Die Uraufführung von „Der Barbier von Bagdad“, 15. Dezember 1858
Organisiertes Zischen zerstörte eine Uraufführung — und Weimar verlor darüber Liszt.
Am 15. Dezember 1858 brachte das Weimarer Hoftheater Peter Cornelius’ komische Oper „Der Barbier von Bagdad“ zur Uraufführung. Liszt dirigierte; ihm hatte Cornelius das Werk gewidmet. Es ist die Uraufführung, die ein Weimarer Publikum mit Absicht zerstört hat.
Das Zischen war organisiert
Die Fachliteratur benennt es deutlich: „Eine in den Annalen Weimars noch nicht erlebte Opposition stellte sich mit hartnäckigem Zischen gleich von Anfang dem Applaus gegenüber.“[1] Das war kein Publikum, dem ein Stück missfiel. Das war eine Partei — Liszts Gegner und die Feinde der Neudeutschen Schule, für die er stand —, die einen Premierenabend benutzte, um etwas klarzustellen; als ihr Wortführer wird der Intendant des Hauses, Franz von Dingelstedt, genannt.
Was es kostete
Nach dem Eklat legte Liszt seine Ämter als Operndirektor und Hofkapellmeister nieder. Die Oper wurde abgesetzt und zu Cornelius’ Lebzeiten nicht wieder gespielt; Cornelius selbst verließ Weimar.[1] Die Hausgeschichte der Staatskapelle erzählt diesen Abend nicht, aber ihre Begründung für Liszts Rückzug passt genau darauf: Seinen hochfliegenden Ideen seien allzu viele Steine in den Weg gelegt worden.[2] Zehn Jahre Uraufführungen, an die sich sonst niemand wagte, endeten in einem Abend absichtlichen Lärms.
Quellen
- Der Barbier von Bagdad — Wikipedia (de), abgerufen am 29. August 2026
- Die Staatskapelle Weimar — das Orchester — Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1824–1874 • Komponist • Dichter
Die Uraufführung seiner Oper — der Abend, der über den Rest seines Verhältnisses zu Weimar entschied.
1811–1886 • Komponist • Pianist • Dirigent
Er dirigierte die Uraufführung eines ihm gewidmeten Werkes und legte nach dem Abend seine Weimarer Ämter nieder.
Historische Orte
Historische Orte
Theaterplatz 2, 99423 Weimar
Das Haus, damals Hoftheater, im Vorgängerbau des heutigen — sein eigener Intendant wird als Wortführer der Opposition genannt.
Epoche
1832–1918
Das Ende des kühnsten Jahrzehnts der Epoche: Nach diesem Abend war Weimar nicht mehr die Bühne, die Risiken einging, vor denen andere zurückschreckten.