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Herzogin Anna Amalia

Auch bekannt als: Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel

1739–1807
deutsch
HerzoginRegentinMäzeninKomponistin

Biografie

Anna Amalia, geboren am 24. Oktober 1739 als Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, heiratete mit sechzehn Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach, wurde mit achtzehn Witwe und regierte das Herzogtum von 1759 an als Regentin für ihren Sohn Carl August, bis sie ihm am 3. September 1775 die Regierung übergab. In diesen Jahren ließ sie 1766 die herzogliche Bibliothek in den Rokokosaal umziehen und holte 1772 Wieland zur Erziehung der Prinzen nach Weimar; nach dem Schlossbrand von 1774 machte sie das Wittumspalais zu ihrem Witwensitz und seine Abendgesellschaften zum Treffpunkt von Goethe, Herder und Wieland, hielt einen Sommerhof in Ettersburg und ab 1781 in Tiefurt, vertonte 1776 Goethes „Erwin und Elmire“ und verbrachte die Jahre 1788 bis 1790 in Rom und Neapel. Sie starb am 10. April 1807 in Weimar und liegt in der Stadtkirche; die Bibliothek trägt seit 1991 ihren Namen.

Wolfenbüttel 1739, Weimar 1756: Herzogin mit sechzehn

Anna Amalia wurde am 24. Oktober 1739 in Wolfenbüttel geboren, eine Tochter Herzog Carls von Braunschweig. Am 16. März 1756, sechzehnjährig, wurde sie mit Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach vermählt. Der erste Sohn, Carl August, kam am 3. September 1757 zur Welt; der Herzog starb am 28. Mai 1758, und der zweite Sohn, Friedrich Ferdinand Constantin, wurde nach dem Tod des Vaters geboren, am 8. September 1758.

1759–1775: Regentin des Herzogtums

Nach der testamentarischen Verfügung ihres Mannes wurde sie zum einzigen Vormund ihrer beiden Söhne und zur Regentin des Landes eingesetzt, und seit dem 30. August 1759 führte sie die Regierung in ihrem Namen. Das Herzogtum kam verschuldet aus dem Siebenjährigen Krieg; mit klugen und tüchtigen Räten brachte sie seine Finanzen in Ordnung, wachte über die Erziehung ihrer Söhne und förderte die Künste. Am 3. September 1775, seinem achtzehnten Geburtstag, übergab sie Carl August die Regierung und lebte noch zweiunddreißig Jahre ohne Amt – die Jahre, in denen sie am meisten bewirkte.

1766 und 1772: der Rokokosaal der Bibliothek und Wieland für die Prinzen

1766 beschloss sie, dass die herzogliche Büchersammlung, die auf Johann Friedrichs des Großmütigen Wittenberger Bibliothek von 1547 zurückging, das Residenzschloss verlässt und in einen neu eingerichteten Saal zieht – den Rokokosaal der heutigen Herzogin Anna Amalia Bibliothek. 1772 holte sie den Dichter Christoph Martin Wieland in die Gruppe der Prinzenlehrer; er traf im September ein und blieb bis an sein Lebensende, der erste der Schriftsteller, die den Namen der Stadt machten.

1774: das Wittumspalais und seine Abendgesellschaften

Nach dem Schlossbrand von 1774 erwarb sie das barocke Stadtpalais, das 1767 bis 1769 für ihren Minister Jakob Friedrich von Fritsch errichtet worden war, und führte dort bis zu ihrem Tod eine eigene Witwenhofhaltung. In diesem Haus fanden ihre berühmten Abendgesellschaften statt – die Tafelrunde mit Goethe, Herder und Wieland –, und seine Räume sind heute zu sehen: das Tafelrundenzimmer, der Grüne Salon, das Musikzimmer und der Festsaal mit seinen Deckengemälden. Ihr Sohn erbte 1807 Kunst und Einrichtung.

Ettersburg und ab 1781 Tiefurt: der Sommerhof

In Ettersburg, dem herzoglichen Jagdschloss an der Nordseite des Ettersbergs, versammelte sie einen literarisch-musischen Kreis um sich. Nach der Abreise des Prinzen Constantin aus Weimar 1781 verlegte sie ihren Sommersitz nach Tiefurt, in das Kammergutpächterhaus im Ilmtal, setzte die Gestaltung des Parks als sentimentalen Garten fort und empfing dort fernab des höfischen Zeremoniells ihre Gäste – vor allem Goethe, Herder, Wieland und Schiller. 1781 initiierte sie das „Journal von Tiefurt“, die handgeschriebene Zeitschrift des Kreises, und zu ihrer eigenen Musik gehört die Vertonung von Goethes Singspiel „Erwin und Elmire“ von 1776.

