Gründung der Großherzoglichen Kunstschule, 1. Oktober 1860
Ein Großherzog gründete aus der eigenen Tasche eine Kunstschule; neunundfünfzig Jahre später war sie die eine Hälfte des Bauhauses.
Zum 1. Oktober 1860 gründete Großherzog Carl Alexander in Weimar eine Kunstschule und finanzierte sie aus der Privatschatulle statt aus der Staatskasse. Sie begann allein mit Malereiklassen — und aus ihr ging die Universität hervor, die heute in der Stadt arbeitet.
Eine private Schule, keine staatliche
Der Unterschied ist wesentlich, und das Universitätsarchiv benennt ihn ausdrücklich: Es handelte sich um eine private, aus fürstlichem Vermögen bezahlte Einrichtung.[1] Das verschaffte ihr eine ungewöhnliche Freiheit, und das Archiv vermerkt, dass sich die Schule bald von den akademischen Traditionen löste und andere Wege ging, als der Hof erwartet hatte. Ein Fürst, der eine Schule zur Bewahrung des klassischen Erbes gründete, hatte damit etwas finanziert, das ihm alsbald nicht mehr gehorchte.
Die Maler, die aus ihr hervorgingen
Ihre Lehrer und Schüler wurden gemeinsam als Weimarer Malerschule bekannt — ein Begriff, den das Stadtmuseum für die vielen Maler verwendet, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert in dieser kleinen Residenzstadt wirkten, die meisten von ihnen Lehrer oder Schüler der Kunstschule Carl Alexanders.[2] Ihr wiederkehrender Gegenstand war Weimar selbst, eine Stadt, die sich seit dem Eisenbahnanschluss von 1846/47 überall modernisierte, und das Stadtmuseum sagt ausdrücklich, dass sie diese Entwicklungen mit kritischen Augen sahen: Sie malten nicht nur wichtige Bauten, Straßen und Plätze, sondern insbesondere die Stadtränder, die damals noch stark ländlich wirkten. Diese Bilder hängen heute im Museum Neues Weimar, das 1869 als Großherzogliches Museum eröffnete[3] — dasselbe Jahrzehnt, dasselbe fürstliche Programm.
Wie daraus das Bauhaus wurde
Am 17. Juni 1902 wurde die Schule dem Staatsministerium unterstellt, und am 3. Juni 1910 — zum fünfzigjährigen Bestehen, inzwischen auch mit Bildhauerausbildung — erhob Großherzog Wilhelm Ernst sie in den Rang einer Hochschule für bildende Kunst.[1] Neun Jahre später wurde sie mit der Kunstgewerbeschule vereinigt und umbenannt: Staatliches Bauhaus. Das Universitätsarchiv nennt diese Schule und die Kunstgewerbeschule als die beiden Vorläufer des Bauhauses — womit die private Malklasse eines konservativen Großherzogs zum direkten Vorfahren der meistexportierten Idee der modernen Gestaltung wird.
Quellen
- Universitätsgeschichte — Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Mit den Augen der Weimarer Malerschule — Stadtmuseum Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Museum Neues Weimar — Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1818–1901 • Großherzog • Mäzen
Er gründete sie und bezahlte sie selbst — die deutlichste Einzelhandlung seines Programms für die Stadt.
Historische Orte
Historische Orte
Geschwister-Scholl-Straße 8, 99423 Weimar
Die Universität geht aus dieser Schule hervor; das Bauhaus von 1919 entstand aus ihr und aus van de Veldes Kunstgewerbeschule.
Jorge-Semprún-Platz 5, 99423 Weimar
Das Museum verwahrt die Weimarer Malerschule — jene Maler, die an dieser Schule lehrten oder lernten.
Epoche
1832–1918
Für die Kunst der Epoche das, was die Berufung Liszts für ihre Musik war.