Weimar auf der Welterbeliste, 1996 und 1998
Zweimal in drei Jahren setzte das Welterbekomitee Weimar auf seine Liste: am 7. Dezember 1996 die Bauhaus-Bauten, am 2. Dezember 1998 die elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Weimar trägt zwei UNESCO-Eintragungen, und wer die Stadt besucht, geht an einem Nachmittag durch beide. Am 7. Dezember 1996 nahm das Welterbekomitee die Bauhaus-Stätten in Weimar und Dessau in die Liste auf – in Weimar die beiden Schulbauten Henry van de Veldes, in denen das Bauhaus von 1919 bis 1925 arbeitete, und das Haus Am Horn, den einzigen Bauhaus-Bau, der in der Stadt je verwirklicht wurde.[1] Am 2. Dezember 1998 kam das Klassische Weimar hinzu: elf Denkmäler aus der Zeit Goethes, Schillers, Herders und Wielands, von den Dichterhäusern und der Bibliothek über Schloss, Park an der Ilm und die Gruft, in der Goethe und Schiller liegen, bis zu den drei Sommerschlössern rings um die Stadt.[2] Zwölf Weimarer Liegenschaften sind damit Welterbe, die meisten in der Obhut der Klassik Stiftung, und beide Listen zusammen erklären, warum eine Stadt dieser Größe die Welt anzieht: Die klassische und die moderne Epoche begannen in denselben Straßen.[3]
7. Dezember 1996: die Bauhaus-Bauten
Die erste Eintragung beschloss das Komitee auf seiner zwanzigsten Sitzung 1996, für das Bauhaus und seine Stätten in Weimar und Dessau, nach den Kriterien (ii), (iv) und (vi).[1] In Weimar umfasst sie die frühere Kunstschule – das Hauptgebäude, das Henry van de Velde zwischen 1904 und 1911 baute und das seit 1996 Sitz der Bauhaus-Universität ist –, seine Kunstgewerbeschule gegenüber und das Haus Am Horn, das Musterhaus, das Georg Muche für die erste Bauhaus-Ausstellung 1923 entwarf, einen Steinwurf von Goethes Gartenhaus entfernt und vollständig aus den Bauhaus-Werkstätten eingerichtet, von Marcel Breuer, Theodor Bogler und Alma Siedhoff-Buscher unter anderen.[3] In Dessau gehörten Walter Gropius' Schulgebäude von 1926 und die Meisterhäuser dazu; 2017 wurde die Stätte um die fünf Laubenganghäuser, die in Dessau unter dem zweiten Direktor Hannes Meyer entstanden, und um die ADGB-Bundesschule in Bernau ergänzt.[4]
2. Dezember 1998: das Klassische Weimar
Zwei Jahre später, auf seiner zweiundzwanzigsten Sitzung, schrieb das Komitee das Klassische Weimar nach den Kriterien (iii) und (vi) ein: elf Denkmäler der Stadt, die für die Weimarer Klassik – etwa 1780 bis 1830 – stehen und für die Kultur einer mitteleuropäischen Residenz um 1800, bei Hof wie unter den Bürgern.[2] Die UNESCO nannte zwei Gründe: „die große kunsthistorische Bedeutung öffentlicher und privater Gebäude und Parklandschaften aus der Blütezeit des ,klassischen Weimar‘“ und „die herausragende Rolle Weimars als geistiges Zentrum im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert“.[3] Der erste Antrag hatte weiter gegriffen, bis zu Wielands Gut in Oßmannstedt, und war auf Empfehlung des ICOMOS zunächst abgelehnt worden, bevor die Liste enger gezogen wurde.[2]
Die elf Denkmäler
