Wilhelm Ernst, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach
Biografie
Der letzte Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, der ein Jahrzehnt lang jene Moderne bezahlte, für die Weimar heute berühmt ist — und der seinen Thron an einem Abend abgab.
Ein Thron aus dem Silbernen Zeitalter
Am 5. Januar 1901 folgte er seinem Großvater Carl Alexander auf den Thron und regierte siebzehn Jahre. Was er übernahm, war ein Hof, den Carl Alexander um das Andenken an Goethes Weimar herum gebaut hatte, und eine Stadt, die seit zwei Generationen von diesem Andenken lebte — eine bequeme Lage und eine unbewegliche.
Moderne als Hofpolitik
1902 holte man Henry van de Velde zur Förderung des Kunstgewerbes; von 1908 bis 1915 leitete er die Großherzogliche Kunstgewerbeschule — jene Einrichtung, aus der 1919 das Bauhaus zusammengefügt wurde. 1905 übernahm Harry Graf Kessler das Großherzogliche Museum und richtete über vierzig Ausstellungen aus, ehe ihn 1906 der Rodin-Skandal aus dem Amt trieb. Rund ein Jahrzehnt lang war die Avantgarde in Weimar keine Opposition, sondern das Programm des Hofes — und sie stieß sich an eben dem Hof, der sie bezahlte.
Neunter November 1918
Er unterzeichnete die Urkunde, die an jenem Nachmittag ein Zeitungsredakteur aufgesetzt hatte, und war der erste der thüringischen Monarchen, der ging. Die Familie zog nach Schlesien; am 24. April 1923 starb er in Heinrichau, sechsundvierzigjährig — fünf Jahre nach dem Thron und zehn Jahre vor der Republik, die ihn abgelöst hatte.
Werke & Leistungen
Regierungszeit 1901–1918
Berufung Henry van de Veldes (1902)
Anstellung Harry Graf Kesslers am Großherzoglichen Museum (1905)
Historischer Kontext
Seine Regierungszeit 1901–1918 fällt in das Silberne Zeitalter; die Berufungen van de Veldes und Kesslers sind dessen letztes Kapitel.
Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.
Mehr über diese Epoche →Mit seiner Abdankung am 9. November 1918 beginnt die Republik in Weimar.
Dass Deutschlands erste Demokratie nach dieser Stadt heißt, hat einen beinahe zufälligen Grund: 1919 war die Hauptstadt zu gefährlich, um darin eine Verfassung zu schreiben, und Weimar war ruhig.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1876
1923
deutsch
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Am 9. November 1918 bildete sich in einer Weimarer Gastwirtschaft ein Arbeiter- und Soldatenrat, ein Zeitungsredakteur entwarf die Abdankungsurkunde, und am Abend war die Monarchie in Weimar zu Ende.
Gegen 20 Uhr unterzeichnete er die Urkunde, die ihm um 16.30 Uhr vorgelegt worden war.