Carl August
Auch bekannt als: Karl August, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach
Biografie
Carl August, geboren am 3. September 1757 in Weimar, war seit dem Tod seines Vaters 1758 regierender Herzog von Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisenach, bis zu seinem achtzehnten Geburtstag 1775 unter der Regentschaft seiner Mutter Anna Amalia, und von 1815 bis zu seinem Tod am 14. Juni 1828 Großherzog. Im Dezember 1774 lernte er Goethe in Frankfurt kennen, holte ihn im November 1775 nach Weimar, machte ihn 1776 zum Geheimen Rat und gab ihm Theater, Schlossbau und Parkanlagen in die Hand – die Entscheidung, auf der Weimars klassische Zeit beruht. 1785 versuchte er einen Fürstenbund zu gründen, diente als preußischer General, trat nach Jena 1806 dem Rheinbund bei, kam als Großherzog mit vergrößertem Land vom Wiener Kongress und gab ihm am 5. Mai 1816 eine Verfassung. Er liegt in der Fürstengruft, die er in Auftrag gab, neben Goethe und Schiller.
Weimar, 3. September 1757: Herzog mit neun Monaten
Carl August wurde am 3. September 1757 in Weimar geboren, der ältere Sohn Herzog Ernst Augusts II. Constantin und Anna Amalias von Braunschweig-Wolfenbüttel. Sein Vater starb am 28. Mai 1758, und von da an war er dem Namen nach regierender Herzog, während seine Mutter als Regentin regierte; 1772 holte sie Christoph Martin Wieland als einen seiner Lehrer nach Weimar.
3. September 1775: volljährig und in der Regierung; 3. Oktober: verheiratet
Mit seinem achtzehnten Geburtstag, dem 3. September 1775, wurde er für volljährig erklärt und übernahm die Regierung von seiner Mutter. Schon im Dezember 1774 hatte er sich mit Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt verlobt; am 3. Oktober 1775 heiratete er sie in Karlsruhe.
Dezember 1774, 7. November 1775: Goethe
Im Dezember 1774 brachte ihn Karl Ludwig von Knebel, der Erzieher seines jüngeren Bruders, in Frankfurt mit Goethe zusammen; die Einladung folgte, und am 7. November 1775 traf Goethe in Weimar ein. 1776 machte ihn der Herzog gegen den Widerspruch seiner Minister zum dritten Mitglied des Geheimen Consiliums, mit dem Satz, der seither für seine Regierung steht: „Einen Mann von Genie an einem anderen Orte zu gebrauchen, als wo er selbst seine außerordentlichen Gaben gebrauchen kann, heißt ihn mißbrauchen.“ Er schenkte Goethe 1776 das Gartenhaus im Park und über die Jahre wirkliche Arbeit – den Wiederaufbau des abgebrannten Schlosses ab 1789, das Hoftheater ab 1791, die Gestaltung der Parks; für sich selbst ließ er zwischen 1792 und 1797 das Römische Haus im Park bauen, unter Goethes Bauleitung.
1785–1806: Fürstenbund, preußischer General, Jena und Rheinbund
Mit dem Versuch von 1785, einen Fürstenbund als Gegengewicht zum preußisch-österreichischen Dualismus zu gründen, stieg er in die Reichspolitik ein, und er diente als preußischer General, unter anderem in den Feldzügen von 1792 und 1793. Im Oktober 1806 plünderten die Franzosen nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt Weimar, während er sich dem Rückzug unter Blücher anschloss; im Dezember 1806 legte er sein Kommando nieder und trat am 15. Dezember dem Rheinbund bei, Napoleons Bund – der Preis für den Erhalt seines Herzogtums.
Oktober 1808: Gastgeber zweier Kaiser
Im Oktober 1808 waren die beiden mächtigsten Männer Europas Carl Augusts Gäste. Während Napoleon und Zar Alexander I. vom 27. September bis 14. Oktober mit den Rheinbundfürsten in Erfurt tagten, holte der Herzog sie nach Weimar und nahm sie am 6. Oktober mit auf die Jagd am Ettersberg, den König von Sachsen und eine ganze Schar deutscher und europäischer Herzöge, Fürsten und Grafen im Gefolge. Auf einer Waldlichtung stand für sie ein offener Pavillon auf 26 Pfosten, festlich hergerichtet. Der Herzog wollte den Tag nicht vergessen lassen: 1817 ließ er für jeden Pfosten dieses Pavillons eine Linde pflanzen, die 26 Kaiserlinden, und ein schlichter Stein, in den nichts als die Jahreszahl 1808 gehauen ist, bezeichnet die Lichtung bis heute.
1815–1816: Großherzog und die Verfassung vom 5. Mai 1816
Auf dem Wiener Kongress erreichte er mit Hilfe seiner Schwiegertochter Maria Pawlowna die Erhebung zum Großherzog und einen beträchtlichen Gebietszuwachs – die Bevölkerung stieg von etwa 100.000 auf 180.000. Er wandelte das Geheime Consilium in ein dem Fürsten verantwortliches Staatsministerium um und verkündete am 5. Mai 1816 das „Grundgesetz über die Landständische Verfassung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach“, die Verfassung, die als seine bedeutendste Tat gilt.
