Bach in der Bastille, 1717
Der Hoforganist wollte gehen, und der Herzog ließ ihn vier Wochen einsperren, bevor er ihn in Ungnade entließ.
Weimars berühmtestes Arbeitsverhältnis endete in einer Zelle. Als Johann Sebastian Bach auf seine Entlassung aus herzoglichen Diensten für eine bessere Stelle drängte, ließ Herzog Wilhelm Ernst ihn knapp vier Wochen in der Bastille des Schlosses einsperren. Am 2. Dezember 1717 wurde er entlassen — „mit angezeigter Ungnade“.
Worum der Streit ging
Seit 1708 war Bach Hoforganist in Weimar.[1] 1717 hatte er ein Angebot anderswo und wollte fort. Ein Bediensteter eines kleinen Hofes kündigte nicht einfach: Der Abschied brauchte die Zustimmung des Landesherrn, und darauf gegen dessen Willen zu drängen, war Ungehorsam. Die Antwort des Herzogs war Haft im hauseigenen Arrest, jenem Raum, den die Stadt Bastille nannte.
Vier Wochen und eine Formel
Die Darstellung der Thüringer Bachwochen nennt knapp vier Wochen und als Tag der Entlassung den 2. Dezember 1717 — mit jener Wendung, die die Sache unmissverständlich macht: „mit angezeigter Ungnade“.[1] Es ist die Verwaltungssprache eines Hofes, der den Abgang als Strafe und nicht als Erlaubnis aktenkundig haben wollte.
Was es die Stadt kostete
Er ging nach Köthen und arbeitete nie wieder in Weimar. 1774 brannte das Schloss samt der Kapelle, die er bespielt hatte; geblieben ist eine Tafel an der Bastille, die an die Haft erinnert. Eine kleine Residenz hatte neun Jahre lang einen Musiker ersten Ranges beschäftigt und schloss die Akte mit einem Vermerk — was auf seine Art ein sehr genaues Bild des barocken Hofes ergibt.
Quellen
- Bachland Thüringen — Weimar — Thüringer Bachwochen, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1685–1750 • Komponist • Musiker • Organist
Der Häftling: Hier endete sein Weimarer Jahrzehnt, und er ging nach Köthen.
1662–1728 • Herzog • Mäzen
Der Herzog, der es anordnete — nicht der gleichnamige letzte Großherzog.
Historische Orte
Historische Orte
Burgplatz 4, 99423 Weimar
Die Bastille gehörte zum Schloss; eine Tafel dort erinnert an die vier Wochen.