Das Konzentrationslager Buchenwald entsteht
Ab Juli 1937 ließ die SS Häftlinge auf dem Ettersberg ein Lager bauen, auf dem bewaldeten Höhenzug über der Stadt. 277.800 Menschen aus über fünfzig Ländern waren dort inhaftiert; 56.000 überlebten es nicht.
Das Lager auf dem Ettersberg wurde von denen gebaut, die es einsperren sollte — auf dem bewaldeten Höhenzug unmittelbar über Weimar.
Erbaut von denen, die es hielt
Am 15. Juli 1937 brachte man die ersten Häftlinge auf den Ettersberg und setzte sie daran, jenes Lager zu errichten, das sie danach festhalten würde.[1] Diese Reihenfolge ist kein Nebenumstand: Die Männer, die den Ort bauten, waren die Männer, die darin festgehalten wurden — und die Arbeit begann, ehe es ein fertiges Lager gab, das jemanden hätte halten können.
Vor den Toren der Stadt
Die Gedenkstätte selbst verortet das Lager „auf dem Ettersberg vor den Toren der Stadt Weimar“.[1] Diese Wendung leistet einiges. Es war kein abgelegenes, aus der Ferne beschlagnahmtes Gelände, sondern der bewaldete Höhenzug unmittelbar über Weimar — und die Gedenkstätte wählte diese Formulierung und nicht eine Entfernungsangabe.
Was die Gedenkstätte zählt
Zwischen dem 15. Juli 1937 und dem 11. April 1945 verschleppte die SS 277.800 Menschen aus mehr als fünfzig Ländern nach Buchenwald und in seine 141 Außenlager: 249.570 Männer und 28.230 Frauen, darunter 30.000 Minderjährige. 56.000 von ihnen starben.[2] Es sind die Zahlen der Gedenkstätte.
Wie Stadt und Berg zusammenhingen
Häftlinge mussten in der Rüstungsproduktion arbeiten, und das Gustloff-Werk im Norden Weimars bezog seine Arbeitskräfte aus dem Lager. Das Verhältnis von Stadt und Berg war deshalb keine unglückliche Nachbarschaft, sondern eine Einrichtung — und sie wurde am 9. Februar 1945 sichtbar, als die Bomben für die Fabrik die Häftlinge trafen, die darin arbeiteten.
Quellen
- Chronologie: Konzentrationslager — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 29. August 2026
- Zahlen und Fakten — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1900–1979 • Schriftsteller • Kommunist • Häftling
Einer der frühen Häftlinge des Lagers, eingetroffen in dessen erstem Jahr.
1928–2016 • Schriftsteller • Zeuge • Nobelpreisträger
Einer der 277.800, die die Gedenkstätte zählt — eingetroffen im letzten Winter des Lagers.
1918–2005 • Kommunist • Blockältester • Gerechter unter den Völkern
Seit 1939 Häftling des Lagers, mit fünfundzwanzig Blockältester in Block 8.
1883–1942 • Librettist • Textdichter • Häftling
Einer der frühen Häftlinge des Lagers, eingetroffen gut ein Jahr nach dessen Errichtung.
1895–1959 • Sozialdemokrat • Jurist • Widerstandsorganisator • Politiker
Im Lager bildete er das Volksfrontkomitee, einen geheimen, parteiübergreifenden Kreis politischer Häftlinge.
1888–1959 • Pianist • Komponist • Kabarettist
Häftling im zweiten Jahr des Lagers, als der Schutzhaftlagerführer ein Lagerlied schreiben ließ.
1923–2011 • Schriftsteller • Widerstandskämpfer • Drehbuchautor
Einer der 277.800 Verschleppten; er arbeitete in der Arbeitsstatistik des Lagers.
1877–1945 • Soziologe • Wissenschaftler
Einer der 277.800 Verschleppten und einer der 56.000, die nicht zurückkamen.
1891–1945 • Tierarzt • Bürgermeister • Widerstandskämpfer
Einer der 277.800 nach Buchenwald Verschleppten, vom 17. Januar 1944 bis zu seinem Tod.
1904–1992 • Kommunist • Widerstandsorganisator • Historiker
Seit 1939 im Lager, wo er die Verbindungen zwischen den Nationalitäten knüpfte, aus denen das Lagerkomitee entstand.
Historische Orte
Historische Orte
Buchenwald, 99427 Weimar
Das Lager ist der Ort, den die Gedenkstätte bewahrt; es ist derselbe Boden und es sind dieselben Bauten.
Epoche
1933–1945
Die zentrale Tatsache der Weimarer Jahre im Nationalsozialismus, auf dem Berg unmittelbar über der Stadt.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Die Partei baute sich mitten in Weimar ein Verwaltungsviertel mit einer Halle für zwanzigtausend — und setzte dafür KZ-Häftlinge ein. Das meiste davon steht noch.
Häftlinge des Lagers wurden beim Bau eingesetzt — im selben Jahr, in dem das Lager selbst entstand.
Am 24. Mai 1941 brachte die SS fünfzig Buchenwalder Häftlinge in einer Wagenremise in Kranichfeld unter, um ein gekauftes Schloss wiederaufzubauen — und der Zweck der Arbeit war eine Versicherungssumme.
Eines der 141 Außenlager, die die Gedenkstätte zählt; seine Häftlinge kamen aus dem Hauptlager und kehrten dorthin zurück.
Am 18. August 1944 wurde der Führer der deutschen Kommunisten im Krematorium von Buchenwald getötet. Neun Jahre später markierte die erste Gedenktafel im Häftlingslager die Stelle, und die DDR richtete ihre Besuche darauf aus.
Getötet wurde er im Krematorium des Lagers, sieben Jahre nachdem die ersten Häftlinge es errichtet hatten.
Im Januar 1945 richteten Häftlinge am unteren Ende des Kleinen Lagers einen zweiten Kinderblock ein und hielten die Jungen darin am Leben. Bei der Befreiung befanden sich 904 Kinder und Jugendliche in Buchenwald.
Der Block entstand improvisiert in jenem Lager, das acht Jahre zuvor seine ersten Häftlinge errichtet hatten.
Ein Angriff der US Air Force galt dem Gustloff-Rüstungswerk im Norden Weimars. Acht von zehn Bomben gingen auf engstem Raum nieder und töteten KZ-Häftlinge an den Maschinen; am selben Tag wurde das Nationaltheater zerstört.
Die Toten im Gustloff-Werk waren Buchenwalder Häftlinge: Das Lager stellte die Arbeitskraft, die der Angriff mit dem Werk vernichtete.
Am 11. April 1945, als Panzerdivisionen der III. US-Armee heranrückten, verließ die SS auf Befehl das Lager, und bewaffnete Häftlinge besetzten das Tor.
Der Tag, der das Lager schloss, das sieben Jahre und neun Monate zuvor auf demselben Berg eröffnet worden war.
Bruno Apitz' Roman erschien 1958, 1963 folgte der DEFA-Film. Ein Jahrzehnt lang war es danach leichter, Buchenwalds Geschichte über einen Roman zu erzählen, als sie zu erforschen.
Das Lager, für dessen Geschichte der Roman einzustehen begann.
Bis 1958 entstand an der Südseite des Ettersberges eine monumentale Anlage als Nationaldenkmal der DDR — ein Mahnmal für die Toten, das zugleich Tribüne für den Staat war, der es errichtete.
Die Anlage wurde errichtet, um des Lagers auf demselben Berg zu gedenken.