Wilhelm Ernst, Herzog von Sachsen-Weimar
Auch bekannt als: Wilhelm Ernst (1662–1728), nicht der gleichnamige letzte Großherzog
Biografie
Weimars barocker Herzog regierte fünfundvierzig Jahre und wird, ungerecht und unvermeidlich, für vier Wochen davon erinnert — jene vier, die er Johann Sebastian Bach in Haft hielt. Der Rest der Regierung bestand aus Kirchen, Schulen und Verwaltung, und das meiste davon steht noch.
Eine fromme, schwierige Regierung, 1662–1728
Am 19. Oktober 1662 in Weimar geboren, brachte er eine strenge lutherische Frömmigkeit ins Amt. Die Biographen bescheinigen ihm tiefe Religiosität, kräftig durchgreifende Energie und eine hervorragende Begabung für die Landesverwaltung — und halten fest, dass vieles davon im dauernden Streit um die ihm auferlegte Mitregierung verbraucht wurde. Fünfundvierzig Jahre Herrschaft endeten mit seinem Tod am 26. August 1728.
Was er baute, 1706–1726
Die baufällige Jakobskirche ließ er abtragen; 1712/13 stand sie als jener Barockbau wieder da, der bis heute auf seinem Hügel steht. 1712 gründete er ein Waisenhaus, 1726 ein Seminar für Kandidaten der Theologie, 1706 entstand das Lustschloss Ettersburg. Für ein kleines thüringisches Herzogtum ist das ein ernsthaftes Bauprogramm — und der Teil von ihm, den man heute betreten kann.
Die vier Wochen, die alles überdauert haben, 1703–1717
Bach beschäftigte er zweimal: kurz 1703, dann von 1708 bis 1717 als Kammermusikus und Schlossorganist. Als Bach auf seine Entlassung für eine bessere Stelle drängte, ließ ihn der Herzog knapp vier Wochen in der Bastille des Schlosses einsperren und entließ ihn am 2. Dezember 1717 mit ausdrücklich vermerktem Missfallen. Es ist ungefähr das, was passiert, wenn ein Mäzen sich mit einem Genie überwirft.
Was Besucher fragen
- Welche Verbindung hat Wilhelm Ernst zu Johann Sebastian Bach?
- Er beschäftigte Bach von 1708 bis 1717 als Kammermusikus und Schlossorganist. Als Bach auf eine bessere Stelle drängte, ließ ihn der Herzog knapp vier Wochen in der Bastille des Schlosses einsperren, bevor er ihn am 2. Dezember 1717 entließ.
- Was hat Wilhelm Ernst in Weimar gebaut?
- Die neu errichtete Jakobskirche (1712/13), ein Waisenhaus (1712), ein Seminar für Kandidaten der Theologie (1726) und das Lustschloss Ettersburg (1706).
- Wie lange regierte Wilhelm Ernst?
- Fünfundvierzig Jahre, von seiner Thronbesteigung bis zu seinem Tod am 26. August 1728.
- Kann man Orte besuchen, die mit Wilhelm Ernst verbunden sind?
- Ja, die Jakobskirche, die 1712/13 auf seine Anordnung neu errichtet wurde.
Werke & Leistungen
Neubau der Weimarer Jakobskirche (1712/13)
Waisenhaus (1712)
Seminar für Kandidaten der Theologie (1726)
Lustschloss Ettersburg (1706)
Verbundene Orte in Weimar
Am Rollplatz 4, 99423 Weimar
Er ließ die baufällige Kirche 1712/13 abreißen und neu bauen.
Historischer Kontext
Fünfundvierzig Jahre barocke Residenz: der Kirchenneubau, das Waisenhaus, das Seminar — und Bach in der Schlosskapelle.
Die anderthalb Jahrhunderte zwischen zwei Schlossbränden sind das Weimar, das auf keinem Plakat steht — und es ist das Weimar, das musikalisch wurde. Es beginnt 1618 mit einer ausgebrannten Burg und endet 1774 mit der nächsten; dazwischen schreibt Johann Sebastian Bach in einer Kapelle, die es nicht mehr gibt, den größten Teil seines Orgelwerks.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1662
1728
deutsch
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Der Hoforganist wollte gehen, und der Herzog ließ ihn vier Wochen einsperren, bevor er ihn in Ungnade entließ.
Der Herzog, der es anordnete — nicht der gleichnamige letzte Großherzog.