Das Gauforum wird begonnen
Die Partei baute sich mitten in Weimar ein Verwaltungsviertel mit einer Halle für zwanzigtausend — und setzte dafür KZ-Häftlinge ein. Das meiste davon steht noch.
Ein Viertel für die Partei
Die Anlage sollte die zentralen Verwaltungen eines NSDAP-Gaus an einem Ort zusammenfassen. Geplant waren dreierlei: eine „Halle der Volksgemeinschaft“ mit 20.000 Stehplätzen, ein Glockenturm sowie ein Bau für „Reichsstatthalterei und Gauleitung“. Am 1. Mai 1937 nahm Rudolf Heß die Grundsteinlegung der Halle vor.[1]
Wer einziehen sollte
Der südliche Flügel war für das Reichsstatthalteramt Fritz Sauckels bestimmt, das nach Vollendung aus dem Landesmuseum dorthin umziehen sollte.[1] Sauckel war seit 1927 Gauleiter von Thüringen; am 21. März 1942 machte Hitler ihn zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz — hauptverantwortlich für die Deportation von Millionen Menschen zur Zwangsarbeit.[2] Das gibt der späteren Geschichte des Baus eine Symmetrie, die niemand geplant hat.
Gebaut mit Lagerarbeit
Bei den Bauarbeiten wurden auch Häftlinge des KZ Buchenwald eingesetzt.[1] Diese Tatsache bewahrt das Gauforum davor, eine architektonische Merkwürdigkeit zu bleiben: Das Verwaltungsviertel der Partei im Zentrum einer UNESCO-Stadt entstand zum Teil durch Menschen, die im Lager auf dem Berg darüber festgehalten wurden.
Was heute dort ist
Die Bauten haben überdauert und sind in Gebrauch. Seit 2005 beherbergt der Komplex ein Einkaufszentrum und ein Thüringer Landesverwaltungsamt,[1] seit 2024 zudem das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus — ein Museum über die Zwangsarbeit, in eben der Anlage, die für den Mann entstand, der sie organisierte.
Quellen
- Gauforum — weimar-im-ns.de, abgerufen am 29. August 2026
- Fritz Sauckel — Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1894–1946 • Gauleiter • Reichsstatthalter • Kriegsverbrecher
Der südliche Flügel der Anlage entstand für sein Reichsstatthalteramt; heute nimmt das Museum Zwangsarbeit einen Teil davon ein.
Epoche
1933–1945
Das Bauprogramm des Regimes mitten in der Stadt, parallel zum Lager auf dem Ettersberg.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Ab Juli 1937 ließ die SS Häftlinge auf dem Ettersberg ein Lager bauen, auf dem bewaldeten Höhenzug über der Stadt. 277.800 Menschen aus über fünfzig Ländern waren dort inhaftiert; 56.000 überlebten es nicht.
Häftlinge des Lagers wurden beim Bau eingesetzt — im selben Jahr, in dem das Lager selbst entstand.