Zum Inhalt springen
Wann: 15. April 1885

Goethes handschriftlicher Nachlass geht an Großherzogin Sophie über, 15. April 1885

Der wertvollste literarische Nachlass Deutschlands wurde Privatbesitz einer einzelnen Frau — und sie gab ihn noch am selben Tag aus der Hand.

Am 15. April 1885 ging der handschriftliche Nachlass Goethes an Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach über, als Alleinerbin nach dem Testament Walthers, des letzten lebenden Enkels des Dichters. Sie war einundsechzig Jahre alt, und ihre Entscheidung im Augenblick des Erbes ist der Grund, weshalb diese Papiere heute in einem öffentlichen Archiv liegen und nicht in einem Familientresor.

Ein Satz, und daraus folgt alles

Das Archiv zitiert bis heute ihre Worte: „Ich habe geerbt, und Deutschland und die Welt soll mit mir erben.“[1] Alles Weitere ist die Ausführung dieses Satzes. Verpflichtet war sie zu nichts; ein großherzogliches Haus, dem soeben Goethes Handschriften zugefallen waren, hätte sie behalten, ausgewählt zeigen und nichts dabei verlieren können. Sie behandelte das Erbe vom ersten Augenblick an als Treuhand.

Was daraus wurde

Der Nachlass brauchte eine Ausgabe und ein Haus, und er bekam beides. Sophie initiierte die Sophien- oder Weimarer Ausgabe, die zwischen 1887 und 1919 in vier Abteilungen und 143 Bänden erschien.[1] 1889 übergaben Schillers Nachkommen aus der Familie von Gleichen-Rußwurm dessen Nachlass derselben Einrichtung, und das Archiv erhielt den doppelten Namen, den es bis heute trägt. Es folgte der Neubau, eingeweiht am 28. Juni 1896[2] — das erste forschungsbasierte Literaturarchiv Deutschlands und die endgültige Gestalt jenes Satzes.

Quellen

  1. Geschichte des Goethe- und Schiller-Archivs — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
  2. Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach wird 200 — Klassik Stiftung Weimar (Blog), abgerufen am 29. August 2026

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten

Sophie, Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach

1824–1897Großherzogin • Sammlerin • Archivgründerin

Sie war Alleinerbin, und die Entscheidung, den Nachlass öffentlich zu machen, traf sie allein und sofort.

Johann Wolfgang von Goethe

1749–1832Dichter • Staatsmann • Naturforscher

Seine Handschriften sind der Nachlass, um den es geht; dreiundfünfzig Jahre nach seinem Tod kamen sie über das Testament des letzten Enkels in öffentliche Hand.

Epoche

Das Silberne Zeitalter

18321918

Der entscheidende Akt der Bewahrung in dieser Epoche: Was die Großherzöge gesammelt hatten, wurde für die Forschung benutzbar.

Alle Ereignisse der Weimarer Geschichte