Johann Friedrich I.
Auch bekannt als: Johann Friedrich der Großmütige
Biografie
Weimar verdankt seinen Rang einem Verlierer. 1547 der Kurwürde beraubt, 1552 aus der Gefangenschaft entlassen, machte Johann Friedrich der Großmütige die Stadt, die ihm geblieben war, zu seiner Residenz — und Residenzstadt ist sie seither geblieben. Zwei Jahre hatte er hier, und was er hinterließ, ist kein Grabmal, sondern ein Bild.
Der Fürst, der den Krieg verlor, 1547
Als Kurfürst von Sachsen führte er den Schmalkaldischen Bund, das Bündnis der protestantischen Fürsten, bis ihn der Kaiser 1547 besiegte und gefangen nahm. Der Friede nahm ihm den Kurtitel und dazu das Wittenberger Land — das Herz des lutherischen Sachsen, die Universität, Luthers eigene Stadt. Übrig blieb verstreuter thüringischer Besitz mit einer Ackerbürgerstadt in der Mitte.
1552: die Wahl, die eine Hauptstadt schuf
Freigelassen, wählte er Weimar. Die Stadtchronik widmet der Entscheidung eine Zeile und fügt jene Einzelheit hinzu, auf die es für alles Weitere ankam: Mit ihm kam der Maler Lucas Cranach der Ältere.[1] Von diesem Jahr an war Weimar Sitz der ernestinischen Linie — deshalb gibt es hier überhaupt einen Hof und deshalb zwei Jahrhunderte später eine Bibliothek, ein Theater und einen Goethe.
Ein Epitaph statt eines Grabmals, 1554–1555
1554 starb er; sein Grab ist nicht bekannt. Was die Stadtkirche birgt, ist sein Epitaph: der 1555 vollendete Flügelaltar, auf dessen Flügeln der Fürst und seine Familie gemalt sind.[2] Ein geschlagener protestantischer Fürst stiftete das Bild, an dem sich das protestantische Deutschland wiedererkennen sollte.
Was Besucher fragen
- Warum wählte Johann Friedrich I. Weimar?
- Nachdem er 1547 die Kurwürde und das Wittenberger Land an den Kaiser verloren hatte und 1552 aus der Gefangenschaft entlassen wurde, war Weimar, was ihm geblieben war. Er machte es zu seiner Residenz, und Residenzstadt ist sie seither geblieben.
- Was ist das Epitaph Johann Friedrichs I.?
- Der Flügelaltar in der Stadtkirche, 1555 vollendet und von Lucas Cranach dem Jüngeren gemalt,[2] zeigt den Fürsten und seine Familie — sein tatsächliches Grab ist nicht bekannt.
- Kann man Orte besuchen, die mit Johann Friedrich I. verbunden sind?
- Ja: die Stadtkirche, die sein Epitaphaltar birgt, und den Standort des Stadtschlosses, des Renaissanceschlosses, das ab 1552 seine Residenz war.
Quellen (2)
- Weimar Chronik kompakt — Stadt Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Epitaphaltar Johann Friedrichs des Großmütigen — Cranach Digital Archive, abgerufen am 29. August 2026
Werke & Leistungen
Weimar als ernestinische Residenz (1552)
Epitaphaltar in St. Peter und Paul (1555 vollendet)
Förderung des Drucks der Lutherbibel
Verbundene Orte in Weimar
Herderplatz, 99423 Weimar
Der Altar hier ist sein Epitaph; er und seine Familie sind auf den Flügeln gemalt.[^cranach-digital-epitaph]
Burgplatz 4, 99423 Weimar
Das Renaissanceschloss an dieser Stelle war die Residenz, die er 1552 wählte.[^stadt-weimar-chronik-1552]
Markt, 07743 Jena
Sein Standbild, der Hanfried, steht seit 1858 in der Mitte des Platzes, zur 300-Jahr-Feier der Universität, die er als Hohe Schule gründen ließ.
Kirchplatz 1, 07743 Jena
Er gab die bronzene Grabplatte für Luther in Auftrag, die sein Sohn Johann Wilhelm 1571 der Universität Jena schenkte und die heute in dieser Kirche steht.
Historischer Kontext
Seine Wahl Weimars 1552 machte aus einer kleinen Stadt die Residenz der ernestinischen Linie — daher hat dieses Jahrhundert seine Form.
Ein Jahrhundert lang ist Weimar zuerst eine Stadt der Reformation — und Residenz wird es durch einen Zufall, weil einem Fürsten, der alles andere verloren hatte, dieser Ort blieb. Zurück lassen diese hundert Jahre die Renaissancegiebel am Markt, einen Altar, den die Träger zu den Hauptwerken reformatorischer Bildkunst zählen, und einen Hof, der nicht wieder fortzog.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1503
1554
deutsch
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1472–1553 • Maler • Grafiker
Sein Hofmaler, der ihm 1552 nach Weimar folgte und ein Jahr später am Markt starb.[^stadt-weimar-chronik-1552]
1515–1586 • Maler • Grafiker
Der Maler seines Epitaphaltars, vollendet 1555.[^cranach-digital-epitaph]
1483–1546 • Reformator • Theologe • Prediger
Der ernestinische Kurfürst, der die protestantischen Fürsten führte und 1552 Weimar zur Residenz wählte.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Ein geschlagener Kurfürst wählte die Stadt, die ihm geblieben war — und Weimar hörte auf, Provinz zu sein.
Er traf die Wahl, im Jahr seiner Freilassung.
Rund um Weimar
19 km Östlich
Johann Friedrich I. gründete 1548 die Hohe Schule in Jena, aus der 1558 die Universität wurde; der Hanfried auf dem Markt ist sein Denkmal.