Lyonel Feininger
Biografie
Lyonel Feininger war ein amerikanisch-deutscher Maler und Karikaturist und wurde einer der ersten Meister am Weimarer Bauhaus. Bei der Gründung 1919 berief Gropius ihn zum Formmeister der Druckwerkstatt; von Feininger stammt der berühmte Holzschnitt „Kathedrale“ für den Umschlag des Bauhaus-Manifests. Nach vielen Jahren in Deutschland brachte er eine eigene Verbindung von Kubismus und Expressionismus mit. In seiner Bauhaus-Zeit (1919–1925) lehrte er Grafik und prägte das visuelle Erscheinungsbild der Schule wesentlich mit. Zugleich arbeitete er an seinem eigenen Werk: In Weimar begann er die Reihe architektonischer Motive, darunter die Gelmeroda-Bilder — kubistische Ansichten einer Dorfkirche bei Weimar, die er immer wieder malte. Seine scharfen Linien und kristallinen Formen entsprachen den Gestaltungsprinzipien des Bauhauses. Obwohl er dort vor allem als freier Künstler wirkte, schlug er die Brücke zwischen angewandter Kunst und Malerei. Nach dem Umzug nach Dessau verließ er später NS-Deutschland und kehrte 1937 nach Amerika zurück. In Weimar lebt sein Erbe fort: „Gelmeroda IX“ hängt im Museum Neues Weimar.
Bekannte Zitate
“Wo ich früher Bewegung und Unruhe suchte, versuche ich nun die vollkommene Ruhe der Dinge und der umgebenden Luft zu erfassen und auszudrücken.”
Werke & Leistungen
Kathedrale (Holzschnitt, 1919)
Gelmeroda IX
Die grüne Brücke
Jesuiten III
Gaberndorf II
Gelmeroda-Serie
Umschlaggestaltung des Bauhaus-Manifests
Verbundene Orte in Weimar
Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar
Zeigt Feiningers Holzschnitt „Kathedrale“ und weitere Grafiken; er leitete die Druckwerkstatt in Weimar
Beleg: Der Manifest-Holzschnitt von 1919 ist ein Herzstück des Museums
Historischer Kontext
Bauhaus-Meister in Weimar (1919–1925) und Leiter der Druckwerkstatt; sein Holzschnitt von 1919 zierte das Bauhaus-Manifest
Historischer Beleg: Feininger schuf 1919 in Weimar den Holzschnitt „Kathedrale“ für das Bauhaus-Manifest
Weimar war die Wiege des Bauhauses, jener revolutionären Schule für Kunst, Gestaltung und Architektur. Nach dem Ersten Weltkrieg führte der Architekt Walter Gropius die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule und die Kunstgewerbeschule zusammen und gründete 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar. Es vereinte Maler, Gestalter und Handwerker mit dem radikalen Ziel, Kunst und funktionale Gestaltung zusammenzuführen. In den Weimarer Jahren (1919–1925) lehrten hier Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Johannes Itten, die einen Lehrplan aus avantgardistischer Kunsttheorie und praktischer Werkstattarbeit entwickelten. Studierende und Meister arbeiteten gemeinsam an Keramik, Möbeln, Grafik und Architektur. Zu den wichtigsten Projekten zählt das Haus am Horn, das Musterhaus der Bauhaus-Ausstellung von 1923, das den Grundsatz der Form aus der Funktion vorführte. Trotz seiner Schaffenskraft stand das Bauhaus unter politischem Druck konservativer Kräfte in Thüringen; 1924 wurden die Mittel gekürzt. 1925 zog es nach Dessau — das Weimarer Kapitel war beendet. So kurz es war, es prägte Kunst und Gestaltung des 20. Jahrhunderts grundlegend und machte Weimar zu einem Ort der Moderne, heute Teil des UNESCO-Welterbes.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1871
1956
amerikanisch-deutsch