Hauptgebäude der Bauhaus-Universität
Über diesen Ort
In der Geschwister-Scholl-Straße stehen zwei Bauten von Henry van de Velde nebeneinander, und in einem davon wurde das Bauhaus gegründet.
Nummer 8: wo die Schule anfing, 1904–1999
Das Hauptgebäude entstand von 1904 bis 1911 nach van de Veldes Plänen als Ateliergebäude für die Großherzoglich Sächsische Hochschule für bildende Kunst: Arbeitsräume mit Oberlicht für Maler.[1] Die Universität zählt es zu den bedeutendsten Kunstschulbauten seiner Zeit — und hier gründete Walter Gropius 1919 das Staatliche Bauhaus.[1] Die Sanierung von 1999 unter Thomas van den Valentyn stellte den Originalzustand weitgehend wieder her.[1]
Nummer 7: die Kunstgewerbeschule und eine „Säuberung“, 1905–1980
Der Van-de-Velde-Bau nebenan wurde 1905/06 für die Kunstgewerbeschule als Winkelbau errichtet; heute sitzen dort das Dekanat und die Fakultät Kunst und Gestaltung.[2] Die Reliefs und das Treppenhausbild, die Oskar Schlemmer für die Ausstellung von 1923 schuf, fielen der „Säuberung“ im Vorfeld der Eröffnung der Staatlichen Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk 1930 zum Opfer.[2] Zu sehen sind Rekonstruktionen: 1979 von Hubert Schiefelbein, 1980 von Bruno Dolinski.[2]
Im Foyer
Gleich hinter der Tür fällt der Blick auf die frei schwingende Jugendstiltreppe und auf Auguste Rodins Skulptur „Eva“.[1] Im Obergeschoss steht das rekonstruierte Direktorenzimmer von Gropius, das die Universität als erstes realisiertes Gesamtkunstwerk des Bauhauses bezeichnet[1] — Raum, Möbel, Textilien und Leuchten als ein Gegenstand gedacht.
Das Maurice-Halbwachs-Auditorium, 1944–2024
Am 4. Dezember 2024 hat die Universität ihr Auditorium Maximum in Maurice-Halbwachs-Auditorium umbenannt — nach dem französischen Soziologen, dessen Arbeit über das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen die Theorie des kollektiven Gedächtnisses begründete.[3] Im Sommer 1944 wurde Halbwachs in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar deportiert, wo er im März 1945 an den Folgen der Lagerhaft starb.[3]
Arbeitende Hochschule, kein Museum, 1996
Beide Gebäude gehören seit 1996 als Gründungsorte des Bauhauses zum UNESCO-Weltkulturerbe und sind eine arbeitende Hochschule: Die historischen Räume zeigt die Universität auf ihren Bauhaus-Spaziergängen, gebucht über die Tourist-Information Weimar.[4]
Was Besucher fragen
- Wo wurde das Bauhaus gegründet?
- Im Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Straße 8 — dort gründete Walter Gropius 1919 das Staatliche Bauhaus, in einem Ateliergebäude, das Henry van de Velde 1904 bis 1911 für die Großherzoglich Sächsische Hochschule für bildende Kunst entworfen hatte.[1]
- Was ist der Van-de-Velde-Bau nebenan?
- Nummer 7, 1905/06 von van de Velde für die Kunstgewerbeschule errichtet, heute Sitz des Dekanats und der Fakultät Kunst und Gestaltung.[2]
- Was geschah mit Schlemmers Wandgestaltungen?
- Oskar Schlemmers Reliefs und das Treppenhausbild, für die Ausstellung von 1923 geschaffen, fielen der „Säuberung“ der Universität von 1930 zum Opfer. Zu sehen sind heute Rekonstruktionen — 1979 von Hubert Schiefelbein, 1980 von Bruno Dolinski.[2]
- Warum gibt es ein Maurice-Halbwachs-Auditorium?
- Die Universität benannte ihr Auditorium Maximum am 4. Dezember 2024 nach ihm um. Halbwachs, der französische Soziologe, der die Theorie des kollektiven Gedächtnisses begründete, wurde im Sommer 1944 in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar deportiert und starb dort im März 1945.[3]
- Kann man das Gebäude besichtigen, und was kostet es?
- Der Zutritt zum Hauptgebäude ist frei, montags bis freitags 10–18 Uhr, doch die Räume, wegen derer man kommt — das Gropius-Zimmer, Schlemmers Wandgestaltungen — sieht man nur auf den Bauhaus-Spaziergängen, die im Sommer Mi–Sa, im Winter Fr–Sa laufen, ab fünf Personen. 12 € (1,5 Stunden) oder 20 € (2,5 Stunden), ermäßigt 10 €/15 €, Kinder unter 14 frei, Karten über die Tourist-Information Weimar.[4]
Verbundene Persönlichkeiten
Architekt • außerordentlicher Meister für Architektur am Bauhaus • Lehrer
In den Bauten der Schule unterrichtete er Werkzeichnen und Konstruktion und leitete Gropius' Bauatelier.
