Denkmal der Märzgefallenen
Über diesen Ort
Ein Blitz aus Beton, aus dem Boden geschlagen, über den Gräbern von Arbeitern, die in ihrer eigenen Stadt getötet wurden.
März 1920
Während des Kapp-Putsches versammelten sich Tausende vor dem Weimarer Volkshaus; die Demonstration wurde angegriffen. Neun Arbeiter wurden getötet, 35 schwer verletzt.[1] So etwas legt eine Stadt in ihrer offiziellen Erinnerung gern leise ab — und genau deshalb gibt es dieses Denkmal: Die Toten gehörten der hiesigen Arbeiterbewegung, und es waren die Gewerkschaften und nicht der Staat, die beschlossen, dass sie ein Zeichen bekommen.
Was die Gewerkschaften bestellten, 1922–1924
Sie fragten den Direktor des Bauhauses, und Walter Gropius lieferte weder Figuren noch Kränze noch Heldeninschrift, sondern eine zackige Betonform über sieben der neun Gräber — „der Blitz aus dem Grabesboden als Wahrzeichen des lebendigen Geistes“, wie er es nannte. Eingeweiht wurde sie am 1. Mai 1922:[2] eine Gestalt ganz ohne Figur, in Auftrag gegeben bei einer Schule, deren Etat der Landtag desselben Landes ab 1924 zu kürzen begann.[3]
Zerstört, wiedererrichtet, saniert, 1930er–2024
In den 1930er Jahren zerstörten es die Nationalsozialisten.[1][4] Nach dem Krieg wurde es wiedererrichtet und am 23. März 1946 erneut eingeweiht;[1] zwischen 2022 und 2024 hat die Stadt es abschnittsweise für rund 11.200 Euro instand gesetzt,[2] finanziert aus dem Budget der Friedhofsverwaltung — so wird ein Denkmal für die neun Toten der Stadt heute erhalten: als Posten in der Rechnung einer Friedhofspflege.
Was Besucher fragen
- Was geschah im März 1920?
- Während des Kapp-Putsches versammelten sich Tausende vor dem Weimarer Volkshaus, und die Demonstration wurde angegriffen. Neun Arbeiter wurden getötet, 35 schwer verletzt.[1] Es waren die Gewerkschaften, nicht der Staat, die beschlossen, dass die Toten ein Zeichen bekommen — deshalb gibt es dieses Denkmal.
- Was bestellten die Gewerkschaften bei Gropius?
- Weder Figuren noch Kränze noch Heldeninschrift, sondern eine zackige Betonform über sieben der neun Gräber — „der Blitz aus dem Grabesboden als Wahrzeichen des lebendigen Geistes“, wie er es nannte. Eingeweiht wurde sie am 1. Mai 1922.[2]
- Was geschah damit unter den Nationalsozialisten?
- Sie zerstörten es in den 1930er Jahren — eine Quelle nennt 1935, eine andere 1936.[1][4] Nach dem Krieg wurde es wiedererrichtet und am 23. März 1946 erneut eingeweiht;[1] zwischen 2022 und 2024 hat die Stadt es abschnittsweise saniert.[2]
- Wo genau steht es?
- Im südlichen Teil des Weimarer Hauptfriedhofs an der Berkaer Straße.[2]
Quellen
- Denkmal für die Märzgefallenen — Weimar-Lese, abgerufen am 29. August 2026
- Sanierung des Denkmals für die Märzgefallenen auf dem Hauptfriedhof Weimar abgeschlossen — Stadt Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Weimar — Bauhaus Kooperation, abgerufen am 30. August 2026
- Bauten, Denkmale, Brunnen – Denkmale — Stadt Weimar, abgerufen am 29. August 2026
Verbundene Persönlichkeiten
Architekt • Gründer und Direktor des Bauhauses • Lehrer
1922 von ihm entworfen, während er das Bauhaus leitete — seine politischste Weimarer Arbeit.
Besuchsinformationen
Hauptfriedhof, Berkaer Straße, 99425 Weimar
In Weimars Geschichte
Epochen
Der Direktor der Schule baut für die Arbeiterbewegung der Stadt: der deutlichste öffentliche Auftrag der Epoche.
Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und war 1925 wieder fort — Zeit genug, um zu ändern, was eine Gestaltungsschule ist, und zu wenig für die Stadt, die es hervorgebracht hat, um es zu behalten.
Die Toten des Kapp-Putsches vom März 1920, die erste gewaltsame Probe der Republik in Thüringen.
Dass Deutschlands erste Demokratie nach dieser Stadt heißt, hat einen beinahe zufälligen Grund: 1919 war die Hauptstadt zu gefährlich, um darin eine Verfassung zu schreiben, und Weimar war ruhig.