Sophie, Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach
Auch bekannt als: Sophie von Oranien-Nassau
Biografie
1842 kam eine niederländische Prinzessin nach Weimar, um den Erbgroßherzog zu heiraten, und dreiundvierzig Jahre später fiel ihr der wertvollste literarische Nachlass Deutschlands zu. Was sie damit tat, ist der Grund, weshalb bis heute Forscherinnen und Forscher in diese Stadt reisen.
„Ich habe geerbt, und Deutschland und die Welt soll mit mir erben“
Am 15. April 1885 ging der handschriftliche Nachlass Goethes an Sophie über — als Alleinerbin, nach dem Testament Walthers, des letzten lebenden Enkels des Dichters. Sie war einundsechzig. Der Satz, den das Archiv bis heute von ihr zitiert, enthält die ganze Entscheidung: „Ich habe geerbt, und Deutschland und die Welt soll mit mir erben.“ Aus einem Privaterbe wurde eine öffentliche Einrichtung, weil die Erbin es sofort so bestimmte.
Eine Ausgabe und ein zweiter Nachlass
Die Gründungsaufgabe des Archivs stand damit fest: eine Gesamtausgabe Goethes. Die von ihr initiierte Sophien- oder Weimarer Ausgabe erschien zwischen 1887 und 1919 in vier Abteilungen und 143 Bänden — eines der größten Editionsunternehmen, die je für einen deutschen Autor unternommen wurden. 1889 übergaben Schillers Nachkommen aus der Familie von Gleichen-Rußwurm den Nachlass des Dichters derselben Einrichtung; seither trägt das Archiv beide Namen.
Ein eigenes Haus, 1896
Binnen eines Jahrzehnts sprengte die Sammlung ihre Räume, und so ließ Sophie zwischen 1893 und 1896 ein eigenes Gebäude errichten. Am 28. Juni 1896 weihte sie es ein — mit dieser Eröffnung nahm das erste forschungsbasierte Literaturarchiv Deutschlands seine Arbeit auf. Heute verwahrt es rund fünf Millionen Blatt und nennt sich das älteste Literaturarchiv Deutschlands; Goethes handschriftlicher Nachlass gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.
Werke & Leistungen
Goethe- und Schiller-Archiv (Gebäude 1896 eingeweiht)
Sophien- oder Weimarer Ausgabe der Werke Goethes (1887–1919)
Historischer Kontext
Die dritte große Institutionsgründung der Epoche, nach der Kunstschule von 1860 und der Orchesterschule von 1872 — und diejenige, die Weimar zu einem Ort machte, an den die Forschung reisen muss.
Als Goethe 1832 starb, stand Weimar vor der Frage, was eine Stadt nach ihrer Blütezeit eigentlich tut. Weimar machte weiter, und die Antwort dauerte sechsundachtzig Jahre — jene Epoche, die die Klassik Stiftung Weimar das Silberne Zeitalter nennt. An die Stelle der Literatur trat die Musik, zwei fürstliche Mäzene bezahlten dafür, und die Schulen, die sie gründeten, überlebten die Monarchie, die sie finanziert hatte.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1824
1897
niederländisch
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Der wertvollste literarische Nachlass Deutschlands wurde Privatbesitz einer einzelnen Frau — und sie gab ihn noch am selben Tag aus der Hand.
Sie war Alleinerbin, und die Entscheidung, den Nachlass öffentlich zu machen, traf sie allein und sofort.