Jakobskirche und Jakobskirchhof
Über diesen Ort
Ein schlichter Barockbau auf einer flachen Anhöhe nördlich der Innenstadt — und eines der dichtesten Geviert in Weimar: In der Sakristei wurde Goethe getraut, und draußen auf dem Kirchhof liegt Cranach der Ältere.
Pilgerkirche, abgetragen und neu gebaut, 1168–1713
St. Jakob entstand als Pilgerkirche am Weg nach Santiago de Compostela; 1168 wurde ein erster Bau an dieser Stelle geweiht. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war er baufällig. Herzog Wilhelm Ernst ließ ihn 1712/13 abtragen und einschiffig neu errichten, barock — jener helle, schmucklose Raum, den man heute betritt, auf dem Hügel, der seinen Namen vom Heiligen hat.
Die Zweitbesetzung der Stadt, 1728–1774
Drei Jahrhunderte lang ist diese Kirche für größere Häuser eingesprungen. Ab 1728 war sie Garnisonskirche. Ab 1774 auch Hofkirche, weil der Brand im Mai jenes Jahres die Schlosskapelle vernichtet hatte und die herzogliche Familie einen Ort brauchte — eine Rolle, die sie behielt, während das Schloss ohne Kapelle wieder aufgebaut wurde.
Die Trauung in der Sakristei, 1806
Am 19. Oktober 1806 heirateten in der Sakristei dieser Kirche Johann Wolfgang von Goethe und Christiane Vulpius. Kennengelernt hatten sie sich im Juli 1788, der Sohn kam im Jahr darauf zur Welt — die Trauung war die Beglaubigung und nicht der Anfang. Getraut hat sie Oberkonsistorialrat Günther, und es geschah im Nebenraum und nicht im Kirchenschiff, so leise, wie sich eine Hochzeit halten lässt.
Der Kirchhof, seit dem 12. Jahrhundert
Der Jakobskirchhof rings um die Kirche dient seit dem 12. Jahrhundert als Begräbnisstätte und wird heute nicht mehr belegt. Hier liegt das Grab Lucas Cranachs des Älteren — der Maler, der 1553 am Markt starb, liegt nicht in der Kirche, für die er den Altar malte, sondern auf dieser Anhöhe. Auch Christiane von Goethe ist hier begraben, womit der Kirchhof die zweite Hälfte jener Geschichte erzählt, die in der Sakristei beginnt.
Einer der Bach-Orte
Die Thüringer Bachwochen führen diese Kirche unter den Weimarer Bach-Orten, die man besuchen kann, neben der Herderkirche und dem Stadtschloss. Ein bescheidener, ehrlich gemachter Anspruch: Das Haus, das Bach kannte, ist dieses — neu gebaut vier Jahre nachdem er in die Stadt gekommen war.
Was Besucher fragen
- Wo heiratete Goethe?
- In der Sakristei der Jakobskirche, am 19. Oktober 1806, Christiane Vulpius. Die Trauung führte Oberkonsistorialrat Günther durch, im Nebenraum und nicht im Kirchenschiff.
- Wie alt ist die Kirche?
- Der erste Bau an dieser Stelle wurde 1168 geweiht, als Pilgerkirche am Weg nach Santiago de Compostela. Was heute steht, ist ein barocker Neubau von 1712/13, den Herzog Wilhelm Ernst in Auftrag gab, nachdem die ältere Kirche baufällig geworden war.
- Wer liegt auf dem Kirchhof begraben?
- Lucas Cranach der Ältere, der 1553 am Markt starb, und Christiane von Goethe. Der Kirchhof dient seit dem 12. Jahrhundert als Begräbnisstätte und wird heute nicht mehr belegt.
- Kann man die Kirche besichtigen?
- Ja — sie ist täglich geöffnet, im Sommer 10 bis 18 Uhr, im Winter 10 bis 16 Uhr, mit Gottesdienst sonntags um 10 Uhr.
- Welche Verbindung besteht zu Johann Sebastian Bach?
- Die Thüringer Bachwochen führen die Jakobskirche unter den besuchbaren Weimarer Bach-Orten, neben der Herderkirche und dem Stadtschloss — das Haus, das Bach kannte, wurde vier Jahre nach seiner Ankunft in Weimar neu gebaut.
Verbundene Persönlichkeiten
Herzog • Mäzen
Er ließ die baufällige Kirche 1712/13 abreißen und neu bauen.
Maler • Grafiker
Sein Grab liegt auf diesem Kirchhof, drei Jahre nachdem er mit dem abgesetzten Kurfürsten nach Weimar kam.
Komponist • Musiker • Organist
Die Thüringer Bachwochen führen diese Kirche unter den besuchbaren Weimarer Bach-Orten.
Dichter • Staatsmann • Naturforscher
In dieser Sakristei heiratete er am 19. Oktober 1806 Christiane Vulpius.
Gefährtin • Ehefrau Goethes
Hier am 19. Oktober 1806 getraut, hier auf dem Kirchhof begraben.
Besuchsinformationen
Sommer täglich 10–18 Uhr, Winter täglich 10–16 Uhr; Gottesdienst sonntags 10 Uhr.
Am Rollplatz 4, 99423 Weimar
50.9834, 11.3276
In Weimars Geschichte
Epochen
Vom barocken Hof neu gebaut, 1728 Garnisonskirche, 1774 Hofkirche, als die Schlosskapelle verbrannte.
Die anderthalb Jahrhunderte zwischen zwei Schlossbränden sind das Weimar, das auf keinem Plakat steht — und es ist das Weimar, das musikalisch wurde. Es beginnt 1618 mit einer ausgebrannten Burg und endet 1774 mit der nächsten; dazwischen schreibt Johann Sebastian Bach in einer Kapelle, die es nicht mehr gibt, den größten Teil seines Orgelwerks.
In Weimars Geschichte
Die barocke Residenz brannte bis auf Turm und Torbau nieder — und mit ihr der Raum, in dem Bach gespielt hatte.
Sie wurde Hofkirche, weil der Brand das Schloss ohne Kapelle zurückließ.
Weimars 1989 folgt nicht dem vertrauten nationalen Kalender. Es begann im Mai bei einer Stimmenauszählung, sammelte sich im Oktober in den Kirchen und erreichte die Straße spät — dienstags.
Das Gemeindehaus war einer jener Räume, in denen sich das Andere sammelte, ehe jemand auf die Straße ging.