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Historisches Gebäude
Erbaut 1908

Universitätshauptgebäude

Fürstengraben 1, 07743 Jena
Die steinerne Nordfassade des Universitätshauptgebäudes mit geschwungenem Staffelgiebel und Reihen von Sprossenfenstern; oben rechts eine gemeißelte Frauenfigur unter dem Wort PHILOSOPHIE; ein grünes Kupfervordach auf zwei Säulen überdacht ein rundbogiges Doppelportal mit Figurengruppen, am Fuß der rechten Säule ein Löwe; davor ein Wegweiser zum Hauptgebäude, Eingang Fürstengraben, eine Reihe Müllcontainer und ein belaubter Baum

Das Hauptportal am Fürstengraben, oben rechts die Allegorie der Philosophie, September 2026.

Das Hauptportal am Fürstengraben, oben rechts die Allegorie der Philosophie, September 2026.(Weimar Web)
Eine hohe Fassade mit strukturiertem Rauputz, geschwungenem Giebel und ovalem Fenster, Reihen weißer Sprossenfenster, ein rundbogiger Eingang mit Wandlaterne und drei vergitterte Bogenfenster im Erdgeschoss, darüber blauer Himmel mit Wolken

Eine der verputzten Seiten des Gebäudes, die sich an den Nachbarhäusern orientieren, September 2026.

Eine der verputzten Seiten des Gebäudes, die sich an den Nachbarhäusern orientieren, September 2026.(Weimar Web)
Eine hohe bedruckte Plane auf einem Metallgestell auf einer Rasenfläche, darauf in Schwarzweiß ein marmorner Student in altdeutscher Tracht mit Fahne auf einem gestuften Sockel mit der Inschrift Der Deutschen Burschenschaft 1883; dahinter Mauerwerk und Fenster des Universitätsgebäudes, ein Baum ragt über das Gestell

Die Einhausung des Burschenschaftsdenkmals im Vorgarten, die Plane mit dem Bild des Standbilds, September 2026.

Die Einhausung des Burschenschaftsdenkmals im Vorgarten, die Plane mit dem Bild des Standbilds, September 2026.(Weimar Web)

Über diesen Ort

Wo bis 1905 das Jenaer Stadtschloss stand, baute Theodor Fischer bis 1908 das Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität am Fürstengraben — unter den Hochschulbauten des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland einer der bedeutendsten.[1] Zum 350-jährigen Bestehen der Universität 1908 errichtet, gruppiert es seine Flügel um zwei Innenhöfe, greift den Maßstab der Altstadt auf und trägt Bauplastik von Bildhauern aus Stuttgart und Weimar.[2][1] In der Aula hängt Ferdinand Hodlers Wandbild vom Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, und im Vorgarten steht das älteste Burschenschaftsdenkmal Deutschlands, 1883 von dem Weimarer Bildhauer Adolf Donndorf geschaffen.[1][3]

Ein neues Hauptgebäude auf dem Schlossgelände, 1905–1908

Seit ihrer Gründung 1558 wuchs die Universität Jena stetig an Studenten und Mitarbeitern; und weil der Platz nicht mehr reichte, fiel der Entschluss, zum 350. Jubiläum 1908 ein neues Hauptgebäude zu bauen — dort, wo das alte Jenaer Schloss stand. Theodor Fischer setzte sich im Wettbewerb mit einem Entwurf durch, der neue Architekturvorstellungen mit alten Traditionen verband und sich nahtlos in die Altstadt fügte.[2] Der Bau folgt den Grundformen des abgerissenen Großherzoglichen Schlosses und wurde 1908 eröffnet.[4]

Höfe und Fassaden, 1908

Mit viel Gespür für den Universitätsbetrieb entwarf Fischer einen vielgestaltigen Baukörper, der ohne die damals übliche Prunkentfaltung auskommt. Die Flügel gruppieren sich um zwei unterschiedlich große Innenhöfe, getrennt vom Mitteltrakt mit der Aula; die Anlage wirkt geschlossen und ist doch bewusst asymmetrisch gegliedert, mit ausgewogenen Proportionen und lebendigen Raumfolgen statt strenger Achsen. Die Schauseiten im Norden und Osten tragen eine Natursteinverblendung in unregelmäßigem Raster, die verputzten Seiten im Süden und Westen nehmen die Nachbarhäuser auf.[1]