Großherzog • Mäzen
Sie geht auf die Kunstschule zurück, die er zum 1. Oktober 1860 gründete und aus der Privatschatulle finanzierte.
Maler • Bauhausmeister • Leiter der Weberei
Er unterrichtete in den van-de-Velde-Bauten, die die Schule übernommen hatte: erst der Vorkurs mit Itten, dann die Weberei.
Weberin • Bauhausschülerin, dann Leiterin der Weberei
Ab 1919 studierte sie in van de Veldes Bauten — Ittens Vorkurs, dann Glasmalerei, Wandmalerei, Weberei.
Typograf • Grafiker • Fotograf • Architekt
Von 1921 bis 1925 studierte er in den Weimarer Gebäuden der Schule.
Maler • Kunstpädagoge • Bauhausmeister
In van de Veldes Bauten unterrichtete er den Vorkurs und war Formmeister fast aller Werkstätten darin.
Bildhauer • Typograf • Bauhausmeister
In diesen Gebäuden studierte er zweimal — ab 1910 an der großherzoglichen Hochschule, ab 1919 am Bauhaus.
Maler • Gestalter • Lehrer
Ab 1920 studierte er in den Weimarer Gebäuden der Schule, ab 1923 unterrichtete er dort.
Künstler • Fotograf • Bauhausmeister
Ab 1923 unterrichtete er in van de Veldes Bauten den Vorkurs und leitete die Metallwerkstatt.[^bauhauskooperation-moholynagy]
Dramatiker • Maler • Leiter der Bauhausbühne
Von 1921 bis 1923 leitete er die Bühnenwerkstatt in den Gebäuden der Schule.[^bauhauskooperation-schreyer]
Maler • Grafiker • Kunstpädagoge
In den Gebäuden der Schule hat er die gesamte Weimarer Zeit über studiert und unterrichtet.
Maler • Grafiker • Bauhausmeister
Von 1919 bis 1925 leitete er in van de Veldes Bauten die Druckerei.
Möbelgestalter • Architekt • Bauhausschüler, dann Meister
In van de Veldes Bauten war er erst Schüler, dann Jungmeister — in der Tischlerei.
Gestalterin • Metallgestalterin • Fotografin
Ab 1923 studierte sie in den Weimarer Gebäuden der Schule, erst im Vorkurs, dann in der Metallwerkstatt.
Maler • Bildhauer • Choreograph • Bauhausmeister
Seine Reliefs und das Treppenhausbild von 1923 entstanden für van de Veldes Werkstattgebäude; 1930 entfernt, seit 1979/80 als Rekonstruktion wieder da.[^uni-weimar-vandevelde-bau]
Maler • Bauhausmeister • Lehrer
Er lehrte ab Januar 1921 in van de Veldes Bauten und war dort Formmeister von vier Werkstätten.
Maler • Bauhausmeister • Lehrer
Ab Juni 1922 lehrte er in van de Veldes Bauten an der Werkstatt für Wandmalerei.
Gestalter • Silberschmied • Industriedesigner
Von 1923 bis 1925 studierte er Metall in den Weimarer Gebäuden der Schule — und blieb an ihrer Nachfolgeeinrichtung.
Architekt • Designer • Gründer der Weimarer Kunstgewerbeschule
Von ihm stammen beide Bauten, 1904–11 und 1905/06; im zweiten leitete er seine Kunstgewerbeschule.
Architekt • Gründer und Direktor des Bauhauses • Lehrer
Hier gründete er 1919 das Bauhaus; sein rekonstruiertes Direktorenzimmer liegt im Hauptgebäude.
Soziologe • Wissenschaftler
Am 4. Dezember 2024 benannte die Universität ihren größten Hörsaal nach ihm; er starb im März 1945 in Buchenwald.
Quellen (4)
- Hauptgebäude — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Van-de-Velde-Bau — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Maurice-Halbwachs-Auditorium — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Bauhaus-Spaziergang: Touren, Preise, Informationen — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 29. August 2026
Besuchsinformationen
Der Zutritt zum Hauptgebäude ist während der Öffnungszeiten frei; die Bauhaus-Spaziergänge kosten 12 € (1,5 Stunden) bzw. 20 € (2,5 Stunden), ermäßigt 10 € bzw. 15 €, Kinder unter 14 frei — Karten über die Tourist-Information Weimar
Mo–Fr 10–18 Uhr; Gruppen nach Anmeldung. Die Spaziergänge laufen im Sommer Mi–Sa, im Winter Fr–Sa, ab fünf Personen
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar
50.9744, 11.3290
Übernachten und essen in der Nähe
Übernachten
Steubenstraße 19A, 99423 Weimar
Das Hauptgebäude der Universität steht in der Geschwister-Scholl-Straße, das Hostel in der Steubenstraße.
