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Kirche
Erbaut 1500

Herderkirche (St. Peter und Paul)

Herderplatz, 99423 Weimar
Die Herderkirche (St. Peter und Paul) in Weimar: weiße Fassade mit grünen Türen, steiles Schieferdach mit Gauben, der Turm und davor das bronzene Herderdenkmal

Die Stadtkirche St. Peter und Paul mit dem Herderdenkmal davor.

Die Stadtkirche St. Peter und Paul mit dem Herderdenkmal davor.(Weimar Web)
Das Alte Gymnasium am Herderplatz: cremefarbener Barockbau mit geschwungenem Mittelgiebel und Freitreppe, links der Ostabschluss der Herderkirche, davor eine Linde

Das Alte Gymnasium neben der Kirche — Teil des Welterbe-Ensembles am Herderplatz.

Das Alte Gymnasium neben der Kirche — Teil des Welterbe-Ensembles am Herderplatz.(Weimar Web)
Das Herderdenkmal von hinten, der Blick geht über den gepflasterten Herderplatz zu den Häusern gegenüber, Marktschirme und Passanten

Das Herderdenkmal und der Herderplatz dahinter.

Das Herderdenkmal und der Herderplatz dahinter.(Weimar Web)

Über diesen Ort

Die Stadtkirche St. Peter und Paul am Herderplatz, in Weimar Herderkirche genannt, ist eine spätgotische Hallenkirche von 1498–1500. Luther hat hier zwischen 1518 und 1540 gepredigt; hinter dem Altar steht der Cranach-Altar von 1555, den die Gemeinde zu den Hauptwerken der sächsisch-thüringischen Kunst des 16. Jahrhunderts zählt; und Johann Gottfried Herder, ihr Pastor von 1776 bis 1803, liegt im Langhaus begraben. 1945 zerstört und 1953 neu geweiht, gehört die Kirche zum Welterbe-Ensemble „Klassisches Weimar“.

Eine Halle über einem älteren Bau, 1245–1500

Der erste Kirchenbau an dieser Stelle entstand zwischen 1245 und 1249.[1] Was heute steht, wurde 1498–1500 errichtet, eine spätgotische dreischiffige Hallenkirche[1] — fertig, achtzehn Jahre bevor Luther zum ersten Mal darin predigte.

Luther auf der Kanzel, 1518 bis 1540

Über zwanzig Jahre hinweg predigte Luther hier, von 1518 bis 1540.[2] Der Lutherschrein von 1572 hängt hier,[1] ein Triptychon, das ihn dreifach zeigt: den Mönch, den Ritter im Versteck, den Gelehrten.

Der Cranach-Altar, 1555

Hinter dem Altar steht der Flügelaltar als Epitaph für Johann Friedrich den Großmütigen, 1555 vollendet:[3] im Mittelbild die Allegorie der Erlösung, auf den Flügeln der Fürst und seine Familie, dazu das Bildnis Lucas Cranachs des Älteren zwischen Johannes dem Täufer und Luther. Ob der Vater ihn begann oder der Sohn ihn ganz gemalt hat, ist ernsthaft strittig: Das Cranach-Forschungsarchiv gibt ihn dem Sohn allein.[3]

Herders Kirche und Herders Grab, 1776–1803

Johann Gottfried Herder war hier von 1776 bis zu seinem Tod 1803 Oberhofprediger, Generalsuperintendent und Pastor,[1] und die Kirche trägt seinen Namen. Er liegt im westlichen Langhaus, unter einem gusseisernen Relief mit den drei Wörtern, die er gewählt hat: „Licht Liebe Leben“.[1]

Zerstört 1945, neu geweiht 1953, Glocken 2009

Der Krieg zerschlug das Haus 1945. Was man heute betritt, wurde acht Jahre später neu geweiht, am 14. Juni 1953.[1] Die Orgel wurde mehrmals umgebaut; das Instrument, das man hört, hat die Firma W. Sauer aus Frankfurt (Oder) nach der Vorgängerorgel gebaut, und seit dem Reformationstag 2009 läuten drei Bronzeglocken.[1] Es ist eine Gemeindekirche und kein Museum: sonntags Gottesdienst, über das Jahr Konzerte, dazu ein Orgelsommer mit rund zwanzig Terminen.[4]

Teil des Welterbes

Gemeinsam mit dem Herderhaus samt Garten und dem benachbarten Alten Gymnasium gehört die Kirche zum UNESCO-Welterbe „Klassisches Weimar“[5] — das Ensemble am Herderplatz nördlich des Marktes.

