Johann Gottfried Herder
Auch bekannt als: Johann Gottfried von Herder
Biografie
Herder war ein einflussreicher deutscher Philosoph, Theologe und Literaturkritiker — ein Wegbereiter romantischer und nationaler Ideen des späten 18. Jahrhunderts. 1776 von Herzogin Anna Amalia und Goethe nach Weimar geholt, wurde er Generalsuperintendent der Weimarer lutherischen Kirche. Er prägte das kulturelle Leben der Stadt und trug mit Schriften über Literatur und Volksdichtung zur Weimarer Klassik bei. In Weimar entstanden wirkmächtige Werke wie die „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ (1784–1791), in denen er für kulturelle Vielfalt und die Bedeutung der Volksüberlieferung eintrat. Er sammelte Volkslieder und Erzählungen, was später die Brüder Grimm anregte. Herders geistige Präsenz ergänzte Goethe und Schiller: Er vertrat Ideale des Sturm und Drang und formte das humanistische Klima der Stadt mit. Bekannt war er für seine menschenfreundlichen, aufgeklärten Predigten in der Stadtkirche, die ihm zu Ehren heute Herderkirche heißt. 1802 geadelt, starb Herder 1803 in Weimar und wurde in seiner Kirche beigesetzt. Trotz mancher Spannungen mit Goethe prägte er den literarischen und philosophischen Diskurs der Zeit tief. Ein Denkmal auf dem Herderplatz sowie Kirche und Schule seines Namens erinnern an ihn.
Bekannte Zitate
“Wir leben in einer Welt, die wir selbst erschaffen.”
“Was von uns in den Herzen anderer lebt, ist unser wahrstes und tiefstes Selbst.”
Werke & Leistungen
Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
Abhandlung über den Ursprung der Sprache
Volkslieder
Auch eine Philosophie der Geschichte
Verbundene Orte in Weimar
Herderplatz 8, 99423 Weimar
War hier von 1776 bis 1803 Pfarrer; im Chor der Kirche beigesetzt
Beleg: Herder war Generalsuperintendent in Weimar und ruht in der Stadtkirche (heute Herderkirche)
Historischer Kontext
1776 als Generalsuperintendent nach Weimar berufen; prägte das geistige Leben des Goldenen Zeitalters mit
Historischer Beleg: Herder kam 1776 unter der Förderung Anna Amalias nach Weimar
Als Weimarer Klassik bezeichnet man die Blüte von Literatur und Kultur im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Sie begann 1775, als der junge Herzog Carl August Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar holte. Goethe traf hier auf Johann Gottfried Herder, Christoph Martin Wieland und später Friedrich Schiller — gemeinsam machten sie aus dem Hof ein geistiges Zentrum. Unter der aufgeklärten Förderung von Herzogin Anna Amalia und Herzog Carl August wurde Weimar zum Inbegriff humanistischer Werte, klassischer Kunst und literarischer Leistung. In dieser Zeit entstanden Werke von bleibender Bedeutung — Goethes „Faust“, Schillers „Wilhelm Tell“ —, und zusammen mit Herder und Wieland begründeten sie eine neue deutsche Kultur auf den Idealen der Aufklärung. Die kleine Stadt hatte Salons, ein Theater (ab 1791 unter Goethes Leitung) und ein reges Kunstleben. Auch Architektur und Landschaft gehörten dazu: Goethe wirkte an der Gestaltung des Parks an der Ilm und am klassizistischen Umbau des Stadtschlosses mit. Ihren Höhepunkt erreichte die Weimarer Klassik um 1800 — sinnbildlich in der Freundschaft von Goethe und Schiller (1794–1805) — und sie endete mit Goethes Tod 1832. Ihr kulturelles Erbe reicht weit über die Stadt hinaus; die UNESCO würdigte es später als „Klassisches Weimar“.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1744
1803
deutsch