Wilhelm IV., Herzog von Sachsen-Weimar
Biografie
Das Schloss, das 1774 brannte, trug ein Jahrhundert lang seinen Namen: die Wilhelmsburg. Wilhelm IV. baute die Weimarer Residenz aus dem wieder auf, was der Brand von 1618 übrig gelassen hatte, beaufsichtigte die Arbeiten selbst und stand der ersten großen Sprachgesellschaft der Deutschen vor — ein Herzog, dessen zwei bleibende Projekte ein Gebäude und ein Wortschatz waren.
Bauen mitten im Krieg
Am 11. April 1598 in Altenburg geboren, regierte er ab dem 1. Oktober 1626 in Weimar — quer durch den Dreißigjährigen Krieg und wieder heraus — und setzte die Residenz aus einer ausgebrannten Hülle wieder zusammen. Die Arbeiten beaufsichtigte er selbst, und seine Vorlieben ließ er mitbauen: mechanische Werke, eine Sternwarte und in der Schlosskirche eine gute Orgel, die er schließlich selbst zu spielen lernte.
Der Raum, den er sich baute — und wer ihn später nutzte
An dieser Kapelle wird aus seiner Geschichte die eines anderen. 1630 fertig, war sie jener Raum, den der Hof Himmelsburg nannte, und zwei Generationen nach seinem Tod spielte Johann Sebastian Bach dort neun Jahre lang die Orgel. Der Herzog, der eine Orgel in seinem Schloss haben wollte, bekam, ohne es zu wissen, die Akustik, die einen großen Teil der Weimarer Kantaten trug.
Oberhaupt der Fruchtbringenden Gesellschaft
Sein zweiter Rang war ein literarischer. Der Fruchtbringenden Gesellschaft gehörte er seit ihrer Gründung im Weimarer Schloss am 24. August 1617 an, unter dem Namen, den sie ihm gab: „der Schmackhafte“. Am 7. Mai 1651 wurde ihm ihr Oberhauptamt angetragen. Von da an bis zu seinem Tod wurde die erste große Sprachgesellschaft der Deutschen aus dieser Stadt geleitet. Er starb am 17. Mai 1662 in Weimar.
Werke & Leistungen
Wiederaufbau der Weimarer Residenz als Wilhelmsburg
Die Schlosskirche, später Himmelsburg genannt
Oberhaupt der Fruchtbringenden Gesellschaft ab 1651
Verbundene Orte in Weimar
Burgplatz 4, 99423 Weimar
Die barocke Wilhelmsburg an dieser Stelle ist sein Bau und sein Name; ihre Kapelle wurde zu Bachs Himmelsburg.
Historischer Kontext
Er ist der Bauherr der Epoche: die Residenz nach dem Brand von 1618 wieder aufgebaut, ab 1651 die Fruchtbringende Gesellschaft in seiner Hand.
Die anderthalb Jahrhunderte zwischen zwei Schlossbränden sind das Weimar, das auf keinem Plakat steht — und es ist das Weimar, das musikalisch wurde. Es beginnt 1618 mit einer ausgebrannten Burg und endet 1774 mit der nächsten; dazwischen schreibt Johann Sebastian Bach in einer Kapelle, die es nicht mehr gibt, den größten Teil seines Orgelwerks.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1598
1662
deutsch
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Die erste große Sprachgesellschaft der Deutschen entstand hier — ein Jahr, bevor das Schloss abbrannte, in dem sie gegründet wurde.
Mitglied vom Gründungstag an unter dem Namen „der Schmackhafte“ und ab 1651 Oberhaupt der Gesellschaft.
Das Renaissanceschloss brannte ab — und was an seine Stelle trat, gab Weimar eine barocke Residenz und schließlich Bachs Kapelle.
Der Herzog, der es wieder aufbaute und dessen Namen das neue Schloss trug.