Walter Gropius
Biografie
Walter Gropius war der Gründer des Bauhauses und ein Pionier der modernen Architektur, der die Geschichte Weimars nachhaltig prägte. 1919, im Umbruch nach dem Ersten Weltkrieg, überzeugte er die neue Thüringer Regierung, ihn in Weimar aus bestehenden Einrichtungen eine radikale Kunstschule bilden zu lassen. Als Direktor des Bauhauses (1919–1925) formulierte er das visionäre Lehrprogramm aus Handwerk und freier Kunst und verfasste in Weimar das Bauhaus-Manifest. Er versammelte eine außergewöhnliche Lehrerschaft — darunter Klee und Kandinsky — und schuf ein Klima von Kreativität und Experiment, das Weimar an die Spitze der modernen Gestaltung brachte. Gropius suchte auch den Kontakt zur Industrie und organisierte die wegweisende Bauhaus-Ausstellung von 1923, für die er das Haus am Horn entwarf. Unter politischem Druck verlegte er das Bauhaus 1925 nach Dessau; die von ihm angestoßene Bewegung war da längst nicht mehr aufzuhalten. Gropius machte anschließend eine große Karriere (später in den USA), erinnerte sich an Weimar aber stets als Geburtsort des Bauhauses. Heute wirkt sein Einfluss an der Bauhaus-Universität fort; Haus am Horn und die restaurierten Bauhaus-Bauten sind Denkmale seines Erbes.
Bekannte Zitate
“Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! Architekten, Maler und Bildhauer müssen die vielgliedrige Gestalt des Baues in seiner Gesamtheit und in seinen Teilen wieder kennen und begreifen lernen.”
“Eine moderne, harmonische und lebendige Architektur ist das sichtbare Zeichen einer echten Demokratie.”
Werke & Leistungen
Bauhaus-Manifest (1919)
Bauhausgebäude Dessau
Haus am Horn (Weimar)
Fagus-Werk
Harvard Graduate Center
Verbundene Orte in Weimar
Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar
Seine frühen Weimarer Bauhaus-Arbeiten und seine Lehre werden hier gezeigt
Beleg: Das Museum zeigt die Gründung des Bauhauses 1919 samt Manifest
Am Horn 61, 99425 Weimar
Plante die Bauhaus-Ausstellung 1923 samt diesem Musterhaus, das unter seiner Leitung entstand
Beleg: Gropius organisierte die Ausstellung, für die das Haus am Horn als Prototyp gebaut wurde
Historischer Kontext
Gründete 1919 das Bauhaus in Weimar und leitete es bis 1925 — der Beginn von Weimars Moderne
Historischer Beleg: Gropius eröffnete das Bauhaus 1919 in Weimar durch die Zusammenlegung der Kunstschulen
Weimar war die Wiege des Bauhauses, jener revolutionären Schule für Kunst, Gestaltung und Architektur. Nach dem Ersten Weltkrieg führte der Architekt Walter Gropius die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule und die Kunstgewerbeschule zusammen und gründete 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar. Es vereinte Maler, Gestalter und Handwerker mit dem radikalen Ziel, Kunst und funktionale Gestaltung zusammenzuführen. In den Weimarer Jahren (1919–1925) lehrten hier Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Johannes Itten, die einen Lehrplan aus avantgardistischer Kunsttheorie und praktischer Werkstattarbeit entwickelten. Studierende und Meister arbeiteten gemeinsam an Keramik, Möbeln, Grafik und Architektur. Zu den wichtigsten Projekten zählt das Haus am Horn, das Musterhaus der Bauhaus-Ausstellung von 1923, das den Grundsatz der Form aus der Funktion vorführte. Trotz seiner Schaffenskraft stand das Bauhaus unter politischem Druck konservativer Kräfte in Thüringen; 1924 wurden die Mittel gekürzt. 1925 zog es nach Dessau — das Weimarer Kapitel war beendet. So kurz es war, es prägte Kunst und Gestaltung des 20. Jahrhunderts grundlegend und machte Weimar zu einem Ort der Moderne, heute Teil des UNESCO-Welterbes.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1883
1969
deutsch