Zum Inhalt springen
1933–1945

NS-Zeit und Buchenwald (Zweiter Weltkrieg)

Das Regime wollte Weimar wegen dessen Namen — und errichtete auf dem Berg über der Stadt ein Konzentrationslager. Beides gehört zu denselben zwölf Jahren.

NationalsozialismusZweiter WeltkriegHolocaustVölkermord

Ein brauchbarer Name

Der Nationalsozialismus kam nicht trotz des kulturellen Rangs nach Weimar, sondern seinetwegen. Ein Regime mit erfundener Ahnenreihe brauchte Goethe und Schiller, und die Stadt lieferte beides fertig. Der Verwaltungsbau folgte der Symbolik: Das Gauforum sollte die zentralen Verwaltungen eines NSDAP-Gaus an einem Ort versammeln — mit einer „Halle der Volksgemeinschaft“ für 20.000 Stehplätze und einem Flügel, in den das Reichsstatthalteramt Gauleiter Fritz Sauckels ziehen sollte. Beim Bau wurden auch Häftlinge des KZ Buchenwald eingesetzt.

Vor den Toren der Stadt, 1937–1945

Seit Juli 1937 unterhielt die SS auf dem Ettersberg ein Konzentrationslager — auf jenem bewaldeten Höhenzug über der Stadt, auf dem Weimar seit jeher spazieren ging. In den folgenden sieben Jahren und neun Monaten wurden 277.800 Menschen aus mehr als fünfzig Ländern dorthin und in die Außenlager verschleppt; 56.000 von ihnen starben.[1] Die Gedenkstätte selbst schreibt: „auf dem Ettersberg vor den Toren der Stadt Weimar“.

Lager und Stadt waren eine Wirtschaft

Verbunden waren beide nicht durch Nähe, sondern durch Lohnlisten. Häftlinge wurden den Berg hinunter zur Rüstungsarbeit gebracht, vor allem ins Gustloff-Werk im Norden der Stadt — weshalb der amerikanische Angriff vom 9. Februar 1945 Hunderte Lagerhäftlinge tötete und am selben Nachmittag das Nationaltheater zerstörte, das inzwischen selbst eine Fabrik war.

April 1945

Am 11. April 1945 wurde das Lager befreit, in seinen letzten Stunden von den Häftlingen selbst. Wenige Tage darauf führten die Amerikaner die Weimarer Bevölkerung den Berg hinauf und durch das Gelände. Diese Konfrontation ist der Angelpunkt für alles, was in dieser Stadt danach kam, und die Gedenkstätte Buchenwald ist ihre unmittelbare Nachfolgerin.

Was Besucher fragen

Was war Buchenwald?
Ein Konzentrationslager, das die SS ab Juli 1937 auf dem Ettersberg betrieb, dem bewaldeten Höhenzug über Weimar. In den folgenden sieben Jahren und neun Monaten wurden 277.800 Menschen aus mehr als fünfzig Ländern dorthin und in die Außenlager verschleppt, 56.000 von ihnen starben.[1]
Warum wählte das NS-Regime Weimar?
Nicht trotz, sondern wegen des kulturellen Rangs: Ein Regime mit erfundener Ahnenreihe brauchte Goethe und Schiller, und die Stadt lieferte beides fertig. Das Gauforum sollte die Parteiverwaltung Thüringens an einem Ort versammeln, gebaut auch mit der Arbeitskraft von Buchenwald-Häftlingen.
Welche Verbindung bestand zwischen Lager und Stadt?
Lohnlisten, nicht nur Nähe: Häftlinge wurden den Berg hinunter zur Rüstungsarbeit gebracht, vor allem ins Gustloff-Werk. Deshalb tötete der amerikanische Angriff vom 9. Februar 1945 Hunderte Lagerhäftlinge und zerstörte am selben Nachmittag das inzwischen selbst zur Fabrik gewordene Nationaltheater.
Wann wurde Buchenwald befreit?
Am 11. April 1945, in seinen letzten Stunden von den Häftlingen selbst. Wenige Tage darauf führten die Amerikaner die Weimarer Bevölkerung den Berg hinauf und durch das Lagergelände.

Quellen

  1. Zahlen und Fakten — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 29. August 2026

Was geschah

  1. 1937-05-01
    Das Gauforum wird begonnen

    Das Bauprogramm des Regimes mitten in der Stadt, parallel zum Lager auf dem Ettersberg.

  2. 1937-07-15 – 1945-04-11
    Das Konzentrationslager Buchenwald entsteht

    Die zentrale Tatsache der Weimarer Jahre im Nationalsozialismus, auf dem Berg unmittelbar über der Stadt.

  3. 1941-05-24 – 1943-01-02
    Das Außenlager Kranichfeld

    Das Lagersystem reichte in die Städte um Weimar hinein, nicht nur auf den Berg darüber.

  4. 1944-08-18
    Ernst Thälmann wird im Krematorium ermordet

    Ein Mord unter Zehntausenden, der nachträglich herausgehoben wurde — aus Gründen, die der Zeit danach gehören.

