Joost Schmidt
Biografie
Fünfzehn Jahre lang studierte er in Weimar Kunst — an drei Schulen in denselben Gebäuden, der großherzoglichen Hochschule und dem Bauhaus — und wäre um ein Haar für eine vierte geblieben.
Großherzoglicher Kunststudent, 1910
1893 in Wunstorf bei Hannover geboren, begann Schmidt 1910 sein Studium an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar, wurde Meisterschüler von Max Thedy und legte 1913/14 sein Diplom in Malerei ab. Das ist jene Schule, für die van de Veldes Bauten errichtet wurden — neun Jahre vor dem Bauhaus: dieselbe Adresse, eine andere Einrichtung, derselbe junge Mann.
Krieg, dann zurück in dieselben Räume, 1918–1925
Kriegsdienst und Gefangenschaft füllten die Jahre dazwischen; 1918 kehrte er nach Deutschland zurück, und von 1919 bis 1924/25 lernte er am Staatlichen Bauhaus in der Werkstatt für Stein- und Holzbildhauerei bei Johannes Itten und Oskar Schlemmer. An wenigen Lebensläufen lässt sich die Kontinuität dieser Gebäude so deutlich ablesen: erst ein Maldiplom der großherzoglichen Hochschule, dann eine Lehre in Bildhauerei bei der Schule, die sie ablöste.
Das Angebot, das er ausschlug, 1925–1948
1925 hatte er einen Vorvertrag mit Otto Bartning, dem Direktor der Staatlichen Bauhochschule in Weimar, um hier eine plastische Werkstatt zu leiten. Er nahm stattdessen das Angebot von Walter Gropius an und wurde Jungmeister in Dessau — eine jener kleinen Entscheidungen, mit denen die Stadt nicht nur die Schule verlor, sondern auch deren Leute. In Dessau unterrichtete er Schrift im Vorkurs, leitete von 1928 bis 1930 die Plastische Werkstatt und von 1928 bis 1932 die Werkstatt für Reklame, Typografie und Druck mit angeschlossener Fotoabteilung. 1948 starb er in Nürnberg.
Was Besucher fragen
- Welche Verbindung hatte Joost Schmidt zu Weimars Kunstschulen?
- Er studierte an zwei Einrichtungen in denselben Gebäuden — ab 1910 an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst, ab 1919 in der Bildhauerwerkstatt des Bauhauses bis 1924/25.
- Warum blieb Joost Schmidt nicht in Weimar?
- 1925 hatte er einen Vorvertrag, um eine plastische Werkstatt an der Weimarer Staatlichen Bauhochschule zu leiten, nahm aber stattdessen das Angebot von Walter Gropius für eine Jungmeisterstelle in Dessau an.
- Was unterrichtete Joost Schmidt in Dessau?
- Schrift im Vorkurs, von 1928 bis 1930 die Plastische Werkstatt und von 1928 bis 1932 die Werkstatt für Reklame, Typografie und Druck mit angeschlossener Fotoabteilung.
- Kann man die Orte besuchen, an denen Joost Schmidt studierte und lehrte?
- Ja, die Bauhaus-Universität Weimar — dieselben Gebäude, in denen sowohl die großherzogliche Hochschule als auch das Bauhaus untergebracht waren.
Werke & Leistungen
die Plastische Werkstatt am Bauhaus Dessau (1928–1930)
die Werkstatt für Reklame, Typografie und Druck (1928–1932)
Verbundene Orte in Weimar
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar
In diesen Gebäuden studierte er zweimal — ab 1910 an der großherzoglichen Hochschule, ab 1919 am Bauhaus.
Historischer Kontext
Student der gesamten Weimarer Zeit, von 1919 bis 1924/25 in der Bildhauerwerkstatt.
Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und war 1925 wieder fort — Zeit genug, um zu ändern, was eine Gestaltungsschule ist, und zu wenig für die Stadt, die es hervorgebracht hat, um es zu behalten.
Mehr über diese Epoche →Seine ersten Weimarer Jahre gehören der großherzoglichen Kunsthochschule von 1910, vor dem Krieg und vor dem Bauhaus.
Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1893
1948
deutsch
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Eine Wahl, ein halbierter Etat, gekündigte Verträge zum 31. März 1925 — nach sechs Jahren ging die Schule nach Dessau.
Er gehört zu den Leuten, die die Stadt mit der Schule verlor: Der Weimarer Vertrag war unterschrieben und wurde ausgeschlagen.