Imaginata
Über diesen Ort
Die Imaginata in Jena versteht sich als „Experimentarium für die Sinne“: Lernort, Fortbildungslabor, Denkmal, Science Center, Konzertsaal und Galerie in einem, seit 1999 im ehemaligen Umspannwerk Jena-Nord zu Hause.[1] Auf 1700 Quadratmetern drinnen und über 3000 draußen warten mehr als 100 Mitmach-Stationen aus Mathematik, Physik, Technik und Biologie, die nicht nur Faktenwissen vermitteln, sondern vor allem die Vorstellungskraft in Gang setzen wollen.[2] Begonnen hat alles 1995 mit einer Sommerwoche voller Experimente rund um das Universitätshauptgebäude; die Imaginata zählt zu den ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.[3]
Eine Sommerwoche der Vorstellungskraft, 1991–1995
Die Idee wuchs aus dem Projekt „Imaginatives Lernen“, das 1991 an der Universität Tübingen begann, wo Peter Fauser und Otto Seydel das erste Konzept dafür zu Papier brachten; die Heidehof Stiftung förderte es schon in dieser frühen Phase und ist bis heute die wichtigste Unterstützerin der Imaginata. Im Juni 1995 gestalteten Studierende des Projektseminars mit Schülern und Lehrern Jenaer Schulen die erste Sommer-Imaginata, eine Woche, in der naturwissenschaftliche Stationen, Theaterprojekte und Konzerte das Universitätshauptgebäude und die Straßen und Plätze ringsum füllten.[3] Am 15. Dezember 1995 wurde der Verein Imaginata e.V. gegründet.[1] Ganz am Anfang stand eine Kugel von vier Metern Durchmesser aus bunten Holzleisten, gebaut vor dem Hauptgebäude am Fürstengraben und von dort zum Eichplatz gerollt, begleitet von der immer wiederkehrenden Frage der Passanten, was das denn bedeute.[4]
Ein Umspannwerk für eine Mark, 1997–2001
Am 29. Januar 1997 kaufte der Verein das 50-kV-Gebäude und den 30-kV-Teil des Umspannwerks Jena-Nord von den Stadtwerken Jena, am 3. Dezember 1999 den 110-kV-Teil von der Thüringer Energie AG, jeweils für eine D-Mark. 1999 bekam die Imaginata dort ihr festes Haus, und seither sind ihre Arbeit und die Besucherzahlen gewachsen, auf rund 40 000 im Jahr.[1] Nach Instandsetzung und Umbau begann im Frühjahr 1999 der Umzug; 2000 öffnete der Stationenpark erstmals für fünf Monate, von Juni bis November, und die Imaginata war mit einem kleinen Stationenpark und Theater bei der Thüringen-Woche im Deutschen Pavillon der EXPO 2000 in Hannover. 2001 kamen optische Experimente in die Boxengasse, die seitdem zum Stationenpark gehört.[3]
Denkmal, Hallen und die Kugel auf dem Dach, 2007–2026
Die große Schalthalle des alten Umspannwerks steht unter Denkmalschutz; an sie grenzt die Spielhalle, ein heller Raum von 415 Quadratmetern über zwei hohe Etagen, und zu den weiteren Räumen gehören die 7,70 Meter hohe Tonhalle und die Messwarte, ein Veranstaltungsraum in der einstigen technischen Schaltzentrale.[5] 2007 setzte eine Klasse der Fachoberschule Bautechnik des Berufsschulzentrums Göschwitz im Programm „denkmal aktiv“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eine Kugel von 4,5 Metern Durchmesser aus Eschenholzlatten, dem Netz eines Fußballs nachgeformt, auf das Dach, die Nachfolgerin der Kugel von 1995; 2011 erhielt die Imaginata den Thüringischen Denkmalschutzpreis in der Kategorie „Technisches Denkmal“.[4] Am 28. August 2026 feierte die Imaginata den 100. Geburtstag des Umspannwerks Jena-Nord.[6]
Der Stationenpark, ein Experimentarium für die Sinne
Das alte Umspannwerk, seine Schalthallen wie das Gelände ringsum, ist heute ein Erfahrungsfeld: Man nimmt wahr und staunt, spielt und grübelt, entdeckt und erfindet — und niemand schaut bloß zu, jeder probiert selbst. Die Anleitung für die Stationen ist knapp: Zeit nehmen, mit allen Sinnen beobachten, die Station ebenso wie sich selbst, und aus Beobachtungen und Irritationen Fragen machen; kurze Fragen und Anweisungen stehen auch auf den Stationstafeln.[2] Draußen warten eine begehbare Lochkamera, das Schiefe Haus von Jena, in dem Augen und Gleichgewichtssinn uneins werden, und das Haus der Riesenzwerge, in dem zwei Menschen in gegenüberliegenden Ecken ihre Größe zu wechseln scheinen.[7] Künftig soll das Thema Nachhaltigkeit im Stationenpark mehr Raum bekommen, mit neuen Stationen aus eigenen und regionalen Projekten.[2]
Imaginatives Lernen und die Jahresthemen, seit 1996
