Markt
Über diesen Ort
Der Jenaer Markt ist ein rundum geschlossener Platz von 5.000 Quadratmetern mitten in der Altstadt, und seinen Umriss hat er nie verändert.[1] An der Südwestseite steht eines der ältesten erhaltenen Rathäuser Deutschlands, in den 1360er Jahren zuerst erwähnt, mit barockem Fachwerkturm und spitz zulaufenden Walmdächern; zur vollen Stunde lässt seine Kunstuhr aus dem 15. Jahrhundert den Schnapphans nach einer goldenen Kugel schnappen, eines der Sieben Wunder Jenas.[2] In der Mitte erinnert der Hanfried an Johann Friedrich I., der die Hohe Schule gründen ließ, aus der die Universität hervorging, und der seine letzten Lebensjahre in Weimar verbrachte.[3] An der Nordseite beherbergt die spätgotische Göhre das Stadtmuseum mit Jenas Geschichte von der Ersterwähnung bis in die Zeiss-Zeit, und an vier Tagen der Woche füllt der Wochenmarkt den Platz mit regionalen Lebensmitteln.[4][1]
Ein Marktort mit Münzrecht, 1175–1400
Um 1175/80 erhielt der Marktort Jena das Münzrecht. Der Platz misst 5.000 Quadratmeter, ist ringsum bebaut und hat seinen Umriss über die ganze Zeit seines Bestehens behalten. Seit den 1360er Jahren ist das Rathaus am Markt urkundlich belegt, und ab dem Ende des 14. Jahrhunderts wuchs rund 50 Meter nördlich die Stadtkirche empor.[1]
Das Rathaus: Markthalle und Trauzimmer, um 1377–1968
Das zweigeschossige Doppelhaus mit den spitz zulaufenden Walmdächern wird in den 1360er Jahren zum ersten Mal erwähnt und gehört damit zu den ältesten erhaltenen Rathäusern Deutschlands. Nach dem Umbau um 1377, der ältere Bauten einbezog, verkauften Bäcker, Fleischer und Händler ihre Waren in der vierschiffigen Halle des Erdgeschosses. Im Obergeschoss liegt die Rathausdiele, deren Holzdecke im Lauf der Jahrhunderte mehrfach neu bemalt wurde — die heutige Fassung stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die restaurierte Bürgermeisterstube, eine marmoriert gefasste Holzstube mit prächtiger Tür von 1683, ist seit 1968 das Trauzimmer.[2]
Turm und Schnapphans, um 1500–1755
Der achtseitige Barockturm zwischen den steilen Dächern entstand 1755 und trägt das berühmteste Stück des Rathauses: eine prunkvolle astronomische Kunstuhr aus dem 15. Jahrhundert. In ihrer Mitte sitzt der Schnapphans, eine um 1500 geschnitzte, farbig gefasste Büste aus Eichenholz, die bei jedem Stundenschlag zur vollen Stunde nach einer goldenen Kugel schnappt und sie doch nie erwischt. Seit er in den Turm umzog, hat der auch „Hans von Jhene“ genannte Kopf Gesellschaft: einen Pilger, der ihm die Kugel hinhält, und einen Engel mit Glöckchen. Der Schnapphans zählt zu den Sieben Wundern Jenas.[2]
Der Hanfried, 1548–1858
Das Denkmal in der Platzmitte zeigt Johann Friedrich I. von Sachsen, den Großmütigen, den die Jenaer Hanfried nennen. Er führte den Schmalkaldischen Bund, das Bündnis der Protestanten, verlor 1547 den Krieg gegen den Kaiser und geriet in Gefangenschaft — und gerade dort ließ er die Hohe Schule in Jena gründen, als Ersatz für die verlorene Universität Wittenberg; 1558, nach seinem Tod, wurde sie zur Universität erhoben. 1552 wieder frei, verbrachte er seine letzten Jahre in Weimar und ruht an der Seite seiner Frau Sibylle in der Weimarer Stadtkirche. Friedrich Drakes Standbild wurde 1858 zur 300-Jahr-Feier der Universität aufgestellt.[3]
Die Göhre und das Stadtmuseum, 13. Jahrhundert–1988
Das Haus an der Nordseite des Marktes ist das einzige noch sichtbare Fachwerkgebäude der einst ummauerten Jenaer Kernstadt. Seine Grundmauern reichen ins 13. Jahrhundert zurück; 1557, genau in der Gründungszeit der Universität, wurde es mit einem Fachwerk-Obergeschoss und hohem Dach weitgehend neu errichtet, und aus dieser Zeit stammen auch die großen Vorhangbogenfenster. Jahrhundertelang wohnten hier die Marktmüller, und seinen Namen verdankt es Paul Göhre, der es 1893 kaufte und hier einen Weinhandel und ein beliebtes Weinrestaurant betrieb. Das lange verputzte Fachwerk kam wieder zum Vorschein, als das Haus zum Stadtmuseum umgebaut wurde, das hier 1988 neu eröffnete; gegründet hatte das Museum 1901 der Kunsthistoriker Paul Weber.[4]