1817–1819: Wartburgfest und Karlsbader Beschlüsse
1817 ließ er die Jenaer Studenten nicht ohne Bedenken das Wartburgfest feiern und musste in den Jahren danach die Karlsbader Beschlüsse gegen eben die Freiheiten durchsetzen, die seine Verfassung gewährt hatte – die Lage eines kleinen liberalen Staates im restaurierten Deutschland.
14. Juni 1828: Tod in Graditz, die Fürstengruft
Er starb auf der Rückreise von Berlin am 14. Juni 1828 auf dem preußischen Gestüt Graditz bei Torgau und wurde auf dem Historischen Friedhof Weimar in der Fürstengruft beigesetzt – der Gruft, die er bei Clemens Wenzeslaus Coudray in Auftrag gegeben hatte, von 1823 bis 1828 auf dem 1818 eingeweihten Friedhof errichtet, ein Hauptwerk klassizistischer Architektur in Thüringen. Ihre erste Bestattung war die Umbettung der Schiller zugeschriebenen Gebeine am 16. Dezember 1827; am 26. März 1832 fand Goethe neben diesem Sarg die letzte Ruhestätte. Seit 1998 gehört die Gruft mit dem Ensemble „Klassisches Weimar“ zum UNESCO-Welterbe; geöffnet ist sie in der Saison Mittwoch bis Montag von 10 bis 18 Uhr, Erwachsene 7 Euro.
Was Besucher fragen
- Wer war Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach?
- Der Herzog, ab 1815 Großherzog, in dessen Regierungszeit Weimars klassische Zeit fiel: geboren am 3. September 1757, seit 1758 unter der Regentschaft seiner Mutter Anna Amalia regierender Herzog, ab seinem achtzehnten Geburtstag 1775 in der Regierung, gestorben am 14. Juni 1828. Er holte 1775 Goethe nach Weimar und gab dem Land 1816 eine Verfassung.
- Wie holte Carl August Goethe nach Weimar?
- Karl Ludwig von Knebel machte die beiden im Dezember 1774 in Frankfurt bekannt; die Einladung folgte, Goethe traf am 7. November 1775 ein, und 1776 machte ihn der Herzog gegen den Widerspruch seiner Minister zum Geheimen Rat und übertrug ihm dann Schlossbau, Theater und Parkanlagen.
- Was ist die Verfassung von 1816?
- Das „Grundgesetz über die Landständische Verfassung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach“, von Carl August am 5. Mai 1816 verkündet, nachdem ihn der Wiener Kongress zum Großherzog erhoben hatte – sie gilt als seine bedeutendste Tat als Regent.
- Wo liegt Carl August begraben?
- In der Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof Weimar, die er bei Coudray in Auftrag gab und von 1823 bis 1828 bauen ließ; Schillers Sarg stand dort seit 1827, Goethes kam 1832 dazu. Er starb am 14. Juni 1828 in Graditz bei Torgau.
- Was hat Carl August in Weimar gebaut?
- Das Römische Haus im Park an der Ilm, 1792 bis 1797 für ihn unter Goethes Bauleitung errichtet; den Wiederaufbau des Schlosses nach dem Brand von 1774, ab 1789; das Hoftheater von 1791 unter Goethes Leitung; und die Fürstengruft von 1823 bis 1828.
- Kann man die Fürstengruft besuchen?
- Ja. Sie steht auf dem Historischen Friedhof am Poseckschen Garten und ist in der Saison Mittwoch bis Montag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, im Winter geschlossen; Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.
Werke & Leistungen
Die Verfassung vom 5. Mai 1816
Die Berufung Goethes nach Weimar 1775
Das Römische Haus (1792–1797)
Die Fürstengruft (1823–1828)
Verbundene Orte in Weimar
Bad Berka, am Rande des Kurparks
Der Herzog, der nach dem Quellenfund von 1813 ein Bad in Berka errichten ließ — dies ist daraus geworden.
Historischer Friedhof am Poseckschen Garten, 99423 Weimar
Er gab die Gruft in Auftrag; Coudray baute sie für ihn zwischen 1823 und 1828.
Fürstengraben 26, 07743 Jena
Das Haus wurde zu seinem 50. Dienstjubiläum 1825 neu gebaut, woran der Ostgiebel erinnert, und Goethe bewirtete ihn hier mehrfach.
Park an der Ilm, 99425 Weimar
Mit Goethe legte er den Park ab 1776 an; ab 1778 den westlichen Hang, und das Borkenhäuschen jenes Jahres war sein Rückzugsort.
Park an der Ilm, 99423 Weimar
Unter ihm wurden sie 1794–1796 gegraben, für eine Brauerei, die nie entstand.
Park an der Ilm, 99423 Weimar
Für ihn gebaut — laut Stiftung sein Lieblingswohnsitz und Rückzugsort.
Wielandplatz, 99423 Weimar
Die Bronze wurde zur Hundertjahrfeier seines Geburtstags enthüllt.
