Zum Inhalt springen
1919–1925

Das Bauhaus in Weimar (1919–1925)

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und war 1925 wieder fort — Zeit genug, um zu ändern, was eine Gestaltungsschule ist, und zu wenig für die Stadt, die es hervorgebracht hat, um es zu behalten.

ModerneDesignArchitekturKunstausbildungHandwerk

April 1919: zwei Schulen, ein Name

Am 1. April 1919 wurde Walter Gropius Direktor der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst; am 12. April vereinigte er sie mit der Kunstgewerbeschule, die Henry van de Velde vor dem Krieg aufgebaut hatte.[1] Die neue Einrichtung hieß Staatliches Bauhaus und arbeitete in van de Veldes Bauten — weshalb die Gründungsadresse des Bauhauses ein Stück Jugendstilarchitektur ist.

Die Ausbildung war die Sache, 1919–1922

Studierende arbeiteten gleichzeitig bei einem Werkmeister und einem Formmeister, im Zentrum die Werkstatt und nicht der Zeichensaal — Malerei, Weberei, Metall, Möbel und Bau als ein einziges Problem. Zu den Meistern der Weimarer Jahre gehörten Lyonel Feininger und Johannes Itten ab 1919, Georg Muche ab 1920, Paul Klee ab Dezember 1920, Oskar Schlemmer ab Januar 1921 und Wassily Kandinsky ab Juni 1922.

Die Frauen im Verzeichnis, 1919–1925

Gunta Stölzl lernte in der Weberei und leitete diese Werkstatt später in Dessau; Alma Siedhoff-Buscher entwarf das Kinderzimmer des Hauses Am Horn, Marianne Brandt ging in die Metallwerkstatt. Jenseits dieser Namen wird die Überlieferung schnell dünn — nicht, weil es wenige Frauen gewesen wären. Die Klassik Stiftung, die sie unter dem Titel „Vergessene Bauhaus-Frauen“ ausstellt, benennt das Problem genau: Von den rund 460 verzeichneten Studentinnen am Bauhaus sind nur von zwei Dritteln die Lebensdaten bekannt.[2] Die nationalsozialistische Machtübernahme von 1933 traf die weiblichen Bauhaus-Angehörigen besonders; einige, so die Stiftung, fanden verfolgt vom NS-Regime den frühen Tod im Konzentrationslager.

Der erste große öffentliche Auftritt, 1923

Zum ersten Mal groß gezeigt hat sich die Schule in der Ausstellung vom 15. August bis 30. September 1923; ihr Schaustück war das Haus Am Horn — entworfen von Muche, in vier Monaten vom Baubüro Gropius errichtet, von allen Werkstätten eingerichtet. Es ist das einzige Bauhaus-Gebäude in Weimar, und es entstand als Ausstellungsstück.

Abgewählt, 1924–1925

1924 gewann der rechte Ordnungsbund den Thüringer Landtag, der Etat wurde sofort halbiert, die Verträge der Lehrenden zum 31. März 1925 aufgehoben.[1] Gropius und die Meister kündigten zuvor selbst und gingen mit der Schule nach Dessau. Geblieben sind van de Veldes beide Schulbauten und das Haus Am Horn, seit 1996 UNESCO-Welterbe,[3] und die Sammlung von Werkstattarbeiten, die Gropius in den 1920er Jahren anlegte und die heute im Bauhaus-Museum liegt.

Was Besucher fragen

Wann und wie wurde das Bauhaus gegründet?
Am 1. April 1919 wurde Walter Gropius Direktor der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst; am 12. April vereinigte er sie mit Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule zum Staatlichen Bauhaus, das in van de Veldes Jugendstilbauten arbeitete.
Wie funktionierte die Ausbildung am Bauhaus?
Studierende arbeiteten gleichzeitig bei einem Werkmeister und einem Formmeister, im Zentrum die Werkstatt und nicht der Zeichensaal — Malerei, Weberei, Metall, Möbel und Bau als ein einziges Problem. Zu den Meistern der Weimarer Jahre gehörten Feininger und Itten ab 1919, Klee ab Dezember 1920 und Kandinsky ab Juni 1922.
Was ist das einzige Bauhaus-Gebäude in Weimar?
Das Haus Am Horn, Schaustück der ersten großen Ausstellung der Schule vom 15. August bis 30. September 1923 — entworfen von Georg Muche, in vier Monaten vom Baubüro Gropius errichtet und von allen Werkstätten eingerichtet.
Warum verließ das Bauhaus Weimar?
1924 gewann der rechte Ordnungsbund den Thüringer Landtag, der Etat wurde sofort halbiert, die Verträge der Lehrenden zum 31. März 1925 aufgehoben; Gropius und die Meister kündigten und gingen mit der Schule nach Dessau.
Was blieb vom Bauhaus in Weimar zurück?
Van de Veldes beide Schulbauten und das Haus Am Horn, seit 1996 UNESCO-Welterbe,[3] sowie die Sammlung von Werkstattarbeiten, die heute im Bauhaus-Museum liegt.

