Franz Liszt
Biografie
Franz Liszt, der gefeiertste Pianist des 19. Jahrhunderts, machte Weimar zur musikalischen Hauptstadt der Jahrzehnte nach Goethe. 1848 kam er als Hofkapellmeister, gab der Stadt die Uraufführung von Wagners Lohengrin, schrieb auf der Altenburg die Sinfonischen Dichtungen, die Faust- und die Dante-Sinfonie und die h-Moll-Sonate — und kehrte nach Rom und den niederen Weihen von 1869 bis 1886 jeden Sommer zurück, um im Haus des Hofgärtners am Rand des Parks die Pianisten Europas zu unterrichten. Dieses Haus ist das Liszt-Haus, mit seinem Musiksalon und seinem Bechstein-Flügel.
Von Raiding nach Paris, 1811–1847
Geboren wurde er am 22. Oktober 1811 in Raiding bei Ödenburg, im heutigen Burgenland. 1822 ging die Familie nach Wien, wo der Junge bei Carl Czerny Klavier und bei Antonio Salieri Komposition lernte, dann nach Paris. Die Virtuosenjahre trugen ihn durch ganz Europa; nach seinem Wettstreit mit Sigismond Thalberg 1837 bestritt niemand mehr, dass er der erste Pianist seiner Zeit war. 1847 lernte er in Kiew die Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein kennen, wurde ihr Ritter und führte sie unter den Schutz der Weimarer Großherzogin Maria Pawlowna.
Hofkapellmeister auf der Altenburg, 1848–1861
Schon am 2. November 1842 hatte Großherzog Carl Friedrich das Dekret unterzeichnet, das den Virtuosen Dr. Franz Liszt zum Kapellmeister in Weimar ernannte; der deutsche Abschnitt seines Lebens begann, als er sich 1848 mit Carolyne auf der Villa Altenburg an der Jenaer Straße niederließ. Er nutzte das Hoftheater für Werke, vor denen größere Häuser zurückschreckten: 1849 Wagners Tannhäuser und 1850 die Uraufführung des Lohengrin, die ihm der nach dem Dresdner Aufstand steckbrieflich gesuchte Komponist anvertraut hatte — von Weimar aus wurden Wagners Opern zum Gemeingut der deutschen Bühnen. Ende 1858 nahm er eine ausgezischte Premiere, Peter Cornelius' Der Barbier von Bagdad, zum Anlass, das Amt aufzugeben; auf der Altenburg blieb er bis 1861.
Was er komponierte, während er dirigierte, 1849–1858
Die Uraufführungen, die er anderen Komponisten gab, waren nur die eine Hälfte; die andere war seine eigene. Von 1849 bis 1858 entstanden in rascher Folge die Sinfonischen Dichtungen — einsätzige Orchesterwerke neuartiger Form, meist mit literarischem Programm —, und dasselbe Prinzip übertrug er auf zwei Klavierkonzerte und die Sonate h-Moll von 1853. Aus denselben Jahren stammen zwei vollständige Sinfonien, eine über den Faust-Stoff, eine über Dantes Divina Commedia, 1857 fertiggestellt, und unter den Chorwerken die Graner Messe.
Das Konservatorium, für das er stritt, 1835–1872
Bereits 1835 hatte Liszt Gedanken zur Gründung von Fortschrittschulen der Musik formuliert, und zwischen 1849 und 1853 bemühte er sich in Weimar um ein solches Konservatorium. Zu seinen Lebzeiten wurde nichts daraus; verwirklicht wurde die Idee erst 1872, als Carl Müllerhartung hier gründete, was die Hochschule die erste Orchesterschule Deutschlands nennt — weshalb die Weimarer Musikhochschule heute seinen Namen trägt: für eine Schule, die er wollte und nie geleitet hat.
Rom und der Abbé, 1861–1869
Am 20. Oktober 1861 traf er in Rom ein, um an seinem Geburtstag Carolyne zu heiraten. 1865 empfing er die niederen Weihen — dem Franziskanerorden hatte er sich schon ein Jahrzehnt zuvor als Laie angeschlossen — und war von da an der Abbé Liszt: ein Komponist von Kirchenmusik in der Soutane, der noch immer jeden Blick im Saal auf sich zog.