Die Liste liest sich wie ein Spaziergang durch die Stadt. Goethes Wohnhaus am Frauenplan und Schillers Haus an der Esplanade; das Wittumspalais, Anna Amalias Witwensitz; die Herzogin Anna Amalia Bibliothek; das Stadtschloss; die Herderstätten – die Stadtkirche St. Peter und Paul mit Herders Wohnhaus und dem Alten Gymnasium; die Fürstengruft mit dem Historischen Friedhof; der Park an der Ilm mit dem Römischen Haus, Goethes Gartenhaus und seinem Garten; und die drei Schlösser mit ihren Parks, Belvedere mit der Orangerie, Tiefurt und Ettersburg.[3] Die Mehrzahl der eingetragenen Objekte steht im Eigentum der Klassik Stiftung Weimar; Kirche und Herderstätten gehören der Gemeinde und der Stadt.[3]
Warum das Komitee Ja sagte
Die Deutsche UNESCO-Kommission gibt die beiden Kriterien so wieder – Kriterium (iii): „Die hohe künstlerische Qualität der öffentlichen und privaten Gebäude und Parks in der Stadt und ihrer Umgebung zeugen von der bemerkenswerten kulturellen Blüte in der Zeit der Weimarer Klassik.“ Kriterium (vi): „Das aufgeklärte herzogliche Mäzenatentum zog viele der führenden Schriftsteller und Denker in Deutschland wie Goethe, Schiller und Herder im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert nach Weimar und machte die Stadt zum kulturellen Zentrum des damaligen Europa.“[5] Die Daten, auf denen die Eintragung ruht, sind die vier Ankünfte: Wieland 1772, Goethe 1775, Herder ein Jahr darauf und Schiller 1799; Goethes Tod 1832 ist der Endpunkt der Epoche.[2]
Die Liste pflegen, 1998–2026
1998 war ein Managementplan noch keine Bedingung der Aufnahme; seit 2007 gehört er zu jedem Antrag, und seit 2014 liegt der Plan der Klassik Stiftung für das Klassische Weimar – 174 Seiten, ein objektbezogener Handlungsleitfaden für zehn Jahre – bei der UNESCO in Paris.[6] Die Welterbe-Einträge haben inzwischen Gesellschaft in UNESCOs anderem Register bekommen: Goethes Handschriften im Goethe- und Schiller-Archiv sind seit 2001 Weltdokumentenerbe, und am 11. April 2025 kam Friedrich Nietzsches literarischer Nachlass hinzu, der in demselben Archiv und in der Bibliothek liegt.[3] 2026 begeht die Stiftung das dreißigste Jahr der Bauhaus-Eintragung und das fünfundzwanzigste von Goethes Handschriften mit Ausstellungen, einem Festakt und einem Symposium gemeinsam mit der Bauhaus-Universität.[3]
Was Besucher fragen
- Was in Weimar ist UNESCO-Welterbe?
- Zwölf Liegenschaften: die elf Denkmäler des Klassischen Weimar, eingetragen am 2. Dezember 1998, und das Haus Am Horn, das mit den beiden Van-de-Velde-Bauten der Bauhaus-Universität zur Bauhaus-Eintragung vom 7. Dezember 1996 gehört.
- Welche elf Denkmäler bilden das Klassische Weimar?
- Goethes Wohnhaus, Schillers Wohnhaus, das Wittumspalais, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, das Stadtschloss, die Stadtkirche mit Herderhaus und Altem Gymnasium, die Fürstengruft mit dem Historischen Friedhof, der Park an der Ilm mit Römischem Haus, Goethes Gartenhaus und Garten sowie Schloss und Park von Belvedere, Tiefurt und Ettersburg.
- Warum wurde das Klassische Weimar aufgenommen?
- Nach Kriterium (iii) wegen der künstlerischen Qualität der Bauten und Parks, die von der kulturellen Blüte der Weimarer Klassik zeugen, und nach Kriterium (vi), weil das aufgeklärte herzogliche Mäzenatentum Goethe, Schiller, Herder und andere nach Weimar zog und die Stadt zum kulturellen Zentrum des damaligen Europa machte.
- Was umfasst die Bauhaus-Eintragung in Weimar?
