Johannes Itten
Biografie
Johannes Itten war einer der ersten Meister, die Gropius 1919 ans Bauhaus berief. Er entwickelte den berühmten Vorkurs, der zur Grundlage der Bauhaus-Pädagogik wurde. Sein mystisch geprägter Ansatz — beeinflusst von Zoroastrismus und der Mazdaznan-Lehre — verband künstlerische Ausbildung mit geistiger Entwicklung. Bis 1923 unterrichtete er in Weimar und legte die Grundlagen der Farbenlehre und der Materialstudien. Sein Weggang markierte den Wandel vom expressionistisch geprägten Handwerk zur Funktionalität unter László Moholy-Nagy. Seine pädagogischen Neuerungen wirkten weltweit auf die Kunstausbildung.
Werke & Leistungen
Lehrplan des Vorkurses
Farbkugel-Theorie
Kunst der Farbe
Lehre von den sieben Farbkontrasten
Farbkreis
Grundlagen der Farbtypenlehre
Methodik des Bauhaus-Vorkurses
Verbundene Orte in Weimar
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar
Unterrichtete den Vorkurs am ursprünglichen Bauhaus (1919–1923)
Beleg: Unterlagen zur Entwicklung des Vorkurses und zur Lehre
Historischer Kontext
Bauhaus-Meister der ersten Stunde (1919–1923); entwickelte den grundlegenden Vorkurs
Historischer Beleg: Berufungsunterlagen des Bauhauses und Dokumentation des Vorkurses
Weimar war die Wiege des Bauhauses, jener revolutionären Schule für Kunst, Gestaltung und Architektur. Nach dem Ersten Weltkrieg führte der Architekt Walter Gropius die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule und die Kunstgewerbeschule zusammen und gründete 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar. Es vereinte Maler, Gestalter und Handwerker mit dem radikalen Ziel, Kunst und funktionale Gestaltung zusammenzuführen. In den Weimarer Jahren (1919–1925) lehrten hier Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Johannes Itten, die einen Lehrplan aus avantgardistischer Kunsttheorie und praktischer Werkstattarbeit entwickelten. Studierende und Meister arbeiteten gemeinsam an Keramik, Möbeln, Grafik und Architektur. Zu den wichtigsten Projekten zählt das Haus am Horn, das Musterhaus der Bauhaus-Ausstellung von 1923, das den Grundsatz der Form aus der Funktion vorführte. Trotz seiner Schaffenskraft stand das Bauhaus unter politischem Druck konservativer Kräfte in Thüringen; 1924 wurden die Mittel gekürzt. 1925 zog es nach Dessau — das Weimarer Kapitel war beendet. So kurz es war, es prägte Kunst und Gestaltung des 20. Jahrhunderts grundlegend und machte Weimar zu einem Ort der Moderne, heute Teil des UNESCO-Welterbes.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1888
1967
schweizerisch