Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Über diesen Ort
Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek bewahrt rund eine Million Bände zur europäischen Literatur- und Kulturgeschichte, mit dem Schwerpunkt auf den Jahren 1750 bis 1850. Ihr Bestand reicht bis 1547 zurück, die herzogliche Bibliothek wurde 1691 gegründet, der Rokokosaal 1766 eröffnet, und Goethe führte das Haus fünfunddreißig Jahre lang; der Brand vom 2. September 2004 vernichtete 50.000 Bände, der wiederhergestellte Saal wurde am 24. Oktober 2007 wiedereröffnet.
Von Wittenberg nach Weimar, 1547–1691
Am Anfang des Bestands steht der unterlegene Kurfürst Johann Friedrich, der seine bedeutende Wittenberger Bibliothek noch 1547 nach Weimar überführen ließ.[1] Die herzogliche Bibliothek selbst wurde 1691 gegründet, als Herzog Wilhelm Ernst seine gesammelten 1.400 Bücher der Öffentlichkeit zugänglich machte.[2]
Der Rokokosaal, 1766
Bis 1766 war die Bibliothek im Residenzschloss untergebracht; dann zog sie auf Beschluss der Herzogin Anna Amalia in den neu eingerichteten Rokokosaal des Grünen Schlosses — einen ovalen, über drei Geschosse reichenden Raum, gebaut, um Bücher zu bewahren und dabei angesehen zu werden.[1][2] 1797 beauftragte Herzog Carl August Goethe mit der Oberaufsicht über die Bibliothek; er leitete sie als Bibliothekar fünfunddreißig Jahre lang, bis zu seinem Tod 1832.[2]
Eine Forschungsbibliothek und ihr Name, 1991–1998
Die Bibliothek ist eine öffentlich zugängliche Archiv- und Forschungsbibliothek für die europäische Literatur- und Kulturgeschichte mit besonderem Schwerpunkt auf der Epoche zwischen 1750 und 1850 und verfügt über einen Bestand von etwa einer Million Bänden.[3][2] Dazu gehören 2.600 mittelalterliche und frühneuzeitliche Buchhandschriften, darunter ein karolingisches Evangeliar aus dem 9. Jahrhundert, 8.600 Karten, 29 Globen und 427 Inkunabeln.[2] Zum dreihundertjährigen Jubiläum 1991 erhielt sie den Namen der Herzogin Anna Amalia, und seit 1998 gehört sie als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ zum UNESCO-Welterbe.[2]
2. September 2004
Am Tag des Brandes waren 196.000 Bücher im Historischen Bibliotheksgebäude untergebracht.[4] 50.000 Bände sowie 35 Gemälde aus dem 16. bis 18. Jahrhundert gingen vollständig verloren; rund 62.000 Bücher trugen leichte bis irreparable Schäden durch Feuer, Hitze und Löschwasser davon.[2][4] Die erste Gesamtausgabe der Lutherschen Bibelübersetzung von 1534 wurde aus dem Feuer gerettet.[2]
Wiederaufbau und Restaurierung, 2005–2018
Am 5. Februar 2005 wurden die Freihandbereiche des neuen Studienzentrums für die Benutzerinnen und Benutzer geöffnet.[2] Die Wiederherstellung des historischen Gebäudes war im Sommer 2007 abgeschlossen, und am 24. Oktober 2007 eröffnete Bundespräsident Horst Köhler das Haus wieder.[2] Die Bücher brauchten länger: Zwischen 2004 und 2018 wurden alle 56.000 ruß- und rauchgeschädigten Bände gereinigt, dekontaminiert und konservatorisch versorgt.[4]
Der Besuch des Rokokosaals
Der Rokokosaal ist dienstags bis sonntags von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet; Erwachsene zahlen 10 €, ermäßigt 7 €, Schülerinnen und Schüler von 16 bis 20 Jahren 4 €, das Kombiticket kostet 14 €.[5]
Was Besucher fragen
- Wie alt ist die Herzogin Anna Amalia Bibliothek?
- Die herzogliche Bibliothek wurde 1691 gegründet, als Herzog Wilhelm Ernst seine 1.400 Bücher der Öffentlichkeit öffnete; der Bestand selbst reicht bis 1547 zurück, als Kurfürst Johann Friedrich seine Wittenberger Bibliothek nach Weimar bringen ließ.
- Was ist der Rokokosaal?
- Der ovale, über drei Geschosse reichende Saal im Grünen Schloss, in den die Bibliothek 1766 auf Beschluss der Herzogin Anna Amalia einzog — der Raum, den die Besucherinnen und Besucher sehen wollen.
- Welche Verbindung hatte Goethe zur Bibliothek?
- Herzog Carl August beauftragte ihn 1797 mit der Oberaufsicht, und er leitete sie als Bibliothekar fünfunddreißig Jahre lang, bis zu seinem Tod 1832.