1787–1790: Italien

1787 zog sie nach Italien und blieb fast zwei volle Jahre; die Jahre 1788 bis 1790 verbrachte sie in Rom und Neapel – eine ungewöhnliche Reise für eine verwitwete protestantische Fürstin, unternommen in den Jahren, in denen Goethe eben von derselben Straße zurückgekommen war.

10. April 1807: Tod in Weimar, Grab in der Stadtkirche, der Name der Bibliothek seit 1991

Anna Amalia starb am 10. April 1807 in Weimar und wurde auf eigenen Wunsch in der Stadtkirche St. Peter und Paul bestattet. Die Bibliothek, deren Umzug sie 1766 beschloss, trägt seit 1991 ihren Namen. Das Wittumspalais, Am Palais 3, ist Dienstag bis Sonntag geöffnet, im Winter 10 bis 16, im Sommer 10 bis 18 Uhr, Erwachsene 8 Euro; Schloss und Park Tiefurt, Hauptstraße 14, sind in der Saison Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Eintritt frei.

Was Besucher fragen

Wer war Anna Amalia?
Eine Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, geboren am 24. Oktober 1739, die mit sechzehn den Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach heiratete, mit achtzehn Witwe wurde und das Herzogtum von 1759 bis 1775 als Regentin für ihren Sohn Carl August regierte. Danach baute sie den Hofkreis um Wieland, Goethe und Herder auf, der Weimars Namen machte, und starb dort am 10. April 1807.
Was hat Anna Amalia für Weimar getan?
Als Regentin sanierte sie die Finanzen des Herzogtums und holte 1772 Wieland zur Erziehung der Prinzen; 1766 ließ sie die herzogliche Bibliothek in den Rokokosaal umziehen. Als Witwe machte sie das Wittumspalais zum Treffpunkt von Goethe, Herder und Wieland, hielt einen Sommerhof in Ettersburg und Tiefurt und komponierte.
Wo wohnte Anna Amalia in Weimar?
Vom Schlossbrand 1774 bis zu ihrem Tod 1807 im Wittumspalais, dem barocken Stadtpalais Am Palais 3, das 1767 bis 1769 für ihren Minister von Fritsch gebaut worden war. Die Sommer verbrachte sie in Ettersburg und ab 1781 in Tiefurt.
Warum heißt die Bibliothek nach Anna Amalia?
Weil sie 1766 beschloss, die herzogliche Büchersammlung aus dem Residenzschloss in den neu eingerichteten Rokokosaal umziehen zu lassen. Die Sammlung selbst reicht bis 1547 zurück; den Namen der Herzogin trägt die Bibliothek seit 1991.
Wo liegt Anna Amalia begraben?
In der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar, der Herderkirche, auf eigenen Wunsch. Sie starb am 10. April 1807.
Kann man das Wittumspalais und Tiefurt besuchen?
Ja. Das Wittumspalais ist Dienstag bis Sonntag geöffnet, im Winter 10 bis 16, im Sommer 10 bis 18 Uhr, Erwachsene 8 Euro, mit Tafelrundenzimmer, Grünem Salon und Musikzimmer. Schloss und Park Tiefurt sind in der Saison Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Eintritt frei.

Werke & Leistungen

Umzug der herzoglichen Bibliothek in den Rokokosaal (1766)

Vertonung von Goethes „Erwin und Elmire“ (1776)

Das „Journal von Tiefurt“ (ab 1781)

Verbundene Orte in Weimar

Platz der Demokratie 1, 99423 Weimar

Die Bibliothek trägt ihren Namen wegen ihres Beschlusses von 1766, die herzogliche Büchersammlung in den Rokokosaal umziehen zu lassen; den Namen trägt sie seit 1991.

Schloss Belvedere Allee 1, 99425 Weimar

Eine der beiden Herzoginnen, die es bevorzugt als Sommersitz nutzten.

Am Schloß 1, 99439 Ettersburg

Sie versammelte hier einen literarisch-musischen Kreis um sich — die zweite Adresse des Hofes, außerhalb der Stadt.