Quellen

  1. Phasen: Weimar — Bauhaus Kooperation Dessau Weimar Berlin, abgerufen am 29. August 2026
  2. Vergessene Bauhaus-Frauen — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
  3. Hauptgebäude — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 29. August 2026

Was geschah

  1. 1902-10-15 – 1915-10-01
    Van de Veldes Kunstgewerbeschule 1902–1915

    Die Einrichtung, aus der im April 1919 das Bauhaus gebildet wurde.

  2. 1919
    Das Bauhaus-Manifest, April 1919

    Das Gründungsdokument der Epoche.

  3. 1919-04-01
    Die Gründung des Bauhauses, April 1919

    Der Tag, an dem die Epoche beginnt.

  4. 1922
    Der De-Stijl-Kurs 1922

    Die Schule selbst nennt van Doesburg einen Katalysator der Entwicklung dieser Jahre.

  5. 1923-08-15 – 1923-09-30
    Die Bauhaus-Ausstellung 1923

    Der erste große öffentliche Auftritt der Weimarer Schule.

  6. 1925-03-31
    Das Ende des Weimarer Bauhauses 1924/25

    Das Ende der Epoche in Weimar.

  7. 1930
    Die „Säuberung“ der Weimarer Kunstschulen 1930

    Die Schule war seit fünf Jahren fort; was sie an die Wände gemalt hatte, nicht.

Menschen der Epoche

Persönlichkeiten

Adolf Meyer

1881–1929Architekt • außerordentlicher Meister für Architektur am Bauhaus • Lehrer

An der Schule vom Gründungsjahr bis zum Ende des Weimarer Kapitels.

Alma Siedhoff-Buscher

1899–1944Gestalterin • Tischlerin • Spielzeugentwerferin

Von 1922 bis 1927 an der Schule, in den Jahren, in denen die Werkstätten zeigen mussten, was sie können.

Franz Ehrlich

Gestalter • Typograph • Architekt • Häftling in Buchenwald

Von 1927 bis 1930 studierte er am Bauhaus Dessau — und Bauhaus-Typografie steht am Tor von Buchenwald.

Georg Muche

1895–1987Maler • Bauhausmeister • Leiter der Weberei

Jüngster Meister der Weimarer Schule, von 1920 bis zum Weggang nach Dessau.

Gerhard Marcks

1889–1981Bildhauer • Bauhausmeister • Leiter der Keramischen Werkstatt

Einer der ersten Meister von 1919 und bis 1924 Formmeister der Keramischen Werkstatt.

Gunta Stölzl

1897–1983Weberin • Bauhausschülerin, dann Leiterin der Weberei

Eine der ersten Studierenden von 1919 — und ab 1926 leitete sie die Werkstatt, in der sie ihr Handwerk gelernt hatte.

Henry van de Velde

1863–1957Architekt • Designer • Gründer der Weimarer Kunstgewerbeschule

Die Bauten, die Schule und die Empfehlung, die das Bauhaus 1919 erbte.

Herbert Bayer

1900–1985Typograf • Grafiker • Fotograf • Architekt

Student der Weimarer Jahre, ab 1925 Jungmeister in Dessau.

Johannes Itten

1888–1967Maler • Kunstpädagoge • Bauhausmeister

Einer der ersten Meister, ab Oktober 1919, und Urheber des Kurses, mit dem jede Ausbildung begann.

Joost Schmidt

1893–1948Bildhauer • Typograf • Bauhausmeister

Student der gesamten Weimarer Zeit, von 1919 bis 1924/25 in der Bildhauerwerkstatt.

Josef Albers

1888–1976Maler • Gestalter • Lehrer

Weimarer Student von 1920, ab 1923 im Kollegium — die Schule unterrichtet ihre eigenen Leute.

Karl Peter Röhl

1890–1975Maler • Grafiker • Bauhausschüler

Schüler der ersten Jahre und Urheber des ersten Signets der Schule.

