Die „Säuberung“ der Weimarer Kunstschulen 1930
Fünf Jahre nach dem Weggang des Bauhauses wurde zerstört, was es an die Wände seines Werkstattgebäudes gemalt hatte — von der Schule, die an seine Stelle trat.
1930, bei Regierungsbeteiligung der NSDAP in Thüringen, wurde der Architekt Paul Schultze-Naumburg an die Spitze der Weimarer Kunstlehranstalten gesetzt, und die Wandbilder, die Oskar Schlemmer 1923 für die Bauhaus-Ausstellung geschaffen hatte, wurden zerstört.
Ein Reformer als Inquisitor
Die Universitätsgeschichte hält fest, dass mit der Regierungsbeteiligung der NSDAP in Thüringen 1930 Paul Schultze-Naumburg — sie nennt ihn den ehemaligen Reformer — als Direktor der Vereinigten Kunstlehranstalten in Weimar eingesetzt wurde.[1] Das Bildungsressort des Landes lag seit dem Amtsantritt Wilhelm Fricks im Januar desselben Jahres in nationalsozialistischer Hand, und was ein Ministerium mit einer Schule machen kann, wurde sofort vorgeführt.
Was zerstört wurde
Der „Säuberung“ im Vorfeld der Eröffnung der Staatlichen Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk in Weimar 1930 fielen, so die Universität, auch die Wandbilder von Oskar Schlemmer im ehemaligen Werkstattgebäude des Bauhauses zum Opfer.[2] Entstanden waren sie sieben Jahre zuvor für die Ausstellung, mit der die Schule zum ersten Mal öffentlich auftrat; entfernt wurden sie aus dem Gebäude, in dem sie gemalt worden waren, durch dessen neue Leitung.
Warum die Rekonstruktionen zählen
Zu sehen sind im Van-de-Velde-Bau heute Rekonstruktionen, 1979 von dem Bildhauer Hubert Schiefelbein und 1980 von dem Maler Bruno Dolinski.[2] Die Originale zerstörte eine deutsche Kunsthochschule unter nationalsozialistischer Verwaltung, drei Jahre bevor diese Verwaltung das Land hatte — die Kopien sind der Beleg für beides zugleich.
Quellen
- Geschichte — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Van-de-Velde-Bau — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1888–1943 • Maler • Bildhauer • Choreograph • Bauhausmeister
Die verlorenen Arbeiten waren seine, geschaffen für die Ausstellung von 1923.
Historische Orte
Historische Orte
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar
Das Gebäude, dessen Wandbilder zerstört wurden — und in dem heute die Rekonstruktionen hängen.
Epoche
1919–1925
Die Schule war seit fünf Jahren fort; was sie an die Wände gemalt hatte, nicht.
1918–1933
Ein Landesministerium in nationalsozialistischer Hand greift in eine Kunsthochschule ein, drei Jahre vor 1933.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Die Wochen, in denen sich das Bauhaus zum ersten Mal öffentlich zeigte — an drei Orten und in einem Haus, das dafür erst gebaut werden musste.
Die hier zerstörten Wandgestaltungen entstanden sieben Jahre zuvor für jene Ausstellung.
Am 23. Januar 1930 wurde Wilhelm Frick thüringischer Innen- und Volksbildungsminister — der erste Nationalsozialist in Deutschland, der ein Regierungsamt übernahm. Er hielt sich vierzehn Monate.
Das Bildungsressort lag seit Fricks Amtsantritt im Januar desselben Jahres bei der NSDAP.