Elisabeth Förster-Nietzsche
Biografie
Weimar hat Nietzsche, weil seine Schwester ihn hierherbrachte, und das 20. Jahrhundert empfing ihn in der Gestalt, die sie ihm gab. Beides geht auf sie zurück, und nur das eine gereicht ihr zur Ehre.
Sie baute die Institution, 1894–1900
1894 gründete sie in Naumburg ein Archiv für den Nachlass ihres Bruders, zu dessen Lebzeiten, und verlegte es 1896 nach Weimar. 1897 bezog sie die Villa „Silberblick“ — von Meta von Salis eigens dafür gestiftet —, um ihn dort aufnehmen und pflegen zu können; am 25. August 1900 starb er darin. Sie war alleinige Besitzerin des Nietzsche-Archivs. Was sonst über sie zu sagen ist: Die Einrichtung, die die Handschriften bewahrte, und das Haus, das man heute betreten kann, gibt es, weil sie beides geschaffen hat.
Und sie fälschte darin, 1901–1935
Keiner ihrer Mitarbeiter hatte freien Zugang zum gesamten Archiv, weshalb ihre später berüchtigten Fälschungen bis zu ihrem Tod 1935 unbemerkt blieben. Sie betrafen meist Äußerungen über sie selbst in den Briefen ihres Bruders und sollten ihr, einer Frau ohne akademische Ausbildung, die Leitung des Archivs legitimieren. Schwerer wiegt ein Buch: Gemeinsam mit Peter Gast stellte sie „Der Wille zur Macht“ aus dem Nachlass zusammen und gab es als Nietzsches Hauptwerk aus — zunächst 1901, in stark erweiterter Fassung 1906. Geschrieben hat er es so nie.
Die Besucher der letzten Jahre, 1932–1935
Zwischen 1932 und 1934 empfing sie mehrfach Adolf Hitler im Nietzsche-Archiv. Am 8. November 1935 starb sie in Weimar. Das Haus, das sie aufgebaut hat, widmet heute eine Ausstellung der eigenen Rolle im Nietzsche-Kult des Nationalsozialismus — das ehrliche Ende dieser Geschichte: Das Archiv, das die Papiere bewahrte, ist zugleich jenes, das den Namen denen zuspielte, die am wenigsten Anspruch darauf hatten.
Was Besucher fragen
- Welche Verbindung hat Elisabeth Förster-Nietzsche zum Nietzsche-Archiv?
- Sie gründete es 1894 in Naumburg, verlegte es 1896 nach Weimar und besaß es allein. 1897 bezog sie die Villa Silberblick, um ihren Bruder aufzunehmen und zu pflegen; er starb dort 1900.
- Hat Elisabeth Förster-Nietzsche die Schriften ihres Bruders gefälscht?
- Ja. Fälschungen, die meist Äußerungen über sie selbst in seinen Briefen betrafen, blieben bis zu ihrem Tod 1935 unbemerkt, und gemeinsam mit Peter Gast stellte sie „Der Wille zur Macht“ aus seinem Nachlass zusammen — 1901 und in erweiterter Fassung 1906 als sein Hauptwerk ausgegeben, ein Buch, das er nie so geschrieben hat.
- Welche Verbindung hat das Nietzsche-Archiv zum Nationalsozialismus?
- Zwischen 1932 und 1934 empfing sie mehrfach Adolf Hitler im Archiv. Es widmet heute eine Ausstellung der eigenen Rolle im Nietzsche-Kult des Nationalsozialismus.
- Kann man das Nietzsche-Archiv besuchen?
- Ja, die Villa Silberblick, in der sie ab 1897 ihren Bruder aufnahm und pflegte und später Hitler empfing.
Werke & Leistungen
Gründung des Nietzsche-Archivs (1894)
„Der Wille zur Macht“, aus dem Nachlass zusammengestellt (1901, erweitert 1906)
Verbundene Orte in Weimar
Humboldtstraße 36, 99425 Weimar
Sie gründete das Archiv und besaß es allein; die Villa Silberblick wurde 1897 bezogen, damit sie und ihr Bruder darin leben konnten.
Historischer Kontext
Ihre Ankunft, die Verlegung des Archivs nach Weimar und die letzten Jahre ihres Bruders fallen sämtlich in die Jahrzehnte zwischen Goethes Tod und dem Ende der Monarchie.
Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.
Mehr über diese Epoche →Zwischen 1932 und 1934 empfing sie Hitler mehrfach im Archiv und starb 1935 — mit ihr beginnt die Rolle des Archivs im Nietzsche-Kult des Nationalsozialismus.
Das Regime wollte Weimar wegen dessen Namen — und errichtete auf dem Berg über der Stadt ein Konzentrationslager. Beides gehört zu denselben zwölf Jahren.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1846
1935
deutsch
In Weimars Geschichte
Artikel
Weimars Jugendstil ist ein Stil der Wohnhäuser: die Villenstraßen westlich und südlich der Altstadt, gebaut zwischen den 1890er Jahren und 1914, mit den Fassaden Rudolf Zapfes und den eigenen Bauten Henry van de Veldes.
Setzte sich am Hof, zusammen mit Harry Graf Kessler, dafür ein, van de Velde nach Weimar zu holen; sein erstes Weimarer Werk war das Innere ihres Archivs.