Martin Luther
Biografie
Martin Luther, geboren am 10. November 1483 in Eisleben, ging in Eisenach zur Schule, trat 1505 in das Erfurter Augustinerkloster ein und verschickte als Wittenberger Professor am 31. Oktober 1517 die 95 Thesen. Nach dem Reichstag zu Worms 1521 wurde er auf der Wartburg über Eisenach verborgen und übersetzte dort in zehn Monaten das Neue Testament. Weimar, Sitz seiner ernestinischen Schutzherren, hörte ihn zwischen 1518 und 1540 predigen; aus seinen zwei Predigten in der Schlosskirche am 24. und 25. Oktober 1522 wurde die Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“. Die Stadtkirche bewahrt den Cranach-Altar von 1555 mit seinem Bildnis und den Lutherschrein von 1572, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek knapp drei Viertel aller zeitgenössischen Lutherdrucke, zwei davon im UNESCO-Weltdokumentenerbe. Er starb am 18. Februar 1546 in Eisleben.
Eisleben 1483, Eisenach 1498–1501: ein Schüler in Thüringen
Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Nach einem Schuljahr in Magdeburg schickten ihn die Eltern nach Eisenach, wo er von 1498 bis 1501 die Pfarrschule St. Georgen besuchte und fließend Latein sprechen und schreiben lernte; er wohnte bei den Bürgerfamilien Cotta und Schalbe, in dem Haus, das heute Lutherhaus heißt. Dieses Haus, eines der ältesten Fachwerkhäuser Thüringens, ist heute ein Museum über Luther und die Bibel, und über der Stadt steht die Wartburg.
Erfurt 1501–1508: Universität und Augustinerkloster
Im April 1501 kam er nach Erfurt, um sich an der Universität einzuschreiben, und wurde 1505 zum Magister der Freien Künste promoviert. Am 17. Juli 1505 bat er an der Pforte des Augustinerklosters um Aufnahme, wurde Mönch und dann Priester und verließ 1508 Kloster und Stadt in Richtung Wittenberg. Das Kloster, Baubeginn 1276, steht mit Kirche und drei Höfen vollständig und lässt sich besichtigen.
Wittenberg 1512–1517: Doktor der Theologie und die Thesen vom 31. Oktober 1517
Am 18. und 19. Oktober 1512 wurde er in Wittenberg zum Doktor der Theologie promoviert und begann im Winter 1513 mit seinen Vorlesungen. Am 31. Oktober 1517 verschickte er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die für ihn zuständigen Bischöfe, und aus dem Streit darüber wurde die Reformation. Sein Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, schützte ihn von da an; die ernestinische Linie der Wettiner, zu deren Sitzen Weimar gehörte, blieb bis zu seinem Tod die Schutzmacht der neuen Bewegung.
Worms und Wartburg 1521–1522: das Neue Testament in zehn Monaten
Am 17. April 1521 trat er auf dem Reichstag zu Worms vor Kaiser und Reich und widerrief nicht. Am Abend des 4. Mai 1521 wurde er auf dem Heimweg nahe Schloss Altenstein von Gefolgsleuten des Kurfürsten zum Schein gefangen genommen und auf die Wartburg gebracht, wo er als „Junker Jörg“ lebte. Am 18. Dezember 1521 begann er, das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen; als er die Wartburg am 1. März 1522 verließ, war die Rohübersetzung abgeschlossen. Melchior Lotter der Jüngere druckte sie in Wittenberg in etwa 3000 Exemplaren, und am 21. September 1522 kam sie ohne Verfassernamen in den Handel – das Septembertestament, je nach Ausstattung für einen halben bis anderthalb Gulden; ein halber Gulden war etwa der Wochenlohn eines Zimmergesellen. Die Wartburg gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe.
Weimar 1518–1540: eine Kanzel in der Stadtkirche und die Predigten vom 24. und 25. Oktober 1522
Zwischen 1518 und 1540 war Luther häufig in Weimar. Der erste Aufenthalt war 1518 eine Nacht im Franziskanerkloster in der Böttchergasse, auf dem Weg zum Verhör vor Kardinal Cajetan in Augsburg; eine Gedenktafel bezeichnet die Stelle. Er predigte wiederholt in der 1500 vollendeten Stadtkirche St. Peter und Paul und in der Schlosskirche, wo er am 24. und 25. Oktober 1522, in Acht und Bann stehend, vor der kurfürstlichen Familie zwei Predigten zu geistlicher und weltlicher Obrigkeit hielt. Herzog Johann, der von Weimar aus regierte, hatte sie sich erbeten, und aus ihnen erwuchs die Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“: Aufgabe der weltlichen Obrigkeit ist es, die Bösen zu strafen und die Guten, besonders die Armen, zu schützen. Die späteren Besuche waren Visitations- und Predigtreisen, mit Unterkunft bei Beamten des Fürstenhofes.
1525–1546: Wittenberger Haushalt, die letzten Besuche, Tod in Eisleben am 18. Februar 1546
Am 13. Juni 1525 heiratete er die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Nach Weimar kam er 1537 zurück, als er den Schmalkaldischen Bundestag vorzeitig verließ und sich hier mehrere Tage in ärztliche Behandlung begab, und 1540, um sich um Philipp Melanchthon zu kümmern, seinen engsten Mitstreiter, der in der Stadt erkrankt war. Er starb in seiner Geburtsstadt Eisleben in der dritten Stunde des 18. Februar 1546.
