Zum Inhalt springen

Johann Sebastian Bach

1685–1750
deutsch
KomponistMusikerOrganist

Biografie

Johann Sebastian Bach, geboren am 21. März 1685 in Eisenach, stand zweimal in Weimarer Diensten: ein halbes Jahr 1703 als Lakai und Hofmusiker, dann von 1708 bis 1717 als Hoforganist der Schlosskapelle, ab dem 2. März 1714 zugleich als Konzertmeister mit der Pflicht, alle vier Wochen eine Kirchenkantate zu liefern. Aus dem Weimarer Jahrzehnt stammen etwa dreißig Kantaten, Frühfassungen der Brandenburgischen Konzerte, ein Großteil seines Orgelwerks und das Orgelbüchlein; am Markt 16 kamen seine ersten sechs Kinder zur Welt, darunter Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel. Als er auf seine Entlassung nach Köthen drängte, ließ Herzog Wilhelm Ernst ihn knapp vier Wochen im Schloss festsetzen und entließ ihn am 2. Dezember 1717 in Ungnade. 1723 folgte Leipzig, wo er am 28. Juli 1750 starb.

Eisenach 1685: eine Musikerfamilie in Thüringen

Bach wurde am 21. März 1685 in Eisenach geboren und zwei Tage später in der Georgenkirche getauft. Die Eltern starben früh; er wuchs in Ohrdruf bei seinem älteren Bruder Johann Christoph auf, der dort Organist war, und kam 1700 als Alumnus des Michaelisklosters nach Lüneburg. Die Familie hatte den Städten und Höfen Thüringens seit Generationen Musiker gestellt, und sein Weg – Eisenach, Ohrdruf, Lüneburg, dann die Orgelemporen von Arnstadt und Mühlhausen – blieb in dieser Welt.

1703–1708: das erste Mal Weimar, Arnstadt, Mühlhausen

Im Frühjahr 1703, mit achtzehn, trat er als Lakai und Hofmusiker in die Privatkapelle Herzog Johann Ernsts III. im Weimarer Roten Schloss; noch im selben Jahr wurde er Organist der Neuen Kirche in Arnstadt, danach Organist in Mühlhausen. Im Juni 1708 reiste er zum Abschluss der Renovierung der Schlosskapellenorgel nach Weimar und spielte vor Herzog Wilhelm Ernst; im Juli 1708 trat er die Stelle des Hoforganisten und Kammermusikers an. Diesmal blieb er neun Jahre.

1708–1717: Hoforganist in der Himmelsburg

Seine Orgel stand in der Schlosskapelle, einem hohen, schmalen Raum am stadtseitigen Ende der Wilhelmsburg, den der Hof Himmelsburg nannte und der 1630 fertig geworden war. Es waren, so die Neue Deutsche Biographie, die Jahre seiner ersten Meisterschaft, mit dem Schwerpunkt auf der Orgelmusik neben den Kirchenkantaten. Den Raum gibt es nicht mehr: Am 6. Mai 1774 brannte die Wilhelmsburg bis auf Turm und Torbau nieder, und eine Schlosskirche wurde danach nicht wieder eingerichtet – die Weimarer Kantaten erklangen zuerst in einem Raum, der nur noch in Zeichnungen und Akten überliefert ist.

Markt 16: ein Haushalt am Marktplatz, 1710 und 1714

Die Bachs wohnten am Markt 16, an dem Platz, auf dem die Stadt bis heute ihren Wochenmarkt hält; dort kamen ihre ersten sechs Kinder zur Welt. Wilhelm Friedemann, geboren am 22. November 1710 und zwei Tage später getauft, und Carl Philipp Emanuel, geboren am 8. März 1714 mit Georg Philipp Telemann unter den Taufpaten, wurden beide zu Komponisten der nächsten Generation – eine gewöhnliche Weimarer Adresse als Geburtshaus eines guten Teils der deutschen Musik nach Bach.