Turm und Schlossbrunnen, 1908

Der 42 Meter hohe Turm über quadratischem Grundriss bezeichnet den Haupteingang und dient als Orientierungspunkt in der Stadt; seine geschwungene, barock wirkende Haube mit vier kleinen Ecktürmchen prägt die Silhouette der Innenstadt, unter der Turmgalerie laufen Tierkreiszeichen als Relief. Im großen Innenhof steht der alte Schlossbrunnen, bekrönt von einer Nachbildung der einstigen Schlossturmhaube, mit Reliefs der Thüringer Flüsse Saale, Werra und Ilm und einem Bismarck-Bildnis.[1]

Die Fakultäten und das Hauptportal, um 1908

Ein Bau sollte nach Fischer durch Silhouette und Proportionen wirken, die Bauplastik nur betonen, was die Architektur vorgab: Portale, Giebel, Fensterbögen. Platzierung und Formen legte er selbst fest, die Ausführung übertrug er vier Bildhauern, Ludwig Habich und Ernst Neumeister aus Stuttgart, Adolf Brütt und Arno Zauche aus Weimar, deren Gipsmodelle auf seinen Wunsch erhalten blieben. Hoch an der Nordseite stehen Frauengestalten in Roben für die vier Fakultäten von 1908: die Theologie mit dem an die Brust gedrückten Kreuz, die Rechtswissenschaft mit Schwert und Gesetzbuch, die Medizin mit entblößter Brust und Totenkopf, die Philosophie mit ägyptischem Kopfschmuck und aufgeschlagenem Buch. Über dem Hauptportal ruht ein Vordach auf zwei Säulen, an deren Basen ein Löwe und wohl eine Hydra sitzen; auf dem Mittelpfeiler steht eine Frau mit Spiegel, die Wahrheit, daneben ein Liebespaar sowie ein alter und ein junger Mann, vielleicht ein Bild für die Weitergabe des Wissens.[2]

West-, Süd- und Ostseite, um 1908

An der Westseite blickt Neumeisters Christushaupt zur Stadtkirche; die Südgiebel tragen Habichs ruhenden Jüngling und ruhendes Mädchen und eine ephesische Diana, und das Ostportal, als Eingang zum archäologischen Museum gestaltet, zeigt Odysseus und Polyphem, Prometheus, Ariadne, einen Phönix und antike Masken.[2]

Hodlers Wandbild und die Innenräume, 1908–1914

Im Inneren bilden Treppenhäuser, Vestibüle und Flure ein sorgfältig komponiertes Gefüge; an der Farbgestaltung wirkte Fischers Assistent Bruno Taut mit, an der Ausstattung die Deutschen Werkstätten Hellerau. Vom alten Schloss überlebten einzelne Stücke im Neubau: eine Barocktür von 1738, Stuckdecken, eine Bauinschrift des 16. Jahrhunderts. Der Höhepunkt ist die Aula mit Ferdinand Hodlers Wandbild „Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“; der Senatssaal bewahrt Arbeiten von Auguste Rodin und Ludwig von Hofmann.[1] Zu Beginn des Ersten Weltkriegs führte eine Kampagne, die Gelehrte wie Ernst Haeckel und Rudolf Eucken befeuerten, dazu, dass das seit 1908 im Hauptgebäude hängende Gemälde verbrettert wurde.[4]

Kriegsschäden und Sanierung, 1945–2015

Bei den Luftangriffen auf Jena im Februar und März 1945 wurde auch das Hauptgebäude getroffen.[4] 1949 wurde es instand gesetzt und von 1990 bis 1993 denkmalgerecht saniert; wegen seines sachlich-funktionalen Übergangsstils gilt es als Vorläufer der modernen Architektur und steht als Gesamtkunstwerk unter Denkmalschutz.[1] 2015 folgten weitere Sanierungen mit zusätzlichen Zonen für das Selbststudium.[4]

Das Burschenschaftsdenkmal, 1815–1883

Am 12. Juni 1815 wurde in Jena die erste deutsche Burschenschaft gegründet; daran erinnert das Denkmal. Geschaffen hat es 1883 der Weimarer Bildhauer Adolf Donndorf. Aus einem Block Carrara-Marmor gehauen, ist die Figur 3,30 Meter hoch: ein junger Student, den Blick in die Ferne gerichtet, gekleidet in die altdeutsche Tracht, die 1819 verboten wurde; in der Rechten hält er die Fahne der Urburschenschaft, mit der Linken drückt er das Schwert an die Brust. Auf der Fahne steht „Von den Frauen und Jungfrauen zu Jena am 31. März 1816“, auf dem Schwert „Fürs Vaterland“, und am Sockel aus Jenaer Kalkstein sitzen vier Bronzemedaillons mit dem Wappen und den Bildnissen der Gründer Karl Hermann Scheidler, Heinrich Riemann und Carl Horn. Kein Burschenschaftsdenkmal in Deutschland ist älter.[3]