  5. 1945
    Der Kinderblock in Baracke 66

    Die Rettung von Kindern im Lager, in seinem letzten und überfülltesten Winter.

  6. 1945-02-09
    Der Luftangriff vom 9. Februar 1945

    Der Tag, an dem der Krieg die Stadt selbst erreichte — an jenem Werk, in dem Häftlinge arbeiten mussten.

  7. 1945-04-11
    Die Befreiung Buchenwalds

    Das Ende des Lagers und das Ende der NS-Zeit im Umkreis Weimars.

Menschen der Epoche

Persönlichkeiten

Bruno Apitz

1900–1979Schriftsteller • Kommunist • Häftling

Im November 1937 als politischer Häftling nach Buchenwald gekommen, wenige Monate nach der Errichtung des Lagers.

Elie Wiesel

1928–2016Schriftsteller • Zeuge • Nobelpreisträger

Ende Januar 1945 auf einem Räumungstransport aus Auschwitz nach Buchenwald gebracht.

Elisabeth Förster-Nietzsche

1846–1935Archivarin • Herausgeberin • Verlegerin

Zwischen 1932 und 1934 empfing sie Hitler mehrfach im Archiv und starb 1935 — mit ihr beginnt die Rolle des Archivs im Nietzsche-Kult des Nationalsozialismus.

Franz Leitner

1918–2005Kommunist • Blockältester • Gerechter unter den Völkern

1939 als Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes eingewiesen und bis zur Befreiung im Lager.

Fritz Löhner-Beda

1883–1942Librettist • Textdichter • Häftling

Wenige Wochen nach dem „Anschluss“ verhaftet und im September 1938 nach Buchenwald gebracht.

Fritz Sauckel

1894–1946Gauleiter • Reichsstatthalter • Kriegsverbrecher

Der Parteichef in Thüringen über die gesamte Epoche und ab 1942 der Organisator der Zwangsarbeit im ganzen Reich.

Hermann Brill

1895–1959Sozialdemokrat • Jurist • Widerstandsorganisator • Politiker

1938 wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, 1943 aus der Haft nach Buchenwald überstellt.

Hermann Leopoldi

1888–1959Pianist • Komponist • Kabarettist

Im April 1938 in Wien als Jude verhaftet, von August 1938 bis Februar 1939 in Buchenwald.

Jorge Semprún

1923–2011Schriftsteller • Widerstandskämpfer • Drehbuchautor

Ende Januar 1944 als „politischer Spanier“ hierher deportiert und bis zur Befreiung festgehalten.

Maurice Halbwachs

1877–1945Soziologe • Wissenschaftler

Im August 1944 aus französischer Haft mit den letzten Transporten deportiert.

Raphaël Élizé

1891–1945Tierarzt • Bürgermeister • Widerstandskämpfer

Ein französischer Bürgermeister, dem 1940 wegen seiner Hautfarbe das Amt verweigert wurde und der 1945 bei Weimar ermordet wurde — die Epoche vom anderen Ende her gesehen.

Walter Bartel

1904–1992Kommunist • Widerstandsorganisator • Historiker

1939 in Prag verhaftet und bis zur Befreiung in Buchenwald festgehalten.

Orte der Epoche

Historische Orte

Jorge-Semprún-Platz 2, 99423 Weimar

Sein Gegenstand ist die Zwangsarbeit, die in diesen Jahren durch Weimar lief — nicht nur auf dem Berg, sondern in den Betrieben der Stadt.

Am Oberschloss 1 a, 99448 Kranichfeld

Zur Epoche gehört das Schloss durch das Außenlager auf seinem eigenen Gelände, nicht durch etwas, das in Weimar geschah.

ParkhöhleHistorischer Ort

Park an der Ilm, 99423 Weimar

Im Zweiten Weltkrieg zum Luftschutzraum ausgebaut.

Seine Toten sind die des Krieges — bestattet in denselben Monaten, in denen die sowjetische Besatzung das Lager auf dem Ettersberg wiedereröffnete.

Bühnen und Spielstätten

e-werk Weimar

Am Kirschberg 4, 99423 Weimar

Im Straßenbahndepot des Hauses steht Rebecca Horns Installation über das Lager, gebaut um einen Wagen von dort.

Jugend- und Kulturzentrum mon ami

Goetheplatz 11, 99423 Weimar

Von 1937 bis 1945 war das Haus Dienstgebäude der Reichsstatthalterei und weiterer Verwaltungen.

Heute auf der Bühne

Auf der Bühne

Weiße Rose: Stimmen des Widerstands

Oper

Die Gruppe, von der das Stück ausgeht, war eine Widerstandsgruppe der NS-Jahre – der Zeit, die diese Epoche umfasst.

mon ami Weimar X Zebra Club

Kurt Tallert liest

Das Buch, aus dem Tallert liest, verfolgt die Verfolgung seiner Familie im Nationalsozialismus und ihre Verbindungen zum Lager.

Ausradiert

Inszenierung

Die Verbrechen, denen die Recherche nachgeht, sind die NS-Eugenikverbrechen in Thüringen.

Alle Epochen