Christian August Vulpius
Biografie
Im Juli 1788 überreichte eine junge Frau Goethe eine Bittschrift für ihren stellungslosen Bruder. Das ist der Bruder. Geboren wurde er 1762 in Weimar, und was danach für ihn kam — Hoftheater, Bibliothek, eine Laufbahn —, lief über die Verbindung, die jene Bittschrift stiftete.
Durch Protektion etabliert, 1790
Die Neue Deutsche Biographie benennt den Mechanismus unumwunden: „Erst durch Goethes Protektion etablierte sich V. seit seiner Rückkehr nach Weimar 1790 als Dramaturg am Hoftheater.“ Zwei Jahre nach der Bittschrift seiner Schwester hatte der stellungslose Bruder also eine Stelle an dem Theater, das Goethe bald leiten sollte. So funktioniert Patronage — und das Nachschlagewerk beschönigt es nicht.
Die Bibliothek, Stufe um Stufe, 1797–1827
1797 Registrator an der Weimarer Bibliothek, 1800 Bibliotheksekretär, 1805 Bibliothekar und Münzinspektor. Drei Jahrzehnte verbrachte er in jener Einrichtung, deren Rokokosaal heute der meistfotografierte Raum der Stadt ist; 1827 starb er in Weimar — danach stieg Friedrich Wilhelm Riemer in derselben Bibliothek auf.
Der Bestseller, den ihm niemand zurechnet, 1798/99
Er schrieb „Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann“, 1798/99 in drei Bänden erschienen, und es wurde einer der großen Publikumserfolge der Zeit — die ADB hält fest, dass das Buch „bald mehrere Auflagen und zahlreiche, theils von V. selbst, theils von anderen besorgte Fortsetzungen und Nachahmungen erlebte“. Erinnert wird die Weimarer Klassik für das, was Goethe und Schiller schrieben. Gelesen wurde in Deutschland, in großer Zahl, der Räuberroman des Schwagers.
Was Besucher fragen
- Wie ist Christian August Vulpius mit Goethe verbunden?
- Die Bittschrift seiner Schwester Christiane für ihren stellungslosen Bruder, im Juli 1788 an Goethe gerichtet, stiftete die Verbindung. Die Neue Deutsche Biographie hält unumwunden fest, dass Vulpius sich erst durch Goethes Protektion seit seiner Rückkehr nach Weimar 1790 als Dramaturg am Hoftheater etablierte.
- Was hat Christian August Vulpius geschrieben?
- „Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann“, 1798/99 in drei Bänden erschienen — einer der großen Publikumserfolge der Zeit, der mehrere Auflagen und einen Schwarm von Fortsetzungen und Nachahmungen hervorbrachte.
- Wo arbeitete Christian August Vulpius in Weimar?
- An der herzoglichen Bibliothek — ab 1797 Registrator, ab 1800 Bibliothekssekretär, ab 1805 Bibliothekar und Münzinspektor, drei Jahrzehnte lang bis zu seinem Tod 1827 — sowie als Dramaturg am Hoftheater ab 1790.
- Kann man Orte besuchen, die mit ihm verbunden sind?
- Ja: die Anna-Amalia-Bibliothek, in der er drei Jahrzehnte arbeitete, und das Nationaltheater, an dem er als Dramaturg diente.
Werke & Leistungen
Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann (3 Bde., 1798/99)
Verbundene Orte in Weimar
Platz der Demokratie 1, 99423 Weimar
Dort ab 1797 Registrator, ab 1800 Bibliothekssekretär, ab 1805 Bibliothekar.
Theaterplatz 2, 99423 Weimar
Ab 1790 etablierte er sich als Dramaturg am Hoftheater.
Historischer Kontext
Die Populärliteratur der Epoche — geschrieben von dem Mann im Haushalt, den niemand zitiert.
Rund sechzig Jahre lang lag der Mittelpunkt der deutschen Literatur in einem Herzogtum mit ein paar tausend Einwohnern — weil dessen Fürst Schriftsteller einlud und ihnen anschließend Ämter gab. Das ist der ganze Mechanismus, und er lief von Goethes Ankunft 1775 bis zu seinem Tod 1832.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1762
1827
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