Franz Ehrlich
Biografie
Ein Schlosser, der am Bauhaus studierte, ein Kommunist, den die Gestapo nach Buchenwald einwies — und der Häftling, der die Buchstaben am Lagertor entwerfen musste. Er entwarf sie nach den Schriften seiner Bauhaus-Lehrer.
Bauhaus, dann der Widerstand, 1927–1937
Der Schlosser Franz Ehrlich studiert von 1927 bis 1930 am Bauhaus Dessau und arbeitet dann als Gestalter und Typograph in Berlin und Leipzig.[1] Als aktiver Kommunist im Widerstand verhaftet, weist ihn die Gestapo nach der Zuchthaushaft 1937 in das KZ Buchenwald ein.
Seine Fähigkeiten bringen ihn ins SS-Baubüro, 1937–1938
Im Lager bringen ihn eben diese Fähigkeiten ins SS-Baubüro: Er muss Möbel, Gebäude und auch das eiserne Lagertor entwerfen. Im Januar 1938 beginnen Häftlinge mit der Schmiedearbeit am Tor, und den Auftrag, die Buchstaben zu zeichnen, erhalten Ehrlich und der Zeichner Ernst Karthoff.[2]
Die Buchstaben, 1938
Die Inschrift dieses Tores lautet „Jedem das Seine“ — eine Wendung aus dem römischen Recht, die die SS in einen Satz darüber verkehrte, wem was zusteht. Von der SS unerkannt, lehnte er die Gestaltung der Inschrift an Schriften seiner Bauhaus-Lehrer an, benannt als Herbert Bayer und Joost Schmidt.[2] Die vom Regime als „entartet“ erklärte Moderne steht damit in der Losung eines Konzentrationslagers — gezeichnet von einem Häftling, in Buchstaben, unter denen die Wachmannschaften täglich hindurchgingen.
Danach
1939 entlassen, muss er weiter für die SS-Bauleitung arbeiten, wird 1943 zum „Bewährungsbataillon“ 999 eingezogen und gerät schließlich in Kriegsgefangenschaft.[1] Nach seiner Rückkehr arbeitet er als Architekt und Gestalter. Sein Name steht nicht am Tor.
Was Besucher fragen
- Welche Verbindung hat Franz Ehrlich zu Buchenwald?
- Der am Bauhaus ausgebildete Gestalter und Kommunist wurde 1937 als Häftling nach Buchenwald eingewiesen.[1] Im SS-Baubüro des Lagers erhielt er im Januar 1938 den Auftrag, die Buchstaben der Toreinschrift zu entwerfen.[2]
- Warum sieht das Buchenwalder Tor so aus, wie es aussieht?
- Die Inschrift „Jedem das Seine“ gestaltete Ehrlich, von der SS unerkannt, nach den Schriften seiner Bauhaus-Lehrer Herbert Bayer und Joost Schmidt[2] — die vom Regime als „entartet“ erklärte Moderne, gezeichnet von einem Häftling in der Losung eines Konzentrationslagers.
- Was geschah mit Franz Ehrlich nach Buchenwald?
- 1939 entlassen, musste er weiter für die SS-Bauleitung arbeiten, wurde 1943 zum „Bewährungsbataillon“ 999 eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft.[1] Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Architekt und Gestalter.
- Kann man das von ihm entworfene Tor sehen?
- Ja, in der Gedenkstätte Buchenwald, die das Lager und das von ihm gestaltete Tor bewahrt.
Quellen
- Franz Ehrlich — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 30. August 2026
- Jedem das Seine — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 30. August 2026
Verbundene Orte in Weimar
Buchenwald, 99427 Weimar
Als Häftling entwarf er die Buchstaben der Inschrift am Lagertor.
Historischer Kontext
Von 1927 bis 1930 studierte er am Bauhaus Dessau — und Bauhaus-Typografie steht am Tor von Buchenwald.
Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und war 1925 wieder fort — Zeit genug, um zu ändern, was eine Gestaltungsschule ist, und zu wenig für die Stadt, die es hervorgebracht hat, um es zu behalten.
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