2. März 1714: Konzertmeister, alle vier Wochen eine Kantate

Nachdem er eine Berufung an die Marktkirche in Halle abgelehnt hatte, ernannte ihn der Hof am 2. März 1714 zum Konzertmeister. Mit dem Amt war die Pflicht verbunden, alle vier Wochen eine Kirchenkantate für den jeweiligen Sonntag zu komponieren, und aus diesem Rhythmus erwuchsen die Weimarer Kantaten, etwa dreißig an der Zahl. Frühfassungen der Brandenburgischen Konzerte und ein Großteil des Orgelwerks gehören in dieselben Jahre, ebenso das Orgelbüchlein: ein neunzigseitiges Buch, angelegt für 164 Choralvorspiele, von denen er 46 ausführte, die meisten zwischen 1712 und 1717.

November–Dezember 1717: vier Wochen Haft, dann Köthen und Leipzig

1717 hatte er ein Angebot aus Köthen und drängte auf seine Entlassung. Am 6. November 1717 ließ Herzog Wilhelm Ernst ihn wegen seiner „halsstarrigen Bezeugung“ in Haft nehmen und knapp vier Wochen in der Bastille des Schlosses festhalten; am 2. Dezember 1717 wurde er aus Haft und Dienst „mit angezeigter Ungnade“ entlassen. Er ging als Hofkapellmeister nach Köthen und wurde 1723, nach dem Tod Johann Kuhnaus, Kantor an der Thomasschule und Director musices der Stadt Leipzig. Dort starb er am 28. Juli 1750 und wurde am 31. Juli an der Südmauer der Johanniskirche beigesetzt.

Bachs Orte heute: Weimar und das Bachhaus Eisenach seit 1907

In Weimar nennen die Thüringer Bachwochen die erhaltenen Bach-Orte: die Herderkirche mit Taufstein und Cranach-Altar, die Jakobskirche und das Schloss, an dessen Bastille eine Tafel an die Haft erinnert; gegenüber der Hochschule für Musik Franz Liszt steht eine Bronzebüste von 1995. In Eisenach eröffnete die Neue Bachgesellschaft 1907 das Bachhaus als erstes Bach-Museum, mit dem Auftrag, alles zu sammeln und aufzubewahren, was Bach und sein Lebenswerk angeht; in jeder Stunde gibt es dort ein kleines Konzert auf fünf barocken Tasteninstrumenten.

Was Besucher fragen

Was machte Bach in Weimar?
Von 1708 bis 1717 war er Hoforganist und Kammermusiker des herzoglichen Hofes und spielte die Orgel der Schlosskapelle, der sogenannten Himmelsburg; ab dem 2. März 1714 war er zugleich Konzertmeister mit der Pflicht, alle vier Wochen eine Kirchenkantate zu komponieren. Schon 1703 hatte er ein halbes Jahr als Lakai und Hofmusiker in Weimar gedient.
Wann lebte Bach in Weimar?
Zweimal: ein halbes Jahr 1703 und von Juli 1708 bis zu seiner Entlassung am 2. Dezember 1717 – neun Jahre.
Wo wohnte Bach in Weimar?
Am Markt 16 auf dem Marktplatz. Dort kamen seine ersten sechs Kinder zur Welt, darunter Wilhelm Friedemann am 22. November 1710 und Carl Philipp Emanuel am 8. März 1714.
Welche Werke Bachs entstanden in Weimar?
Etwa dreißig Kirchenkantaten, Frühfassungen der Brandenburgischen Konzerte, ein Großteil seines Orgelwerks und das Orgelbüchlein, dessen 46 Choralvorspiele überwiegend zwischen 1712 und 1717 entstanden.
Warum saß Bach in Weimar in Haft?
Er drängte auf seine Entlassung aus dem herzoglichen Dienst, um Hofkapellmeister in Köthen zu werden. Herzog Wilhelm Ernst ließ ihn am 6. November 1717 wegen halsstarrigen Verhaltens festnehmen und knapp vier Wochen festhalten, bevor er ihn am 2. Dezember 1717 in Ungnade entließ.
Wo können Besucher Bach heute nachgehen?
In Weimar in der Herderkirche, der Jakobskirche und am Schloss mit der Tafel an der Bastille, dazu an der Büste gegenüber der Hochschule für Musik; in Eisenach im Bachhaus am Frauenplan 21, dem ersten Bach-Museum, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, mit stündlichem Konzert auf barocken Tasteninstrumenten.

