Johann Gottfried Herder
Auch bekannt als: Johann Gottfried von Herder
Biografie
Johann Gottfried Herder, Philosoph, Theologe und Dichter, ist neben Goethe und Wieland der dritte Name der Weimarer Klassik — der Mann, der den jungen Goethe 1770 in Straßburg zu Shakespeare und zum Volkslied brachte und den Goethe 1776 als Oberhaupt der Kirche des Herzogtums nach Weimar holte. Siebenundzwanzig Jahre lang war er Oberhofprediger, Generalsuperintendent und Pastor der Stadtkirche, und in der übrigen Zeit schrieb er die Volkslieder, die Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit und die Briefe zur Beförderung der Humanität. Am 18. Dezember 1803 starb er in Weimar und liegt in der Kirche, die seither seinen Namen trägt: der Herderkirche, am Herderplatz, unter seinem Standbild.
Mohrungen, Königsberg, Riga, 1744–1769
Geboren wurde er am 25. August 1744 in Mohrungen, einem Städtchen in Ostpreußen. In Königsberg war der junge Magister Kant sein Lehrer und Johann Georg Hamann, der Magus im Norden, sein Mentor; am 22. November 1764 verließ der Zwanzigjährige die Stadt nach Riga, als Lehrer und Prediger. Am Abend des 5. Juni 1769 stach er von dort in See — die Reise, auf der, wie er später schrieb, der Plan einer Philosophie der Geschichte entstand.
Straßburg und Bückeburg, 1770–1776
In Straßburg reichte er 1770 seine Abhandlung über den Ursprung der Sprache bei der Berliner Akademie ein und traf den jungen Goethe, auf den er nachhaltigen Einfluss gewann — vor allem hielt er ihn zum Studium Shakespeares und zum Sammeln von Volksliedern an. Im Mai 1771 traf er in Bückeburg ein, als Oberprediger und Konsistorialrat der Grafschaft Schaumburg-Lippe, wo die ersten Jahre der Neuordnung einer verödeten Kirchenverwaltung galten.
Der Ruf nach Weimar, 1776
Nach dem Tod der ihm freundschaftlich verbundenen Gräfin Maria wollte er Bückeburg um jeden Preis verlassen, und der Ausweg war der Weimarer Ruf, den Goethe beim Herzog durchsetzte. Im Frühjahr 1776 kam er als Generalsuperintendent nach Weimar, und was die Gemeinde über ihn festhält, ist eine Ämterliste: Oberhofprediger, Oberkonsistorialrat, Generalsuperintendent und Pastor an der Stadtkirche, von 1776 bis 1803 — die Kirchenverwaltung eines Herzogtums, siebenundzwanzig Jahre lang in einer Hand.
Die Bücher, 1778–1800
Zuerst kam die Liedersammlung, in den 1770er Jahren zusammengetragen und 1778/79 als Volkslieder gedruckt. Von 1784 bis 1791 schrieb er an dem Buch, das alle früheren Entwürfe und die Pläne der Seereise versammelte: den Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, vier Bänden, die die ihm zugängliche geschichts-, natur-, sprach- und religionswissenschaftliche Literatur verarbeiten — ein fünfter war geplant und unterblieb aus politischer Vorsicht. Zwei kürzere Arbeiten, zum Studium der Theologie und zur Dichtung der hebräischen Bibel, erschienen 1780/81 und 1782/83; die Briefe zur Beförderung der Humanität folgten 1793 bis 1797, und mit der Metakritik von 1799 und der Kalligone von 1800 stellte er sich gegen Kants Philosophie — Widerlegungen, so das Urteil der Neuen Deutschen Biographie, die Kant nicht gerecht werden.
Goethe, Kant und die letzten Jahre, 1790er–1803
Die Freundschaft mit Goethe, die in Straßburg begonnen hatte, kühlte in den 1790er Jahren ab und endete im endgültigen Bruch; der Streit mit Kant fiel in dasselbe Jahrzehnt. 1801 erhob ihn der bayerische Kurfürst in den Adelsstand — eine Erhebung, die der Herzog von Weimar nicht anerkannte und deren „von“ Herder selbst nie gebrauchte. Im Herbst 1803 kehrte seine Krankheit zurück, und am 18. Dezember starb er in Weimar.