Orte der Epoche

Historische Orte

Geschwister-Scholl-Straße 6a, 99423 Weimar

Von 1919 bis 1925 die Mensa der Schule — ein Glasatelier mit angebauter Küche.

Max-Krehan-Straße 1, 07774 Dornburg-Camburg

Die einzige Keramikwerkstatt der Schule, und die einzige, die sie vollständig außerhalb Weimars betrieb.

Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar

Das Museum der Epoche: die Werkstattarbeiten des Weimarer Bauhauses, seit den 1920er Jahren zusammengehalten.

Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar

Gründungsort der Schule und ihre Gebäude während der gesamten Weimarer Zeit.

Hauptfriedhof, Berkaer Straße, 99425 Weimar

Der Direktor der Schule baut für die Arbeiterbewegung der Stadt: der deutlichste öffentliche Auftrag der Epoche.

Petersgasse 33, 99428 Gelmeroda

Das Motiv, zu dem ein Bauhausmeister während seiner Weimarer Lehrjahre immer wieder zurückkam.

Theaterplatz 2, 99423 Weimar

Der Direktor der Schule arbeitet für die Regierung, die ihm drei Jahre später die Mittel kürzt.

Am Horn 61, 99425 Weimar

Die einzige gebaute Architektur des Weimarer Bauhauses und das deutlichste erhaltene Argument der Epoche.

Belvederer Allee 58, 99425 Weimar

Die Weimarer Moderne vor dem Bauhaus — und diejenige, die ihm seine Gebäude hinterließ.

Jorge-Semprún-Platz 5, 99423 Weimar

Die Dauerpräsentation „Wege zum Bauhaus“ zeichnet nach, was zur Schule von 1919 führte; 1923 war das Haus einer der drei Standorte der ersten Bauhaus-Ausstellung.

ReithausHistorisches Gebäude

Park an der Ilm, 99423 Weimar

Eine der Bauhaus-Stätten der Stadt: Von 1923 bis 1925 fand hier der Vorkurs statt.

Park an der Ilm, 99423 Weimar

Eine der Bauhaus-Stätten der Stadt: das Atelier eines Meisters, in einem Gebäude, das ein Jahrhundert älter ist als die Schule.

Heute auf der Bühne

Auf der Bühne

Dokumentarische Fragmente

Familie

Gearbeitet wird an Dokumenten aus den Jahren der Schule – Briefe und Reden, gelesen daraufhin, was eine Bühne daraus machen kann.

Eine neue Art, die Dinge zu sehen

Schauspiel

Eine öffentliche Auseinandersetzung mit Gründung und Folgejahren der Schule, hundert Jahre danach.

Utopie Bauhaus!

Schauspiel · Carolin Millner

In den Weimarer Jahren der Schule angesiedelt, erzählt für ein Themenjahr, das sie aus der Sicht der Frauen betrachtet.

Bauhaus sucht Frau

Kabarett

Der Abend ist ein Kabarett über die Schule, die 1919 in Weimar gegründet wurde; das Haus nennt ihn „Form follows Fun(ction)“.

Veranstaltungen

Aktionstage in Weimar

Zwei Tage im Jahr – Internationaler Frauentag und Buß- und Bettag

Das andere Ende: Das Programm reicht von der Klassik bis in die Moderne.

Bauhaus und Politik

Eine lange Laufzeit, bis ins neue Jahr

Gegenstand ist das ganze Leben der Schule, 1919 bis 1933, politisch gelesen und nicht formal.

Historie trifft Gegenwart — UNESCO-Bauhaus-Stätten im Spiegel von Zeit und Sichtweisen

Frühjahr bis Sommer, im Bauhaus-Museum

Gegenstand ist das Nachleben der Epoche: dreißig Jahre Welterbe und ein Jahrhundert Fotografiertwerden.

Lange Nacht der Museen

Eine Samstagnacht im Mai, 18 bis 24 Uhr

Das Bauhaus-Museum bringt das andere Weimar auf dasselbe Ticket wie das klassische.

UNESCO-Welterbetag

Ein Tag im Juni

Die zweite Einschreibung ist die des Bauhauses; deshalb ist der Welterbetag kein rein klassischer Tag.

Epochen

Epochen

1919 aus zwei Schulen hervorgegangen, die diese Epoche geschaffen hat — der Kunstschule von 1860 und van de Veldes Schule von 1907/08.

Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.

Alle Epochen