Der Schlossbrand vom 6. Mai 1774
Die barocke Residenz brannte bis auf Turm und Torbau nieder — und mit ihr der Raum, in dem Bach gespielt hatte.
Am 6. Mai 1774 brannte die Wilhelmsburg nieder, jenes Schloss, das Herzog Wilhelm IV. aus dem vorigen Brand hatte erstehen lassen: geblieben waren Turm und Torbau. Weimar verlor seine Residenz fünfzehn Monate vor der Ankunft des Herzogs, der die Stadt berühmt machen sollte — und endgültig jene Kapelle, die sein einziger Anspruch auf die Musikgeschichte war.
Was verbrannte
Die Klassik Stiftung, die das Schloss heute verwaltet, benennt das Ausmaß ohne Umschweife: Die Wilhelmsburg brannte bis auf Turm und Torbau nieder.[1] Der Rest der Anlage — die Flügel, in denen anderthalb Jahrhunderte lang ein Hof gelebt und gearbeitet hatte — war verloren. Die Umfassungsmauern hielten stand, und ihnen verdankt der Ort überhaupt ein Schloss: Auf ihnen setzte der Wiederaufbau von 1789 an.[2]
Der Raum, der nicht wiederkam
Mit dem Schloss ging die Schlosskirche am stadtseitigen Ende des Ostflügels, 1630 vollendet und Himmelsburg genannt; eine neue wurde nicht eingerichtet.[3] Johann Sebastian Bach hatte dort von 1708 bis 1717 die Orgel gespielt und einen großen Teil seiner Weimarer Kantaten für diesen Raum geschrieben. Alles, was über den ersten Klang dieser Musik gesagt wird, gilt einem Raum, der an diesem Tag zu existieren aufhörte.
Was die Stadt stattdessen tat
Der Hof brauchte einen Ort für den Gottesdienst; so wurde die 1712/13 neu gebaute Jakobskirche, ohnehin schon Garnisonskirche, zusätzlich Hofkirche.[4] Die herzogliche Familie ging zur Bestattung in die Stadtkirche.[1] Das Schloss blieb fünfzehn Jahre Ruine: Der Wiederaufbau begann erst 1789, unter einer Kommission, der Goethe vorsaß, und zog sich bis ins 19. Jahrhundert.[2]
Der Zeitpunkt
Ein Jahr und vier Monate nach dem Brand rief der junge Herzog Carl August Goethe nach Weimar. Die klassische Epoche beginnt also in einer Stadt, deren Residenz eine ausgebrannte Hülle ist — ein Umstand, der erklärt, warum so vieles von dem, was Goethe hier zuerst betrieb, in fremden Häusern stattfand.
Quellen
- Wie Phönix aus der Asche: der Schlossbrand von 1774 — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Stadtschloss Weimar — Geschichte — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Wilhelmsburg — Bach-Archiv Leipzig, abgerufen am 29. August 2026
- Jakobskirche — Kirchenkreis Weimar, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1685–1750 • Komponist • Musiker • Organist
Die Kapelle, die er von 1708 bis 1717 bespielte, verbrannte mit dem Schloss und wurde nie wieder aufgebaut.
Historische Orte
Historische Orte
Burgplatz 4, 99423 Weimar
Das Gebäude, dem es geschah: die barocke Wilhelmsburg, reduziert auf Turm und Torbau.
Am Rollplatz 4, 99423 Weimar
Sie wurde Hofkirche, weil der Brand das Schloss ohne Kapelle zurückließ.
Herderplatz, 99423 Weimar
Nach dem Brand wurde die Stadtkirche zur Begräbnisstätte der herzoglichen Familie.
Epoche
1618–1775
Das Ereignis, das die Epoche schließt: Danach wird gebaut, und die Klassik beginnt.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Das Renaissanceschloss brannte ab — und was an seine Stelle trat, gab Weimar eine barocke Residenz und schließlich Bachs Kapelle.
Der zweite von zwei Bränden: Das Schloss, das 1774 verbrannte, war das nach dem Brand von 1618 errichtete.
Eine achtzehnjährige Witwe übernahm ein zerrüttetes Herzogtum, führte es siebzehn Jahre — und übergab ihrem Sohn einen Hof, zu dem zu kommen sich lohnte.
Er fiel in die Regentschaft: Die Biographien rechnen ihr an, die Finanzen des Landes nach dem Siebenjährigen Krieg und nach diesem Brand wiederhergestellt zu haben.