Vom Eichplatz an den Fürstengraben, 1883–1951

Sein erster Platz war der Eichplatz vor der Burschenschaftseiche.[3] 1947, bei der Umgestaltung des Eichplatzes zum 100-jährigen Jubiläum der Firma Carl Zeiss, wurde das Standbild abgebaut und im Innenhof des Universitätshauptgebäudes zwischengelagert; 1951 kam es in den Vorgarten am Fürstengraben.[5]

Das Denkmal in seiner Einhausung, 2009–2022

Im Oktober 2009 finanzierte die Deutsche Burschenschaft eine Einhausung, die den Marmor im Winter schützen sollte. Nach einer großflächigen Farbattacke im Juni 2011 kamen die Restauratoren zu dem Schluss, dass das Denkmal künftig an einen geschützten Innenstandort gehört; 2015 und 2016 wurde es umfassend restauriert.[5] Seitdem bleibt es ganzjährig eingehaust, und die Planen, die es schützen, tragen sein Bild.[6] Wo und wie das Denkmal künftig gezeigt werden soll, wird in der Stadt diskutiert, so auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion in der Rathausdiele am 31. Oktober 2022.[6]

Das historische Hauptgebäude der Universität, heute

Die 1558 gegründete Friedrich-Schiller-Universität zählt zu den ältesten Universitäten Deutschlands; zu ihr gehören das Historische Hauptgebäude am Fürstengraben 1, das Collegium Jenense als Gründungsstätte der Universität und der Campus am Ernst-Abbe-Platz. Visit Jena bietet eine virtuelle Entdeckungstour durch das Hauptgebäude an.[7]

Was Besucher fragen

Wer hat das Universitätshauptgebäude in Jena entworfen?
Theodor Fischer, der den Wettbewerb für den Neubau gewann; gebaut wurde von 1905 bis 1908, und vier Bildhauer aus Stuttgart und Weimar führten die von ihm geplante Bauplastik aus.[1][2]
Was stand vorher an dieser Stelle?
Das Jenaer Stadtschloss. Fischers Bau nimmt dessen Grundriss auf, und manches Stück des Schlosses lebt im Neubau weiter: eine Barocktür von 1738, Stuckdecken und eine Bauinschrift des 16. Jahrhunderts.[4][1]
Wo ist Ferdinand Hodlers Gemälde der Studenten von 1813?
Es hängt seit 1908 in der Aula des Hauptgebäudes; auch der Senatssaal besitzt Kunst von Rang, Arbeiten von Auguste Rodin und Ludwig von Hofmann.[1][4]
Was ist das Denkmal vor dem Gebäude?
Das Burschenschaftsdenkmal des Weimarer Bildhauers Adolf Donndorf, 1883 auf dem Eichplatz zur Erinnerung an die 1815 in Jena gegründete erste deutsche Burschenschaft errichtet und seit 1951 im Vorgarten am Fürstengraben.[3][5]
Warum ist das Burschenschaftsdenkmal verhüllt?
Das Marmorstandbild wurde 2011 bei einem Farbanschlag stark beschädigt und 2015 und 2016 restauriert; seitdem steht es ganzjährig in einer Einhausung, deren Planen sein Bild zeigen.[5][6]

Quellen (7)

  1. Universitätshauptgebäude — Kulturdenkmale in Jena (JenaKultur), abgerufen am 13. September 2026
  2. Bauplastik am Universitätshauptgebäude — Friedrich-Schiller-Universität Jena, abgerufen am 13. September 2026
  3. Burschenschaftsdenkmal (Jena) — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
  4. Friedrich-Schiller-Universität Jena — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
  5. Burschenschaftsdenkmal — JenaKultur, abgerufen am 13. September 2026
  6. Kontroverses Denkmal in Jena: Der Bursche am Universitätshauptgebäude — JenaKultur-Blog, abgerufen am 13. September 2026
  7. Friedrich-Schiller-Universität Jena — JenaKultur / Visit Jena, abgerufen am 13. September 2026

Besuchsinformationen

Lage

Fürstengraben 1, 07743 Jena

Aus der Geschichte von Jena

Historische Orte

ImaginataScience Center

Löbstedter Straße 67, 07749 Jena

Die erste Sommer-Imaginata im Juni 1995 füllte das Hauptgebäude und die Straßen ringsum, und die erste Imaginata-Kugel wurde davor am Fürstengraben gebaut.

Rund um Weimar

Jena

19 km Östlich

Das Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität, 1905–1908 von Theodor Fischer auf dem Gelände des Stadtschlosses errichtet, mit Hodlers Wandbild in der Aula und dem Burschenschaftsdenkmal im Vorgarten.