Die Sommer im Haus des Hofgärtners, 1869–1886
1869 holte ihn Großherzog Carl Alexander zurück, und von da an bis zu seinem Tod verbrachte Liszt die Sommermonate im ehemaligen Hofgärtnerhaus am Rand des Parks, ab 1874 sein Jahr zwischen Weimar, Rom und Budapest teilend. Unterrichtet hat er dort unentgeltlich — einen internationalen Kreis von männlichen wie auch wenigen weiblichen Schülern, bis zu vierzig in einer Saison — in der Gruppe, damals neu und der Vorläufer der heutigen Meisterklasse, und lud regelmäßig zu Musikaufführungen ins Haus. Am 31. Juli 1886 starb er in Bayreuth an einer Lungenentzündung. Ein Jahr später ließ Carl Alexander die Wohnetage des Komponisten als Gedenkstätte öffnen: den Musiksalon und das Arbeitszimmer mit dem originalen Bechstein-Flügel und das Schlafzimmer, wie das Liszt-Haus sie heute zeigt.
Was Besucher fragen
- Wann hat Liszt in Weimar gelebt?
- Zweimal. Von 1848 bis 1861 als Hofkapellmeister auf der Villa Altenburg an der Jenaer Straße, mit der Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein; und von 1869 bis zu seinem Tod 1886 jeden Sommer im ehemaligen Hofgärtnerhaus am Rand des Parks an der Ilm.
- Was hat Liszt in Weimar komponiert?
- Die Sinfonischen Dichtungen von 1849 bis 1858, zwei Klavierkonzerte, die Sonate h-Moll von 1853, die Faust-Sinfonie und die Dante-Sinfonie von 1857 und unter den Chorwerken die Graner Messe — den Kern seines Orchesterschaffens.
- Welche Uraufführungen hat Liszt in Weimar dirigiert?
- 1849 Wagners Tannhäuser und 1850 die Uraufführung des Lohengrin, die Wagner — nach dem Dresdner Aufstand steckbrieflich gesucht — ihm anvertraut hatte; Ende 1858 Peter Cornelius' Der Barbier von Bagdad, dessen feindselige Aufnahme Liszt zum Anlass nahm, sein Amt niederzulegen.
- Warum hat Liszt Weimar verlassen?
- Ende 1858 gab er das Amt des Hofkapellmeisters auf, nachdem die Premiere des Barbier von Bagdad ausgezischt worden war, blieb bis 1861 auf der Altenburg und ging dann nach Rom, wo er 1865 die niederen Weihen empfing. Großherzog Carl Alexander holte ihn ab 1869 für die Sommer zurück.
- Kann man das Liszt-Haus besichtigen?
- Ja. Das ehemalige Hofgärtnerhaus am Eingang des Parks zeigt die Etage, auf der Liszt wohnte — den Musiksalon und das Arbeitszimmer mit seinem originalen Bechstein-Flügel und das Schlafzimmer —, als Gedenkstätte, die Carl Alexander 1887, ein Jahr nach seinem Tod, eröffnen ließ. Geöffnet ist täglich außer dienstags.
- Wo ist Liszt gestorben?
- In Bayreuth, an einer Lungenentzündung, am 31. Juli 1886, während der Wagner-Festspiele.
Werke & Leistungen
Ungarische Rhapsodien
Faust-Sinfonie
Années de pèlerinage
Transzendentale Etüden
Klaviersonate h-Moll
La campanella
Sinfonische Dichtungen
Verbundene Orte in Weimar
Theaterplatz 2, 99423 Weimar
Als Hofkapellmeister dirigierte er hier, im damaligen Hoftheater — darunter 1850 die Uraufführung von Wagners „Lohengrin“.
Marienstraße 17, 99423 Weimar
Von 1869 bis zu seinem Tod 1886 wohnte er hier in den Sommermonaten und empfing seine internationale Schülerschar zum Klavierunterricht.
Jenaer Straße 3, 99425 Weimar
Ab 1848 sein Weimarer Wohnhaus, während seiner gesamten Zeit als Hofkapellmeister — die produktive Adresse, nicht die museale.