Den wissenschaftlichen Hintergrund bildete das Projekt „Imaginatives Lernen“ am Lehrstuhl für Schulpädagogik und Schulentwicklung der Universität Jena unter Professor Peter Fauser, der an einer Theorie der „Vorstellungs-Bildung“ und an Formen „verständnisintensiven Lernens“ arbeitete; am 10. Oktober 2019 erhielt die Bildungsarbeit des Vereins das Thüringer Qualitätssiegel für Bildung für nachhaltige Entwicklung, das 2022 erneuert wurde.[1] Dieser Lehrstuhl, die Geschäftsstelle des Schülerwettbewerbs Demokratisch Handeln und ein Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität haben ebenfalls ihren Sitz im Umspannwerk. Seit 1996 steht jedes Imaginata-Jahr unter einem Motto, von „licht.optik.sehen“ im ersten Jahr über „Hand und Fuß“ 2006 bis „Leben mit Naturmaterialien“ 2024, mit Lesungen, Konzerten, Wettbewerben und Happenings.[3]
Gärten, Energie und Reparaturcafés, 2024
Neben dem Stationenpark bietet die Imaginata Workshops und Projekte für Kinder und Erwachsene an, mit Schwerpunkten auf Energie, Klima und Nachhaltigkeit. Auf dem Außengelände sind Gemeinschaftsgärten und Anlagen für erneuerbare Energien entstanden, es gibt Tauschmärkte und Reparaturcafés, unterstützt vom Thüringer Umweltministerium.[3]
Besuch, heute
Die Imaginata liegt an der Löbstedter Straße und ist an der Kugel auf dem Dach und am Schriftzug gut zu erkennen. Zu Fuß sind es aus dem Zentrum rund 25 Minuten, über die Saalbahnhofstraße, die Fußgängerunterführung unter den Gleisen und etwa zwei Kilometer die Löbstedter Straße stadtauswärts; mit der Straßenbahn fahren die Linien 1 und 4 Richtung Zwätzen in etwa sieben Minuten bis zur Haltestelle Kieshügel, und Autofahrer nutzen den ausgeschilderten Parkplatz mit Einfahrt in der Ilmstraße.[8] Gruppen ab zehn Personen melden sich bitte an, und nach Voranmeldung sind Besuche auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich; Besucher des Zeiss-Planetariums erhalten am selben Tag eine Ermäßigung.[2]
Was Besucher fragen
- Was ist die Imaginata in Jena?
- Ein Experimentarium für die Sinne im ehemaligen Umspannwerk Jena-Nord, mit mehr als 100 Mitmach-Stationen aus Mathematik, Physik, Technik und Biologie drinnen und draußen, dazu Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und Workshops.[1][2]
- Wann hat die Imaginata geöffnet?
- In den Thüringer Schulferien täglich von 10 bis 18 Uhr, sonst montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr. Über den Jahreswechsel, vom 22. Dezember bis zum 18. Januar, ist geschlossen.[2][7]
- Was kostet der Eintritt?
- 11 Euro, ermäßigt 9 Euro, unter anderem für Familien, Schüler und Studierende; Kinder im Vorschulalter in Begleitung ihrer Eltern sind frei. Angemeldete Gruppen bekommen immer eine Führung.[2]
- Wie komme ich zur Imaginata?
- Mit der Straßenbahn Linie 1 oder 4 Richtung Zwätzen bis Kieshügel, etwa sieben Minuten ab Stadtzentrum, oder in rund 25 Minuten zu Fuß; der Parkplatz ist über die Ilmstraße erreichbar.[8]
Quellen (8)
- Die Idee der Imaginata — Imaginata e.V., abgerufen am 13. September 2026
- Stationenpark — Imaginata e.V., abgerufen am 13. September 2026
- Imaginata — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
- Chronik 2006–2016 — Imaginata e.V., abgerufen am 13. September 2026
- Räumlichkeiten und Vermietung — Imaginata e.V., abgerufen am 13. September 2026
- Festakt: 100 Jahre Umspannwerk — Imaginata e.V., abgerufen am 13. September 2026
- Mein Imaginata-Besuch — Imaginata e.V., abgerufen am 13. September 2026
- Anfahrt und Wegbeschreibung — Imaginata e.V., abgerufen am 13. September 2026
Besuchsinformationen
11 Euro, ermäßigt 9 Euro; Kinder im Vorschulalter in Begleitung frei. Gruppen ab 10 Personen nach Anmeldung, immer mit Führung.
Thüringer Schulferien: täglich 10–18 Uhr. Sonst Mo–Fr 10–15 Uhr, Sa–So 10–18 Uhr. Geschlossen vom 22. Dezember bis 18. Januar.
Löbstedter Straße 67, 07749 Jena
50.9435, 11.6021
Aus der Geschichte von Jena
Historische Orte
Fürstengraben 1, 07743 Jena
Die erste Sommer-Imaginata im Juni 1995 füllte das Hauptgebäude und die Straßen ringsum, und die erste Imaginata-Kugel wurde davor am Fürstengraben gebaut.
Leutragraben 1, 07743 Jena
Beim Thüringentag 2006 zeigte die Imaginata im über 100 Meter hohen Fahrstuhlschacht des Turms ihr Kugelfall-Experiment zum Nachweis der Erddrehung.
Rund um Weimar
19 km Östlich
Jenas Experimentarium für die Sinne, mit mehr als 100 Mitmach-Stationen im ehemaligen Umspannwerk Jena-Nord an der Löbstedter Straße.