Auf der Bühne
Auf der Bühne
Konzert · Gabriel Thibaudeau
Das Filmkonzert wird im Maurice-Halbwachs-Auditorium der Universität gespielt.
Veranstaltungen an diesem Ort
Veranstaltungen
Freitags und samstags 14 Uhr, vom 21. März bis 1. November auch mittwochs
Der Rundgang führt durch die Bauten der Schule selbst — und die Guides studieren darin.
Zwei Tage im Jahr – Internationaler Frauentag und Buß- und Bettag
Ihre Studierenden treten auf – damit steht die arbeitende Kunsthochschule mitten in einem Museumstag.
Drei Tage im September, alle paar Jahre seit 1964
Die Tagung ist die der Universität selbst – ausgerichtet von ihrem F. A. Finger-Institut für Baustoffkunde.
Ein Wochenende Anfang September
Die Universität, die vom Bauhaus abstammt und seinen Namen trägt – die Erbin, nicht die Vorgängerin.
In Weimars Geschichte
Historische Orte
Van de Veldes Schulbauten — Jugendstil, der das Bauhaus beherbergte.
Geschwister-Scholl-Straße 6a, 99423 Weimar
Es steht im Hof des Hauptgebäudes und ist der Besucherpunkt der Universität.
Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar
Die Schule, in deren Werkstätten das alles entstanden ist.
Am Horn 61, 99425 Weimar
Die Schule, die es baute: Die Ausstellung lief gleichzeitig in ihren beiden van-de-Velde-Bauten und hier draußen.
Belvederer Allee 58, 99425 Weimar
Dieselbe Hand: die Schulbauten, die van de Velde in der Innenstadt errichtete und die das Bauhaus 1919 übernahm.
Epochen
Gründungsort der Schule und ihre Gebäude während der gesamten Weimarer Zeit.
Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und war 1925 wieder fort — Zeit genug, um zu ändern, was eine Gestaltungsschule ist, und zu wenig für die Stadt, die es hervorgebracht hat, um es zu behalten.
Geht unmittelbar auf die 1860 von Carl Alexander gegründete Kunstschule und auf die Kunstgewerbeschule von 1907/08 zurück: die Einrichtungen dieser Epoche unter späterem Namen.
Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.
In Weimars Geschichte
Ein Großherzog gründete aus der eigenen Tasche eine Kunstschule; neunundfünfzig Jahre später war sie die eine Hälfte des Bauhauses.
Die Universität geht aus dieser Schule hervor; das Bauhaus von 1919 entstand aus ihr und aus van de Veldes Kunstgewerbeschule.
Die Schule, aus der das Bauhaus gebaut wurde: als privates Seminar in geliehenen Räumen begonnen, dreizehn Jahre später auf Anordnung geschlossen.
Die Schule, die vor dem Bauhaus in diesen Gebäuden saß — und die den zweiten davon errichten ließ.
Walter Gropius übernahm im geschlagenen Land eine großherzogliche Kunsthochschule und nannte sie Staatliches Bauhaus.
In diesem Gebäude wurde gegründet; mit ihm übernahm die Schule van de Veldes zweiten Bau.
Ein Konkurrenzkurs, gehalten in einem Atelier direkt gegenüber dem Bauhaus, von einem Mann, den die Schule nie angestellt hat.
Unterrichtet wurde direkt gegenüber den Gebäuden der Schule.
Die Wochen, in denen sich das Bauhaus zum ersten Mal öffentlich zeigte — an drei Orten und in einem Haus, das dafür erst gebaut werden musste.
Zwei der drei städtischen Ausstellungsorte waren die van-de-Velde-Bauten der Schule.
Eine Wahl, ein halbierter Etat, gekündigte Verträge zum 31. März 1925 — nach sechs Jahren ging die Schule nach Dessau.
Die Gebäude blieben, die Schule nicht. Heute sind sie als Gründungsorte UNESCO-Welterbe.
Artikel
Weimars Jugendstil ist ein Stil der Wohnhäuser: die Villenstraßen westlich und südlich der Altstadt, gebaut zwischen den 1890er Jahren und 1914, mit den Fassaden Rudolf Zapfes und den eigenen Bauten Henry van de Veldes.
Van de Veldes Hauptgebäude der Kunstschule, 1904/05 und 1911 — der zweite Abschnitt mit Bruno Röhr.