- Was geschah beim Brand 2004?
- Am 2. September 2004 vernichtete das Feuer 50.000 Bände und 35 Gemälde und beschädigte rund 62.000 weitere Bücher; das wiederaufgebaute Haus wurde am 24. Oktober 2007 wiedereröffnet, und bis 2018 waren die letzten der 56.000 rauchgeschädigten Bände restauriert.
- Wie sind die Öffnungszeiten und Preise des Rokokosaals?
- Dienstag bis Sonntag, 9.30–18 Uhr; 10 € für Erwachsene, 7 € ermäßigt, 4 € für Schülerinnen und Schüler von 16 bis 20 Jahren, 14 € für das Kombiticket.
Verbundene Persönlichkeiten
Herzogin • Regentin • Mäzenin • Komponistin
Die Bibliothek trägt ihren Namen wegen ihres Beschlusses von 1766, die herzogliche Büchersammlung in den Rokokosaal umziehen zu lassen; den Namen trägt sie seit 1991.
Romanautor • Dramaturg • Bibliothekar
Dort ab 1797 Registrator, ab 1800 Bibliothekssekretär, ab 1805 Bibliothekar.
Architekt • Oberbaudirektor
Er baute von 1821 bis 1825 den Stadtturm zum Büchermagazin der Bibliothek aus und entwarf ihren Erweiterungsbau von 1844 bis 1849.
Philologe • Bibliothekar • Herausgeber
Ab 1812 zweiter Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek, ab 1837 deren Oberbibliothekar.
Maler • Grafiker
Im Renaissancesaal der Bibliothek zeigt die Klassik Stiftung Werke beider Cranachs.
Reformator • Theologe • Prediger
Sie besitzt knapp drei Viertel aller zeitgenössischen Lutherdrucke, zwei davon im UNESCO-Weltdokumentenerbe.
Ebenfalls mit diesem Ort verbunden:
Quellen (5)
- Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Herzogin Anna Amalia Bibliothek — Wikipedia (de), abgerufen am 30. August 2026
- Herzogin Anna Amalia Bibliothek — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 30. August 2026
- Nach dem Brand — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Rokokosaal — Besuch — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 30. August 2026
Besuchsinformationen
10 € Erwachsene; 7 € ermäßigt; 4 € Schüler (16–20 Jahre); 14 € Kombiticket
Di–So 9.30–18 Uhr; montags geschlossen
Platz der Demokratie 1, 99423 Weimar
50.9786, 11.3322
Übernachten und essen in der Nähe
Übernachten
Veranstaltungen an diesem Ort
Veranstaltungen
Freitags 18 Uhr, samstags 16 Uhr, rund neunzig Minuten
Die herzogliche Bibliothek, die den Namen der Herzogin trägt; sie liegt am Platz der Demokratie an der Strecke.
Täglich 10 und 14 Uhr, rund zwei Stunden
Vom Platz der Demokratie aus im Vorbeigehen.
Freitags und samstags ab 20:30 Uhr, 21. März bis 1. November
Eine Station der Runde, von außen und nach Feierabend.
Frühjahr bis in den späten Herbst
Die Bibliothek ist Ort und Gegenstand zugleich: Die Ausstellung handelt davon, wofür es diese Einrichtung gibt — gezeigt in ihrem eigenen Studienzentrum.
Eine Samstagnacht im Mai, 18 bis 24 Uhr
Die Bibliothek öffnet zweifach: den Rokokosaal mit der Cranach-Ausstellung und daneben das Studienzentrum.
Vier Tage über Pfingsten, im Mai
Eine Führung durch den Bücherturm mit Ticket läuft hier über die Tage.
In Weimars Geschichte
Epochen
Das Papier dieses Jahrhunderts liegt hier: Die Ernestiner behielten die Drucke der Reformation in der Familie, und die Bibliothek bewahrt heute knapp drei Viertel aller zeitgenössischen Lutherdrucke.
Ein Jahrhundert lang ist Weimar zuerst eine Stadt der Reformation — und Residenz wird es durch einen Zufall, weil einem Fürsten, der alles andere verloren hatte, dieser Ort blieb. Zurück lassen diese hundert Jahre die Renaissancegiebel am Markt, einen Altar, den die Träger zu den Hauptwerken reformatorischer Bildkunst zählen, und einen Hof, der nicht wieder fortzog.
In Weimars Geschichte
Zweimal in drei Jahren setzte das Welterbekomitee Weimar auf seine Liste: am 7. Dezember 1996 die Bauhaus-Bauten, am 2. Dezember 1998 die elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar; Goethes und Nietzsches Handschriften nebenan sind Weltdokumentenerbe.
Bühnen und Spielstätten
Platz der Demokratie 2 | 3, 99423 Weimar
Das Fürstenhaus, das Hauptgebäude der Hochschule, steht am selben Platz wie die Bibliothek.