Was Besucher fragen

Warum heißt sie Herderkirche?
Ihr eigentlicher Name ist St. Peter und Paul, aber Johann Gottfried Herder war von 1776 bis zu seinem Tod 1803 Oberhofprediger, Generalsuperintendent und Pastor an dieser Kirche und liegt im westlichen Langhaus begraben, unter einem gusseisernen Relief mit den drei Wörtern, die er wählte: „Licht Liebe Leben“.[1]
Welche Verbindung besteht zu Martin Luther?
Luther predigte hier über zwanzig Jahre hinweg, von 1518 bis 1540.[2] Auch der Lutherschrein von 1572 hängt in der Kirche — ein Triptychon, das ihn dreifach zeigt: den Mönch, den Ritter im Versteck, den Gelehrten.[1]
Wer hat den Altar gemalt?
Das ist wirklich strittig. Der 1555 vollendete Flügelaltar als Epitaph für Johann Friedrich den Großmütigen zeigt ein Bildnis Lucas Cranachs des Älteren zwischen Johannes dem Täufer und Luther — doch das Cranach Digital Archive schreibt das ganze Gemälde seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren zu, während Gemeinde und Stadt es dem Älteren mit Vollendung durch den Sohn zuschreiben.[3]
Ist das Gebäude original?
Der heutige Bau entstand 1498–1500 über einer älteren Kirche von 1245–1249, doch der Krieg zerschlug ihn 1945, und was man heute betritt, wurde am 14. Juni 1953 neu geweiht. Die Orgel wurde seither von der Firma W. Sauer aus Frankfurt (Oder) umgebaut, und seit dem Reformationstag 2009 läuten drei Bronzeglocken.[1]
Kann man sie besichtigen, und was kostet es?
Es ist eine arbeitende Gemeindekirche und kein Museum, mit sonntäglichen Gottesdiensten und Konzerten über das Jahr. Kirchenführungen finden montags und freitags statt, Altarführungen samstags, 4,00 € pro Person, im Sommer zusätzlich Turm- und Glockenführungen.[1]

Verbundene Persönlichkeiten

Herzog • Kurfürst

Der Altar hier ist sein Epitaph; er und seine Familie sind auf den Flügeln gemalt.[^cranach-digital-epitaph]

Philosoph • Theologe • Dichter

Von 1776 bis 1803 Oberhofprediger und Pastor an dieser Kirche; sein Grab liegt im westlichen Langhaus, unter einem gusseisernen Relief.

Maler • Grafiker

Der Altar von 1555 in dieser Kirche ist seiner – nach dem Tod des Vaters vollendet und nach der Lesart des Forschungsarchivs allein von ihm entworfen und gemalt.

Martin Luther1483–1546

Reformator • Theologe • Prediger

Hier predigte er zwischen 1518 und 1540 wiederholt; die Kirche bewahrt den Cranach-Altar von 1555 mit seinem Bildnis und den Lutherschrein von 1572.

Maler • Grafiker

Der Altar trägt sein Bildnis; er starb 1553 in Weimar, und das Forschungsarchiv gibt das 1555 vollendete Werk seinem Sohn.

Quellen (5)

  1. Stadtkirche St. Peter und Paul (Herderkirche) — Evangelischer Kirchenkreis Weimar, abgerufen am 29. August 2026
  2. Weimar — Luther2017, abgerufen am 29. August 2026
  3. Epitaphaltar Johann Friedrichs des Großmütigen — Cranach Digital Archive, abgerufen am 29. August 2026
  4. Kirchenmusik Weimar — Evangelischer Kirchenkreis Weimar, abgerufen am 29. August 2026
  5. Stadtkirche St. Peter und Paul — Stadt Weimar, abgerufen am 29. August 2026

Besuchsinformationen

Eintritt

Kirchenführung montags und freitags, Altarführung samstags, 4,00 € pro Person (im Sommer auch Turm- und Glockenführungen).

Öffnungszeiten

April–Oktober: Mo–Sa 10–18 Uhr, So 11–12 und 14–16 Uhr; November–März: Mo–Sa 10–12 und 14–16 Uhr.

Lage

Herderplatz, 99423 Weimar

50.9811, 11.3292

Offizielle Website

Übernachten und essen in der Nähe

Übernachten

Kaufstraße 2/4, 99423 Weimar

Die Kirche steht am Herderplatz, das Hotel in der Kaufstraße.

dieSonneHotel & Apartments

Rollplatz 2, 99423 Weimar

Die Kirche steht am Herderplatz, das Hotel am Rollplatz.

Hotel Elephant WeimarHistorisches Luxushotel

Markt 19, 99423 Weimar

Die Kirche steht am Herderplatz, das Hotel am Markt.

Essen & Trinken

Estragon Suppenbar

Herderplatz 3, Weimar

Am Herderplatz, dem Platz, der seinen Namen von der Kirche hat.

Jagemanns Restaurant

Herderplatz 16, Weimar

Das Haus steht am Herderplatz, dem Platz, der seinen Namen von der Kirche hat.