- Die frühere Kunstschule Henry van de Veldes von 1904 bis 1911, heute Hauptgebäude der Bauhaus-Universität, seine Kunstgewerbeschule und das Haus Am Horn von 1923, den einzigen in Weimar verwirklichten Bauhaus-Bau. Die Stätte umfasst außerdem Dessau und seit 2017 Bernau.
- Wer betreut die Welterbestätten?
- Die meisten eingetragenen Objekte gehören der Klassik Stiftung Weimar, deren Managementplan für das Klassische Weimar seit 2014 bei der UNESCO liegt; die Bauhaus-Universität hält die beiden Schulbauten, Gemeinde und Stadt die Herderstätten.
Quellen (6)
- Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau — Wikipedia, abgerufen am 14. September 2026
- Klassisches Weimar — Wikipedia, abgerufen am 14. September 2026
- UNESCO-Welterbe — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 14. September 2026
- Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau — Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 14. September 2026
- Klassisches Weimar — Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 14. September 2026
- Managementplan UNESCO-Welterbe „Klassisches Weimar“ — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 14. September 2026
Historische Orte
Historische Orte
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar
Van de Veldes beide Schulbauten, Heimat des Bauhauses von 1919 bis 1925, stehen seit dem 7. Dezember 1996 auf der Liste.
Am Horn 61, 99425 Weimar
Muches Musterhaus von 1923, der einzige in Weimar verwirklichte Bauhaus-Bau, 1996 mit den Schulen eingetragen.
Frauenplan 1, 99423 Weimar
Das Haus am Frauenplan, seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Schillerstraße 12, 99423 Weimar
Seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Am Palais 3, 99423 Weimar
Anna Amalias Witwensitz, seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Platz der Demokratie 1, 99423 Weimar
Seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar; Goethes und Nietzsches Handschriften nebenan sind Weltdokumentenerbe.
Burgplatz 4, 99423 Weimar
Das Stadtschloss, seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Herderplatz, 99423 Weimar
Die Stadtkirche mit Herders Haus und dem Alten Gymnasium bildet seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Historischer Friedhof am Poseckschen Garten, 99423 Weimar
Mit dem Historischen Friedhof ringsum seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Am Poseckschen Garten, 99423 Weimar
1998 mit der Fürstengruft als eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar eingetragen.
Park an der Ilm, 99425 Weimar
Der Park mit Römischem Haus, Goethes Gartenhaus und seinem Garten ist seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Park an der Ilm, 99423 Weimar
1998 mit dem Park an der Ilm als Teil des Klassischen Weimar eingetragen.
Park an der Ilm, 99425 Weimar
1998 mit dem Park an der Ilm als Teil des Klassischen Weimar eingetragen – einen Steinwurf vom Haus Am Horn der anderen Eintragung entfernt.
Schloss Belvedere Allee 1, 99425 Weimar
Schloss, Park und Orangerie bilden seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Hauptstraße 14, 99425 Weimar-Tiefurt
Schloss und Park bilden seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Am Schloß 1, 99439 Ettersburg
Schloss und Park bilden seit 1998 eines der elf Denkmäler des Klassischen Weimar.
Epoche
1775–1832
Die elf 1998 eingetragenen Denkmäler sind die Bauten und Parks der Epoche; die vier Ankünfte von 1772, 1775, 1776 und 1799 sind die Daten, auf denen die Eintragung ruht.
1919–1925
Die Weimarer Bauten der ersten sechs Jahre der Schule wurden am 7. Dezember 1996 eingetragen.
1990–Gegenwart
Die beiden Eintragungen von 1996 und 1998 sind die Weichenstellungen des ersten Jahrzehnts der wiedervereinigten Stadt.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
1993 ernannte die EU Weimar zur Kulturstadt Europas, 1999 trug die Stadt den Titel — mit rund tausend Veranstaltungen.
Das Titeljahr kam ans Ende des Jahrzehnts, in dem die Bauhaus-Bauten (1996) und die klassischen Stätten (1998) eingetragen wurden.
Veranstaltungen
Veranstaltungen
Ein Tag im Juni
Der Tag, an dem die eingetragenen Häuser jedes Jahr ihre Türen öffnen.