Hoffmann's BuchhandlungTraditionsbuchhandlung

Schillerstraße 9, 99423 Weimar

Die Herzogin zählte zu den Stammkunden der Buchhandlung.

Hauptstraße 14, 99425 Weimar-Tiefurt

Ab 1781 bis zu ihrem Tod 1807 ihr Sommersitz — für Geselligkeit fernab des Zeremoniells.

Schillerstraße 16, 99423 Weimar

Die Tafelrunde – ihre Runde – ist eine der inszenierten Szenen des Museums.

Wielandplatz, 99423 Weimar

Sie berief ihn 1772 als Prinzenerzieher nach Weimar — die Tatsache, an die das Denkmal erinnert.

Am Palais 3, 99423 Weimar

Sie kaufte es nach dem Brand von 1774 ihrem Minister ab und wohnte hier bis zu ihrem Tod 1807.

Historischer Kontext

Weimarer Klassik1775–1832

Regentin bis 1775 und danach Gastgeberin des Hofkreises: Sie holte 1772 Wieland und versammelte Goethe, Herder und Wieland im Wittumspalais und in Tiefurt.

Rund sechzig Jahre lang lag der Mittelpunkt der deutschen Literatur in einem Herzogtum mit ein paar tausend Einwohnern — weil dessen Fürst Schriftsteller einlud und ihnen anschließend Ämter gab. Das ist der ganze Mechanismus, und er lief von Goethes Ankunft 1775 bis zu seinem Tod 1832.

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Kurzprofil

Geboren:

1739

Gestorben:

1807

Nationalität:

deutsch

Rollen:
HerzoginRegentinMäzeninKomponistin

Auf der Bühne

Auf der Bühne

Goethe und Anna Amalia

Walter Hesse

Die verwitwete Herzogin, deren Hof Goethe nach Weimar zog — und die andere Hälfte des Gerüchts.

Veranstaltungen

Veranstaltungen

Aktionstage in Weimar

Zwei Tage im Jahr – Internationaler Frauentag und Buß- und Bettag

Die Herzogin ist die zweite, deren Spuren die Touren durch die Stadt verfolgen.

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten

Carl August

1757–1828 • Herzog • Großherzog • Mäzen

Ihr Sohn, geboren am 3. September 1757, für den sie bis zu seinem achtzehnten Geburtstag 1775 die Regentschaft führte und der 1807 Kunst und Einrichtung erbte.

Caroline Jagemann

1777–1848 • Schauspielerin • Sängerin

Sie war es, die Jagemann zur Ausbildung bei Iffland und Beck nach Mannheim schickte.

Charlotte von Stein

1742–1827 • Hofdame • Autorin

1758, mit sechzehn Jahren, als Hofdame in den Dienst der Herzogin getreten.

Christoph Martin Wieland

1733–1813 • Schriftsteller • Dichter • Übersetzer

Sie berief ihn 1772 zur Erziehung ihrer Söhne nach Weimar und empfing ihn unter ihren Gästen in Tiefurt.

Karl Ludwig von Knebel

1744–1834 • Lyriker • Übersetzer • Prinzenerzieher

Im Juli 1774 als Erzieher ihres zweiten Sohnes, des Prinzen Constantin, an den Hof geholt.

Luise von Hessen-Darmstadt

1757–1830 • Herzogin • Großherzogin

Ihre Schwiegermutter, die 1775 ins Wittumspalais zog, als das junge Paar das Fürstenhaus bezog, und deren Übergewicht bei Hof die Herzogin in den Schatten stellte.

In Weimars Geschichte

In Weimars Geschichte

Eine achtzehnjährige Witwe übernahm ein zerrüttetes Herzogtum, führte es siebzehn Jahre — und übergab ihrem Sohn einen Hof, zu dem zu kommen sich lohnte.

Die Regentin: 1758 verwitwet, bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes 1775 im Amt.

Am 7. November 1775 brachte eine Kutsche aus Frankfurt den sechsundzwanzigjährigen Verfasser des Werther in eine Stadt von sechstausend Einwohnern. Er wollte kurz zu Besuch bleiben – und blieb sein Leben lang.

Sie war eben von der Regentschaft zurückgetreten; ihr Hof, der bis zum Brand Seylers Truppe beherbergt hatte, war die Stadt, in die Goethe kam.