Bruno Apitz
Biografie
Ein Kommunist, mit siebzehn zum ersten Mal verhaftet und 1937 nach Buchenwald gekommen, der dort aus einem Stück der Goetheeiche eine Plastik schnitzte — und den Roman schrieb, der für die Geschichte des Lagers einstehen sollte.
Mit siebzehn verhaftet, und wieder, und wieder, 1914–1937
Am 28. April 1900 in Leipzig geboren, schloss sich Apitz 1914 der sozialistischen Jugendbewegung an und wurde im August 1917 bei einer Antikriegsdemonstration verhaftet. Er nahm an der Novemberrevolution teil, ging in den Kommunistischen Jugendverband und trat 1927 der KPD bei. Im Mai 1933 saß er in den Lagern Colditz und Sachsenburg; im Oktober 1934 erneut verhaftet, kam er im Mai 1935 in das Zuchthaus Waldheim und im November 1937 als „Politischer“ nach Buchenwald.[1]
Bildhauerei, Pathologie und das Häftlingsvarieté
Im Lager arbeitete er in der Bildhauerei und in der Pathologie — zwei Zuweisungen, die über Buchenwald so viel sagen wie jede Statistik — und er schrieb satirische Texte und Gedichte für das Häftlingsvarieté. Es gab in diesem Lager ein Varieté, und wer dafür schrieb, arbeitete zugleich in dem Raum, in dem die Toten untersucht wurden.
Die Goetheeiche, 1944
1944 schnitzte er aus einem Stück der sogenannten Goetheeiche die Arbeit „Das letzte Gesicht“.[1] Der Baum stand auf dem Ettersberg, innerhalb des Lagers, und trug die Überlieferung, Goethe habe unter ihm gesessen. Ein Häftling, der aus genau diesem Holz ein Gesicht schneidet — das ist der eine Gegenstand, in dem die beiden Geschichten dieser Stadt derselbe Gegenstand sind.
Der Roman und danach, 1946–1979
Seit 1954 lebte er als freier Schriftsteller in Berlin. „Nackt unter Wölfen“ erschien 1958, wurde in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und 1963 verfilmt. 1946 war er der SED beigetreten; 1961 wurde er Mitglied der Akademie, 1965 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Gold, 1976 erschien sein letzter Roman „Der Regenbogen“. Am 7. April 1979 starb er in Berlin.
Was Besucher fragen
- Welche Verbindung hat Bruno Apitz zu Buchenwald?
- Im November 1937 wurde er als politischer Häftling verhaftet[1] und nach Buchenwald gebracht, wo er in der Bildhauerei und in der Pathologie arbeitete und satirische Texte und Gedichte für das Häftlingsvarieté schrieb.
- Was hat Bruno Apitz geschrieben?
- Den Roman „Nackt unter Wölfen“ (1958), in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und 1963 verfilmt. 1976 erschien sein letzter Roman, „Der Regenbogen“.
- Was hat es mit der Goetheeiche auf sich, aus der er schnitzte?
- 1944 schnitzte er aus einem Stück der sogenannten Goetheeiche die Arbeit „Das letzte Gesicht“[1] — ein Baum, der auf dem Ettersberg innerhalb des Lagers stand und die Überlieferung trug, Goethe habe einst unter ihm gesessen.
- Wann und wo starb Bruno Apitz?
- Er starb am 7. April 1979 in Berlin, wo er seit 1954 als freier Schriftsteller gelebt hatte.
Quellen
- Bruno Apitz — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 30. August 2026
Verbundene Orte in Weimar
Buchenwald, 99427 Weimar
Seit November 1937 Häftling des Lagers, wo er 1944 „Das letzte Gesicht“ aus einem Stück der Goetheeiche schnitzte.
Historischer Kontext
Im November 1937 als politischer Häftling nach Buchenwald gekommen, wenige Monate nach der Errichtung des Lagers.
Das Regime wollte Weimar wegen dessen Namen — und errichtete auf dem Berg über der Stadt ein Konzentrationslager. Beides gehört zu denselben zwölf Jahren.
Mehr über diese Epoche →Seit 1946 SED-Mitglied, seit 1961 Akademiemitglied und der meistgelesene Autor der DDR über Buchenwald.
Fünfundvierzig Jahre lang war Weimar eine Provinzstadt, die der Staat sich nicht zu vernachlässigen leisten konnte — denn die Klassik, die sie verwahrte, war die Ahnenreihe, die die DDR für sich beanspruchte.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1900
1979
deutsch
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Ab Juli 1937 ließ die SS Häftlinge auf dem Ettersberg ein Lager bauen, auf dem bewaldeten Höhenzug über der Stadt. 277.800 Menschen aus über fünfzig Ländern waren dort inhaftiert; 56.000 überlebten es nicht.
Einer der frühen Häftlinge des Lagers, eingetroffen in dessen erstem Jahr.
Bruno Apitz' Roman erschien 1958, 1963 folgte der DEFA-Film. Ein Jahrzehnt lang war es danach leichter, Buchenwalds Geschichte über einen Roman zu erzählen, als sie zu erforschen.
Er schrieb den Roman; was die DDR daraus machte, ist eine eigene Geschichte mit eigenem Eintrag.