Sächsischer Hof

Eisfeld 12, Weimar

Das Haus gibt seine Lage selbst mit „direkt an der Herderkirche“ an.

Zum Schwarzen Bären

Markt 20, Weimar

Die Kirche steht am Herderplatz, das Haus am Markt.

Auf der Bühne

Auf der Bühne

„Ein Deutsches Requiem“

Kirchenmusik · Johannes Brahms

Weihnachtsoratorium

Kirchenmusik · Johann Sebastian Bach

Ganzer Spielplan →

Veranstaltungen an diesem Ort

Veranstaltungen

Altstadtführung Klassisches Weimar

Freitags 18 Uhr, samstags 16 Uhr, rund neunzig Minuten

Herder war hier von 1776 bis 1803 Oberpfarrer der Stadt — die Kirche liegt auf der Route und trägt seinen Namen.

Unterwegs mit dem Weimarer Nachtwächter

Freitags und samstags ab 20:30 Uhr, 21. März bis 1. November

Der Herderplatz, an dem die Runde endet.

UNESCO-Welterbetag

Ein Tag im Juni

Die Einschreibung fasst Stadtkirche, Herderhaus und Altes Gymnasium zu einer Liegenschaft zusammen — Herders Gemeinde, und die Gruft, in der er liegt.

Orgelsommer

Sonntagabends im Sommer, 18 bis 19 Uhr

Die Reihe ist die der Stadtkirche selbst — die Orgel, der Raum und die Stunde, in der man ihn hört.

Public Dance Days Weimar

Zwei Wochen im September

Getanzt wird auf dem Platz, auf dem die Stadtkirche steht — vor ihrer Westfront und dem Herderdenkmal.

Weimarer Zwiebelmarkt

Zweites Oktoberwochenende, jedes Jahr

Der Herderplatz trägt einen der drei Hauptbereiche des Marktes.

In Weimars Geschichte

Historische Orte

Die spätgotische Halle von 1498–1500, der erhaltene mittelalterliche Innenraum.

Epochen

Barocke Residenz1618–1775

Nachdem der Brand von 1774 den Hof ohne Schlosskirche zurückließ, wurde die Stadtkirche zur Begräbnisstätte der herzoglichen Familie.

Die anderthalb Jahrhunderte zwischen zwei Schlossbränden sind das Weimar, das auf keinem Plakat steht — und es ist das Weimar, das musikalisch wurde. Es beginnt 1618 mit einer ausgebrannten Burg und endet 1774 mit der nächsten; dazwischen schreibt Johann Sebastian Bach in einer Kapelle, die es nicht mehr gibt, den größten Teil seines Orgelwerks.

Die Stadtkirche St. Peter und Paul entstand 1498–1500 als dreischiffige Hallenkirche über einem ersten Kirchenbau von 1245–1249 — der eine mittelalterliche Innenraum, den man in Weimar noch betreten kann.

Sechs Jahrhunderte lang ist Weimar eine kleine thüringische Stadt mit Burg, Markt und Kirche, überschattet von den größeren Nachbarn. Was das Mittelalter hier hinterlässt, ist kein Denkmal, sondern ein Grundriss — und, nach dem Stadtbrand von 1424, die beiden Bauten, um die herum alles Spätere geschieht.

Hier predigte Luther zwischen 1518 und 1540; die Kirche birgt den Cranach-Epitaphaltar von 1555 und den Lutherschrein von 1572.

Ein Jahrhundert lang ist Weimar zuerst eine Stadt der Reformation — und Residenz wird es durch einen Zufall, weil einem Fürsten, der alles andere verloren hatte, dieser Ort blieb. Zurück lassen diese hundert Jahre die Renaissancegiebel am Markt, einen Altar, den die Träger zu den Hauptwerken reformatorischer Bildkunst zählen, und einen Hof, der nicht wieder fortzog.

In Weimars Geschichte

Ein Feuer nahm große Teile der Häuser, die Burg, die Stadtkirche und das Rathaus — und Weimars älteste erhaltene Bauten sind das, was danach entstand.

Die Stadtkirche brannte; ihr ab 1498 begonnener Nachfolgebau steht heute noch.

Die barocke Residenz brannte bis auf Turm und Torbau nieder — und mit ihr der Raum, in dem Bach gespielt hatte.

Nach dem Brand wurde die Stadtkirche zur Begräbnisstätte der herzoglichen Familie.

Zweimal in drei Jahren setzte das Welterbekomitee Weimar auf seine Liste: am 7. Dezember 1996 die Bauhaus-Bauten, am 2. Dezember 1998 die elf Denkmäler des Klassischen Weimar.

Die Stadtkirche mit Herders Haus und dem Alten Gymnasium bildet seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.

Bühnen und Spielstätten

Herderplatz

Die Kirche, nach der der Platz heißt, steht auf ihm, am Herderplatz 8.