Nach 1546: der Cranach-Altar von 1555, der Lutherschrein von 1572 und die Drucke in der Bibliothek
1552 wählte Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige, der die protestantischen Fürsten geführt und den Kurkreis verloren hatte, Weimar zu seiner Residenz, und mit ihm kam der Maler Lucas Cranach der Ältere, Luthers Freund, in die Stadt. Der Altar der Stadtkirche, 1555 von Lucas Cranach dem Jüngeren als Epitaph des Kurfürsten vollendet, zeigt Luther mit der aufgeschlagenen Bibel in der Hand neben dem Gekreuzigten; die Kirche bewahrt außerdem den Lutherschrein von 1572, ein Triptychon mit ihm als Mönch, als Junker Jörg und als Magister. Die herzogliche Bibliothek, heute die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, besitzt knapp drei Viertel aller zeitgenössischen Lutherdrucke, von den Ernestinern von Generation zu Generation weitergegeben; die vollständige Bibel von 1534 und der Sermon von Ablass und Gnade von 1518 gehören zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.
Was Besucher fragen
- Was verbindet Martin Luther mit Weimar?
- Weimar war Sitz der ernestinischen Fürsten, die ihn schützten. Er predigte zwischen 1518 und 1540 in der Stadt, hielt am 24. und 25. Oktober 1522 in der Schlosskirche die zwei Predigten, aus denen die Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“ wurde, und die Stadtkirche bewahrt den Cranach-Altar von 1555 mit seinem Bildnis und den Lutherschrein von 1572.
- Wann predigte Luther in Weimar?
- Wiederholt zwischen 1518 und 1540, in der Stadtkirche St. Peter und Paul und in der Schlosskirche. Sein erster Aufenthalt war 1518 eine Nacht im Franziskanerkloster auf dem Weg nach Augsburg, sein letzter Besuch 1540 galt dem erkrankten Philipp Melanchthon.
- Wo übersetzte Luther das Neue Testament?
- Auf der Wartburg über Eisenach, wo er vom 4. Mai 1521 bis zum 1. März 1522 verborgen lebte. Er begann am 18. Dezember 1521 und reiste mit der fertigen Rohübersetzung ab; das Septembertestament kam am 21. September 1522 in Wittenberg in den Handel.
- Wo ging Luther zur Schule?
- In Eisenach, von 1498 bis 1501 an der Pfarrschule St. Georgen; er wohnte bei den Familien Cotta und Schalbe in dem Haus, das heute Lutherhaus heißt und ein Museum ist.
- Welche Lutherdrucke besitzt Weimar?
- Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek besitzt knapp drei Viertel aller zeitgenössischen Lutherdrucke, darunter die vollständige Bibel von 1534 und den Sermon von Ablass und Gnade von 1518, beide im UNESCO-Weltdokumentenerbe.
- Wo ist Luther in der Weimarer Stadtkirche zu sehen?
- Auf dem 1555 von Lucas Cranach dem Jüngeren vollendeten Altar, wo er mit der aufgeschlagenen Bibel neben dem Kreuz steht, und im Lutherschrein von 1572, einem Triptychon mit ihm als Mönch, als Junker Jörg und als Magister.
Werke & Leistungen
Die deutsche Bibel – das Septembertestament von 1522 und die vollständige Bibel von 1534
Die 95 Thesen von 1517
Von weltlicher Obrigkeit, aus den Weimarer Predigten von 1522
Ein Sermon von Ablass und Gnade, 1518
Verbundene Orte in Weimar
Herderplatz, 99423 Weimar
Hier predigte er zwischen 1518 und 1540 wiederholt; die Kirche bewahrt den Cranach-Altar von 1555 mit seinem Bildnis und den Lutherschrein von 1572.
Platz der Demokratie 1, 99423 Weimar
Sie besitzt knapp drei Viertel aller zeitgenössischen Lutherdrucke, zwei davon im UNESCO-Weltdokumentenerbe.
Burgplatz 4, 99423 Weimar
In der Schlosskirche, die hier stand, hielt er am 24. und 25. Oktober 1522 die Predigten über die weltliche Obrigkeit.
Augustinerstraße 10, 99084 Erfurt
Luther bat hier im Juli 1505 um Aufnahme, wurde 1507 im Kloster zum Priester geweiht und lebte hier als Mönch, bis er 1508 nach Wittenberg ging.
Lutherplatz 8, 99817 Eisenach
Auf der Wartburg 1, 99817 Eisenach
Historischer Kontext
Die Bewegung, die er mit den Thesen von 1517 auslöste – in der Stadt, deren Fürsten sie schützten.
Ein Jahrhundert lang ist Weimar zuerst eine Stadt der Reformation — und Residenz wird es durch einen Zufall, weil einem Fürsten, der alles andere verloren hatte, dieser Ort blieb. Zurück lassen diese hundert Jahre die Renaissancegiebel am Markt, einen Altar, den die Träger zu den Hauptwerken reformatorischer Bildkunst zählen, und einen Hof, der nicht wieder fortzog.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1483
1546
deutsch
In Weimars Geschichte
Rund um Weimar
Nordwestlich
Am 5. April 1521 wurde er hier auf dem Weg zum Reichstag in Worms förmlich empfangen.