Licht, Liebe, Leben — die Kirche und der Platz, 1803 und danach
Begraben liegt er im westlichen Langhaus der Kirche, an der er wirkte, unter einem gusseisernen Relief mit den drei Wörtern seines Wahlspruchs: Licht Liebe Leben. Im Sprachgebrauch heißt die Kirche seither Herderkirche, der Platz davor Herderplatz, und an seinem hundertsechsten Geburtstag, 1850, wurde dort vor dem Kirchenportal sein ehernes Standbild von Ludwig Schaller enthüllt.
Was Besucher fragen
- Warum heißt die Weimarer Stadtkirche Herderkirche?
- Weil Herder von 1776 bis zu seinem Tod 1803 ihr Pastor war — und Oberhofprediger und Generalsuperintendent des Herzogtums — und in ihr begraben liegt. Ihr eigentlicher Name ist Stadtkirche St. Peter und Paul; der Platz davor ist der Herderplatz mit seinem Standbild von 1850.
- Wo ist Herder begraben?
- Im westlichen Langhaus der Herderkirche, unter einem gusseisernen Relief mit den drei Wörtern seines Wahlspruchs: Licht Liebe Leben.
- Wie kam Herder nach Weimar?
- Durch Goethe, den er 1770 in Straßburg kennengelernt und zu Shakespeare und zum Volkslied gebracht hatte. Als Herder 1776 Bückeburg verlassen wollte, setzte Goethe die Berufung beim Herzog Carl August durch, und Herder kam im Frühjahr desselben Jahres als Generalsuperintendent.
- Was hat Herder in Weimar geschrieben?
- Die Volkslieder (1778/79), die Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (1784–1791), die Schriften zur Theologie und zur hebräischen Poesie (1780–1783), die Briefe zur Beförderung der Humanität (1793–1797) und seine beiden Bücher gegen Kant, die Metakritik (1799) und die Kalligone (1800).
- Wie stand Herder zu Goethe?
- Es begann als Einfluss des Älteren auf den Jüngeren in Straßburg 1770 und setzte sich fort, als Goethe ihn 1776 nach Weimar holte; in den 1790er Jahren kühlte das Verhältnis ab und endete im endgültigen Bruch.
- Gibt es ein Herder-Denkmal in Weimar?
- Ja — das eherne Standbild von Ludwig Schaller auf dem Herderplatz, vor der Kirche, enthüllt an seinem hundertsechsten Geburtstag 1850.
Bekannte Zitate
“Wir leben in einer Welt, die wir selbst erschaffen.”
“Was von uns in den Herzen anderer lebt, ist unser wahrstes und tiefstes Selbst.”
Werke & Leistungen
Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
Abhandlung über den Ursprung der Sprache
Volkslieder
Auch eine Philosophie der Geschichte
Verbundene Orte in Weimar
Herderplatz, 99423 Weimar
Von 1776 bis 1803 Oberhofprediger und Pastor an dieser Kirche; sein Grab liegt im westlichen Langhaus, unter einem gusseisernen Relief.
Schillerstraße 9, 99423 Weimar
Einer der Stammkunden des Ladens in den klassischen Jahrzehnten.
Historischer Kontext
Von 1776 bis 1803 hatte er die höchsten Kirchenämter Weimars inne — quer durch die mittleren Jahrzehnte der Epoche.
Rund sechzig Jahre lang lag der Mittelpunkt der deutschen Literatur in einem Herzogtum mit ein paar tausend Einwohnern — weil dessen Fürst Schriftsteller einlud und ihnen anschließend Ämter gab. Das ist der ganze Mechanismus, und er lief von Goethes Ankunft 1775 bis zu seinem Tod 1832.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1744
1803
deutsch
Auf der Bühne
Auf der Bühne
Schauspiel
Auch seine Texte werden gelesen – der Mann, der fast dreißig Jahre lang Generalsuperintendent in Weimar war, wenige Straßen von seiner Kirche entfernt wieder zu hören.
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1783–1853 • Erbprinz • Großherzog
Herder taufte ihn 1783 und trug Verantwortung für seine Erziehung.
1757–1830 • Herzogin • Großherzogin
Ihr engster Freund der 1780er Jahre, mit dem sie Shakespeare las und Latein lernte; 1783 taufte er ihren Sohn Carl Friedrich.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Am 7. November 1775 brachte eine Kutsche aus Frankfurt den sechsundzwanzigjährigen Verfasser des Werther in eine Stadt von sechstausend Einwohnern. Er wollte kurz zu Besuch bleiben – und blieb sein Leben lang.
Er folgte Goethe ein Jahr später, 1776, nach Weimar und nannte die Stadt ein „Mittelding zwischen Dorf und Hofstadt“.
Bühnen und Spielstätten
Platz und Kirche tragen seinen Namen.