Das Außenlager Kranichfeld
Am 24. Mai 1941 brachte die SS fünfzig Buchenwalder Häftlinge in einer Wagenremise in Kranichfeld unter, um ein gekauftes Schloss wiederaufzubauen — und der Zweck der Arbeit war eine Versicherungssumme.
Ein Schloss, ein Brand und eine Versicherung
Auftraggeberin war die „Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmäler e. V.“, ein SS-Verein, der das Oberschloss zum Wiederaufbau erworben hatte; Heinrich Himmler beabsichtigte dort eine thüringische Residenz. Wozu die Arbeit tatsächlich diente, benennt das Portal unumwunden: Der Bau musste begonnen werden, um die Versicherungssumme aus einem Brand von 1934 zu sichern.[1]
Wer dorthin kam
Am 24. Mai 1941 trafen fünfzig Häftlinge ein; Mitte August 1942 waren es mit neunzig die meisten.[1] Knapp die Hälfte waren Polen. Unter den deutschen Häftlingen trugen Männer den schwarzen Winkel der „Asozialen“ und den grünen der „Berufsverbrecher“, dazu kamen Zeugen Jehovas, Sinti und Roma sowie politische Häftlinge. Häftlingskapo war Jakob Tenten, ein politischer Häftling aus Krefeld.
Eine Wagenremise und kein Arzt
Untergebracht waren sie in der früheren Wagenremise des Schlosses. Ärztliche Versorgung gab es vor Ort nicht: Wer krank wurde, ging die dreißig Kilometer zurück ins Hauptlager.[1] Die Arbeit war Wiederaufbau und Instandhaltung des Schlosses in, wie es heißt, extremem Arbeitstempo; ab 1942 dauerte der Tag elf Stunden. Als der Bau stockte, wurden die Häftlinge in der Landwirtschaft, an Rutschungen, im Straßenbau und in einer Papierfabrik eingesetzt — elfeinviertel Stunden täglich.
Aufgelöst
Am 2. Januar 1943 ließ die SS das nur noch aus zwanzig Häftlingen bestehende Außenlager auflösen.[1] Heute erinnern eine Gedenktafel und eine kleine Ausstellung an den Ort. Kranichfeld ist eine der Städte um Weimar, zu denen Gäste ihrer beiden Schlösser wegen hinausfahren — und dies gehört dazu.
Quellen
- Außenlager Kranichfeld — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 29. August 2026
Historische Orte
Historische Orte
Am Oberschloss 1 a, 99448 Kranichfeld
Von 1941 bis 1943 bestand auf diesem Schloss das Außenlager; seine Häftlinge waren es, die einen Teil der Brandruine wieder aufrichteten.
Buchenwald, 99427 Weimar
Eines der Außenlager des Hauptlagers auf dem Ettersberg, dokumentiert im Außenlager-Portal der Gedenkstätte.
Epoche
1933–1945
Das Lagersystem reichte in die Städte um Weimar hinein, nicht nur auf den Berg darüber.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Ab Juli 1937 ließ die SS Häftlinge auf dem Ettersberg ein Lager bauen, auf dem bewaldeten Höhenzug über der Stadt. 277.800 Menschen aus über fünfzig Ländern waren dort inhaftiert; 56.000 überlebten es nicht.
Eines der 141 Außenlager, die die Gedenkstätte zählt; seine Häftlinge kamen aus dem Hauptlager und kehrten dorthin zurück.
Übernachten und essen in der Nähe
Rund um Weimar
Südöstlich
Das Lager stand am Oberschloss; heute erinnern dort eine Gedenktafel und eine kleine Ausstellung.