Sowjetisches Speziallager Nr. 2
Vier Monate nach der Befreiung begann die sowjetische Besatzungsmacht, auf demselben Gelände zu internieren. 28.494 Menschen waren bis 1950 dort, 7.113 von ihnen starben.
Derselbe Berg, vier Monate später
Die ersten Transporte trafen am 21. und 22. August 1945 ein.[1] Im April war Buchenwald befreit worden; im Spätsommer nutzte die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände als eines ihrer Speziallager und tat das bis 1950. Was sonst über diese fünf Jahre zu sagen ist — dies ist die Tatsache, die man den Ettersberg hinauftragen sollte: Der Boden hat zwei Geschichten, und es ist nicht zweimal dieselbe.
Was die Gedenkstätte zählt
Insgesamt waren 28.494 Menschen im Speziallager Nr. 2 interniert. 7.113 von ihnen starben.[1] Mehr als drei Viertel dieser Toten entfallen auf den Hungerwinter 1946/47 — gestorben wurde hier also überwiegend nicht durch Erschießung, sondern an Kälte und Unterernährung in einem Lager, dessen Verwaltung es nicht ernährte.
Der Standort wurde gegen einen Einwand bestimmt
Am 3. August 1945 erging aus Berlin der Befehl, in Thüringen ein Lager einzurichten. Der damit beauftragte Hauptmann Matuskow besichtigte mehrere Standorte, hielt zwei Gebäudekomplexe in Erfurt für geeignet und führte gegen Buchenwald den schlechten Zustand des ehemaligen KZ und die daraus folgenden Sicherheitsmängel ins Feld.[2] Er vermochte sich nicht durchzusetzen. Der Ettersberg wurde entgegen seinen Bedenken bestimmt, und er erhielt den Befehl, das Lager zu leiten — so kam das zweite Lager auf den Boden des ersten.
Wer dorthin kam
Die Kategorien waren nicht improvisiert. Ein NKWD-Befehl vom April 1945 legte fest, wen die Speziallager in der sowjetischen Zone aufzunehmen hatten: Spione, Diversanten und Terroristen der deutschen Geheimdienste; Angehörige jener Organisationen, die zur Zersetzungsarbeit im Hinterland der Roten Armee zurückgelassen worden waren; Betreiber illegaler Funkstationen, Waffenlager und Druckereien; aktive Mitglieder der nationalsozialistischen Partei; Führer der faschistischen Jugendorganisationen auf Gebiets-, Stadt- und Kreisebene; Mitarbeiter von Gestapo und SD; sowie Leiter von Gebiets-, Stadt- und Kreisverwaltungen samt Zeitungsredakteuren und Autoren antisowjetischer Veröffentlichungen.[2]
Warum dieser Boden schwierig ist
Über beide Lager wird seither gestritten, weil jedes benutzt worden ist, um das andere zu relativieren — die DDR sprach vom zweiten lieber nicht, und spätere Darstellungen haben sich auf es gestützt, um das erste abzumildern. Die Gedenkstätte hält beides, in getrennten Ausstellungen und auf getrennten Gräberfeldern, und das ist die redliche Anordnung: zwei Verbrechen auf einem Berg, von denen keines das andere aufhebt.
Quellen
- Sowjetisches Speziallager — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 29. August 2026
- Die Einrichtung des Speziallagers (Bodo Ritscher) — Gedenkstätte Buchenwald, abgerufen am 29. August 2026
Historische Orte
Historische Orte
Buchenwald, 99427 Weimar
Die Gedenkstätte bewahrt die Gräberfelder des Speziallagers neben dem Gelände des Konzentrationslagers; das Areal ist täglich zugänglich.
Epoche
1945–1990
Die Besatzungsjahre vor der DDR — auf einem Gelände, das die DDR später zu ihrem Nationaldenkmal machte.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Am 11. April 1945, als Panzerdivisionen der III. US-Armee heranrückten, verließ die SS auf Befehl das Lager, und bewaffnete Häftlinge besetzten das Tor.
Vier Monate liegen zwischen der Befreiung des Konzentrationslagers und den ersten Transporten in das Speziallager auf demselben Gelände.