Raphaël Élizé
Biografie
Ein Tierarzt aus Martinique, der als erster Mischling zum Bürgermeister einer Gemeinde im französischen Mutterland gewählt wurde,[1] und der im KZ Buchenwald bei der Bombardierung des Werks getötet wurde, in dem das Lager ihn arbeiten ließ.
Von Le Lamentin nach Lyon, 1891–1914
Raphaël Élizé wurde am 4. Februar 1891 in Le Lamentin auf Martinique geboren, als Urenkel von Versklavten. 1902 brachte sein Vater die Familie von Saint-Pierre nach Fort-de-France und Le Diamant — kurz bevor der Ausbruch des Montagne Pelée Saint-Pierre vernichtete; über Hilfsmaßnahmen gelangte die Familie danach nach Paris. Dort ging er zur Schule, trat 1910 in die Tierärztliche Hochschule in Lyon ein und schloss im Juli 1914 ab, einen Monat vor Kriegsbeginn.
Sablé-sur-Sarthe, 1919–1940
Im Ersten Weltkrieg diente er im 36. Kolonial-Infanterieregiment und erhielt das Croix de guerre. 1919 übernahm er eine Tierarztstelle in Sablé-sur-Sarthe; bei den Kommunalwahlen 1929 gewann ein sozialistisch-radikales Bündnis die Stadt und machte ihn zum Bürgermeister — als ersten Schwarzen und ersten Antillaner an der Spitze einer Gemeinde des französischen Mutterlandes. Elf Jahre hatte er das Amt inne: kein durchreisendes Symbol, sondern der Mann, der den Ort leitete.
Aus dem eigenen Amt verwiesen, 1940
Als er im September 1940 in sein Amt zurückkehren wollte, verweigerte ihm die deutsche Feldkommandantur dies schriftlich mit der Begründung, es sei „für das deutsche Empfinden und für das deutsche Rechtsgefühl unverständlich, dass ein Farbiger das Amt des Bürgermeisters bekleiden könne“.[1] Eine Besatzungsbehörde hielt schriftlich fest, dass seine Hautfarbe ihn disqualifiziere — viereinhalb Jahre bevor ihre Armee ihn tötete.
Widerstand, Verhaftung, Buchenwald, 1943–1945
Er arbeitete wieder als Tierarzt und nutzte diese Arbeit ab dem Frühjahr 1943 als Deckung für den Widerstand: Auf seinen Fahrten über die Höfe sammelte er Nachrichten. Er wurde denunziert, im September 1943 verhaftet und am 17. Januar 1944 nach Buchenwald deportiert.[1] Am 9. Februar 1945 gehörte er zu den Getöteten, als die US Air Force das Gustloff-Rüstungswerk bombardierte, in dem Häftlinge arbeiten mussten. Er wurde 54 Jahre alt.
Was Besucher fragen
- Wer war Raphaël Élizé?
- Ein Tierarzt aus Martinique, Urenkel von Versklavten, der 1929 zum Bürgermeister von Sablé-sur-Sarthe gewählt wurde — als erster Mischling an der Spitze einer Gemeinde des französischen Mutterlandes.
- Warum wurde Raphaël Élizé aus dem Amt entfernt?
- Im September 1940 verweigerte ihm die deutsche Feldkommandantur schriftlich die Rückkehr in sein Amt, mit der Begründung, es sei „für das deutsche Empfinden und für das deutsche Rechtsgefühl unverständlich, dass ein Farbiger das Amt des Bürgermeisters bekleiden könne“.
- Welche Verbindung hat Raphaël Élizé zu Buchenwald?
- Im September 1943 wegen Widerstandsarbeit verhaftet und am 17. Januar 1944 nach Buchenwald deportiert, wurde er am 9. Februar 1945 getötet, als die US Air Force das Gustloff-Rüstungswerk bombardierte, in dem ihn das Lager zur Arbeit eingeteilt hatte.
- Kann man in Weimar mehr über Raphaël Élizé erfahren?
- Ja, in der Gedenkstätte Buchenwald, die ihn unter den Toten des Angriffs vom 9. Februar 1945 nennt.[2]
Quellen
- Raphaël Élizé — Wikipédia, abgerufen am 29. August 2026
- 9. Februar 1945 – Der Luftangriff — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 29. August 2026
Werke & Leistungen
Bürgermeister von Sablé-sur-Sarthe (1929–1940)
Croix de guerre (Erster Weltkrieg)
Verbundene Orte in Weimar
Buchenwald, 99427 Weimar
Am 17. Januar 1944 hierher deportiert, am 9. Februar 1945 auf dem Ettersberg getötet; die Gedenkstätte nennt ihn unter den Toten des Angriffs.[^buchenwald-luftangriff-1945]
Historischer Kontext
Ein französischer Bürgermeister, dem 1940 wegen seiner Hautfarbe das Amt verweigert wurde und der 1945 bei Weimar ermordet wurde — die Epoche vom anderen Ende her gesehen.
Das Regime wollte Weimar wegen dessen Namen — und errichtete auf dem Berg über der Stadt ein Konzentrationslager. Beides gehört zu denselben zwölf Jahren.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1891
1945
französisch
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Ab Juli 1937 ließ die SS Häftlinge auf dem Ettersberg ein Lager bauen, auf dem bewaldeten Höhenzug über der Stadt. 277.800 Menschen aus über fünfzig Ländern waren dort inhaftiert; 56.000 überlebten es nicht.
Einer der 277.800 nach Buchenwald Verschleppten, vom 17. Januar 1944 bis zu seinem Tod.
Ein Angriff der US Air Force galt dem Gustloff-Rüstungswerk im Norden Weimars. Acht von zehn Bomben gingen auf engstem Raum nieder und töteten KZ-Häftlinge an den Maschinen; am selben Tag wurde das Nationaltheater zerstört.
Getötet beim Angriff auf das Gustloff-Werk, wo er zur Rüstungsarbeit eingesetzt war.