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1990–Gegenwart

Wiedervereinigung und modernes Weimar

Seit 1990 ist Weimar eine kleine Stadt mit einem übergroßen Erbe, die herausfindet, was damit anzufangen ist — und der gelegentlich, ihres Namens wegen, eine Rolle in der europäischen Politik zufällt.

WiedervereinigungKulturerbeTourismuseuropäische Einigung

Eine Stadt auf der Welterbeliste, 1996 bis 1999

1996 nahm die UNESCO die Bauhaus-Bauten auf, 1998 die klassischen Stätten — damit waren der internationale Rang der Stadt und ihr Wirtschaftsmodell in einem Zug entschieden. 1999 war Weimar Kulturhauptstadt Europas, sechs Jahre zuvor von der EU dazu bestimmt; das Jahr brachte rund tausend Veranstaltungen und jene Baustellen und Sanierungen, die zu solchen Titeln zu gehören pflegen.

Das Weimarer Dreieck, 1991

Am 29. August 1991 unterzeichneten die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens — Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas und Krzysztof Skubiszewski — hier eine gemeinsame Erklärung zur Zukunft Europas und begründeten damit das Weimarer Dreieck.[1] Sie beginnt: „Europa steht an einem historischen Wendepunkt seiner Geschichte.“ Gewählt wurde die Stadt wegen dessen, was ihr Name trägt — aus demselben Grund wie 1919.

Der Bibliotheksbrand, 2004

2004 vernichtete ein Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek etwa 50.000 alte Bücher; wiedereröffnet wurde das Haus erst 2007.[2] Drei Jahre sind eine lange Schließzeit für eine arbeitende Bibliothek, und die Restaurierung wurde zu einem eigenen Vorhaben. Der Brand gehört heute zu dem, was diese Bibliothek bedeutet, und nicht bloß zu ihrer Betriebsgeschichte.

Eine Stadt, kein Museum

Das heutige Weimar ist ebenso Universitätsstadt — Bauhaus-Universität und Hochschule für Musik Franz Liszt — wie Reiseziel, und genau das bewahrt es davor, zur Vitrine zu werden. Der Widerspruch, mit dem der Ort lebt, ist leicht gesagt und schwer aufzulösen: Fast alles, wofür Gäste kommen, ist zugleich jemandes Straße.

Was Besucher fragen

Wofür ist Weimar seit der Wiedervereinigung bekannt?
Seit 1990 ist Weimar eine kleine Stadt mit einem übergroßen kulturellen Erbe — 1996 nahm die UNESCO die Bauhaus-Bauten auf, 1998 die klassischen Stätten, und 1999 war die Stadt Kulturhauptstadt Europas.
Was ist das Weimarer Dreieck?
Ein Format, das am 29. August 1991 gegründet wurde, als die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens — Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas und Krzysztof Skubiszewski — in Weimar eine gemeinsame Erklärung zur Zukunft Europas unterzeichneten.[1]
Was geschah 2004 mit der Anna-Amalia-Bibliothek?
2004 vernichtete ein Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek etwa 50.000 alte Bücher; wiedereröffnet wurde das Haus erst 2007.[2]
Wann war Weimar Kulturhauptstadt Europas?
1999, eine Bestimmung, die die EU sechs Jahre zuvor getroffen hatte; das Jahr brachte rund tausend Veranstaltungen sowie Baustellen und Sanierungen.
Ist das heutige Weimar eine Universitätsstadt?
Ja — die Bauhaus-Universität und die Hochschule für Musik Franz Liszt machen es ebenso zur Universitätsstadt wie zum Reiseziel.

Quellen

  1. Gemeinsame Erklärung der Außenminister von Deutschland, Frankreich und Polen zur Zukunft Europas — Auswärtiges Amt, abgerufen am 29. August 2026
  2. Weimar Chronik kompakt — Stadt Weimar, abgerufen am 29. August 2026

Was geschah

  1. 1953
    Die DDR übernimmt die Klassik

    Ihre Sammlungen gingen im Oktober 1991 an die Stiftung Weimarer Klassik über, seit 1994 selbständig — die Trägerin der klassischen Stätten von heute.

  2. 1991-08-28 – 1991-08-29
    Das Weimarer Dreieck wird gegründet

    Der deutlichste Fall, in dem dem wiedervereinigten Weimar seines Namens wegen eine Rolle in der europäischen Politik zufiel.

  3. 1999
    Weimar ist Kulturstadt Europas

    Die Chronik der Stadt markiert 1999 als Kulturstadtjahr, am Ende des Jahrzehnts, das auch die beiden UNESCO-Eintragungen brachte.

Orte der Epoche

Historische Orte

Jorge-Semprún-Platz 2, 99423 Weimar

Eröffnet im Mai 2024 — die vorerst letzte Wendung im Umgang der Stadt mit ihrer eigenen Geschichte.

Heute auf der Bühne

Auf der Bühne

Monika Maron – »Artur Lanz«

Salon

Die Reihe liest den Osten vor und nach 1989; dieser Roman von 2020 streitet über die Gesellschaft, die danach kam.

Wir sind das Volk

Schauspiel · Luise Voigt und Eva Bormann

Der Abend verfolgt, was der Satz in den über fünfunddreißig Jahren bedeutet hat, die das Haus zählt – und wer ihn heute für sich reklamiert.

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