Im Museum: von der Ersterwähnung bis zu Zeiss
Dauer- und Wechselausstellungen zeigen die vielen Seiten der Jenaer Stadtgeschichte. Drei Stücke lohnen den Weg für sich allein: ein Abendmahlskelch aus dem 16. Jahrhundert, eine Pietà aus der Werkstatt der Parler und die erste Fahne in Schwarz-Rot-Gold — die Farben, unter denen die demokratische Verfassungsbewegung antrat; auch Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott haben ihren Platz, und eine Dauerausstellung widmet sich Napoleon und der Schlacht von 1806.[5] Ein Zeitstrahl im Treppenhaus begleitet den Besucher über vier Ausstellungsebenen von der Ur- und Frühzeit bis 1850, vorbei an der ersten Nennung Jenas um 830/850, und das Treppenhaus öffnet sich zur neugotischen „Neuen Göhre“ nebenan mit den Ausstellungen der Kunstsammlung Jena.[6]
Märkte auf dem Platz, heute
An vier Tagen in der Woche findet auf dem Markt der Wochenmarkt mit regionalen Lebensmitteln statt, und jedes Jahr kommen Töpfermarkt, Frühlingsmarkt und Weihnachtsmarkt auf den Platz.[1]
Was Besucher fragen
- Was ist der Schnapphans?
- Eine um 1500 geschnitzte, farbig gefasste Eichenholzbüste in der Kunstuhr des Jenaer Rathausturms; bei jedem Schlag zur vollen Stunde schnappt sie vergeblich nach einer goldenen Kugel, die ihr ein Pilger hinhält, während ein Engel ein Glöckchen läutet. Sie gehört zu den Sieben Wundern Jenas.[2]
- Wie alt ist das Jenaer Rathaus?
- Es wird in den 1360er Jahren zuerst erwähnt und gehört zu den ältesten erhaltenen Rathäusern Deutschlands; um 1377 wurde es umgebaut, der barocke Turm stammt von 1755.[2]
- Wer ist der Hanfried?
- Johann Friedrich I. von Sachsen, der Großmütige, der die Hohe Schule in Jena gründen ließ, aus der 1558 die Universität wurde. Sein Standbild von Friedrich Drake steht seit 1858 auf dem Markt; seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Weimar, wo er in der Stadtkirche begraben ist.[3]
- Was zeigt das Stadtmuseum am Markt?
- Jenas Geschichte von der Ersterwähnung bis ins 19. Jahrhundert, mit Stücken wie einem Abendmahlskelch des 16. Jahrhunderts, einer Pietà der Parler-Werkstatt und der ersten schwarz-rot-goldenen Fahne, dazu Ausstellungen zu Zeiss, Abbe und Schott und zu Napoleon und 1806.[5]
- Wann ist Markt?
- Der Wochenmarkt findet an vier Tagen der Woche statt; außerdem kommen Töpfermarkt, Frühlingsmarkt und Weihnachtsmarkt auf den Platz.[1]
Verbundene Persönlichkeiten
Herzog • Kurfürst
Sein Standbild, der Hanfried, steht seit 1858 in der Mitte des Platzes, zur 300-Jahr-Feier der Universität, die er als Hohe Schule gründen ließ.
Quellen (6)
- Markt (Jena) — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
- Historisches Rathaus — JenaKultur / Visit Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Johann Friedrich I. (Sachsen) — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
- Hausgeschichte — Städtische Museen Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Stadtmuseum Jena — JenaKultur / Visit Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Stadtmuseum Jena — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
Besuchsinformationen
Stadtmuseum Jena (Markt 7): Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr, Montag geschlossen; an jedem letzten Sonntag im Monat freier Eintritt.
Markt, 07743 Jena
50.9282, 11.5880
Aus der Geschichte von Jena
Rund um Weimar
19 km Östlich
Der Marktplatz im Herzen der Jenaer Altstadt mit Rathaus, Hanfried und Stadtmuseum.