Historischer Kontext
Die Epoche fiel in seine Regierungszeit und begann mit seiner Einladung an Goethe 1775.
Rund sechzig Jahre lang lag der Mittelpunkt der deutschen Literatur in einem Herzogtum mit ein paar tausend Einwohnern — weil dessen Fürst Schriftsteller einlud und ihnen anschließend Ämter gab. Das ist der ganze Mechanismus, und er lief von Goethes Ankunft 1775 bis zu seinem Tod 1832.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1757
1828
deutsch
Übernachten und essen in der Nähe
Essen & Trinken
Herderplatz 16, Weimar
Nach Angabe des Hauses wohnte der Herzog in diesem Gebäude — daher der Name Jagemann.
Auf der Bühne
Auf der Bühne
Der Titelsatz „Die Vulpius hat alles verdorben!“ ist seiner, so druckt ihn das Haus.
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1739–1807 • Herzogin • Regentin • Mäzenin • Komponistin
Ihr Sohn, geboren am 3. September 1757, für den sie bis zu seinem achtzehnten Geburtstag 1775 die Regentschaft führte und der 1807 Kunst und Einrichtung erbte.
1783–1853 • Erbprinz • Großherzog
Sein Vater, dessen Räte er 1828 im Amt ließ und dessen Entscheidung für einen mitteldeutschen Handelsverein er übernahm, bevor das Land 1834 dem Zollverein beitrat.
1777–1848 • Schauspielerin • Sängerin
Um 1802 wurde er ihr Geliebter, erhob sie zur Frau von Heygendorf und übertrug ihr ein Gut.
1733–1813 • Schriftsteller • Dichter • Übersetzer
Sein Schüler von 1772 bis 1775 – der Prinz, zu dessen Erziehung er berufen wurde, und der Herzog, der später Goethe rief.
1775–1845 • Architekt • Oberbaudirektor
Carl August verpflichtete ihn am 20. April 1816 als Oberbaudirektor und gab bei ihm die Fürstengruft in Auftrag.
1747–1822 • Verleger • Unternehmer • Hofbeamter
Ab 1775 dessen Geheimsekretär, später Legationsrat.
1749–1832 • Dichter • Staatsmann • Naturforscher
Im Dezember 1774 lernte er ihn in Frankfurt kennen, holte ihn im November 1775 nach Weimar, machte ihn 1776 zum Geheimen Rat und übertrug ihm Schloss, Theater und Parks; beide liegen in derselben Gruft.
1744–1834 • Lyriker • Übersetzer • Prinzenerzieher
Er vermittelte dem Herzog seinen Goethe; an den Hof gekommen war er als Erzieher von dessen Bruder.
1757–1830 • Herzogin • Großherzogin
Sie heiratete ihn am 3. Oktober 1775 in Karlsruhe und war dreiundfünfzig Jahre seine Herzogin; nach 1806 war sie seine engste politische Vertraute.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Eine achtzehnjährige Witwe übernahm ein zerrüttetes Herzogtum, führte es siebzehn Jahre — und übergab ihrem Sohn einen Hof, zu dem zu kommen sich lohnte.
Ihr Sohn, im September 1757 geboren, dem sie am 3. September 1775 die Regierung übergab.
Im Dezember 1774 führte ein Erzieher des Weimarer Hofes auf einer Reise nach Frankfurt den Erbprinzen mit einem jungen Juristen zusammen, der einen anstößigen Roman geschrieben hatte.
Er war siebzehn — und die Berufung Goethes ist die Entscheidung, für die seine Regierung erinnert wird.
Am 7. November 1775 brachte eine Kutsche aus Frankfurt den sechsundzwanzigjährigen Verfasser des Werther in eine Stadt von sechstausend Einwohnern. Er wollte kurz zu Besuch bleiben – und blieb sein Leben lang.
Er lud Goethe im September und Oktober 1775 auf der Durchreise durch Frankfurt zweimal ein, schickte Kalb mit dem Wagen und hielt ihn mit Geschenken und Ämtern.
Der Herzog übergab dem berühmtesten Schriftsteller der Stadt ein Theater – und eröffnet wurde es mit einem Publikumserfolg von jemand anderem.
Der Herzog richtete das Hoftheater ein und übertrug Goethe die Leitung.
Vom 27. September bis 14. Oktober 1808 trafen sich Napoleon und Zar Alexander I. mit den Rheinbundfürsten in Erfurt — und am 6. Oktober kam der Kongress nach Weimar.
Herzog Carl August empfing die Kaiser am 6. und 7. Oktober 1808 in Weimar und Jena und holte Goethe zum Kongress nach Erfurt.
Der Wiener Kongress machte Carl August 1815 zum Großherzog eines vergrößerten Landes; am 5. Mai 1816 gab er ihm die erste Verfassung in Deutschland nach den Befreiungskriegen – mit gewähltem Landtag und voller Pressefreiheit.
1815 kam er als Großherzog aus Wien zurück und verkündete am 5. Mai 1816 die Verfassung – die Tat, an der seine Regierung gemessen wird.