Historischer Kontext
Die zentrale Gestalt der Jahrzehnte nach Goethe: von Maria Pawlowna an den Hof berufen, ab 1848 Hofkapellmeister, 1869 von Carl Alexander zurückgeholt.
Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1811
1886
ungarisch
Übernachten und essen in der Nähe
Übernachten
Goetheplatz 2, 99423 Weimar
Vom Haus unter seinen Gästen genannt — Liszts Weimarer Jahrzehnte sind das Jahrhundert dieses Hotels.
Auf der Bühne
Auf der Bühne
Konzert
Sein erstes Klavierkonzert steht im Zentrum des Programms – das Werk, das diese Stadt vor allen anderen hörte, 1855, vom Komponisten gespielt.
Konzert
Seine Hungaria eröffnet ein Programm, das um ihn gebaut ist – in seinem Weimar.
Oper
Als Kapellmeister dirigierte er hier 1850 die Uraufführung des »Lohengrin« – die Premiere, die das Haus bis heute für sich reklamiert.
Veranstaltungen
Veranstaltungen
Täglich 10 und 14 Uhr, rund zwei Stunden
Sein Weimarer Haus liegt am Weg durch den Park.
Eine Samstagnacht im Mai, 18 bis 24 Uhr
Das Liszt-Haus, seine Weimarer Wohnung, liegt auf der Route und schließt früh.
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1818–1901 • Großherzog • Mäzen
Er holte Liszt 1869 nach Weimar zurück und ließ 1887, im Jahr nach dessen Tod, seine Wohnräume als Memorialstätte eröffnen.
1783–1853 • Erbprinz • Großherzog
Er unterzeichnete am 2. November 1842 das Dekret, das Liszt zum Kapellmeister in Weimar ernannte.
1819–1887 • Fürstin • Schriftstellerin
Von 1848 bis 1861 bewohnten sie gemeinsam die Villa Altenburg.
1786–1859 • Großherzogin • Mäzenin
Sie berief ihn an den Weimarer Hof — die Entscheidung, auf der das ganze Musikjahrhundert dieser Stadt beruht.
1824–1874 • Komponist • Dichter
Liszt setzte sich gegen Widerstände für ihn ein, dirigierte die Uraufführung einer ihm gewidmeten Oper und legte nach diesem Abend seine Weimarer Ämter nieder.
1813–1883 • Komponist • Dirigent
Liszt realisierte 1849 seinen „Tannhäuser“ und dirigierte am 28. August 1850 die Uraufführung des „Lohengrin“, während Wagner im Exil war und nicht kommen konnte.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Ein kleines Hoftheater brachte eine Oper zur Uraufführung, deren Komponist nicht kommen konnte, weil er steckbrieflich gesucht wurde.
Er dirigierte die Uraufführung; es ist der Abend, für den sein Weimarer Jahrzehnt in Erinnerung blieb.
Organisiertes Zischen zerstörte eine Uraufführung — und Weimar verlor darüber Liszt.
Er dirigierte die Uraufführung eines ihm gewidmeten Werkes und legte nach dem Abend seine Weimarer Ämter nieder.
Liszt wollte ein Konservatorium in Weimar und bekam keines; die Schule öffnete neunzehn Jahre, nachdem sein Versuch gescheitert war.
Die Schule verwirklicht jene Idee, die er 1835 formuliert und zwischen 1849 und 1853 vergeblich zu gründen versucht hatte — deshalb trägt sie heute seinen Namen.
Bühnen und Spielstätten
Theaterplatz 2, 99423 Weimar
Die Stadt nennt ihn neben Goethe und Schiller, wenn sie beschreibt, welche Geschichte hier spürbar wird.
Platz der Demokratie 2 | 3, 99423 Weimar
Die Hochschule trägt seinen Namen; von ihm stammt die Idee, sie in Weimar zu gründen.
Jakobstraße 10, 99423 Weimar
Er war einer der Gäste des Kirms-Krackow-Hauses, in dem das Kabarett spielt.
Rund um Weimar
Nordöstlich
In der Kirche von Denstedt, einem Dorf dieser Gemeinde, hielt er Orgelkonferenzen ab — an der Orgel, die bis heute seinen Namen trägt.