verbundene Orte in Weimar
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar
Entwarf das Hauptgebäude der Kunstschule (1904–1911), heute Teil des Campus der Bauhaus-Universität
Beleg: Van de Veldes Schulgebäude in Weimar ist UNESCO-Welterbe und weiter in Hochschulnutzung
Historischer Kontext
Leitete 1902–1915 die Weimarer Kunstgewerbeschule und entwarf ihr Gebäude — die Vorbereitung des Bauhauses
Historischer Beleg: Van de Velde gründete die Weimarer Kunstgewerbeschule und baute ihre Gebäude (1905–1911)
Weimar war die Wiege des Bauhauses, jener revolutionären Schule für Kunst, Gestaltung und Architektur. Nach dem Ersten Weltkrieg führte der Architekt Walter Gropius die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule und die Kunstgewerbeschule zusammen und gründete 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar. Es vereinte Maler, Gestalter und Handwerker mit dem radikalen Ziel, Kunst und funktionale Gestaltung zusammenzuführen. In den Weimarer Jahren (1919–1925) lehrten hier Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Johannes Itten, die einen Lehrplan aus avantgardistischer Kunsttheorie und praktischer Werkstattarbeit entwickelten. Studierende und Meister arbeiteten gemeinsam an Keramik, Möbeln, Grafik und Architektur. Zu den wichtigsten Projekten zählt das Haus am Horn, das Musterhaus der Bauhaus-Ausstellung von 1923, das den Grundsatz der Form aus der Funktion vorführte. Trotz seiner Schaffenskraft stand das Bauhaus unter politischem Druck konservativer Kräfte in Thüringen; 1924 wurden die Mittel gekürzt. 1925 zog es nach Dessau — das Weimarer Kapitel war beendet. So kurz es war, es prägte Kunst und Gestaltung des 20. Jahrhunderts grundlegend und machte Weimar zu einem Ort der Moderne, heute Teil des UNESCO-Welterbes.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1863
1957
belgisch