Herzogin Anna Amalia
Auch bekannt als: Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel
Biografie
Herzogin Anna Amalia war die zentrale Gestalt der kulturellen Blüte Weimars im 18. Jahrhundert. Als Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren, heiratete sie Herzog Ernst August II. und wurde Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Früh verwitwet (1758), führte sie bis 1775 die Regentschaft für ihren Sohn Carl August. Trotz politischer Schwierigkeiten ist sie vor allem dafür in Erinnerung, Weimar zu einem Zentrum der Aufklärung und der Künste gemacht zu haben. Sie reformierte den Hof, förderte die Bildung und versammelte Gelehrte und Dichter: 1772 holte sie Christoph Martin Wieland an den Hof, später kamen Goethe, Herder und Schiller — der Kreis der Weimarer Klassik. Anna Amalia war selbst musikalisch gebildet: Sie komponierte Lieder und Instrumentalwerke und gründete 1766 die Herzogliche Bibliothek, die heute ihren Namen trägt und die sie persönlich betreute. Schloss Tiefurt machte sie zu einem musenhaften Sommersalon und schuf ein Klima künstlerischer Offenheit. Nach der Volljährigkeit Carl Augusts trat sie zurück und wirkte weiter als Mäzenin. Ihr Erbe ist in Weimar überall sichtbar: Die Anna Amalia Bibliothek steht für ihren geistigen Ehrgeiz. Ohne ihre aufgeklärte Förderung wäre die Epoche Goethes und Schillers vielleicht nie entstanden.
Werke & Leistungen
Gründung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Erwin und Elmire (Singspiel nach Goethes Text)
Sinfonie B-Dur
Oratorium
Geistliche Chöre
Divertimento für Bläser
Cembalosonaten
Verbundene Orte in Weimar
Am Palais 3, 99423 Weimar
Besaß und bewohnte das Palais ab 1774; hielt hier ihren literarischen Salon
Beleg: Anna Amalia lebte nach 1774 im Wittumspalais und veranstaltete dort ihre Salons
Hauptstraße 14, 99425 Weimar-Tiefurt
Nutzte Schloss Tiefurt als Sommerresidenz und formte den Musenhof im Park
Beleg: Ihre Sommeraufenthalte in Tiefurt (ab 1781) machten den Ort zu einem kulturellen Zentrum
Historischer Kontext
Als Herzogin und Regentin (1758–1775) förderte sie die Aufklärungskultur Weimars und holte Wieland, Goethe und andere an den Hof
Historischer Beleg: Ihr Mäzenatentum legte die Grundlage der Weimarer Klassik
Als Weimarer Klassik bezeichnet man die Blüte von Literatur und Kultur im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Sie begann 1775, als der junge Herzog Carl August Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar holte. Goethe traf hier auf Johann Gottfried Herder, Christoph Martin Wieland und später Friedrich Schiller — gemeinsam machten sie aus dem Hof ein geistiges Zentrum. Unter der aufgeklärten Förderung von Herzogin Anna Amalia und Herzog Carl August wurde Weimar zum Inbegriff humanistischer Werte, klassischer Kunst und literarischer Leistung. In dieser Zeit entstanden Werke von bleibender Bedeutung — Goethes „Faust“, Schillers „Wilhelm Tell“ —, und zusammen mit Herder und Wieland begründeten sie eine neue deutsche Kultur auf den Idealen der Aufklärung. Die kleine Stadt hatte Salons, ein Theater (ab 1791 unter Goethes Leitung) und ein reges Kunstleben. Auch Architektur und Landschaft gehörten dazu: Goethe wirkte an der Gestaltung des Parks an der Ilm und am klassizistischen Umbau des Stadtschlosses mit. Ihren Höhepunkt erreichte die Weimarer Klassik um 1800 — sinnbildlich in der Freundschaft von Goethe und Schiller (1794–1805) — und sie endete mit Goethes Tod 1832. Ihr kulturelles Erbe reicht weit über die Stadt hinaus; die UNESCO würdigte es später als „Klassisches Weimar“.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1739
1807
deutsch