Werke & Leistungen

Orgelbüchlein

Weimarer Kantaten

Frühfassungen der Brandenburgischen Konzerte

Matthäus-Passion

h-Moll-Messe

Cellosuiten

Verbundene Orte in Weimar

Burgplatz 4, 99423 Weimar

Von 1708 bis 1717 spielte er die Himmelsburg, die Kapelle der Wilhelmsburg, und saß 1717 vier Wochen in der Bastille des Schlosses.

Frauenplan 21, 99817 Eisenach

Untermarkt, 99974 Mühlhausen

Bach war hier von 1707 bis 1708 Organist, komponierte für den Ratswechsel im Februar 1708 die Kantate Gott ist mein König und entwarf die Disposition der Orgel.

Am Rollplatz 4, 99423 Weimar

Die Thüringer Bachwochen führen diese Kirche unter den besuchbaren Weimarer Bach-Orten.

MarktPlatz

Markt, 99423 Weimar

Am Markt 16 wohnte die Familie Bach in den Weimarer Jahren; die ersten sechs Kinder kamen an diesem Platz zur Welt.

Historischer Kontext

Barocke Residenz1618–1775

Ab 1708 Hoforganist, ab 1714 Konzertmeister, in der Bastille des Schlosses in Haft und am 2. Dezember 1717 entlassen.

Die anderthalb Jahrhunderte zwischen zwei Schlossbränden sind das Weimar, das auf keinem Plakat steht — und es ist das Weimar, das musikalisch wurde. Es beginnt 1618 mit einer ausgebrannten Burg und endet 1774 mit der nächsten; dazwischen schreibt Johann Sebastian Bach in einer Kapelle, die es nicht mehr gibt, den größten Teil seines Orgelwerks.

Mehr über diese Epoche →

Kurzprofil

Geboren:

1685

Gestorben:

1750

Nationalität:

deutsch

Rollen:
KomponistMusikerOrganist

Auf der Bühne

Auf der Bühne

Ich weiß nicht was ich bin, ich bin nicht was ich weiß

Schauspiel

Seine Musik steht auf dem Programm, gespielt in der Stadt, in der er neun Jahre lang Hoforganist und Konzertmeister war.

Weihnachtsoratorium

Kirchenmusik · Johann Sebastian Bach

Geschrieben hat er es in Leipzig, lange nach Weimar — aber es singt der Bachchor dieser Stadt, in der Pfarrkirche des Ortes, an dessen Hof er neun Jahre wirkte.

Veranstaltungen

Veranstaltungen

Orgelsommer

Sonntagabends im Sommer, 18 bis 19 Uhr

Dasselbe Programm bringt Bachs Kantaten in Kantatengottesdienste zurück, und der Bachchor Weimar ist eines der Hausensembles: Die Stadt, in der er Hoforganist war, führt ihn liturgisch auf und nicht nur konzertant.

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten

Wilhelm Ernst, Herzog von Sachsen-Weimar

1662–1728 • Herzog • Mäzen

Von 1708 bis 1717 sein Hoforganist — und 1717 vier Wochen lang sein Häftling, entlassen „mit angezeigter Ungnade“.

In Weimars Geschichte

In Weimars Geschichte

Der Hoforganist wollte gehen, und der Herzog ließ ihn vier Wochen einsperren, bevor er ihn in Ungnade entließ.

Der Häftling: Hier endete sein Weimarer Jahrzehnt, und er ging nach Köthen.

Die barocke Residenz brannte bis auf Turm und Torbau nieder — und mit ihr der Raum, in dem Bach gespielt hatte.

Die Kapelle, die er von 1708 bis 1717 bespielte, verbrannte mit dem Schloss und wurde nie wieder aufgebaut.