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Johannes Itten

1888–1967
schweizerisch
MalerKunstpädagogeBauhausmeister

Biografie

Wer am Bauhaus anfing, begegnete zuerst Johannes Itten — denn der Kurs, den alle bestehen mussten, war seine Erfindung. Als er im März 1923 ging, war die Schule binnen eines Jahres eine andere.

Erst Volksschullehrer, dann Mathematik, 1888–1912

Itten wurde 1888 in Süderenlinden in der Schweiz geboren und kam auf einem ungewöhnlich langen Weg zur Kunst: 1908/09 ein Jahr als Volksschullehrer, dann die École des Beaux-Arts in Genf, bis 1912 ein naturwissenschaftlich-mathematisches Studium in Bern und erst danach zwei Jahre an der Stuttgarter Akademie, im Meisterschüleratelier von Adolf Hölzel. Das erklärt einiges: Der Mann, der die Lehre des Bauhauses baute, war ausgebildeter Lehrer und hatte über das Lernen nachgedacht, bevor er über das Aussehen von Kunst nachdachte.

Der Kurs, den er erfand, 1919–1923

Im Oktober 1919 berief ihn Gropius als einen der ersten Meister nach Weimar, und Itten schuf das, wofür das Bauhaus bis heute kopiert wird: ein Einführungssemester, das jede und jeder vor der Wahl einer Werkstatt zu durchlaufen hatte, von ihm entwickelt und bis 1922/23 von ihm geleitet. Dazu war er Formmeister aller Werkstätten außer Keramik, Buchbinderei und Druckerei und bis 1923 stellvertretender Direktor — die Lehre des Hauses war drei Jahre lang weitgehend seine.

Mazdaznan im Haus

Itten trug am Bauhaus sehr zur Verbreitung von Mazdaznan bei, einer religions- und philosophieübergreifenden Weltanschauung; so steht es in seiner Biografie beim Portal der Bauhaus-Institutionen. Rasierte Köpfe, vorgeschriebene Ernährung und Atemübungen an einer staatlichen Kunstschule waren keine private Marotte, sondern Teil des Unterrichts — und ein Grund, warum ein Direktor, der die Werkstätten zur Industrie hin öffnen wollte, ihn nicht halten konnte.

Der Bruch und die Jahre danach, 1923–1967

Nach internen Differenzen mit Gropius verließ er das Bauhaus im März 1923, und die Schule stellte sich binnen Wochen um: Im selben Monat wurde Moholy-Nagy berufen, der Vorkurs und Metallwerkstatt übernahm. Itten gründete 1926 eine eigene Schule in Berlin, leitete von 1932 bis 1938 die Textilausbildung in Krefeld und ab 1938 die Kunstgewerbeschule in Zürich, wo er 1967 starb.

Die Villa, die er weitergab, 1923

Er wohnte in der Villa in der damaligen Wilhelms-Allee 2, heute Leibnizallee 2, und nach seinem Weggang übernahm Moholy-Nagy nicht nur seine Nachfolge, sondern auch die Wohnung. Ein kleines Detail — und es fasst die Wende von 1923 klar zusammen: Räume, Lehre und Amt gingen in einer Saison an den Gegenentwurf über.

Was Besucher fragen

Was hat Johannes Itten am Bauhaus geschaffen?
Den Vorkurs, ein Einführungssemester, das jede Person vor der Wahl einer Werkstatt durchlaufen musste — das, wofür das Bauhaus bis heute kopiert wird.
Warum verließ Johannes Itten das Bauhaus?
Interne Differenzen mit Walter Gropius, auch wegen Mazdaznan, der Weltanschauung, die er im Haus verbreitet hatte — rasierte Köpfe, vorgeschriebene Ernährung, Atemübungen —, die ein Direktor, der die Werkstätten zur Industrie hin öffnen wollte, nicht dulden konnte. Er ging im März 1923.
Was geschah am Bauhaus nach Ittens Weggang?
Im selben Monat wurde László Moholy-Nagy berufen, der den Vorkurs, die Metallwerkstatt — und sogar Ittens Villa und Wohnung übernahm.
Kann man den Ort besuchen, an dem Johannes Itten unterrichtete?
Ja, die Bauhaus-Universität Weimar, in den van-de-Velde-Bauten, wo er den Vorkurs unterrichtete und Formmeister fast aller Werkstätten war.

Werke & Leistungen

der Vorkurs am Bauhaus

Verbundene Orte in Weimar

Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar

In van de Veldes Bauten unterrichtete er den Vorkurs und war Formmeister fast aller Werkstätten darin.

Park an der Ilm, 99423 Weimar

In diesem Haus, mitten im herzoglichen Park, hatte er sein Maleratelier.

Historischer Kontext

Einer der ersten Meister, ab Oktober 1919, und Urheber des Kurses, mit dem jede Ausbildung begann.

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und war 1925 wieder fort — Zeit genug, um zu ändern, was eine Gestaltungsschule ist, und zu wenig für die Stadt, die es hervorgebracht hat, um es zu behalten.

Mehr über diese Epoche →

Kurzprofil

Geboren:

1888

Gestorben:

1967

Nationalität:

schweizerisch

Rollen:
MalerKunstpädagogeBauhausmeister

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten

Georg Muche

1895–1987 • Maler • Bauhausmeister • Leiter der Weberei

1921/22 führten sie gemeinsam den Vorkurs, bis Itten ging.

Gunta Stölzl

1897–1983 • Weberin • Bauhausschülerin, dann Leiterin der Weberei

Sein Vorkurs war ihr erstes Jahr an der Schule.

Herbert Bayer

1900–1985 • Typograf • Grafiker • Fotograf • Architekt

Ittens Vorkurs war sein erstes Jahr an der Schule.

Walter Gropius

1883–1969 • Architekt • Gründer und Direktor des Bauhauses • Lehrer

Gropius berief ihn 1919 und verlor ihn 1923 an Differenzen, aus denen die Schule verändert hervorging.

Oskar Schlemmer

1888–1943 • Maler • Bildhauer • Choreograph • Bauhausmeister

Die Wandmalerei leiteten sie im Wechsel.

Marcel Breuer

1902–1981 • Möbelgestalter • Architekt • Bauhausschüler, dann Meister

Breuer kam 1920 und durchlief Ittens Vorkurs, bevor er in die Tischlerei ging.

Joost Schmidt

1893–1948 • Bildhauer • Typograf • Bauhausmeister

Einer der beiden Meister, bei denen er Bildhauerei lernte.

Josef Albers

1888–1976 • Maler • Gestalter • Lehrer

Ittens Vorkurs war seine erste Arbeit an der Schule; später leitete er diesen Kurs selbst.

Karl Peter Röhl

1890–1975 • Maler • Grafiker • Bauhausschüler

Im ersten Semester 1919 besuchte er Ittens Vorkurs.

László Moholy-Nagy

1895–1946 • Künstler • Fotograf • Bauhausmeister

Er übernahm den Vorkurs, den Itten aufgebaut hatte, im Monat von Ittens Weggang.[^bauhauskooperation-itten]

Ludwig Hirschfeld-Mack

1893–1965 • Maler • Grafiker • Kunstpädagoge

Ittens Vorkurs war seine erste Arbeit an der Schule.